Archive for Dezember, 2007

Der Titeltrack der neuen Neo-Filigrante-12“ ist eine verhältnismäßig unauffällige und leider auch durch seine unoriginelle Melodie nicht wirklich hängen bleibende Elektropop-Nummer, an denen sich die illustren Remixer The Model und John Selway versuchen durften. Ersterer verwandelt „Voyage Rouge“ in einen düsteren und sehr gigoloesquen Dancefloor-Bringer, während Letzterer mehr Fokus auf alte Italo-Tugenden legt, dazu allerlei oft und gerngehörte Vintage-Sounds verwendet und zu guter Letzt sogar die in Techno-Kreisen zum Standard gehörende Quantisierung seiner Sequenzen weglässt. Der Knüller der Platte ist allerdings zu meiner Überraschung der erstaunlich kickende A2-Track „Reverie Rouge“ von den Filigrantes selbst. Da pumpt der Bass, da fliegen die Fetzen und wenn nach dem ersten Break der toolige Beat wieder losgeht, haben sie mich dann endgültig. (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Buster Manac - Weirdo (Freaxow 01)

Schön durcher Techno-Stomper auf Seite A mit allerlei verzerrten Bässen und Synthlines – so schmeckt mir das! Später setzt noch eine Chordfigur ein, die dem ganzen allerdings nicht etwa etwas Freundlichkeit gibt, sondern die fiese Grundstimmung eher noch unterstützt. Wirklich dick. Auch der Remix auf der Flipside, der eigentlich gar nicht viel mehr macht, als die Drums auszuwechseln, zieht sicherlich so manchem die Schuhe aus und in mir wächst der Wunsch, mich mal wieder in irgendeinem dreckigen Kellerclub gepflegt vom Bass massieren zu lassen. Für derartige Partys die ideale Platte. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Yapacc - Second Life (WIR 011)

Yapacc ist einer der Leute, die einen sehr gesunden Mittelweg zwischen Track und Song finden – die Arrangements seiner Stücke sind toll ausgearbeitet, Längen sucht man vergebens und dauernd scheint etwas zu passieren, ohne dass man das Gefühl hat, die Nummer wäre überladen. Genau so ein Exemplar ist „Second Life” auf Seite A, das sich unterteilt in Part 1: Labyrinth und Part 2: Port of Heaven. Neben allerlei direkt tanzbaren Beats, Cut-Up-Anleihen, weiten Flächen und deepen Vocals wirkt das Ganze wie eine endlose, entspannte Bahnreise; durch bunte Landschaften, an tiefblauen Seen und grünen Wäldern vorbei, durch hektische Städte und ruhige Wiesen. Auch „Coral Garden“ ist Kopfkino par excellence, bleibt aber deutlich minimaler als sein Gegenüber. Bisweilen wird hier sogar aktuell-angesagt gepluckert, jedoch bleibt auch hier allerlei musikalische Qualität in Form von sich immer mal wieder einschleichenden Flächen und Vocalfetzen übrig. Mein Favorit ist ganz deutlich Seite A, dennoch sollte hier wirklich jeder seinen Lieblingstrack finden. (6/6) Sanomat

Zunächst mal: super Cover! Noch nie hat mich eine Platte so dämlich-sympathisch-lustlos aus dem Stapel angeguckt, alleine deswegen werde ich wahrscheinlich zukünftig immer mal wieder zu selbiger greifen. Auch die Musik darf man bisweilen als albern bezeichnen, denn irgendwie klingt hier alles wie eine bunte Band aus der Sesamstraße, deren Mitglieder alle mal zeigen wollen, was sie so können. Bandleader scheint hier der funky Rhodes-Pianist zu sein – aber eigentlich darf hier jeder mal. Stilistisch irgendwo zwischen LCD Soundsystem, Cobblestone Jazz und The Electric Mayhem. Später auf A2 singt ein Herr namens Gavin Gordon einen netten Disco-orientierten Popsong ins Mikro und bleibt auch damit im Gehörgang. Abgerundet wird das tolle Paket durch das schmissige “Black Jub”, das mein Opa aus Hamburg sicherlich als “dufte” bezeichnet hätte. Da waven die Hände, da shaken die Hintern und wenn dann auch noch der Veranstalter grinsend von der Theke aus den Daumen hochhält ist doch alles klar. 6 Punkte mit Sahne obendrauf. Sanomat

Stefan Gubatz

Martin Landsky - Man High (Poker Flat 092)

Poker Flat-Institution Martin Landsky zeigt auf der A-Seite, wie heutzutage minimaler, aber doch rockender Techno auszusehen hat – dort passiert gar nicht so sehr viel mehr, als dass sich die aufs Nötigste reduzierten Drums mit der leicht verstimmten Bassline einen Schlagabtausch liefern und nur dann und wann schaut ein Schiedsrichter in Form einer kleinen Synth-String vorbei, um zu checken, ob fair gekämpft wird, aber: aha, okay, alles klar, weitermachen! Passt und rockt! “Cold Eyes” auf B1 bringt ein bisschen mehr Funkyness mit ins Spiel, auch entspannen sich die Fronten wieder ein bisschen, die Bassline tut anständig ihren Dienst und sogar eine seidige Fläche darf den insgesamt okayen Track unterlegen. Okay ist auch der letzte Track, der nicht viel mehr macht als “Wopp” und insgesamt sehr monoton bleibt, aber für stampfige Momente auf dem Dancefloor durchaus klar geht. (4/6) Sanomat

Dessous-Neuzugang Nivek Tsoy (dem einen oder anderen sicherlich besser bekannt als i!-Records-Protagonist Kevin Yost) darf nach seinem Beitrag auf der wirklich gelungenen “Best Kept Secrets”-Compilation nun auf EP-Länge zeigen, dass er sich auch in technoideren Fahrwassern bestens zurecht findet. Der tropfend-verhallte A-Seiten-Track “Time & Space”, der von allerlei düsteren Vocals und einer tiefen Mellotron-Line unterstützt wird, legt schon mal gut vor, das etwas melodiösere aber nicht minder atmosphärische “New Edison” auf B1 schielt mit seinen metallischen Drums ein bisschen in Richtung Kraftwerks “Music Non Stop”. Sehr schön, sehr angenehm. Zu guter Letzt gibts dann noch den Compilation-Beitrag “New Galaxy Love”, der mir dort schon super gefiel, aus Vollständigkeitsgründen aber natürlich gerne noch mal genommen wird. (5/6) Sanomat