Archive for Oktober, 2008

Stefan Gubatz

Fussel - Planet Egmont (Zoikmusic 001)

Wenn in meinem Fach eine CD liegt, auf der ein Post-It mit der handgeschriebenen Notiz “Eine Herausforderung? Bitte rezensieren” klebt, könnte es einerseits daran liegen, dass das Obskuritäten-Paket an unseren Freund Hardmate schon verschickt ist und nur vergessen wurde, diese CD dazuzupacken, andererseits aber auch, weil sich nach einigen Jahren endlich herumgesprochen hat, dass auch ich manch seltsamer Musik nicht wirklich abgeneigt bin. Und ein erster Lauscher in das Album “Planet Egmont” des Duos Fussel zeigt: wir haben es hier mit dem richtigen Zeug zu tun. Erwachsenenquatsch für infantile Intellektuelle. Die ganze Reise beginnt mit dem Intro “Hello”, das so klingt wie ein Jahrmarkt in Farfisa-City, da drängt sich direkt der Vergleich mit Mambo Kurt auf, der sich angesichts dieser 22 grandios absurden akustischen Ungeheuerlichkeiten allerdings verschämt in seinen Keller verzieht, um dort heimlich zu lachen. Die Reise führt weiter durch C64-Gegenden, an Casiotone- und Nintendo-Albernheiten vorbei und findet sich immer mal wieder in arschcoolen Deichkind- und heimlichen Kraftwerk-Referenzen wieder. Grandios. Absurd. Gut. Böse. Intelligent. Debil. Alles drin. Da kann sich der Audiolith-A&R angesichts dieses Albums nur selbst in den Arsch beißen, weil dieses Knallerteil nicht bei seinem Label erschienen ist. Gut gemacht, Zoikmusic! Willkommen in meinen Jahrescharts! Ihr Witzbolde! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Brett Johnson - Big Boy EP (Resopal 062)

Kaum ist meine Resopal-Schelte aus der letzten Ausgabe verklungen, schickt sich besagtes Label an, um noch einen draufzulegen, damit weder ich noch irgendwer sonst jemals wieder das böse Wort “Mittelmäßigkeit” in den Mund nehmen müssen. Okay okay, einigen wir uns bei der neuen Brett Johnson-Platte namens “Big Boy” einfach auf: “meine Fresse, die Bassline des ‘Run in Place’-Dub-Mixes rockt trotz ihrer derb-frechen Banalität alles in Grund und Boden”. Eigentlich könnte man sein Set nach dieser Platte eigentlich schon wieder beenden – alles ist gesagt, da kommt jetzt auch nichts mehr, was man jetzt noch spielen müsste. Auch nicht das Original von “Run in Place”, dieses addiert noch einige schräge Synths dazu, die die Nummer etwas in Richtung Vollprogramm drehen; geht vollkommen okay, wirklich zwingend ist das alles aber nicht. Ebenso die eigentliche A-Seite namens “Purple” – eine nette House-Nummer, die man für lau natürlich auch noch nimmt, aber hey… diese Bassline… hach. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Dan Drastic - Slice of Life (Moon Harbour 038)

Achtung, toller Satz folgt: Gabbafreunde weggehört, denn drastisch wird es bei Dan Drastic’ neuer Platte nicht besonders. Dafür tragen die sauber geloopten afrikanischen Vocals und dubbigen Chords zu einer gewissen hypnotischen Deepness bei, die sich in Gesellschaft der letzten Jackmate-Platten auch sicherlich sehr wohl fühlen könnten. Wer zudem auch noch sein Tanzbein mitgebracht hat, findet mit dem Johnny D Mix auf Seite B seinen passenden Partner. Dieser schustert aus dem Original einen zwingenden Stomper, der mit allerlei Shaker- und Bongo-Loops hantiert, auf Effekthascherei allerdings gänzlich verzichtet. Knapp zehn Minuten so etwas, was man damals vielleicht auch als “Tribal” hätte bezeichnen können, heute allerdings mit Kusshand entgegengenommen und nicht mehr losgelassen wird. Original nett, Remix super. (6/6) Sanomat

Charles Webster und Swag? Freunde, lest nicht meine blöde Plattenkritik, sowas kann man doch wirklich blind kaufen. Webster geht seinen Mix des mir leider unbekannten Originals “Export” gewohnt lässig, deep und moody an und lässt bei den einsetzenden Vocals eine Ahnung aufkommen, wie damals Everything but the Girl hätten klingen können, wenn sie sich denn nur nicht so sehr am ekligen Radiopop-Genre festgehalten hätten. Ohne hier besonders pathetisch werden zu wollen, aber ich glaube, man darf Websters Version durchaus als ein musikalisches Juwel bezeichnen, nicht ganz so treibend aber in einer ähnlichen Güteklasse spielend wie beispielsweise die gewohnt hochrangigen Henrik Schwarz-Interpretationen. Bei “Lost” dürfen Swag, die ja auch eher durch Klasse statt Masse glänzen, einmal mehr ihre ungemein funky Beatprogrammier-Kenntnisse ausspielen und erinnern in ihrer zum Tanz zwingenden Abgedrehtheit an den DJ Harvey Dub von Super Colliders “Cold Way O´Lovin’”, den man an dieser Stelle übrigens auch mal wieder rauskramen sollte. Aber erst mal hier natürlich zuschlagen. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Ferenc - Zambomba (Kompakt 181)

Immerhin gibt es auch bei Kompakt gewisse Künstler, auf die man sich verlassen kann. Ferenc wäre so einer. Die A-Seite namens “Zambomba” schickt angenehm kalte Chords auf die Reise durch eine herrlich oldschoolmäßige Drumprogrammierung (inklusive ausgiebiger Crashbecken-Benutzung, yeah!) und drückt dazu sogar noch eine herrlich kantige Bassline zwischen die Sequenzen, die den Track zu einem sexy Hit des Winters machen werden. Jawohl meine Herren, so geht das. Die gleichen Chords dürfen auf Seite B auch noch einmal ran, jacken aber etwas mehr und werden von allerlei weitem und weißem Rauschen unterstützt und bekommen sogar noch Gesellschaft von den in letzter Zeit etwas in Vergessenheit geratenen 909 Open HiHats. Etwas für vorwärtsgewandte Nostalgiker. (5/6) Sanomat

Seien wir mal ehrlich, die goldenen Zeiten der Speicher-Serie sind vorbei. Wo sind die Visionen? Wann wird mal wieder mit Messern gespielt und wann dürfen sich die Mädchen endlich wieder vor Angst in die Hose kacken? Bei Motor jedenfalls nicht, immerhin kommen letztgenannte Damen dabei langsam wieder in Kuschellaune. Ist ja vielleicht auch ein bisschen angenehmer für die traute Zweisamkeit. Der Track “Ice”, der vielleicht auch in ähnlicher Form von The Field hätte kommen können, wabert ganz angenehm durch die Atmosphäre und wird auch nicht rot, wenn man ihn als trancig bezeichnen würde. Auf der B-Seite namens “Ironik” hört man dann allerdings wieder, wie man es eigentlich nicht macht. Jemand, der nicht singen kann, tut eben das trotzdem und intoniert ein leierndes “Aaaaaaah” auf einen sägenden Bass und eine ich-kanns-nicht-mehr-hören Triolen-Melodie. Immerhin zeigt der Promotext Mut zur Selbstkritik: “…wenn wir Glück haben, dann läuft nächstes Jahr wieder spannendere Musik”. Das wäre doch sehr zu hoffen. (3/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Montéz - Acid Mechanics (Estrela 007)

Acid? War das nicht diese komisch quietschende Musik aus den 80ern? Korrekt, mein Freund, allerdings muss man das wohl heutzutage alles etwas lockerer sehen. Montéz’ “Acid Mechanics” hat mit dem ursprünglichen Blubber-303-Sound gar nicht mehr so viel zu tun, alles was vom Acidgedanken noch übrig ist, ist vielleicht die durch allerlei Filter gedrehte Bassline, ansonsten haben wir es hier eher mit einer, immerhin angenehm unpeinlichen, elektrohousigen und leicht discoiden Nummer zu tun, die vielleicht etwas für Leute sein könnte, die sich noch nicht ganz trauen, etwas von Metro Area in ihren Sets unterzubringen. Immerhin ist das Original dank vocodisierter Vocals ein kleiner Feelgood-Garant und das ist doch auch schon mal was. Nature-Labelboss Marco Passerani spendiert dem Track einen neuen Beat, eine neue Bassline, diverse Synths und Rhodes und geht mit dem ganzen Paket noch ein ganzes Stück deeper als das Original, was manch einer sicherlich begrüßen mag. Begrüßen Sie letztendlich mit mir die heutige Punktzahl: (5/6) Sanomat