Poker Flat-Institution Martin Landsky zeigt auf der A-Seite, wie heutzutage minimaler, aber doch rockender Techno auszusehen hat – dort passiert gar nicht so sehr viel mehr, als dass sich die aufs Nötigste reduzierten Drums mit der leicht verstimmten Bassline einen Schlagabtausch liefern und nur dann und wann schaut ein Schiedsrichter in Form einer kleinen Synth-String vorbei, um zu checken, ob fair gekämpft wird, aber: aha, okay, alles klar, weitermachen! Passt und rockt! “Cold Eyes” auf B1 bringt ein bisschen mehr Funkyness mit ins Spiel, auch entspannen sich die Fronten wieder ein bisschen, die Bassline tut anständig ihren Dienst und sogar eine seidige Fläche darf den insgesamt okayen Track unterlegen. Okay ist auch der letzte Track, der nicht viel mehr macht als “Wopp” und insgesamt sehr monoton bleibt, aber für stampfige Momente auf dem Dancefloor durchaus klar geht. (4/6) Sanomat
Dessous-Neuzugang Nivek Tsoy (dem einen oder anderen sicherlich besser bekannt als i!-Records-Protagonist Kevin Yost) darf nach seinem Beitrag auf der wirklich gelungenen “Best Kept Secrets”-Compilation nun auf EP-Länge zeigen, dass er sich auch in technoideren Fahrwassern bestens zurecht findet. Der tropfend-verhallte A-Seiten-Track “Time & Space”, der von allerlei düsteren Vocals und einer tiefen Mellotron-Line unterstützt wird, legt schon mal gut vor, das etwas melodiösere aber nicht minder atmosphärische “New Edison” auf B1 schielt mit seinen metallischen Drums ein bisschen in Richtung Kraftwerks “Music Non Stop”. Sehr schön, sehr angenehm. Zu guter Letzt gibts dann noch den Compilation-Beitrag “New Galaxy Love”, der mir dort schon super gefiel, aus Vollständigkeitsgründen aber natürlich gerne noch mal genommen wird. (5/6) Sanomat
Sehr einfache, aber sehr schöne metallisch-hallende Nummer von Marco Resmann, die zwar als Nachruf auf den Sommer 2007 gedacht, aber auch im Winter noch eine gute Figur macht. Die B-Seite bleibt ein bisschen minimaler und deeper, kann aber ebenfalls mit der etwas schrägen Melodiefigur und den später einsetzenden Minichords punkten. Gute Platte, die man immer mal anbringen kann. (4/6) Sanomat
Na, haben da Dole und Kom in letzter Zeit vielleicht etwas viel Inner City gehört? Eines der Hauptmotive des Titeltracks “Class of 94″ (aha!), nämlich die berühmten “Good Life”-Chords kommen bei der aktuellen Neutonmusic endlich mal wieder ausgiebig zum Einsatz. Hier werden goldene Rave-Zeiten zelebriert, hier wird den alten Kumpanen aus Übersee gehuldigt und ganz nebenbei auch noch ein trotzdem sehr aktuell klingender Dancefloor-Smasher abgeliefert, als würde es darum gehen, kontemporärer Tanzmusik zu zeigen, dass es auch noch etwas anderes gibt als Micker-Drums und Glitch. Auf Seite B gibts dann noch einen okayen melodiösen Minimal-Elektrohouse-Track, den man für lau natürlich auch mitnimmt, aber der eindeutige Gewinner der Platte ist natürlich Seite A. (5/6) Sanomat
Zum zehnjährigen Label-Jubiläum und der praktischen Jubiläums-Katalognummer 75 gibt es eine Reihe dreier 4-Track EPs, auf denen langjährige Wegbegleiter ihre Geräte kitzeln und dicke Tracks aufs Vinyl bannen können. Den Anfang von EP 1 macht Roberto Rodriguez, der scheinbar gerade erst wieder Dave Clarkes “Red”-Serie gehört hat, klonkige Chords und massig 909 sprechen eine deutliche Sprache. Komischerweise bleiben auch Tom Wax & Boris Alexander in einem ähnlichen Gusto, legen aber euphoriemäßig sogar noch ein Brikett dazu. Die Telemen-Nummer “Follow” im Alex Bau Mix stapft sehr zielstrebig und gradlinig durch die Boxen ins Ohr und Matthias Schaffhäuser macht unter seinem Pseudonym Math U Hates Jazz mit dem pluckernden “Bebopdeluxe” den Sack zu. Runde Sache, fettes Paket, mehr davon! (5/6) Sanomat
Nette, eingängige Deep House-Nummer der zwei Armadillos Giles Smith und Martin Dawson. Zu angedubbten Bässen flirrt eine kleine Chordmelodie im Hintergrund, was sich in halbbeleuchteten, gemütlichen Bars sicherlich als eine willkommene Musikuntermalung herausstellen wird. Eher was für den Club nebenan ist der Andromat3000- & Jan-Mix, der erwartungsgemäß mit einer ganzen Portion Extra-Funk daherkommt und die später auftauchenden Rhodes-Chords zu einer warmen Decke in kalten Kellerräumen werden lässt. Mag man haben. (4/6) Sanomat
Der ehemalige Neuton-Recke und nun als fester Kompakt-Mitarbeiter fungierende Navid Tahernia darf nun also auch auf dem hauseigenen Speicher-Imprint zeigen, was er musikalisch so drauf hat. Angesichts der doch etwas an Plastikmans “Panikatakk” erinnernden Nummer “I Like” auf Seite A, auf der die Frequenzen flirren und der Beat artig geradeaus stampft, mag man schon mal geneigt sein, zu sagen: aha, okay, aber wars das schon?. Aber mitnichten! Denn was sich auf der traditionellen Wappen-B-Seite finden lässt, wird sicherlich nicht nur bei mir für einen heruntergeklappten Kiefer sorgen. Als wären Zeit und Raum aufgelöst, drückt Tahernia einen derartig geil-oldschooligen und mich göttlich an die Dave-Angel-X-Mix-Ausgabe erinnernden Track mit allerlei 909-Rides und melodiöser 303 in die Rillen, dass ich vor lauter Begeisterung dringend mein Beißholz brauche. Ein Muß! (6/6) Sanomat
Tolle, organische und atmosphärisch wabernde Platte von dflex, deren Titeltrack nicht nur allerlei subtile Überraschungen wie z.B. ein behutsam eingespieltes Klavier bereit hält, sondern auch neugierig auf die ambientöse B-Seite macht. Dort gibt es neben einem beatlosen Remix der A-Seite auch noch eine jazzige Session mit Synthesizer und live eingespielter Trompete zu hören, die schlichtweg toll ist. Schöne Platte für ruhige Stunden. (5/6) Sanomat
Nunja, der Original- sowie der “Fuck-Up”-Version kann ich nicht allzuviel abgewinnen, die glitchigen und oft an sehr sehr niedrige mp3-Kompression erinnernden Soundkonstrukte mögen vielleicht kreativ eingesetzt sein, nerven aber direkt beim ersten Hinhören. Der Soapespierre- & Dexter-Remix verleiht dem Ganzen dank konsequentem 909-Einsatz und angenehm oldschooligen Detroit-Anleihen immerhin ein bisschen “Kann-man-spielen”-Faktor, doch was die Platte dann plötzlich zu einem Muss macht, ist der Queaver- & Versis-Mix, der sich auf B2 versteckt hat. Dieser setzt nämlich voll auf herrliche Rave-Stabs und treibende Drumprogrammierung, die einen ab der ersten Umdrehung wieder voll in die 90er versetzen. B2: (5/6) Sanomat
Freedom Fries auf Seite A beginnt relativ gemächlich und tut erst mal gar nicht viel mehr als diverse 808-Drumsounds in einer leider schon viel zu oft gehörten Art und Weise zu verstricken. Dankenswerter Weise gesellt sich nach einiger Zeit eine breite Fläche, die immerhin den ein oder anderen hellhörig machen wird dazu und gegen Ende darf sogar noch eine klimperige Casio-Melodie mit einstimmen. Muss man jetzt nicht unbedingt haben. Wenn man die Platte allerdings umdreht, findet man einen treibenden Minimaltrack, der nicht nur durch die funky Bass- und Melodie-Combo auffällt, sondern in erster Linie von dem sich ständig wiederholenden “Protect!”-Sample lebt. Gefällt und entschädigt doch sehr für die nicht allzu aufregende A-Seite. (4/6) Sanomat
Eine angenehm reduzierte Technoplatte mit Exkursionen in deepe Gefilde präsentiert uns der Züricher Michal Ho mit “Takeaway”. Das Original schaukelt sich entspannt seinen Weg durch die Menge, passend dazu die Vocals von Jon Jon, die der ganzen Nummer eine housige Facette verpassen. Schick! Rhadoo beschränkt sich bei seinem Mix auf ein “Aah!” der Vocals und fügt dieses gekonnt in eine sehr minimale und oft monotone Techno-Konstruktion ein; Jona schickt bei seinem Mix die Vocals ebenfalls durch den Häcksler und webt diese in seinen manchmal bleependen, aber immer mächtig funky Mix ein und Labelowner Jay Haze geht mit seiner Version noch eine Nummer deeper, es darf gedubbt werden! Durchgehend guter Stuff, jeder Mix ist uneingeschränkt empfehlbar und kann trübe Sets mit einer ganzen Menge freundlichem Vibe aufhellen. (5/6) Sanomat
“Babylon” auf A1 ist ein relativ schneller und mächtig nervöser Trommel-Deephouse-Track, der nur so gespickt mit allerlei Klavier-, Vocal- und Synthschnipseln ist, für den ich jetzt aber leider gar nicht so recht Verwendung finden würde. Auch “Deception” auf A2 setzt auf ähnliche Elemente, bleibt etwas ruhiger und liefert schon mal einen guten Soundtrack für nächtliche Autofahrten durch die Stadt. Am ehesten bin ich für “Design” auf B1 zu haben, dort hat Lerosa die alte Kombination 303 / 707 auf den Tisch gestellt und zwirbelt und jackt, dass man denken möchte, es wäre wieder good old 1988. “Cracked and Ready” macht mit B2 den Abschluss und klingt dann auch ein bisschen so wie der Rausschmeißer der EP, relativ langsam und relativ entspannt und ein okayer Closer für die wirklich in Ordnung gehende Platte. (4/6) Sanomat
Typische Substance & Vainqueur-Platte, die wie gewohnt mächtig dubbt und schrubbt. Da weiß man was man hat – Kenner der Materie greifen natürlich zu. (4/6) Sanomat
Ich kann mich noch erinnern, als ich das erste mal die “Entr’acte Music” auf der Cadenza 12 gehört habe. Die Nummer strotzte vor Funk, war angenehm monoton und weit mehr als man gemeinhin von gängigen Minimal-Platten erwarten konnte. War es überhaupt minimal? Irgendwie schon, aber doch mächtig housy und so deep, dass man gleichermaßen zarte Girls wie kräftige Jungs mit der Nummer erreichte. Die neue Amygdala EP kann wohl als eine Art Fortsetzung der Cadenza-Nummer gesehen werden, allerdings ohne sie zu kopieren oder in die gleiche Kerbe zu hauen, viel mehr geht Seite A sogar noch einen Schritt weiter und perfektioniert den Andromat und Jan-Style zu einem Peaktime-Knüller allererster Kajüte. Seite B ist ebenfalls nicht zu verachten, kommt noch ein bisschen perkussiver daher und komplettiert dieses wirklich erstklassige Release des neuen Labels Indigo Raw. (6/6) Sanomat
Haaaaaah… Die Promoinfo sagt: “We´re tired of the sterile, tired of the clicks with micro kicks. We want it huge, groovy and with a damn hook that makes your booty shake!” – und verdammt noch mal! – wie Recht sie hat. Die Soulfull EP des Franzosen Fred Aubourg aka Skat ist reinster Deep House, wie er dieser Tage nicht willkommener sein könnte. Klassische Drumpattern mit reichlich Oldschool-Flavour, funky wie eh und je und mit dem richtigen Chord zur richtigen Zeit versetzt, muss ich die Platte einfach zu meinem besten Freund des Monats erklären. So geht Musik, ihr Klicki-Klacki-Nasen! (6/6) Sanomat
Wow! “Horses, Cars and Girls” sowie “Waiting” sind zwei enorm überdrehte 80er-Jahre HouseFunk-Nummern aus der Feder von Martin Welzer (alias DJ Friction / Freundeskreis) und Philipp König (alias Kris Menace), bei denen sich der Tanzflur unter Garantie in wenigen Nanosekunden zum Bersten füllt. Auf der B-Seite versucht sich James Flavour an einem Remix von “Waiting”, kann aber angesichts der wirklich erstklassigen Vorlage kaum noch punkten. Da muss wohl DJ Friction selbst auch noch mal ran und liefert zu guter Letzt noch einen Mix des Titeltracks, der wieder ähnlich charmant wie die beiden A-Seiten-Nummern daherkommt. Erstklassiges Material! (6/6) Sanomat
Catwash sind immer für eine lustig ravende Nummer gut, so auch mit der neuesten Platte namens “Super Body”, deren Titeltrack unter Verwendung von allerlei Chord-Stabs ordentlich durch die Gegend jackt. Gegen Ende kommt sogar noch eine etwas unerwartete, aber doch passende Fläche mit ins Spiel, die dem ganzen noch einen gewissen sentimentalen Touch gibt. Warum nicht? “Basic Info” auf B1 bleibt in einer ganz ähnlichen Stimmung, tauscht aber die Stabs gegen FM-Chords aus und “Walking on the Moon Shine” auf B2 setzt wieder mehr auf Flächensounds. Durchaus okay und vielseitig einsetzbar. (4/6) Sanomat
Kleine Geschichtsstunde für die Zugestiegenen: Ferox war ein 1993 von Russ Gabriel gegründetes Technolabel aus England, das damals sehr von Detroit Techno beeinflusst war, dem aber immer eine ganz eigene Komponente hinzufügte. Einer der großen Ferox-Anhänger ist der Sushitech- und Pariter-Labelowner Yossi Amoyal, der nun drei seiner damaligen Lieblingstracks auf seinem eigenen Label wiederveröffentlicht. Mit im Boot sind das herrlich pumpende 909-Monster “In The Bag” von Blue Arsed Fly (hier im Russ Gabriel Mix), das reichlich arschwackelnde “Adventures of a New Jack” von Paul Hannah sowie das mächtig an Daniel Bell erinnernde “Venus Fly Trap” von Too Funk. Erstaunlich, dass mittlerweile fast 15 Jahre alte Musik immer noch so frisch wie eh und je klingen kann. Wem diese Platte über den Weg läuft, der sollte hier dringend zugreifen, einfacher kann man wohl kaum an derartige Klassiker kommen. (6/6) Sanomat
Da hätte ich mich doch fast vertan, die neue Philpot ist nicht etwa eine neue Modernist-Platte mit dem Namen “Here Today”, sondern eine neue Platte von “Here Today” mit dem Namen “Modernist”. Da kann man mal sehen. Die beiden Tracks auf der A-Seite sind zwar angenehm ungerade, vertrackt und doch mit reichlich Soul unter der Haube, erreichen mich aber trotzdem irgendwie nicht – wahrscheinlich liegts an dem relativ unbrauchbaren Tempo, das mir – egal in welcher Pitchstellung – immer seltsam vorkommt. Zu schnell? Zu langsam? Komisch. Glücklicherweise (und das aber mit Sahne obendrauf) gibt es auf der B-Seite noch einen Soulphiction-Remix, hinter dem sich natürlich niemand anderes als Michel Baumann alias Jackmate versteckt. Dieser kommt mit gewohnt schludrig-lockerer und vor Funk nur so triefender Beatprogrammierung daher und taugt in deepen Housesets garantiert zu einem kantigen Höhepunkt. Super Mix und der eindeutige Gewinner der Platte. B: (6/6) Sanomat
Pssst… Da kommt das Poker-Flat-Sublabel Dessous mit seinem großen Mantel die Straße entlang geschlichen, schaut sich kurz um und zieht eine Doppel-CD aus der Innentasche hervor, die mit einem wissenden Gesichtsausdruck überreicht wird. Hier – das gute Zeug. Ein bisschen aufgeregt, aber doch in freudiger Erwartung geht man nun eiligen Schrittes nach Hause und legt mit zittrigen Händen die erste CD in den Player. Und direkt bei den ersten Takten von Phoniques “Worked it Out” im Charles Webster Remix ist klar: das IST das gute Zeug. Das ist sogar noch besser, als man erwartet hätte. Denn was sich auf den beiden Silberlingen (CD 1 zusammengestellt von Steve Bug, CD 2 gemixt von Vincenzo) auftut, kann einem nicht nur den Tag retten, sondern tut dies vermutlich auch gleich mit dem ganzen Deep-House-Genre. Namen wie Efdemin, Cle & Mike Vamp, Tanzmann & Stefanik oder auch Metro-Area-Legende Morgan Geist dürften für sich sprechen – einfach eine grandios gute und zeitlose Compilation. Und wer einem solche Geheimnisse verrät, der kann es doch nur gut meinen. (6/6) Sanomat
Anspieltipps:
Phonique – Worked it Out (Charles Webster Mix)
Simon Flower – Past Perfect
Discemi – When Mika Shot Puts