Neulich in Berlin

Ich war letztes Wochenende mal kurz in Berlin und habe dort ganz nebenbei zwei Gespräche belauscht, die ich hier einfach mal gerne zum besten geben mag:

Gespräch bzw. Monolog 1: Zwei bzw. ein etwa 18jähriges Mädchen im ICE auf dem Weg nach Berlin:

Ey, weißt du wo wir auch noch mal hinmüssen? Zu diesen Steinen, kennst du die? Das sind voll viele und die sind voll groß, da kann man sich daneben stellen und sich fotografieren lassen. Ey, die sind voll cool!

Nunja. Schnell zu Gespräch 2, vier etwa 13-15jährige Checker mit Migrationshintergrund, im Bus, hinterste Reihe.

Checker 1: Ey scheiße, sch hab in Mathe voll die 5 gekriegt weil mein Lehrer misch nisch abkann. Scheiße ey! Deswegen werd isch jetz vielleisch nisch versetzt ey!
Checker 2: Du Opfer! Du hast keine 5 gekriegt, weil dein Lehrer disch nisch abkann, sondern weil du nisch lernst! Du musst mehr für die Schule tun, dann kriegste auch keine 5! Was meinst du was passiert, wenn du auf der Arbeit zum Scheff sagen musst, isch hab ne 5 in Mathe weil mein Lehrer misch nisch abkann! Voll die Scheiße, die du da laberst, ey!

Was es nicht alles gibt.

Tanzstunde

Sachen gibts.

Momentan ist meine Laune grundsätzlich am Nullpunkt angelangt. In erster Linie hat dies mit meiner aktuell anstehenden Arbeit zu tun, die dazu führt, dass ich nicht nur am Wochenende, sondern auch wochentags auch mal bis 1.00 Uhr nachts arbeite, so vermutlich auch heute wieder. Über die Einzelheiten hülle ich an dieser Stelle mal den Mantel des Schweigens, Tatsache ist allerdings, dass ich gerade derartig über so manch Arbeitsplanung kotzen könnte, als gäbe es kein Morgen.

Deshalb schnell zum Thema. In einigen Monaten steht eine Veranstaltung ins Haus, bei der es im Allgemeinen von Vorteil ist, wenn man gewisse Standardtänze beherrscht. Walzer, Foxtrott, Cha-Cha (-Cha! Bei mir muss immer noch ein “Cha” ran!). Vor einiger Zeit wurde dieses Thema im engeren Freundeskreis diskutiert, dass man doch unbedingt mal einen Tanzkurs machen müsste, man wisse ja nie, wer einen auf besagter Veranstaltung zum Tanz auffordern würde und dann wäre es doch sehr peinlich, wenn man dann nur so tun kan als ob.

Die meisten männlichen Diskussionsteilnehmer fanden “nur so tun als ob” gar nicht weiter schlimm, doch als meine liebe Freundin – nennen wir sie einfach mal N – zum Geburtstag von versammelter Mannschaft einen Tanzkurs geschenkt bekam, gab es für uns Jungens, und da natürlich auch für mich, kein Zurück mehr.

Und heute war nun also die erste Tanzstunde. Wir erinnern uns: ich Ewigkeiten nicht ausreichend geschlafen, einen Hals von hier bis Hamburg und dann auch noch nicht mal frisch geduscht und rausgeputzt, weil direkt von der Arbeit eingetroffen. Als ich 14 war, war ich mit meinem damaligen besten Freund auch schon mal in der Tanzschule. Tanzschule Prinz in Husum. Wir beide, vermutlich aus Gruppenzwang hochmotiviert, ne flotte Sohle aufs Parkett zu legen. Doch was wir in der Eile vergessen hatten, war Tanzpartnerinnen mitzunehmen. Dementsprechend wies uns der Tanzlehrer ohne Umschweife zwei etwa zwölfjährige Mädchen zu, die nicht nur eineiige Zwillinge, sondern auch noch derartig tumb waren, dass ab diesem Moment die ganze Gelegenheit von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

Eine weitere kleine Anekdote kommt gleich noch. Jetzt aber noch nicht gucken, sondern hier erst mal weiterlesen:

Zurück zur heutigen Tanzstunde. Etwa 20 Paare, altersmäßig gemischt von sagenwirmal knapp 30 bis fast 50 warten darauf, dass es losgeht. Wir Jungs eher mit Skepsis, die Mädels quietschten allerdings schon vor Freude. Und ich wie gesagt nicht geschlafen, grummelig und mit enormem Tunnelblick.

Und dann ging es also los. Unser Tanzlehrer, ein im besten Sinne sehr motivierter, freundlicher, aber auch dezent unaufdringlicher Herr in unserem Alter sowie seine Kollegin, eine eher stille und professionell wirkende Dame legten los. Langsaaaam. Tap-tap-klatsch. Tap-tap-klatsch-klatsch. Langsamer Walzer. Rumba. Wienerwalzer. Swing.

Und? Verdammte Axt, es hat wirklich Spaß gemacht und mir sowas von den Tag gerettet, so dass ich mich jetzt auch gar nicht mehr wirklich ärgere, dass ich hier wieder im Büro sitze. Ey! Ich! Walzer! Puhahaha! Krass. N meinte zwar zwischendurch, ich würde “wie eine Schachtel Cornflakes tanzen”, aber hey – ich tanze! Und hab Spaß! Toll. – Alle anderen mitgekommenen Jungs sehen das übrigens genauso. Und die Fraun natürlich sowieso. Klaro.

Bleibt noch die versprochene Anekdote von gerade eben. Zurück im Jahr 1994 (oder so). Ich also 14 Jahre alt mit seltsamer Tanzpartnerin in der Tanzschule Prinz. Heute zu lernen: Discofox! – Ich kann heute nicht behaupten, dass Discofox mein liebster Tanzstil wäre, ganz im Gegenteil: ich HASSE Discofox und alles, was dazugehört. Deutsche Bum-Bum-Schlagermusik, Ü-30-Partys, kreischende, wild geschminkte Frauen, Ballermann, Exzess, Vergiftung durch zu viel Spaß. Lediglich mit dem dazugehörigen Saufen kann ich mich gelegentlich anfreunden. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls sollte ich in dieser Tanzschule bzw. kurz darauf den schwächsten Moment meines Lebens erfahren. Wir lernen also Discofox und ich komm mit den Schritten nicht hinterher. Wieso soll man bei einem geraden 4/4-Beat überhaupt eine ungeraden Tanzschritt tanzen? Das verstehe ich bis heute nicht. Trotzdem lag an dem Tag irgendetwas Magisches in der Luft. Und als dann der Tanzschul-DJ bzw. der Tanzlehrer das Musikstück wechselte, hatte ich einen geradezu spirituellen Moment. Und so fegte ich zu den Klängen von Captain Hollywood und seinem damaligen Superhit “More and More” übers Parkett, dass die anderen nur staunen konnten. Und was war das in diesem Moment doch für eine endgeile Musik! Und da! Der nächste Track! Haddaway! What Is Love! – Ich war wie in Trance. Und das meine ich wirklich so.

Nun sollte man denken, das wäre schon der angesprochene schwächste Moment gewesen, aber von wegen. Denn als die Tanzstunde dann vorbei war, fand ich mich auf meinem Fahrrad in Richtung Wandmaker (vielleicht vergleichbar mit einer verhältnismäßig kleinen real,– Filiale) wieder, um mir dort nicht nur die Haddaway-Maxi-CD, sondern auch gleich das komplette Captain Hollywood-Album zu kaufen. “Love is not Sex”! Aufgrund des Titels wurde ich an der Kasse sogar noch ein bisschen rot, aber als ich draußen war hatte ich mein Objekt der Begierde und wusste: ich würde großer Discofox-Tänzer werden. Oder aber großer Captain Hollywood-Fan.

Dem war natürlich nicht so. Die Haddaway-Single habe ich einmal gehört und mich zudem noch über die vollkommen redundanten Remixe (7″ Mix, 12″ Mix, Club Mix) geärgert und das Captain Hollywood-Album wurde ebenfalls nach zweimaligem Durchhören des Hits und dem einmaligen Durchskippen der anderen, bestenfalls als B-Seiten zu bezeichnenden Titel ins Regal gestellt. Knapp 30 Mark für Scheiße ausgegeben. Und dann auch noch gedacht, man wäre Discofox-König. Wie armselig.
Wo die beiden CDs heute sind, kann ich natürlich nicht mehr genau sagen. Ich vermute mal, ich hab sie irgendwann auf irgendnem Flohmarkt verkauft oder verschenkt oder sonst was. Trotzdem soll dieser Artikel nicht zu Ende gehen, ohne das damalige Video. Vielleicht motiviert das den ein oder anderen ja auch zu irgendwelchen Aktionen, zu denen er ein 16 Jahren mal einen Blogeintrag schreibt.

Veranstaltungshinweise

Bevor das in den letzten Monaten noch mal richtig kacke gewordene Jahr 2008 nun endlich vorbei ist, muss – und ich betone es noch mal, indem ich es groß schreibe – MUSS noch mal ordentlich im Club abgezappelt werden. Ich leg Platten auf, außerdem sind noch die Kwietschbeus, Nikolas Maurer und das Ebson Krutschko Duo mit dabei. Heißa!

27.12.08 / 23. 00 Uhr / Der Club Husum

Ein kleines Gedicht von Veranstalterin Julie:

an weihnachten sollte man auf den wein achten,
so dass man am 27.12. nicht zu fertig ist,
um nicht geschwoft einen dancen zu gehen!
und wenn man eh schon zuhause ist,
kann man ja genauso gut auch nicht zu hause sein.
lieber die gute tante techno besuchen,
beine zappeln lassen und selbstredend
eine menge bierchen verdrücken. also bitte!
den formellen rahmen
entnehmen sie bitte dem flyer. danke!

flyer

Und wenn das alles überstanden ist, ist nächsten Tag direkt das allseits beliebte “Girls and Boys are back in Town”-Festival im Husumer Speicher. Mit allerlei bunten Bands und dem langerwarteten Comeback der Netten Tanten – und das sogar (wenn ich mein zweites Netzteil nicht mehr finde) in einem Back-to-the-Roots-Auftritt nur mit einem Casio-Keyboard von 1983. Phantastisch, oder?

28.12.08 / 19.30 Uhr / Speicher Husum

Mit etwas Glück wird mitgefilmt und etwas später an dieser Stelle vorgeführt.
Geiler ist aber live vor Ort, deswegen: kommen!

Ansonsten euch allen frohe Weihnachten, nen guten Rutsch und ein angenehmes Jahr 2009!

Das fast perfekte Promi-Dinner

Natalie und ich haben gerade, wie eigentlich jeden Sonntag “Das perfekte Promi-Dinner” gesehen. Heute zu Gast: Anja Lukaseder, Nicki, Michael Zittel und Joyce Ilg. Und während Anja Lukaseder und insbesondere Nicki hochsympathisch wirkten, zeigten sich die beiden Letztgenannten derartig von ihrer schlechten Seite, dass es häufig weh tat, bei so viel Arroganz und Selbstgefälligkeit überhaupt zuzuschauen.

Natalie ist gerade sowas von außer sich, dass sie just im Anschluss an die Sendung zwei eMails an entsprechende Personen geschrieben und abgeschickt hat, die mich gerade hochgradig erfreuen und ich freundlicherweise an dieser Stelle veröffentlichen darf. Bitte freuen sie sich mit.

Datum: Sun, 21 Dec 2008 22:48:16 +0100
Von: “Natalie Rxxx”
An: joyce@joyceilg.de
Betreff: Ihr Auftritt beim Promidinner…

…bewegt mich erstmalig dazu, einen schriftlichen Kommentar zu verfassen.
Ich bin fassungslos über so viel Selbstgefälligkeit, einer so tiefen Kluft zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung, schlechtem Benehmen und Starallüren als C-Sternchen.

Selten habe ich mich beim Fernseh schauen so fremdgeschämt.

Natalie Rxxx, ebenfalls aus Köln

sowie

Datum: Sun, 21 Dec 2008 22:56:07 +0100
Von: “Natalie Rxxx”
An: agentur@mr-management.de
Betreff: Michael Zittel – Promidinner

Guten Tag,

Joyce Ilg benahm sich bei der Sendung “Promi-Dinner” kindlich peinlich, schlimm genug.

Einem erwachsenem Mann könnte man mehr zutrauen, dachte ich, wäre da nicht C-Klasse Promi Michael Zittel gewesen.

Peinlich, unflexibel, von sich selbst überzeugt, uah. Zum Fremdschämen.

Zum Abgewöhnen unsympathisch.

Aber cool wie Mr. Sonnenbrille ist, steht er da sicher ganz lässig drüber.

Natalie Rxxx

Geil.
Ich jedenfalls trete jetzt erst mal in den Nicki-Fanclub ein.

Mama und Papa Amsel

Es ist soweit, um 14 Uhr kölnische Ortszeit ist das erste Küken im Hinterhofnest geschlüpft, ich hatte nahezu einen Schock, als ich es bemerkte, warten Stefan und ich doch schon 2 Wochen darauf.

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Wenige Minuten nach der “Geburt” räumt unsere Amsi erstmal das Nest auf, wirft die ollen Schalen aus dem Nest. Es bricht eine buchstäblich natürliche Hektik am Nest aus, Papa Amsel holt die Würmer, gibt sie Mama Amsel, diese füttert den noch blinden kleinen Wurm, der irgendwie aussieht wie ein Miniaturhähnchen, nach ganz nass und klebrig. Die emanzipierte Amsel von heute begibt sich aber auch selbst auf Würmerfang und bringt sie dem hungrigen Schnäbelchen, zu meinem Entsetzen legt sie sich anschließend wieder in gewohnter Manier obendrauf. Amsi! Du zerquetscht doch das Kleene!

Als ich zwei Stunden später schaue, ob es noch ganz und im besten Falle schon getrocknet ist – die Eltern sind wieder “opp Jöck”, sehe ich: Küken Nr. 2 ist geschlüpft!

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Küken Nr. 1 ist derweil trocken und hat an wenigen Stellen etwas, was einmal kräftige Federn werden sollen.

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Ob nun Küken Nr. 3 heute auch noch kommt?

Ich kann mich vor Aufregung kaum noch halten, staubsauge nur, wenn die Luft rein ist, tappse in Zeitlupe herum, staune und staune und staune.

Es ist einfach toll.

Frau Amsel – der Film

So, nun haben wir uns also letzten Samstag auf die Lauer gelegt, eine Videokamera mit Stativ auf die Fensterbank gestellt und einfach mal über drei Stunden gefilmt, was die Frau Amsel denn so macht, wenn niemand von uns im Raum ist. Herausgekommen ist ein geradezu sensationeller Film, den sicherlich noch Generationen von Tierfilmern ihren Enkeln vorspielen. Die größte Sensation überhaupt: Frau Amsel gähnt! Und wie! Und weils so schön ist, gibts das Ganze im Film auch noch mal in Zeitlupe zu sehen.

Viel Spaß damit!

Penntüte Frau Amsel

Ein paar Tage sind nun vergangen und unsere Amsi genießt die Ruhe vor dem Sturm. Ich vermute, dass immer noch drei Eier in der Mulde liegen, aber da die schläfrige Amsel kaum noch ihr Nest verlässt, kann ich es nicht mit Gewissheit sagen.

Bis gestern hatte ich zuvor noch nie gesehen, dass ein Vogel gähnen kann – Amsi kann es. Ich dachte ich seh nicht richtig… toll – und hochsympathisch.

Mittlerweile lässt sich auch Papa Amsel öfter blicken, noch gestern brachte er ihr einen Wurm an ihr Schlafgemach, was ich ihm hoch anrechnete. Richtig so, Amsi! Er hat sich also doch nicht aus dem Staub gemacht, wie ihr wisst vermuteten Stefan und ich ja bereits, dass sie alleinerziehend sein könnte. Auch gerade in diesem Moment hat Frau Amsel, wie auf dem Bild hoffentlich zu erkennen, das Köpfchen in die Federn gesteckt und schläft den Schlaf der Gerechten.

Wann wird es nur losgehen?

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Frau Amsel, der Steffi und ich (Teil 1)

Als ich vor einigen Monaten meinen zu sieben Achteln verwesten Benjaminus Ficus auf die äußere Fensterbank meines Küchenfensters verbannte, konnte ich ja noch nicht ahnen, was sich in diesen Tagen auf eben dieser abspielen sollte.

Der kleine Benjamin profitierte wohl noch ein paar Wochen von der ungewohnten Situation, spuckte ein paar frische Blätter aus, dann starb er wohl endgültig. In dem kleinen Hinterhof eines durchschnittlichen Köln-Klettenberger Mietshauses hatte er anscheinend zu wenig Sonne bekommen, ein großer Baum ließ ihn im Schatten stehen. Überlegungen, den kleinen Benjamin zu entsorgen gab es viele. Aber er blieb weiterhin auf der Fensterbank stehen.

An einem schönen Samstag oder Sonntag Morgen, es ist wohl März, vielleicht auch April, sitzen Stefan und ich am Frühstückstisch, als eine Amsel sich auf die Küchenfensterbank verirrt und den toten Benjamin inspiziert. Wir schauen gebannt zu – das hatte es zuvor noch nicht gegeben, fast hätte Stefan sein Brötchen fallen lassen. Sie flog jedoch flugs wieder weg und wir nahmen unser Frühstück wieder auf.

Diese Situation wäre wohl schnell wieder vergessen gewesen, hätte ich mich nicht in den letzten Wochen mehrere Male gewundert, warum meine Küchenfensterbank so derartig dreckig und verwüstet ist. Ich schob es auf den fiesen Platzregen der letzten Tage, dennoch wiederholte sich diese Situation in den nächsten Tagen auch ohne Regen wieder.

Da ich zur Zeit mit fiesen Röggeping (für alle Nichtkölner: Rückenschmerzen) für einige Wochen zu Hause bleiben muss, konnte ich Anfang letzter Woche den Übeltäter ausmachen: Frau Amsel. Sie kratzte, buddelte, drückte, zog, werkelte was das Zeug hielt. Langsam dämmerte es mir. Sie baut ein Nest in Benjamins Blumentopf!

Nachdem sie also ein faustgroßes Loch gegraben hatte, begann sie damit, mit ihrem Bauch das Loch platt zu drücken. Anschließend flog sie weg, um im Minutentakt mit kleinen Ästchen, Gräsern und trockenen Blättern zur Baustelle zurückzukehren, um die Mulde auszukleiden. Gegen 17 Uhr am Mittwoch Abend machte sie Feierabend und verschwand. Was blieb, war ein perfekt ausgestattetes, kleines, gemütliches Amselnest im Blumentopf auf einer Fensterbank eines Hinterhofes in Köln-Klettenberg.

Frau Amsel kam wieder. Sie machte es sich den kompletten Donnerstag und Freitag im Nest gemütlich.

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Am frühen Freitag Abend kam Stefan dann nach Hause, ganz aufgeregt erzählte ich ihm was ich ihm schon zehn Mal am Telefon erzählt hatte und zusätzlich per Mail im Detail aufgeführt hatte. Gaaaaanz langsam schlichen wir in die Küche. Frau Amsel war weg. Wir gingen zum Fenster. Stefan sah als Erster, was ich zuvor gar nicht bemerkt hatte: Sie hatte ihr erstes Ei gelegt!

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Wir fielen uns um den Hals – wir werden Amseleltern! Wer mich kennt weiß, dass es mein größter Wunsch ist, einmal ein Küken nah und live zu sehen oder gar auf der Hand zu haben, was wahrscheinlich nur bei Hühnerküken möglich ist. Mehrmals die Woche besuche ich die Internetseite “Ein Küken schlüpft“. Ich bin 31 Jahre alt. Das aber nur nebenbei.

Stefan und ich sind also außer Rand und Band, aber während wir zu Abend essen wächst die Sorge: Wo ist Frau Amsel? Warum lässt sie ihr Ei allein?

Nur kurz mache ich mir Sorgen um Stefan, der beim Anblick des bläulich-grünlichen gesprenkelten Eis sofort an ein Krokant-Ei denkt, aber schnell wieder zur Besinnung kommt und ersatzweise ein Schokoladeneis vor die Nase gestellt bekommt.

Ein Anruf beim Vogelexperten Papa Gubatz und der Besuch diverser Amsel-Internetseiten bringt Gewissheit: Das ist normal, sie wird wiederkommen, schließlich muss auch sie fressen und trinken. Schnell verwerfe ich den Gedanken, in der Zoohandlung ein paar Würmer zu kaufen.

Wir fragen uns, wo Herr Amsel eigentlich ist. Ist Frau Amsel, mittlerweile zärtlich “Amsi” genannt, etwa alleinerziehend?

Als wir am späten Abend aus der Therme wiederkommen, sitzt Amsi wieder an ihrem Platz und schläft. Beruhigt und groggy gehen auch wir schlafen.

Am Samstag Vormittag ist Frau Amsel wieder “opp Jöck”, quasi unterwegs, und wir haben die Möglichkeit, an die auf der inneren Fensterbank drapierten Elektrogeräte wie Wasserkocher und Toaster zu gelangen, die wir, wenn sie im Nest sitzt, nicht benutzen, um sie nicht zu erschrecken.

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Beim Frühstück sagt Stefan plötzlich “Da ist sie ja!” und wir stutzen – nein das ist nicht unsere Amsi, sie ist nicht schwarz… es ist Herr Amsel! Mit einem Wurm im Mund. Ich bin erleichtert, Stefan auch. Sie ist also nicht allein. Herr Amsel kommt in den nächsten Tagen öfter, wenn auch nur kurz.

Als wir nachmittags vom Einkauf zurückkommen, ist das Nest wieder verwaist, wir schauen vorsichtig hinein und können es kaum glauben: Amsi hat ihr zweites Ei gelegt!

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Wir hüpfen vor Freude durch die Küche, haben Tränen in den Augen, langsam wird klar: Bald werden kleine Amselküken auf unserer kleinen Fensterbank schlüpfen und einen Riesenradau machen!

Frau Amsels Ausflüge werden immer kürzer, sie sitzt auf ihrem Nest, plustert sich auf, schläft ein Ründchen, schaut immer wieder unter ihrem Bauch nach ob alles in Ordnung ist. Stefan und ich tapsen immer wieder in die Küche, gucken, staunen, freuen uns.

Am heutigen Montag Morgen zur Arbeitnehmerfrühstückszeit um halb sieben ist das Nest wieder unbewacht, kurz schaut Herr Amsel nach dem Rechten. Als Stefan das Haus verlässt, sitzt Amsi wieder träge an ihrem Platz. Auch als ich um halb zwölf von der Physiotherapie komme, ist sie wieder auf Würmersuche. Ein kurzer Blick ins Nest bestätigt Stefans und meine Vermutung und den im Internet beschriebenen Zwei-Tages-Takt: Das dritte Ei liegt im Nest.

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Was sich in den nächsten Tagen ereignen wird, wissen wir nicht.
Gerade in diesen Minuten, ich mache mir mangels Wasserkocher Kaffeewasser auf dem Herd warm, schläft sie. Wenn ich in die Küche komme, wird sie meist wach und guckt, hat aber keine Angst. Ich bewege mich ganz langsam, ich spreche mit ihr. Es ist ein kleines Wunder, was gerade hier passiert.

Vor einigen Wochen habe ich eine Textpassage von den Editors per Kreidemarker auf mein Küchenfenster geschrieben, “love replaces fear” steht dort. Und mit der kleinen mutigen Amsi, die ausgerechnet bei mir ihre Küken brütet, ist nicht nur “love replaces fear” Programm geworden, sondern auch ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, egal, was in den nächsten Tagen noch kommen mag.

Selbstverständlich werdet Ihr hier auf dem Laufenden gehalten, was die Amsi und wir mit ihr noch alles erlebt!

Bis dahin…Piep!