Tanzstunde
- am 04.20.10
- Erlebnisse
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Sachen gibts.
Momentan ist meine Laune grundsätzlich am Nullpunkt angelangt. In erster Linie hat dies mit meiner aktuell anstehenden Arbeit zu tun, die dazu führt, dass ich nicht nur am Wochenende, sondern auch wochentags auch mal bis 1.00 Uhr nachts arbeite, so vermutlich auch heute wieder. Über die Einzelheiten hülle ich an dieser Stelle mal den Mantel des Schweigens, Tatsache ist allerdings, dass ich gerade derartig über so manch Arbeitsplanung kotzen könnte, als gäbe es kein Morgen.
Deshalb schnell zum Thema. In einigen Monaten steht eine Veranstaltung ins Haus, bei der es im Allgemeinen von Vorteil ist, wenn man gewisse Standardtänze beherrscht. Walzer, Foxtrott, Cha-Cha (-Cha! Bei mir muss immer noch ein “Cha” ran!). Vor einiger Zeit wurde dieses Thema im engeren Freundeskreis diskutiert, dass man doch unbedingt mal einen Tanzkurs machen müsste, man wisse ja nie, wer einen auf besagter Veranstaltung zum Tanz auffordern würde und dann wäre es doch sehr peinlich, wenn man dann nur so tun kan als ob.
Die meisten männlichen Diskussionsteilnehmer fanden “nur so tun als ob” gar nicht weiter schlimm, doch als meine liebe Freundin – nennen wir sie einfach mal N – zum Geburtstag von versammelter Mannschaft einen Tanzkurs geschenkt bekam, gab es für uns Jungens, und da natürlich auch für mich, kein Zurück mehr.
Und heute war nun also die erste Tanzstunde. Wir erinnern uns: ich Ewigkeiten nicht ausreichend geschlafen, einen Hals von hier bis Hamburg und dann auch noch nicht mal frisch geduscht und rausgeputzt, weil direkt von der Arbeit eingetroffen. Als ich 14 war, war ich mit meinem damaligen besten Freund auch schon mal in der Tanzschule. Tanzschule Prinz in Husum. Wir beide, vermutlich aus Gruppenzwang hochmotiviert, ne flotte Sohle aufs Parkett zu legen. Doch was wir in der Eile vergessen hatten, war Tanzpartnerinnen mitzunehmen. Dementsprechend wies uns der Tanzlehrer ohne Umschweife zwei etwa zwölfjährige Mädchen zu, die nicht nur eineiige Zwillinge, sondern auch noch derartig tumb waren, dass ab diesem Moment die ganze Gelegenheit von vornherein zum Scheitern verurteilt war.
Eine weitere kleine Anekdote kommt gleich noch. Jetzt aber noch nicht gucken, sondern hier erst mal weiterlesen:
Zurück zur heutigen Tanzstunde. Etwa 20 Paare, altersmäßig gemischt von sagenwirmal knapp 30 bis fast 50 warten darauf, dass es losgeht. Wir Jungs eher mit Skepsis, die Mädels quietschten allerdings schon vor Freude. Und ich wie gesagt nicht geschlafen, grummelig und mit enormem Tunnelblick.
Und dann ging es also los. Unser Tanzlehrer, ein im besten Sinne sehr motivierter, freundlicher, aber auch dezent unaufdringlicher Herr in unserem Alter sowie seine Kollegin, eine eher stille und professionell wirkende Dame legten los. Langsaaaam. Tap-tap-klatsch. Tap-tap-klatsch-klatsch. Langsamer Walzer. Rumba. Wienerwalzer. Swing.
Und? Verdammte Axt, es hat wirklich Spaß gemacht und mir sowas von den Tag gerettet, so dass ich mich jetzt auch gar nicht mehr wirklich ärgere, dass ich hier wieder im Büro sitze. Ey! Ich! Walzer! Puhahaha! Krass. N meinte zwar zwischendurch, ich würde “wie eine Schachtel Cornflakes tanzen”, aber hey – ich tanze! Und hab Spaß! Toll. – Alle anderen mitgekommenen Jungs sehen das übrigens genauso. Und die Fraun natürlich sowieso. Klaro.
Bleibt noch die versprochene Anekdote von gerade eben. Zurück im Jahr 1994 (oder so). Ich also 14 Jahre alt mit seltsamer Tanzpartnerin in der Tanzschule Prinz. Heute zu lernen: Discofox! – Ich kann heute nicht behaupten, dass Discofox mein liebster Tanzstil wäre, ganz im Gegenteil: ich HASSE Discofox und alles, was dazugehört. Deutsche Bum-Bum-Schlagermusik, Ü-30-Partys, kreischende, wild geschminkte Frauen, Ballermann, Exzess, Vergiftung durch zu viel Spaß. Lediglich mit dem dazugehörigen Saufen kann ich mich gelegentlich anfreunden. Aber das nur am Rande.
Jedenfalls sollte ich in dieser Tanzschule bzw. kurz darauf den schwächsten Moment meines Lebens erfahren. Wir lernen also Discofox und ich komm mit den Schritten nicht hinterher. Wieso soll man bei einem geraden 4/4-Beat überhaupt eine ungeraden Tanzschritt tanzen? Das verstehe ich bis heute nicht. Trotzdem lag an dem Tag irgendetwas Magisches in der Luft. Und als dann der Tanzschul-DJ bzw. der Tanzlehrer das Musikstück wechselte, hatte ich einen geradezu spirituellen Moment. Und so fegte ich zu den Klängen von Captain Hollywood und seinem damaligen Superhit “More and More” übers Parkett, dass die anderen nur staunen konnten. Und was war das in diesem Moment doch für eine endgeile Musik! Und da! Der nächste Track! Haddaway! What Is Love! – Ich war wie in Trance. Und das meine ich wirklich so.
Nun sollte man denken, das wäre schon der angesprochene schwächste Moment gewesen, aber von wegen. Denn als die Tanzstunde dann vorbei war, fand ich mich auf meinem Fahrrad in Richtung Wandmaker (vielleicht vergleichbar mit einer verhältnismäßig kleinen real,– Filiale) wieder, um mir dort nicht nur die Haddaway-Maxi-CD, sondern auch gleich das komplette Captain Hollywood-Album zu kaufen. “Love is not Sex”! Aufgrund des Titels wurde ich an der Kasse sogar noch ein bisschen rot, aber als ich draußen war hatte ich mein Objekt der Begierde und wusste: ich würde großer Discofox-Tänzer werden. Oder aber großer Captain Hollywood-Fan.
Das war super heute, mach’ nicht mehr so lange, und wir sehen uns in der nächsten Woche zum Cha Cha (Cha).
Und das Problem mit dem sinnlosen-vom-4/4-Takt-abweichen habe ich auch.. die spinnen doch.
Schüss.
Tanzschule muss ich auch nochmal machen.. Fehlt blos ‘ne Partnerin… Obwohl, sollte ja eigentl. ‘ne gute Kontaktbörse sein – gibt bestimmmt auch Kurse für Singles…