Stefan Gubatz

Precoop – Ohrwerk (Baalsaal 001)

Wer hat da gerufen, die Welt brauch mehr Minimal-Labels? Die Herren Preocoop vielleicht, hinter denen sich Andre Stubbs aus London sowie Chopstick und Johnjon aus Berlin verstecken. Nun, dann wollen wir mal testen, was Baalsaal soundmäßig denn so zu bieten hat. Das Original von Seite A ist ein verhältnismäßig okayer, aber doch unauffälliger Minimal-Track (oder Minimal / Emotional, wie der Infozettel vorschlägt). Der Remix von Ritch & Collins auf Seite B lässt mich dann allerdings doch noch aufhorchen – ein ganzes Stück technoider, mit dicken Basslines und klimperigen Percussion-Melodien, die ab der zweiten Hälfte sogar noch ein verschmitzt grinsendes Motiv in den Raum werfen, interpretieren die beiden das nun wirklich etwas schnarchige Original. Hier gehts direkt nach vorne, bitte einsteigen und mitmachen! Trotzdem – ob es dafür noch ein neues Label gebraucht hätte, stelle ich wirklich mal in Frage. Für den Remix gibts aber auf jeden Fall (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Monty Luke & Tasho - Paranoid (Mothership 002)

Nach dem vielbeachteten Labelerstling “Viktor Casanova” der Italoboyz dürfen nun Monty Luke und Tasho ans Werk und liefern mit “Paranoid” weiteres Material für verstörende Minimal-Sets. Ihr Track stützt sich in erster Linie auf eine schräge Acid-Line, zu der eine kräftig durch den Wolf gedrehte Stimme mutmaßt, sie sei paranoid geworden. Meiner Meinung nach ein bisschen zu gewollt, das Ganze – ich für meinen Teil greife da lieber zu dem prima groovenden und sehr frei interpretierten Remix von Todd Bodine auf Seite B, der der ganzen Angelegenheit einen herrlich freaky-schönen Anstrich verpasst und der eindeutige Gewinner der Platte ist. (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Nik Solé – World Dubbing (Mojuba 007)

Die nächste Mojuba kommt einmal mehr von Nik Solé, der ja bereits für die erste Katalognummer verantwortlich war. Seine neueste 12″ heißt “World Dubbing” und genau so klingt sie auch – sehr ruhiger, maximal angenehmer Dub-Techno, der ganz auf die subtile Kraft von hereinschwebenden Flächen, kleinen Vocal-Fetzen und einmal mehr den Klassikern überhaupt – 808-Toms und 909-Hihats setzt. Und obwohl man sich wünscht, dass Seite A nie aufhören würde – irgendwann tut sie es, was aber gar kein Problem ist, denn auf Seite B gibt es eine weitere Nummer, die sogar unter Umständen die Tanzinstinkte weckt. Der Beat wird etwas konkreter und direkter und Solé gibt sich noch ausgiebigeren Delay-Sessions, als sie auf Seite A praktiziert wurden, hin. Ab und an schaut auch noch der ein oder andere Chord-Stab vorbei und macht auch diese Nummer zu einem Must-Have. Sehr sehr gute Platte, Höchstpunktzahl. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Parallel 9 - Technique EP (a.r.t.less 2197)

Nach der “Merluche Ideale” von Rene et Gaston, die sich in meinem Freundeskreis wirklich ALLE gekauft haben, ist nun die “Technique EP” von Parallel 9 an der Reihe, hinter der niemand anderes als Steve Rachmad steckt. Rachmad wird ja gemeinhin gerne mal als König der niederländischen Variante des Detroit-Sounds dargestellt, was er bei diesem Zweitracker mal wieder spielend bestätigt. “Technique” auf Seite A kommt im Vergleich zu seinen anderen Produktionen noch eine ganze Facette deeper, dunkler und atmosphärischer daher, was Freunde hypnoseartiger Trancezustände sicherlich mit Freude zur Kenntnis nehmen werden. Für “Technic” auf Seite B legt Rachmad einen Knackigkeitsgrad zu, bleibt aber dank unermüdlich rollenden Sequenzen immer noch locker-leicht und liefert insgesamt ein tolles Paket zeitloser und einfach sauguter Musik. Ich schreib mal eben eine Rundmail an meine Jungs. (6/6) Sanomat

Da kann man sagen, was man will, der Romboy hat einfach ein sicheres Händchen für tolle Musik, die er auf seinem Systematic-Label featured. Die aktuellste Nummer kommt von Olivier Gregoire, der nach diversen Compilation-Beiträgen und einigen 12-Inches auf King Kong oder Turbo klarstellt, dass man zukünftig noch mit ihm rechnen muss. “Empechment” auf Seite A ist eine wirklich großartige Nummer, die aktuelle TechHouse- und Minimal-Strömungen mit einer saftigen Portion Detroit-Chords vermischt und als ein weiteres Indiz für einen langsam anrollenden neuen Trend gesehen werden kann. Auf Seite B betont Gregoire seine housigere Seite etwas stärker, ich persönlich stehe ja total auf Disco-Handclaps, doch spätestens wenn die an Inner City erinnernden Stabs einsetzen, dürften auch die Letzten von der Bar in Richtung Dancefloor hechten. Und wer dann immer noch nicht genug hat, der darf sich dann auch noch mit Track Nummer drei, “Diapo” vergnügen, der zwar ein bisschen klingt wie Booka Shades “Mandarine Girl”, das dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch tut. Tolle Platte! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Q-Ram - Mr. Maguro (BluFin 029)

Das neue Release von Q-Ram, der Kollaboration zwischen dem japanischen Producer Q´hey und dem Düsseldorfer Tausendsassa Ramon Zenker, bietet wieder einmal allerlei knackige Kost für ElektroHouse-Freunde rund um den Globus. Der Meerbusch Mix auf Seite A besticht durch eine klimperige Melodie, eine leicht angezerrte funky Bassline und die effektiv gesetzten Breaks. Macht sich einfach gut und passt. Der Sazusa Mix auf Seite B bleibt in einer ähnlichen Stimmung und fügt zudem noch ein paar flirrende C64-Sounds und eindringliche Sägelinien hinzu. Welche Version einem nun lieber ist, darf jeder selbst entscheiden, falsch machen kann man hier jedenfalls gar nichts. (4/6) Sanomat

Wenn die Musikwelt gerade mal wieder besonders trist ist, klingelt es an der Tür und Sub Static reicht ein neues Release rein. Diesmal darf man Rene Breitbarth zu Kaffee und Kuchen begrüßen, der mit “Interior Design” gleich drei neue Nummern am Start hat. Der Titeltrack groovt elegant vor sich hin, schickt ein paar Bongo-Percussions durch das Wohnzimmer und hat mit der angenehm klonkigen Bassline ein echtes Feel-Good-Element in petto. Auf Seite B gehts in ähnlichem Gusto weiter, melodiöse, aber nicht zu vollgepackte Gute-Laune-Techno-Tracks, “Talking all that Jazz” überzeugt mit thematisch passenden Septakkorden und “Tic-Tac” klingt so, wie es heißt – etwas pluckernder als die anderen Titel, aber überzeugend ausgearbeitet und einfach schick. Prima Paket und eine der besten Sub Static-Platten der letzten Zeit. (5/6) Sanomat

Zugegebenermaßen stehe ich ja wirklich auf die Kombination Technobeat / Weiblicher Sprechgesang. Man denke da beispielsweise nur an Robyns “Konichiwa Bitches” oder auch Sharon Philips´ “Want 2 Need 2″ (vorzugsweise im herrlichen Trentemøller Mix). Nun krallt sich Larry Tee, von dem ich bisher nicht allzu viel gehört habe, die immer für ein Feature gute Princess Superstar und schustert einen Traack namens “Licky”, der im Original mit ordentlich Oldschool-Flair daherkommt und für ekstatische Ravemomente auch noch eine sägende Synthline mitbringt. Als würde das noch nicht reichen, gibts ab der zweiten Hälfte sogar noch wilde Stab-Orgien obendrauf, die auch schon in den frühen 90ern für Furore gesorgt hätten. Hit, würd ich mal sagen! Die Remixe auf Seite B kommen von Chris Menace (elektro-housy, nicht wirklich aufregend aber okay) und Sebastien Leger (ebenfalls Elektro-House, der bessere Remix), können aber gegen das starke Original nichts ausrichten. Die A-Seite rockt einfach. (5/6) Sanomat

Seltsames Ding, was sich Force Tracks da ausgedacht hat. Max und Moritz präsentieren: Karneval der Verpeilten – Mukke. Zugegeben nicht ganz mein Humor, aber wenn man sich die Compi mal anhört, erschließt sich das Konzept dann doch irgendwie. Denn die hier zusammengestellten Titel sind doch größtenteils irgendwie schräg, mal frickelt ein Rico Loop Beatbox-artige Schnipsel zusammen, mal schunkelt Sven Dohse einen Jahrmarkt-Loop übers Parkett, hier stellt Pilocka Krach fest, dass Prostituierte für Geld mit beliebigen Personen kopulieren, dort leben Girls United heimliche 80er-Jahre-Fantasien aus. Und so seltsam und sonderbar manche Beiträge doch auf den ersten Blick erscheinen mögen, so passen sie doch alle irgendwie zusammen. Für akustischen Tesafilm sorgen vielleicht auch die vielen, dann auch angenehm unalbernen Tracks von Autotune, Jake The Rapper, The Dose oder Metope, und wer hätte das gedacht? – Ist das doch ne wirklich runde und gut hörbare Compilation geworden, die vielleicht etwas… öhm… “anders” ist, als das meiste, was so auf dem Markt ist, aber das muss ja nicht immer schlecht sein. Mir gefällts. (5/6) Sanomat

Anspieltipps:
Rico Loop – Wohin Du Willst
Sven Dohse – Squash
Jake The Rapper – Alpine Lullaby

Irgendjemand in der Redaktion scheint meine Rezensionen doch zu lesen, denn kaum habe ich in der letzten Ausgabe eindringlich und unter Androhung von wüstem Schütteln darum gebeten, mir möglichst bald das Album auszuhändigen, liegt ebendieses nun auf meinem Tisch. Und es ist groß! Seit der oftmals als Album missverstandenen Doppel 12-Inch “Neon” hat sich im Hause anscheinend so einiges getan. Die Tracks kommen auf den Punkt, zerren an den richtigen Stellen an den Euphorie-Nerven der Hörer und bleiben auch mal verhalten, wenn großes Brimborium gar nicht von Nöten ist. Auf dem Album findet sich enorm viel Material für den Club; keine einzige Nummer, die in diesem Kontext nicht funktionieren würde. Dennoch sticht meines Erachtens insbesondere “Anti” besonders heraus, kaum ein Titel in Technoland verursacht derzeit nervösere Blicke und euphorischere Stimmungen auf der Tanzfläche. Doch ist es insgesamt eher müßig, die besten Stücke aufzuzählen, jeder wird hier mit Sicherheit seine Lieblingstracks finden – Potential dazu haben sie alle. Erwartungen voll erfüllt; ein Album zum Behalten und ich bin mir sicher, dass wir Treshers nun wirklich ersten Longplayer in allerlei Jahrescharts 2007 finden werden. (6/6) Sanomat

Mensch Harthouse, was macht ihr für Sachen? Da hat man mit Boris Brejcha wirklich eines der hoffnungsvollsten Talente an der Hand, der bereits letzten Monat für allerlei erstaunte Gesichter in der Raveline-Redaktion und bestimmt auch anderswo gesorgt hat – und dann veröffentlicht man sein erstes Album, das gespickt ist mit allerlei Überraschungsmomenten, derb groovenden und knarzigen Sequenzen, Soundexperimenten und einfach kickenden Tracks ALS MP3 ONLY?? Ich versteh es nicht. Bereits “Who Is Your Man” (HH17) und Brejchas Remix von Zoo Brazils “Stars In Your Eyes” (HH16) bringen wahrscheinlich nicht nur meine Plattennadeln seit einiger Zeit zum Glühen, da schreien die Tracks dieses 16 Stücke dauernden Albums doch geradezu nach Clubeinsatz per schwarzer Scheibe! Mit einem derartig gelungenen Album gebührt Brejcha einfach eine breite Aufmerksamkeit, die sich durch ein reines mp3-Release doch gar nicht erreichen lässt. Bleibt also zu hoffen, dass sämtliche DJs dieses Planeten von jetzt auf gleich auf digitales Mixing umsteigen, denn dieses Album muss einfach dort hin, wo es hin gehört: in den Club! Ich sehe schon enorme Verkaufssprünge bei Traktor, Serato und Co. (6/6) Sanomat

Okay, liebe Cadenza-Anhänger, ich weiß, ihr werdet diese Doppel-CD mit den aktuellen Hits des Labels, gemixt von Luciano persönlich, sowie der zweiten CD, auf der das Beste aus den ersten sechs Vinyl-Veröffentlichungen zusammengestellt wurde, sowieso kaufen. Allen anderen muss ich leider mit einer bekannten Floskel kommen; ihr ahnt es schon – früher war alles besser. Denn was sich trackmäßig auf der “Contemporary”-CD tummelt, kann man als gemeiner Musikkonsument ohne rosarote Minimal-Brille auf der Nase weitestgehend wirklich nur noch als enttäuschend und durchschnittlich dahinplätschernd bezeichnen. Dabei zeigt doch direkt die “Classics”-CD nebenan, dass man anscheinend durchaus mal wusste, wie man intelligente, ausgeklügelte und wegweisende Minimal-Tracks produziert. Dass der Infozettel von einer “ständigen Weiterentwicklung” des Cadenza-Sounds spricht, mag sich mir wirklich nicht recht erschließen, Entwicklung vielleicht, aber die Richtung stimmt irgendwie nicht. So bleibt für mich in erster Linie die (immerhin wirklich gute!) CD 2 mit den Classics, CD 1 schenke ich vielleicht meinem Nachbarn, der rennt in letzter Zeit immer mit so nem komischen Schal durch die Gegend. (4/6) Sanomat

Anspieltipps:
Luciano & Quenum – Orange Mistake
N.S.I. – Max Binski
Luciano – Bomberos

Stefan Gubatz

Sog - Sog 2 (Kompakt Speicher 53)

Konsequent sind die Herrschaften aus der Werderstraße ja. Ich wüsste auf Anhieb kein zweites Label, das die Eier hätte, diese beiden Tracks zu veröffentlichen. Denn, um mal etwas spitzfindig zu sein, kann man die beiden Sog-Nummern ziemlich treffend mit “dum… dum… dum-dum-dum” beschreiben. Und das wars eigentlich auch schon. Ansonsten passiert annähernd gar nichts. Ich könnte mich ob dieser kackfrechen Banalität vor Freude einnässen, andere Gestalten zeigen sich wahrscheinlich lieber hochgradig irritiert und beschäftigen sich statt mit Tanzen eher mit der Frage, ob die Nadel hängt oder ob der DJ eingeschlafen ist. Ich jedenfalls mags - wie ihr das seht, dürft ihr natürlich selbst entscheiden. Ich geb mal (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Cassino & Laben - Break Off EP (Stadtwald 002)

Ach wie schön, ich mag diese Schwebetracks, durch die sich eine einzige wabernde Fläche wie ein Laserteppich im Nebel zieht. Dazu gesellt sich eine düstere Bassline, die ihre Verwandschaft zu früheren TechTrance-Produktionen mit leichten Acid-Anleihen nicht verheimlichen muss. Gefällt und macht Lust auf mehr. Wie gut, dass es auch bei dieser Platte noch eine B-Seite gibt. Diese ist von der Grundstimmung sehr ähnlich - entspannte Chord-Fliesen mit viel Hall legen sich über das Konstrukt aus Bassline und, verglichen mit Seite A, sehr viel reduzierteren Drums, deren Bass sich nur noch erahnen lässt. Sehr angenehm und dazu prädestiniert, noch lange lange lange in der Rotation zu bleiben. (6/6) Sanomat

Ums direkt mal zu sagen: Mir gehen die Vocals mit der seltsam pulsierenden Melodie untendrunter unheimlich auf die Nerven. Vielleicht mag das ganze ja im Club eine gewisse hypnotische Wirkung haben, aber für mich wäre direkt der Moment gekommen, meine Bierreserven an der Bar aufzufüllen. Auch “Diablos” auf A2 kommt nicht wirklich in Fahrt, so dass meine Hoffnungen bei Jens Bonds Remix auf Seite B liegen. Und sieh mal einer an: Dieser scheint am Original auch nicht allzuviel Verwertungswertes gefunden zu haben, dass er so frei wie nur möglich eine deepe Dub-Tech-Nummer aufs Parkett legt, die sogar noch hier und da Steve Bugs “Loverboy” zitiert. Kann man machen und rettet die Platte eindeutig vor der Weitergabe an Leute, die man nicht mag. Remix: (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Dani König - Maher Amad EP (3rd Floor 007)

Manchmal kann es schon irgendwie lästig sein, einen großen Hit gehabt zu haben. Derrick May hatte “Strings of Life”, Ken Ishii hatte “Extra” und Dani König hatte “Disco 3000″, was sicherlich immer noch diverse Türen öffnet, doch findet im Laufe einer Karriere meist eine gewisse musikalische Entwicklung statt. Und so werden sich sicherlich einige fragen, wieso man nicht mehr den alten Haudrauf-Stil fährt. Die Antwort liegt im Falle König klar auf der Hand: neue Wege wollen gegangen werden. Folgerichtig finden sich auf der Maher Amad EP somit keine Hands-Up-Kracher, sondern vielmehr drei ausgeklügelte und auf Hochglanz polierte (im weitesten Sinne) Minimal-Tracks, von denen insbesondere “Seize Matters” mit seiner subtilen Percussionmelodie und den winzigen Acid-Anleihen auffällt, gefolgt vom unheimlich funky-jackenden “Vincent Hanna”, die als Neuauflage alter Detroit- und vielleicht auch ein bisschen Basic Channel-Prinzipien verstanden werden kann. Sehr gelungen und ich muss keine Sekunde zögern, die alte Disco 3000 gegen diese Platte im Case auszutauschen. (6/6) Sanomat

Na das hat sich Boris Brejcha ja schön ausgedacht. Nennt seine Platte “Who Is Your Man”, nur damit Rezensent wie Konsument gleichermaßen begeistert rufen: Du bist unser Mann, Boris! Aber was soll man angesichts dieser drei anstandlos ehrlichen und großartig ausproduzierten Techno-Granaten schon anderes sagen? Knüppel auf den Sack, Hände in die Luft! Und ich prophezeihe mal, dass Herr Brejcha – gesetzt den Fall, er bleibt releasetechnisch am Ball – in nicht allzulanger Zeit ganz vorne mitspielen wird. Aber ganz vorne. Musik, die endlich mal wieder etwas Blut in die Venen des Techno pumpt und sich sicherlich auch prima in Gesellschaft diverser Turbo- oder Ed-Banger-Platten macht. Tolles Vinyl-Debut und ich bin mal gespannt, was da alles noch kommt. (6/6) Sanomat

Wieder so eine Platte, auf der der Originalinterpret auf seiner eigenen Platte gar nicht auftaucht. Man stelle sich das vor: Zoo Brazil sitzen in irgendeiner Kneipe, das Handy klingelt, Herr Harthouse ist dran und sagt: he Jungs, ihr habt ne neue Platte gemacht, aber ihr kommt dort gar nicht vor. Soso, denken Zoo Brazil, trinken aus und gehen in den nächsten Plattenladen um zu hören, was Tomas Andersson, Billy Dalessandro und Harthouse-Newcomer Boris Brejcha da so mit ihrem Original angestellt haben. Hmmm, sagen Zoo Brazil, Tomas Andersson klingt so, wie Tomas Andersson eben so klingt, Billy Dalessandro kommt ziemlich groovig daher - feine Nummer, aber wer ist denn dieser Boris Brejcha? Meine Herren, was veranstaltet der denn da? - Begeistert kaufen sich Zoo Brazil die Platte, obwohl sie genau wissen, dass sie sowieso die Promo bekommen und sind angesichts des über-heftigen und einfach nur fetten Brejcha Remixes doch gar nicht so verstimmt, wie sie ursprünglich mal geplant hatten. Man beschließt, den Hut vor Brejcha zu ziehen, den Mix noch mal zu hören und daraufhin wieder hochmotiviert im Studio zu verschwinden. B2: (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Sian - Flood EP (Octopus 001)

Okay, ich muss es einfach sagen: ich habe Gui Boratto mittlerweile eigentlich ein bisschen über. Fast stündlich erscheint eine neue Platte mit einem Gui Boratto-Remix auf der B-, oder noch besser: auf der A-Seite, und obwohl Boratto in den meisten Fällen zugegebenermaßen hochqualitative Arbeit abliefert, muss ich trotzdem jedesmal denken: ach, der Boratto schon wieder. Genau das hab ich bei Sians Flood EP auch gedacht, als ich während die A-Seite mit der düsteren, aber doch angenehm fließenden Originalversion lief, den Infozettel las. Doch als dann die Platte umgedreht wurde und die erste Melodie auf der B-Seite ertönte, war ich irgendwie doch sofort dabei. Ein Boratto-Remix, wie schön! Und dann auch noch so ein herrlich harmonischer und spannender Remix! Ich kann nicht anders, aber ey! Boratto, ne? Daumen hoch! Gutes Original, aber toller Remix! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Snuten - Entourage (Audiobahn 4)

Neulich meinte mein werter Herr Kollege Hardmate in einer eMail-Konversation, dass nach der milliardensten Minimal-Platte durchaus mal Zeit für einen, nennen wirs mal “Neo-Detroit”-Hype wäre. Ich glaube, wenn es so weitergeht, dürfte mein harter Kumpel durchaus Recht haben, denn auch die Entourage-EP von Snuten geht eindeutig in die Richtung, klonkige Chords, ein bisschen Acid-Bass und nicht gerade wenig von der Substanz, die anderswo “Hi-Tech Soul” genannt wird. Seite B entwickelt sogar eine kleine Affinität zu Samba-ähnlichen Chord-Quantisierungen, dass ich nicht nur freudig mit dem Fuß wippe, sondern mir zudem wünsche, dass ich zukünftig noch mehr solche Platten hören darf. Ich glaube, Herr Hardmate sieht das ähnlich. (6/6) Sanomat

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