Wer hat da gerufen, die Welt brauch mehr Minimal-Labels? Die Herren Preocoop vielleicht, hinter denen sich Andre Stubbs aus London sowie Chopstick und Johnjon aus Berlin verstecken. Nun, dann wollen wir mal testen, was Baalsaal soundmäßig denn so zu bieten hat. Das Original von Seite A ist ein verhältnismäßig okayer, aber doch unauffälliger Minimal-Track (oder Minimal / Emotional, wie der Infozettel vorschlägt). Der Remix von Ritch & Collins auf Seite B lässt mich dann allerdings doch noch aufhorchen – ein ganzes Stück technoider, mit dicken Basslines und klimperigen Percussion-Melodien, die ab der zweiten Hälfte sogar noch ein verschmitzt grinsendes Motiv in den Raum werfen, interpretieren die beiden das nun wirklich etwas schnarchige Original. Hier gehts direkt nach vorne, bitte einsteigen und mitmachen! Trotzdem – ob es dafür noch ein neues Label gebraucht hätte, stelle ich wirklich mal in Frage. Für den Remix gibts aber auf jeden Fall (5/6) Sanomat
Nach dem vielbeachteten Labelerstling “Viktor Casanova” der Italoboyz dürfen nun Monty Luke und Tasho ans Werk und liefern mit “Paranoid” weiteres Material für verstörende Minimal-Sets. Ihr Track stützt sich in erster Linie auf eine schräge Acid-Line, zu der eine kräftig durch den Wolf gedrehte Stimme mutmaßt, sie sei paranoid geworden. Meiner Meinung nach ein bisschen zu gewollt, das Ganze – ich für meinen Teil greife da lieber zu dem prima groovenden und sehr frei interpretierten Remix von Todd Bodine auf Seite B, der der ganzen Angelegenheit einen herrlich freaky-schönen Anstrich verpasst und der eindeutige Gewinner der Platte ist. (4/6) Sanomat
Die nächste Mojuba kommt einmal mehr von Nik Solé, der ja bereits für die erste Katalognummer verantwortlich war. Seine neueste 12″ heißt “World Dubbing” und genau so klingt sie auch – sehr ruhiger, maximal angenehmer Dub-Techno, der ganz auf die subtile Kraft von hereinschwebenden Flächen, kleinen Vocal-Fetzen und einmal mehr den Klassikern überhaupt – 808-Toms und 909-Hihats setzt. Und obwohl man sich wünscht, dass Seite A nie aufhören würde – irgendwann tut sie es, was aber gar kein Problem ist, denn auf Seite B gibt es eine weitere Nummer, die sogar unter Umständen die Tanzinstinkte weckt. Der Beat wird etwas konkreter und direkter und Solé gibt sich noch ausgiebigeren Delay-Sessions, als sie auf Seite A praktiziert wurden, hin. Ab und an schaut auch noch der ein oder andere Chord-Stab vorbei und macht auch diese Nummer zu einem Must-Have. Sehr sehr gute Platte, Höchstpunktzahl. (6/6) Sanomat
Nach der “Merluche Ideale” von Rene et Gaston, die sich in meinem Freundeskreis wirklich ALLE gekauft haben, ist nun die “Technique EP” von Parallel 9 an der Reihe, hinter der niemand anderes als Steve Rachmad steckt. Rachmad wird ja gemeinhin gerne mal als König der niederländischen Variante des Detroit-Sounds dargestellt, was er bei diesem Zweitracker mal wieder spielend bestätigt. “Technique” auf Seite A kommt im Vergleich zu seinen anderen Produktionen noch eine ganze Facette deeper, dunkler und atmosphärischer daher, was Freunde hypnoseartiger Trancezustände sicherlich mit Freude zur Kenntnis nehmen werden. Für “Technic” auf Seite B legt Rachmad einen Knackigkeitsgrad zu, bleibt aber dank unermüdlich rollenden Sequenzen immer noch locker-leicht und liefert insgesamt ein tolles Paket zeitloser und einfach sauguter Musik. Ich schreib mal eben eine Rundmail an meine Jungs. (6/6) Sanomat
Da kann man sagen, was man will, der Romboy hat einfach ein sicheres Händchen für tolle Musik, die er auf seinem Systematic-Label featured. Die aktuellste Nummer kommt von Olivier Gregoire, der nach diversen Compilation-Beiträgen und einigen 12-Inches auf King Kong oder Turbo klarstellt, dass man zukünftig noch mit ihm rechnen muss. “Empechment” auf Seite A ist eine wirklich großartige Nummer, die aktuelle TechHouse- und Minimal-Strömungen mit einer saftigen Portion Detroit-Chords vermischt und als ein weiteres Indiz für einen langsam anrollenden neuen Trend gesehen werden kann. Auf Seite B betont Gregoire seine housigere Seite etwas stärker, ich persönlich stehe ja total auf Disco-Handclaps, doch spätestens wenn die an Inner City erinnernden Stabs einsetzen, dürften auch die Letzten von der Bar in Richtung Dancefloor hechten. Und wer dann immer noch nicht genug hat, der darf sich dann auch noch mit Track Nummer drei, “Diapo” vergnügen, der zwar ein bisschen klingt wie Booka Shades “Mandarine Girl”, das dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch tut. Tolle Platte! (6/6) Sanomat
Das neue Release von Q-Ram, der Kollaboration zwischen dem japanischen Producer Q´hey und dem Düsseldorfer Tausendsassa Ramon Zenker, bietet wieder einmal allerlei knackige Kost für ElektroHouse-Freunde rund um den Globus. Der Meerbusch Mix auf Seite A besticht durch eine klimperige Melodie, eine leicht angezerrte funky Bassline und die effektiv gesetzten Breaks. Macht sich einfach gut und passt. Der Sazusa Mix auf Seite B bleibt in einer ähnlichen Stimmung und fügt zudem noch ein paar flirrende C64-Sounds und eindringliche Sägelinien hinzu. Welche Version einem nun lieber ist, darf jeder selbst entscheiden, falsch machen kann man hier jedenfalls gar nichts. (4/6) Sanomat
Wenn die Musikwelt gerade mal wieder besonders trist ist, klingelt es an der Tür und Sub Static reicht ein neues Release rein. Diesmal darf man Rene Breitbarth zu Kaffee und Kuchen begrüßen, der mit “Interior Design” gleich drei neue Nummern am Start hat. Der Titeltrack groovt elegant vor sich hin, schickt ein paar Bongo-Percussions durch das Wohnzimmer und hat mit der angenehm klonkigen Bassline ein echtes Feel-Good-Element in petto. Auf Seite B gehts in ähnlichem Gusto weiter, melodiöse, aber nicht zu vollgepackte Gute-Laune-Techno-Tracks, “Talking all that Jazz” überzeugt mit thematisch passenden Septakkorden und “Tic-Tac” klingt so, wie es heißt – etwas pluckernder als die anderen Titel, aber überzeugend ausgearbeitet und einfach schick. Prima Paket und eine der besten Sub Static-Platten der letzten Zeit. (5/6) Sanomat
Zugegebenermaßen stehe ich ja wirklich auf die Kombination Technobeat / Weiblicher Sprechgesang. Man denke da beispielsweise nur an Robyns “Konichiwa Bitches” oder auch Sharon Philips´ “Want 2 Need 2″ (vorzugsweise im herrlichen Trentemøller Mix). Nun krallt sich Larry Tee, von dem ich bisher nicht allzu viel gehört habe, die immer für ein Feature gute Princess Superstar und schustert einen Traack namens “Licky”, der im Original mit ordentlich Oldschool-Flair daherkommt und für ekstatische Ravemomente auch noch eine sägende Synthline mitbringt. Als würde das noch nicht reichen, gibts ab der zweiten Hälfte sogar noch wilde Stab-Orgien obendrauf, die auch schon in den frühen 90ern für Furore gesorgt hätten. Hit, würd ich mal sagen! Die Remixe auf Seite B kommen von Chris Menace (elektro-housy, nicht wirklich aufregend aber okay) und Sebastien Leger (ebenfalls Elektro-House, der bessere Remix), können aber gegen das starke Original nichts ausrichten. Die A-Seite rockt einfach. (5/6) Sanomat
Seltsames Ding, was sich Force Tracks da ausgedacht hat. Max und Moritz präsentieren: Karneval der Verpeilten – Mukke. Zugegeben nicht ganz mein Humor, aber wenn man sich die Compi mal anhört, erschließt sich das Konzept dann doch irgendwie. Denn die hier zusammengestellten Titel sind doch größtenteils irgendwie schräg, mal frickelt ein Rico Loop Beatbox-artige Schnipsel zusammen, mal schunkelt Sven Dohse einen Jahrmarkt-Loop übers Parkett, hier stellt Pilocka Krach fest, dass Prostituierte für Geld mit beliebigen Personen kopulieren, dort leben Girls United heimliche 80er-Jahre-Fantasien aus. Und so seltsam und sonderbar manche Beiträge doch auf den ersten Blick erscheinen mögen, so passen sie doch alle irgendwie zusammen. Für akustischen Tesafilm sorgen vielleicht auch die vielen, dann auch angenehm unalbernen Tracks von Autotune, Jake The Rapper, The Dose oder Metope, und wer hätte das gedacht? – Ist das doch ne wirklich runde und gut hörbare Compilation geworden, die vielleicht etwas… öhm… “anders” ist, als das meiste, was so auf dem Markt ist, aber das muss ja nicht immer schlecht sein. Mir gefällts. (5/6) Sanomat
Anspieltipps:
Rico Loop – Wohin Du Willst
Sven Dohse – Squash
Jake The Rapper – Alpine Lullaby
Irgendjemand in der Redaktion scheint meine Rezensionen doch zu lesen, denn kaum habe ich in der letzten Ausgabe eindringlich und unter Androhung von wüstem Schütteln darum gebeten, mir möglichst bald das Album auszuhändigen, liegt ebendieses nun auf meinem Tisch. Und es ist groß! Seit der oftmals als Album missverstandenen Doppel 12-Inch “Neon” hat sich im Hause anscheinend so einiges getan. Die Tracks kommen auf den Punkt, zerren an den richtigen Stellen an den Euphorie-Nerven der Hörer und bleiben auch mal verhalten, wenn großes Brimborium gar nicht von Nöten ist. Auf dem Album findet sich enorm viel Material für den Club; keine einzige Nummer, die in diesem Kontext nicht funktionieren würde. Dennoch sticht meines Erachtens insbesondere “Anti” besonders heraus, kaum ein Titel in Technoland verursacht derzeit nervösere Blicke und euphorischere Stimmungen auf der Tanzfläche. Doch ist es insgesamt eher müßig, die besten Stücke aufzuzählen, jeder wird hier mit Sicherheit seine Lieblingstracks finden – Potential dazu haben sie alle. Erwartungen voll erfüllt; ein Album zum Behalten und ich bin mir sicher, dass wir Treshers nun wirklich ersten Longplayer in allerlei Jahrescharts 2007 finden werden. (6/6) Sanomat
Mensch Harthouse, was macht ihr für Sachen? Da hat man mit Boris Brejcha wirklich eines der hoffnungsvollsten Talente an der Hand, der bereits letzten Monat für allerlei erstaunte Gesichter in der Raveline-Redaktion und bestimmt auch anderswo gesorgt hat – und dann veröffentlicht man sein erstes Album, das gespickt ist mit allerlei Überraschungsmomenten, derb groovenden und knarzigen Sequenzen, Soundexperimenten und einfach kickenden Tracks ALS MP3 ONLY?? Ich versteh es nicht. Bereits “Who Is Your Man” (HH17) und Brejchas Remix von Zoo Brazils “Stars In Your Eyes” (HH16) bringen wahrscheinlich nicht nur meine Plattennadeln seit einiger Zeit zum Glühen, da schreien die Tracks dieses 16 Stücke dauernden Albums doch geradezu nach Clubeinsatz per schwarzer Scheibe! Mit einem derartig gelungenen Album gebührt Brejcha einfach eine breite Aufmerksamkeit, die sich durch ein reines mp3-Release doch gar nicht erreichen lässt. Bleibt also zu hoffen, dass sämtliche DJs dieses Planeten von jetzt auf gleich auf digitales Mixing umsteigen, denn dieses Album muss einfach dort hin, wo es hin gehört: in den Club! Ich sehe schon enorme Verkaufssprünge bei Traktor, Serato und Co. (6/6) Sanomat
Okay, liebe Cadenza-Anhänger, ich weiß, ihr werdet diese Doppel-CD mit den aktuellen Hits des Labels, gemixt von Luciano persönlich, sowie der zweiten CD, auf der das Beste aus den ersten sechs Vinyl-Veröffentlichungen zusammengestellt wurde, sowieso kaufen. Allen anderen muss ich leider mit einer bekannten Floskel kommen; ihr ahnt es schon – früher war alles besser. Denn was sich trackmäßig auf der “Contemporary”-CD tummelt, kann man als gemeiner Musikkonsument ohne rosarote Minimal-Brille auf der Nase weitestgehend wirklich nur noch als enttäuschend und durchschnittlich dahinplätschernd bezeichnen. Dabei zeigt doch direkt die “Classics”-CD nebenan, dass man anscheinend durchaus mal wusste, wie man intelligente, ausgeklügelte und wegweisende Minimal-Tracks produziert. Dass der Infozettel von einer “ständigen Weiterentwicklung” des Cadenza-Sounds spricht, mag sich mir wirklich nicht recht erschließen, Entwicklung vielleicht, aber die Richtung stimmt irgendwie nicht. So bleibt für mich in erster Linie die (immerhin wirklich gute!) CD 2 mit den Classics, CD 1 schenke ich vielleicht meinem Nachbarn, der rennt in letzter Zeit immer mit so nem komischen Schal durch die Gegend. (4/6) Sanomat
Anspieltipps:
Luciano & Quenum – Orange Mistake
N.S.I. – Max Binski
Luciano – Bomberos