Eine angenehm reduzierte Technoplatte mit Exkursionen in deepe Gefilde präsentiert uns der Züricher Michal Ho mit “Takeaway”. Das Original schaukelt sich entspannt seinen Weg durch die Menge, passend dazu die Vocals von Jon Jon, die der ganzen Nummer eine housige Facette verpassen. Schick! Rhadoo beschränkt sich bei seinem Mix auf ein “Aah!” der Vocals und fügt dieses gekonnt in eine sehr minimale und oft monotone Techno-Konstruktion ein; Jona schickt bei seinem Mix die Vocals ebenfalls durch den Häcksler und webt diese in seinen manchmal bleependen, aber immer mächtig funky Mix ein und Labelowner Jay Haze geht mit seiner Version noch eine Nummer deeper, es darf gedubbt werden! Durchgehend guter Stuff, jeder Mix ist uneingeschränkt empfehlbar und kann trübe Sets mit einer ganzen Menge freundlichem Vibe aufhellen. (5/6) Sanomat
“Babylon” auf A1 ist ein relativ schneller und mächtig nervöser Trommel-Deephouse-Track, der nur so gespickt mit allerlei Klavier-, Vocal- und Synthschnipseln ist, für den ich jetzt aber leider gar nicht so recht Verwendung finden würde. Auch “Deception” auf A2 setzt auf ähnliche Elemente, bleibt etwas ruhiger und liefert schon mal einen guten Soundtrack für nächtliche Autofahrten durch die Stadt. Am ehesten bin ich für “Design” auf B1 zu haben, dort hat Lerosa die alte Kombination 303 / 707 auf den Tisch gestellt und zwirbelt und jackt, dass man denken möchte, es wäre wieder good old 1988. “Cracked and Ready” macht mit B2 den Abschluss und klingt dann auch ein bisschen so wie der Rausschmeißer der EP, relativ langsam und relativ entspannt und ein okayer Closer für die wirklich in Ordnung gehende Platte. (4/6) Sanomat
Typische Substance & Vainqueur-Platte, die wie gewohnt mächtig dubbt und schrubbt. Da weiß man was man hat – Kenner der Materie greifen natürlich zu. (4/6) Sanomat
Ich kann mich noch erinnern, als ich das erste mal die “Entr’acte Music” auf der Cadenza 12 gehört habe. Die Nummer strotzte vor Funk, war angenehm monoton und weit mehr als man gemeinhin von gängigen Minimal-Platten erwarten konnte. War es überhaupt minimal? Irgendwie schon, aber doch mächtig housy und so deep, dass man gleichermaßen zarte Girls wie kräftige Jungs mit der Nummer erreichte. Die neue Amygdala EP kann wohl als eine Art Fortsetzung der Cadenza-Nummer gesehen werden, allerdings ohne sie zu kopieren oder in die gleiche Kerbe zu hauen, viel mehr geht Seite A sogar noch einen Schritt weiter und perfektioniert den Andromat und Jan-Style zu einem Peaktime-Knüller allererster Kajüte. Seite B ist ebenfalls nicht zu verachten, kommt noch ein bisschen perkussiver daher und komplettiert dieses wirklich erstklassige Release des neuen Labels Indigo Raw. (6/6) Sanomat
Haaaaaah… Die Promoinfo sagt: “We´re tired of the sterile, tired of the clicks with micro kicks. We want it huge, groovy and with a damn hook that makes your booty shake!” – und verdammt noch mal! – wie Recht sie hat. Die Soulfull EP des Franzosen Fred Aubourg aka Skat ist reinster Deep House, wie er dieser Tage nicht willkommener sein könnte. Klassische Drumpattern mit reichlich Oldschool-Flavour, funky wie eh und je und mit dem richtigen Chord zur richtigen Zeit versetzt, muss ich die Platte einfach zu meinem besten Freund des Monats erklären. So geht Musik, ihr Klicki-Klacki-Nasen! (6/6) Sanomat
Wow! “Horses, Cars and Girls” sowie “Waiting” sind zwei enorm überdrehte 80er-Jahre HouseFunk-Nummern aus der Feder von Martin Welzer (alias DJ Friction / Freundeskreis) und Philipp König (alias Kris Menace), bei denen sich der Tanzflur unter Garantie in wenigen Nanosekunden zum Bersten füllt. Auf der B-Seite versucht sich James Flavour an einem Remix von “Waiting”, kann aber angesichts der wirklich erstklassigen Vorlage kaum noch punkten. Da muss wohl DJ Friction selbst auch noch mal ran und liefert zu guter Letzt noch einen Mix des Titeltracks, der wieder ähnlich charmant wie die beiden A-Seiten-Nummern daherkommt. Erstklassiges Material! (6/6) Sanomat
Catwash sind immer für eine lustig ravende Nummer gut, so auch mit der neuesten Platte namens “Super Body”, deren Titeltrack unter Verwendung von allerlei Chord-Stabs ordentlich durch die Gegend jackt. Gegen Ende kommt sogar noch eine etwas unerwartete, aber doch passende Fläche mit ins Spiel, die dem ganzen noch einen gewissen sentimentalen Touch gibt. Warum nicht? “Basic Info” auf B1 bleibt in einer ganz ähnlichen Stimmung, tauscht aber die Stabs gegen FM-Chords aus und “Walking on the Moon Shine” auf B2 setzt wieder mehr auf Flächensounds. Durchaus okay und vielseitig einsetzbar. (4/6) Sanomat
Kleine Geschichtsstunde für die Zugestiegenen: Ferox war ein 1993 von Russ Gabriel gegründetes Technolabel aus England, das damals sehr von Detroit Techno beeinflusst war, dem aber immer eine ganz eigene Komponente hinzufügte. Einer der großen Ferox-Anhänger ist der Sushitech- und Pariter-Labelowner Yossi Amoyal, der nun drei seiner damaligen Lieblingstracks auf seinem eigenen Label wiederveröffentlicht. Mit im Boot sind das herrlich pumpende 909-Monster “In The Bag” von Blue Arsed Fly (hier im Russ Gabriel Mix), das reichlich arschwackelnde “Adventures of a New Jack” von Paul Hannah sowie das mächtig an Daniel Bell erinnernde “Venus Fly Trap” von Too Funk. Erstaunlich, dass mittlerweile fast 15 Jahre alte Musik immer noch so frisch wie eh und je klingen kann. Wem diese Platte über den Weg läuft, der sollte hier dringend zugreifen, einfacher kann man wohl kaum an derartige Klassiker kommen. (6/6) Sanomat
Da hätte ich mich doch fast vertan, die neue Philpot ist nicht etwa eine neue Modernist-Platte mit dem Namen “Here Today”, sondern eine neue Platte von “Here Today” mit dem Namen “Modernist”. Da kann man mal sehen. Die beiden Tracks auf der A-Seite sind zwar angenehm ungerade, vertrackt und doch mit reichlich Soul unter der Haube, erreichen mich aber trotzdem irgendwie nicht – wahrscheinlich liegts an dem relativ unbrauchbaren Tempo, das mir – egal in welcher Pitchstellung – immer seltsam vorkommt. Zu schnell? Zu langsam? Komisch. Glücklicherweise (und das aber mit Sahne obendrauf) gibt es auf der B-Seite noch einen Soulphiction-Remix, hinter dem sich natürlich niemand anderes als Michel Baumann alias Jackmate versteckt. Dieser kommt mit gewohnt schludrig-lockerer und vor Funk nur so triefender Beatprogrammierung daher und taugt in deepen Housesets garantiert zu einem kantigen Höhepunkt. Super Mix und der eindeutige Gewinner der Platte. B: (6/6) Sanomat
Pssst… Da kommt das Poker-Flat-Sublabel Dessous mit seinem großen Mantel die Straße entlang geschlichen, schaut sich kurz um und zieht eine Doppel-CD aus der Innentasche hervor, die mit einem wissenden Gesichtsausdruck überreicht wird. Hier – das gute Zeug. Ein bisschen aufgeregt, aber doch in freudiger Erwartung geht man nun eiligen Schrittes nach Hause und legt mit zittrigen Händen die erste CD in den Player. Und direkt bei den ersten Takten von Phoniques “Worked it Out” im Charles Webster Remix ist klar: das IST das gute Zeug. Das ist sogar noch besser, als man erwartet hätte. Denn was sich auf den beiden Silberlingen (CD 1 zusammengestellt von Steve Bug, CD 2 gemixt von Vincenzo) auftut, kann einem nicht nur den Tag retten, sondern tut dies vermutlich auch gleich mit dem ganzen Deep-House-Genre. Namen wie Efdemin, Cle & Mike Vamp, Tanzmann & Stefanik oder auch Metro-Area-Legende Morgan Geist dürften für sich sprechen – einfach eine grandios gute und zeitlose Compilation. Und wer einem solche Geheimnisse verrät, der kann es doch nur gut meinen. (6/6) Sanomat
Anspieltipps:
Phonique – Worked it Out (Charles Webster Mix)
Simon Flower – Past Perfect
Discemi – When Mika Shot Puts