Archive for April, 2008

Stefan Gubatz

Tim Green - Revox (Dirtybird 017)

Scheinen alles Spaßvögel zu sein, da drüben bei Dirtybird. Denn auch die neue Katalognummer namens “Revox” des britischen Producers Tim Green, kommt nicht ohne die ein oder andere Albernheit inmitten des wie erwartet druckvollen Arrangements aus. In diesem Fall prägnantestes Element ist der stark an THX-Kinotrailer erinnernde Casio-Chord, der mich selbst an meinem kleinen Musikhör-Schreibtisch in Euphorie ausbrechen lässt. Klasse! Knaller! Gaaaaaanz groß! Und wehe, das wird nicht die Platte des Monats! Auch der Remix des alten Dirtybird-Recken Justin Martin auf Seite B lässt sich nur als hochkarätig bezeichnen, dieser drückt aber zusätzlich noch einen derartig tiefen Bass rein, dass sich die Mädels vor Angst in die Hose kacken. Ihr wisst schon. Großartige Platte! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Marco Remus - Dunkle Nacht (Steckdose 001)

Alte Sprichwörter, neu entdeckt: Ich glaub, mein Hamster bohnert! Die Grande Dame des Hardtechno erfindet sich neu, drosselt das Tempo um mindestens 15 Beats und gibt mit diesen drei “Steckdose”-Erstlingen eine Richtung vor, von der manch einer vielleicht sagen mag: aha, der Remus macht jetzt auch minimal, wa? Dennoch sind diese drei Stomper aber in ihrer Konsequenz einfach nur auf den Punkt und rütteln sicherlich so manch einen Puristen ordentlich durch. Irgendwie isses minimal, irgendwie isses trotzdem hart (lange nicht mehr so viel Unwohlsein im Magen gefühlt!) und heraus kommt heftiger Minimaltechno bei dem einem einfach das Blech wegfliegt und man sich fragt, ob man das nun gut finden soll bzw. darf. Aber man darf. So irgendwie auch noch nicht gehört, aber mit Sicherheit eine Blaupause für allerlei Produzenten, die sich eingestehen müssen, dass auch ursprüngliche Ballerer auch etwas von ihrem Job verstehen und in der Lage sind, elektronische Musik weiterzubringen. (6/6) Sanomat

Obwohl sich so manch einer beim letztjährig erschienenen Peter Horrevorts-Album “Evolver” vor Begeisterung regelrecht überschlagen hat, hat mich dieses wegen seiner fehlenden Dreckigkeit leider nicht so wirklich erreicht. Abhilfe schaffen jetzt die Remixe der Herren Johannes Heil sowie Fritz Zander und Sven von Thülen, besser bekannt als Zander VT. Heil beweist auf Seite A eindrucksvoll, dass er immer noch in der Lage ist schnörkellosen, drückenden und bratzigen Techno zu produzieren. Denn obwohl auf den neuneinhalb Minuten gar nicht viel mehr passiert als dass eine einfache Drumbegleitung nach vorne marschiert und eine triolisierte Bassline ab und zu “schniirg” macht, sorgt die Nummer mit Sicherheit nicht nur bei mir für mächtig Euphorie. Für Leute, die es lieber etwas filigraner haben, kommt der Zander VT Mix von “Oorsprong” daher, der über achteinhalb Minuten Chords noch und nöcher droppt und sich somit seinen Platz im Herzen so manchen Neo-Detroit-Freunds sichern kann. Kann sich hören lassen! (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Reynold - Faze Part 1 (Trenton 025)

Trenton fand ich in letzter Zeit (wahrscheinlich als Einziger) nicht ganz so interessant, das ändert sich jetzt aber wieder schlagartig mit Reynolds “Poison In My Mind”, das derartig stark an das gute alte “Can You Feel It” von Fingers Inc. erinnert, ohne aber zu einem Plagiat oder gar peinlich zu werden. Im Gegenteil, gekonnt wird hier auf alte Chicago-Tugenden gesetzt und ausgecheckt, was im Jahr 2008 sonst noch so geht. Auf Seite B gibt es sogar noch einen atmosphärisch dichten Elektro-Track (und hey! Wir reden hier von Elektro und nicht dieser fiesen Schickimicki-Mutation!), der dem Ohr mit seinen jazzy Chords und den später einsetzenden Portamento-Melodien derartig schmeichelt, dass ich zuversichtlich bin, dass diese Platte zwar kaum in den Playlists beschalter und sonnenbebrillter Klicki-DJs auftaucht, aber umsomehr Freunde bei eigentlichen Classics-Sammlern finden wird. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Sounds from Around - Part Four (Aesoteric 027)

Letztes Jahr habe ich mir Tuomas’ Remix von Hesohis “To Hold You” sehr warm ans Herz legen lassen, da taucht dieser plötzlich wieder unter dem Namen Phonogenic wieder auf und präsentiert auf Seite A eine kickende Minimal-Techno-Nummer, deren erst mal eher kalte Grundstimmung nach und nach immer mehr aufweicht und irgendwo im zweiten Drittel regelrecht sentimental wird. Doch auf Seite B gibts noch mehr zu entdecken. Dave Barkers “Yikes!” ist ein fröhlicher House-Tune, der durch seine sparsam eingesetzten Gesangsfetzen und die gelegentlichen Samba-Anleihen mit Sicherheit umgehend für gute Laune auf dem Floor sorgen wird. Der eigentliche Knüller der EP ist allerdings Amantu Wildes ” G-G-Got My Eyes On You” auf B2, der sich derartig schamlos im schlechten Geschmack der 80er Jahre suhlt (und das gekonnt!), dass man sich fragt, warum dieser Track keinen eigenen 12″-Release bekommen hat. Großes Kino, Tennis und Tanzvergnügen! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Ekkohaus - Amoeba (Cargo 005)

Atmosphärisch sehr dicht und ausgesprochen funky kommt “Amoeba” des Griechen Kostas Tassopoulos alias Ekkohaus um die Ecke. Unterstützt von einer mörderisch tiefen Subbassline schlurft der Track derartig lässig über den Boden, dass man umgehend seiner Putzfrau kündigen möchte, gesetzt den Fall man hat eine. Die Remixe auf Seite B besorgt einmal mehr Andreas Wiegand aka Andomat 3000, den man besten Gewissens als Mann der Stunde bezeichnen kann (warum haben wir eigentlich noch kein Feature über diesen Herrn im Heft gemacht?). Dieser kommt einmal in einer noch viel reduzierteren, fast ambientösen Waber-Version sowie einem percussionlastigen Mix, der sich nahtlos in seine durchweg gelungenen Produktionen der letzten Monate einreiht und dem Original fast noch die Show stiehlt. Sehr gute Platte. (6/6) Sanomat