Archive for August, 2007

Stefan Gubatz

Sog - Sog 2 (Kompakt Speicher 53)

Konsequent sind die Herrschaften aus der Werderstraße ja. Ich wüsste auf Anhieb kein zweites Label, das die Eier hätte, diese beiden Tracks zu veröffentlichen. Denn, um mal etwas spitzfindig zu sein, kann man die beiden Sog-Nummern ziemlich treffend mit “dum… dum… dum-dum-dum” beschreiben. Und das wars eigentlich auch schon. Ansonsten passiert annähernd gar nichts. Ich könnte mich ob dieser kackfrechen Banalität vor Freude einnässen, andere Gestalten zeigen sich wahrscheinlich lieber hochgradig irritiert und beschäftigen sich statt mit Tanzen eher mit der Frage, ob die Nadel hängt oder ob der DJ eingeschlafen ist. Ich jedenfalls mags - wie ihr das seht, dürft ihr natürlich selbst entscheiden. Ich geb mal (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Cassino & Laben - Break Off EP (Stadtwald 002)

Ach wie schön, ich mag diese Schwebetracks, durch die sich eine einzige wabernde Fläche wie ein Laserteppich im Nebel zieht. Dazu gesellt sich eine düstere Bassline, die ihre Verwandschaft zu früheren TechTrance-Produktionen mit leichten Acid-Anleihen nicht verheimlichen muss. Gefällt und macht Lust auf mehr. Wie gut, dass es auch bei dieser Platte noch eine B-Seite gibt. Diese ist von der Grundstimmung sehr ähnlich - entspannte Chord-Fliesen mit viel Hall legen sich über das Konstrukt aus Bassline und, verglichen mit Seite A, sehr viel reduzierteren Drums, deren Bass sich nur noch erahnen lässt. Sehr angenehm und dazu prädestiniert, noch lange lange lange in der Rotation zu bleiben. (6/6) Sanomat

Ums direkt mal zu sagen: Mir gehen die Vocals mit der seltsam pulsierenden Melodie untendrunter unheimlich auf die Nerven. Vielleicht mag das ganze ja im Club eine gewisse hypnotische Wirkung haben, aber für mich wäre direkt der Moment gekommen, meine Bierreserven an der Bar aufzufüllen. Auch “Diablos” auf A2 kommt nicht wirklich in Fahrt, so dass meine Hoffnungen bei Jens Bonds Remix auf Seite B liegen. Und sieh mal einer an: Dieser scheint am Original auch nicht allzuviel Verwertungswertes gefunden zu haben, dass er so frei wie nur möglich eine deepe Dub-Tech-Nummer aufs Parkett legt, die sogar noch hier und da Steve Bugs “Loverboy” zitiert. Kann man machen und rettet die Platte eindeutig vor der Weitergabe an Leute, die man nicht mag. Remix: (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Dani König - Maher Amad EP (3rd Floor 007)

Manchmal kann es schon irgendwie lästig sein, einen großen Hit gehabt zu haben. Derrick May hatte “Strings of Life”, Ken Ishii hatte “Extra” und Dani König hatte “Disco 3000″, was sicherlich immer noch diverse Türen öffnet, doch findet im Laufe einer Karriere meist eine gewisse musikalische Entwicklung statt. Und so werden sich sicherlich einige fragen, wieso man nicht mehr den alten Haudrauf-Stil fährt. Die Antwort liegt im Falle König klar auf der Hand: neue Wege wollen gegangen werden. Folgerichtig finden sich auf der Maher Amad EP somit keine Hands-Up-Kracher, sondern vielmehr drei ausgeklügelte und auf Hochglanz polierte (im weitesten Sinne) Minimal-Tracks, von denen insbesondere “Seize Matters” mit seiner subtilen Percussionmelodie und den winzigen Acid-Anleihen auffällt, gefolgt vom unheimlich funky-jackenden “Vincent Hanna”, die als Neuauflage alter Detroit- und vielleicht auch ein bisschen Basic Channel-Prinzipien verstanden werden kann. Sehr gelungen und ich muss keine Sekunde zögern, die alte Disco 3000 gegen diese Platte im Case auszutauschen. (6/6) Sanomat

Na das hat sich Boris Brejcha ja schön ausgedacht. Nennt seine Platte “Who Is Your Man”, nur damit Rezensent wie Konsument gleichermaßen begeistert rufen: Du bist unser Mann, Boris! Aber was soll man angesichts dieser drei anstandlos ehrlichen und großartig ausproduzierten Techno-Granaten schon anderes sagen? Knüppel auf den Sack, Hände in die Luft! Und ich prophezeihe mal, dass Herr Brejcha – gesetzt den Fall, er bleibt releasetechnisch am Ball – in nicht allzulanger Zeit ganz vorne mitspielen wird. Aber ganz vorne. Musik, die endlich mal wieder etwas Blut in die Venen des Techno pumpt und sich sicherlich auch prima in Gesellschaft diverser Turbo- oder Ed-Banger-Platten macht. Tolles Vinyl-Debut und ich bin mal gespannt, was da alles noch kommt. (6/6) Sanomat

Wieder so eine Platte, auf der der Originalinterpret auf seiner eigenen Platte gar nicht auftaucht. Man stelle sich das vor: Zoo Brazil sitzen in irgendeiner Kneipe, das Handy klingelt, Herr Harthouse ist dran und sagt: he Jungs, ihr habt ne neue Platte gemacht, aber ihr kommt dort gar nicht vor. Soso, denken Zoo Brazil, trinken aus und gehen in den nächsten Plattenladen um zu hören, was Tomas Andersson, Billy Dalessandro und Harthouse-Newcomer Boris Brejcha da so mit ihrem Original angestellt haben. Hmmm, sagen Zoo Brazil, Tomas Andersson klingt so, wie Tomas Andersson eben so klingt, Billy Dalessandro kommt ziemlich groovig daher - feine Nummer, aber wer ist denn dieser Boris Brejcha? Meine Herren, was veranstaltet der denn da? - Begeistert kaufen sich Zoo Brazil die Platte, obwohl sie genau wissen, dass sie sowieso die Promo bekommen und sind angesichts des über-heftigen und einfach nur fetten Brejcha Remixes doch gar nicht so verstimmt, wie sie ursprünglich mal geplant hatten. Man beschließt, den Hut vor Brejcha zu ziehen, den Mix noch mal zu hören und daraufhin wieder hochmotiviert im Studio zu verschwinden. B2: (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Sian - Flood EP (Octopus 001)

Okay, ich muss es einfach sagen: ich habe Gui Boratto mittlerweile eigentlich ein bisschen über. Fast stündlich erscheint eine neue Platte mit einem Gui Boratto-Remix auf der B-, oder noch besser: auf der A-Seite, und obwohl Boratto in den meisten Fällen zugegebenermaßen hochqualitative Arbeit abliefert, muss ich trotzdem jedesmal denken: ach, der Boratto schon wieder. Genau das hab ich bei Sians Flood EP auch gedacht, als ich während die A-Seite mit der düsteren, aber doch angenehm fließenden Originalversion lief, den Infozettel las. Doch als dann die Platte umgedreht wurde und die erste Melodie auf der B-Seite ertönte, war ich irgendwie doch sofort dabei. Ein Boratto-Remix, wie schön! Und dann auch noch so ein herrlich harmonischer und spannender Remix! Ich kann nicht anders, aber ey! Boratto, ne? Daumen hoch! Gutes Original, aber toller Remix! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Snuten - Entourage (Audiobahn 4)

Neulich meinte mein werter Herr Kollege Hardmate in einer eMail-Konversation, dass nach der milliardensten Minimal-Platte durchaus mal Zeit für einen, nennen wirs mal “Neo-Detroit”-Hype wäre. Ich glaube, wenn es so weitergeht, dürfte mein harter Kumpel durchaus Recht haben, denn auch die Entourage-EP von Snuten geht eindeutig in die Richtung, klonkige Chords, ein bisschen Acid-Bass und nicht gerade wenig von der Substanz, die anderswo “Hi-Tech Soul” genannt wird. Seite B entwickelt sogar eine kleine Affinität zu Samba-ähnlichen Chord-Quantisierungen, dass ich nicht nur freudig mit dem Fuß wippe, sondern mir zudem wünsche, dass ich zukünftig noch mehr solche Platten hören darf. Ich glaube, Herr Hardmate sieht das ähnlich. (6/6) Sanomat

Uiuiuiuiui, der Tresher macht ein Album! Als Vorbote daraus gibt es Vinyl Nummer zwei (Nummer zwei?? Warum hab ich die erste verpasst?), die wiederum zwei Titel beherbergt. “Running Systems” auf Seite A ist ein langgezogener und verhältnismäßig deeper Track, der wahrscheinlich nur als Ruhe vor dem Sturm verstanden werden kann, denn was “Anti” auf Seite B veranstaltet, zieht wahrscheinlich nicht nur mir die Schuhe aus. Diese Nummer ist ein unerhört langgezogener Builder, dessen nervöse Bassline sich ständig weiter aufdreht und im Zusammenspiel mit den knackigen Drums dermaßen hypnotisch und dunkel daherkommt, dass ich auf der Stelle jemanden schütteln will, der mir jetzt bitteschön Teil 1 von “A Thousand Nights” oder besser gleich das ganze Album aushändigt. Waaah! Geile Platte! (6/6) Sanomat

Hah! Patrick Lindsey und Stanny Franssen sind schon zwei Vögel! Da trauen die sich doch wirklich, noch mal den alten Hans Braun aus der Kiste zu holen und ihn in einen großen Bottich aus gebrochenen und geraden Beats sowie einer ordentlichen Portion Säure Marke 303 zu tunken, ordentlich zu schütteln und kurz darauf die Reste seiner Fingernägel in das noch warme Vinyl zu drücken, von wo aus zwei dermaßen derbe Tracks ertönen, dass so manch ketamin-verwirrter Jüngling nur ratlos auf der Tanzfläche stehen bleibt, während um ihn herum die Party des Jahres stattfindet. Ich möchte wetten, dass Lindsey und Franssen schon im Studio mächtig Spaß hatten, doch ich kann es kaum erwarten, diese Nummer mal im Club zu erleben. Heftig aber super! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Dibaba - The Tiger EP (Deeplay Soultec 016)

Tja, Seite A ist irgendwo zwischen Darkwave und frühem 90er Techno steckengeblieben und mag mich nicht wirklich bezirzen, immerhin liefert Olle Cornéer alias Dibaba auf Seite B noch eine etwas knackigere und schon ein ganzes Stück mehr nach vorne gehende Nummer, die im Vergleich zwar eindeutig die Nase vorn hat, aber trotz diverser gutgemeinter Acid- und auch Disco-Referenzen muss man auch diesen Track nicht wirklich haben. Nunja. (3/6) Sanomat

Natürlich würde ich nie auf die Idee kommen und schreiben: “Diese Kuh hat noch viel Milch”, aber nachdem das Trentemøller-Album auf Poker Flat so dermaßen die Runde gemacht hat und sogar mit der “Impala Silber” für 50.000 (!) verkaufte Einheiten ausgezeichnet wurde, drängt sich hier ein bisschen das Gefühl auf, man möchte noch mal mitnehmen, was man so kriegt. Denn wirklich neu ist hier kaum etwas, auf zwei CDs gibt es quasi eine Art Best-Of der gelungensten Songs und Remixes, manch eine Nummer, die bisher ausschließlich auf Compilations zu hören war ist auch dabei, und – okay – eine kleine Handvoll neuer Tracks gibts als Dreingabe dazu. Während auf CD 1 nahezu ausschließlich eigene Produktionen zu finden sind, die man zugegebenermaßen wirklich als herausragend bezeichnen muss, gibt es auf CD 2 einen bunten Blumenstrauß von Trentemøller-Remixen, die man zwar alle schon tausendmal gehört hat, aber wenn man sie trotzdem noch mal auf einen Blick haben möchte: bitteschön, da sindse. Um fair zu bleiben muss aber wirklich gesagt werden: CD 1 ist musikalisch mit das Beste, was in der letzten Zeit so veröffentlicht wurde, die gängigen Dance-Mixe auf CD 2 fallen dagegen leider ziemlich ab; vieles davon wirkt im Vergleich mit dem ersten Silberling geradezu banal. Ich würde mich wirklich über ein komplett neues Trentemøller-Album freuen, bis es soweit ist gebe ich mich allerdings auch mit CD 1 dieser Sammlung irgendwie zufrieden. (4/6) Sanomat

Ich kann mir nicht helfen, aber bei Robag Wruhme muss ich unweigerlich an den deftigen Eintopf denken, den sich die Freude-am-Tanzen-Crew auf einem der ersten Slices-DVD-Features schmecken lässt, während zeitgleich im Kölner Kompakt-Vertrieb von Wolfgang Voigt in den höchsten Tönen angepriesenes vegetarisches “Brainfood” serviert wird. Glücklicherweise steht die Fleisch-Gretchenfrage aber nicht zwischen Wruhme und Voigt, so dass auch dieses Release unbedarft von Köln aus in die Welt vertrieben werden kann. A propos vertrieben: Eben dies scheint Herr Schablitzki mit den letzten Zweiflern seiner Kunst getan zu haben, denn wer immer noch meint, aus “dem Herrn Oksen seine Feder” würden lediglich glitchige und manchmal etwas obskur anmutende Minimal-Tracks entfleuchen, dem sei gesagt: au contraire mon frère! Zwar gibt es hier und da auch mal ne 4/4-Bassdrum zu hören, aber im großen und ganzen wurde das Stil-Korsett im Schrank gelassen und Wruhme gibt sich seiner zweiten Leidenschaft hin – HipHop- und gebrochene Beats, letztere sogar so virtuos, dass der Vergleich zu Aphex Twin- oder gar Squarepusher näher liegt als man denkt. Zudem gesellt sich zu nahezu jeder Nummer eine geradezu ambientöse Stimmung, dass man das Album eigentlich gar nicht mehr aus dem Player nehmen mag. Und obwohl ich mir jetzt noch ein paar andere CDs anhören muss… Wruhmes Archiv genehmige ich mir danach sicherlich direkt noch mal. (6/6) Sanomat

Vor einigen Jahren, als ich noch einen anständigen Beruf hatte, habe ich mal Jean-Michels Erstlingswerk “New Medium Softpack” im Büro gespielt. Mein Kollege erzählte mir daraufhin, dass er mal mit besagtem Künstler zusammen in Münster studiert hätte. Jean-Michel wäre schon damals für seine außergewöhnlich harmonische und doch irgendwie schräge Musik bekannt gewesen. Aha, dachte ich mir, kein Wunder, das Album war ja auch super. Letztes Jahr bekam ich dann die Single “Das ist der Sommer” auf den Tisch gelegt, die ich ebenfalls hervorragend fand, ich aber weder in irgendwelchen Charts noch sonstwo erblicken konnte. Das war natürlich seltsam und schade, aber es wäre doch gelacht, wenn es Jean-Michel mit seinem neuen Album “The Audience Is Missing” (höre ich da einen Funken Sarkasmus heraus?) diesmal nicht gelingen sollte, sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, denn die hier gebotene Mischung aus Frickelelektronik, Hip Hop, Breaks und Ambient, ständig mit einem verschmitzten Lächeln in der Hinterhand, dürfte wirklich jedem zusagen, der seine Ohren nicht auf der letzten Hardstyle-Party an der Garderobe vergessen hat. Tolles Album (mit einem übrigens sehr schönen Artwork), das ich vielleicht auch mal meinem Kollegen von damals vorspielen sollte. (6/6) Sanomat