Als wäre die gute alte Schwedentechno-Zeit mit Beyer, Krome, Mull, Lekebusch und wiesiealleheißen nie zu Ende gegangen kommt jetzt urplötzlich eine Platte auf dem neuen Label “Renamed” daher, die genau dort weitermacht, wo andere Protagonisten irgendwann angefangen haben, in Richtung Minimal zurückzuschrauben. Die fünf hier enthaltenen Tracks knüppeln mit einer gesunden Härte voran, sind dabei aber intelligent produziert und sorgen im Gegensatz zu manch anderen Exemplaren der aktuell erhältlichen härteren Technomusik für reichlich Abwechslung. Mein Favorit ist das sympathisch wubbelnde “Zusammen” auf B2, das ein bisschen so klingt, als wäre der altehrwürdige Modernist bei der Produktion seiner Platte “Dali Bop Horizon” auf ganz seltsamen Sachen hängengeblieben. Und auch sonst rumst und scheppert es, dass es eine Freude ist. Wer also beispielsweise die neonbehoste Hardtechno-Crowd überraschend mal mit ein bisschen Qualität verwirren möchte, liegt mit dieser Platte genau richtig. And tonight we´re gonna party like it´s 1997. (6/6) Sanomat
Brett Johnson und Matthias Schaffhäuser machen ne gemeinsame Sache auf Resopal – da bin ich doch gerne dabei. Auf Seite A legt Johnson mit “Gypsy Love” eine fröhliche und dank seiner verschiedenen Gitarrenmotive überraschend sommerliche House-Nummer hin, die mich in Ansätzen vielleicht an Akufen (was macht der eigentlich?) erinnert, obwohl das eigentlich Quatsch ist. Man muss ja auch nicht immer alles irgendwie vergleichen wollen. Matthias Schaffhäuser gibt sich auf Seite B deutlich minimaler. Dort dreht sich alles um eine atmosphärisch dicht modulierte Chordline, die von pluckernden Drums unterstützt wird und im Kompletteindruck ebenfalls sehr gefällt. Schöne Platte, die Resopal (Red) endlich wieder etwas aus der Mittelmäßigkeit hebt. (5/6) Sanomat
Jesper Dahlbäck loves the Acid. Das weiß man ja schon geraume Zeit und wenn da überraschend eine neue Blank Ltd. um die Ecke kommt, werden sich allerorts Hände gerieben und Plattennadeln entstaubt. Leider quietscht und blubbert es auf zwei der hier vorliegenden drei Tracks nicht wirklich so, wie man es von ordnungsgemäßen Acidplatten erwarten darf, “Chicken Lover” und “Smiling in Love” sind vielleicht ganz nette Nummern für zwischendurch, aber reißen mich zumindest jetzt nicht so vom Hocker. Auf “I Love Water” kann ich mir dann aber endlich wieder das T-Shirt mit dem fett grinsenden gelben Smiley anziehen, denn dort packt Dahlbäck eeeendlich wieder seine 303 an und man merkt, dass er bei diesem Track ganz eindeutig am meisten Spaß hatte. Die originellen Vocals die dazu unermüdlich die Vorzüge von Wasser propagieren tun dazu ihr übriges. Und natürlich kauft man die Platte alleine wegen dieser Nummer. (5/6) Sanomat
Au weia. Wer für diesen namenstechnischen Totalausfall verantwortlich ist, sollte unbedingt mal seine Drogen überprüfen. Wer angesichts des Titels aber peinlichen Großraum-Quatsch der Marke Diskoschlampe erwartet hat, darf sich entspannt zurücklehnen, denn die zwei hier vorliegenden Nummern von Mr. B und der Fat Tony Crew bewegen sich im melodischen Minimal House-Bereich wobei insbesondere Seite B, “Manhattan Secret Society”, hervorgehoben werden muss, erinnert die Bassline doch charmant an vergangene Speed Garage und 2 Step-Zeiten, die für angenehme Da-war-doch-mal-was-Momente sorgt. Wer also im Plattenladen nicht von dem Namen komplett abgeschreckt wird, sollte mal reinlauschen und sich positiv überraschen lassen. (4/6) Sanomat
Frivol, frivol! Der Kanadier Daniel Gardner präsentiert mit seinem Fenou-Erstling eine leicht abgedrehte Nummer, die sowohl Country- als auch TechHouse-Freunde abzugreifen versucht. Auf “Moonshine” gibt nämlich eine Johnny Cash nicht unähnliche Stimme Wildwest-Weisheiten von sich während dazu ein schraddeliges Gitarren-Thema etwas uninspiriert seinen Dienst tut. Als besondere Nummer für zwischendurch um halb eingeschlafene Tänzer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen nicht ganz verkehrt. Wer es subtiler mag, findet auf der Rückseite einen Remix des Stuttgarter Produzenten Michel Baumann alias Soulphiction. Der lässt Vocals und Gitarre weg und legt einen gewohnt deepen und angenehmen Mix hin, der bis auf einen atmosphärischen Sound nicht mehr viel vom Original übrig lässt. Was auch eigentlich gar nicht so verkehrt ist, denn das Original vermag spätestens nach dem dritten Hören dann doch zu nerven. Der Soulphiction-Mix ist allerdings etwas für die Ewigkeit. (5/6) Sanomat
Wenn sich Max Loderbauer von Sun Electric und Tobias Freund von Sieg über die Sonne zusammentun um Musik zu machen, klingt das ganz genau so, wie man es erwarten kann – nämlich sehr spannend. Die vier Tracks der Squelch-EP liegen irgendwo zwischen experimentellem Ambient-Techno, abgedrehten Elektronikspielereien und hochinteressanter Klangforschung. So sticht ganz besonders der B1-Track “Risset” heraus, der eigentlich nicht viel mehr ist als ein einfacher Bassdrum-Snare-Loop, der immer schneller wird, dann aber ab einem gewissen Tempo seltsamerweise nur halb so schnell wirkt, dann wieder schneller wird und so weiter und so fort. Vor tanzwilligem Publikum garantiert unspielbar, aber genau deswegen so gut. Für mich eine der besten Platten des Jahres. (6/6) Sanomat