Archive for Juli, 2007

Stefan Gubatz

Hardfloor - The Life We Choose (Hrdflr)

Für Freunde der Düsseldorfer Zwirbeljungs fallen derzeit mal wieder Weihnachten und Ostern auf einen Tag, denn wie aus dem Nichts erscheint das neue Album der Herren Zenker und Bondzio namens “The Life We Choose”. Nun mag manch einer sicherlich gähnen: “Gähn, wieder nichts Neues, wieder nur das alte 303-Rumgeschraube, die typischen Hardfloor-Drums und die runtergepitchten Vocals.” Andere dagegen werden laut jubeln: “Hurra! Endlich wieder das geliebte 303-Rumgeschraube, die typischen Hardfloor-Drums und die runtergepitchten Vocals!” Man mag es also auch mit diesem Album wieder halten wie ein Dachdecker, Fakt ist aber, dass auch die neue Hardfloor-Platte locker die Standards der vergangenen Releases erreicht, einige Hits sind wieder an Bord, andere Tracks sind melodisch-harmonisch wie zu den besten 90er-Jahre-Zeiten und auch eine Downbeat-Nummer in bekannter Dadamnphreaknoizphunk-Tradition darf sich ins Ohr einkuscheln. Während auf dem letzten Album “4 Out Of 5 Aliens Recommend This” noch der Chicago-Ansatz deutlich zu erkennen war, geht es hier insgesamt wieder deutlich technoider zur Sache. Parallel erscheint das Album übrigens in drei zeitlich versetzten 12″-Ausgaben und wer schon immer ein Faible für Zenker & Bondzio oder Acid allgemein hatte, muss definitiv zugreifen. (6/6) Sanomat

Anständiger, ehrlicher Techno, der auch Anfang der 90er schon positiv aufgefallen wäre. Besonders Seite B kann mit ihren direkt im Gesicht platzierten Bratze-Bässen als Nussknacker par excellence herhalten und macht in jedem düsteren Techno-Set eine starke Figur. Platte mit Schweißgarantie – volle Punktzahl. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Joy Kitikonti - Minor Attak (Flm Ltd A)

“Bist du sicher, dass du diese Platte wirklich mitnehmen willst?” frug mich Raveline-Chef Sven am Ausgabetag. Ob ich denn nicht wüsste, dass Joy Kittikonti bisher eher für massenkompatiblen Trance bekannt war. Wusste ich in der Tat nicht, denn Trance (auch, wenn er gut gemacht ist) war bisher nicht unbedingt meine bevorzugte Abteilung im Plattenladen. Mit dieser Platte schafft es Kitikonti dann auch nicht, mich zu bekehren, denn darum geht es ihm gar nicht. Vielmehr handelt es sich bei seinen beiden Tracks einfach um gut gemachten, deepen Techno mit leichten Tribal-Anleihen, die sich m.E. auch gar nicht schlecht bei Kanzleramt gemacht hätten. Besonders die B-Seite kommt mit ihren scheinbar bei Metro Area entliehenen Claps und den metallischen Chords, die an eine gewisse amerikanische Motorenstadt erinnern, so charmant daher, dass ich auch zukünftig mal verfolgen werde, was Herr Kitikonti so macht. Für diese Platte gibts erst mal (5/6) Sanomat

Tausend Punkte alleine für das rotzige Coverartwork, meine Damen und Herren! Dort steht in krakeligen Lettern “Vinyl kills mp3″ geschrieben und ich kann meine Unterschrift gar nicht oft genug unter diese Parole setzen. Die Platte selbst sollte einem jedenfalls in letzter Zeit schon verstärkt untergekommen sein, befindet sie sich doch bereits in den Charts der wichtigsten Opinion-Leader-DJs von Tiefschwarz über Damian Lazarus bis hin zu Groove Armada. Und nun gibt es mit “Plastik” und “Jitters” also das gesamte Paket für zu Hause bzw. den persönlichen Clubeinsatz. “Plastik” auf der A-Seite ist wahrscheinlich so etwas wie der Hit der Platte, kein Wunder, denn die unruhige Acid-Line, die unverschämt zum geraden Beat shuffelt, sorgt sicherlich im Club ihrer Wahl nicht nur für nasse Hände. Mein Favorit ist allerdings “Jitters” auf Seite B, dessen detroitesque Chords es mir im Zusammenhang mit der geschickten 909-Hihat-Programmierung einfach angetan haben. Sollte man schon haben. (5/6) Sanomat

Um es mit Fettes Brot zu sagen: Hier is för jeden wat dörbi, wat ik speel. Und so siehts auch aus. Minimal-Freunde lassen sich sicherlich gerne von der Daniel Stefanik-Version einwickeln und auch der Jackmate Remix lockt mit seinen unermüdlich wabernden Acid-Bässen bestimmt Etliche auf die Tanzfläche. Doch insbesondere alte Puristen, die schon länger bemängeln mögen, dass man sich bei Moon Harbour in letzter Zeit irgendwie ein bisschen von der geschätzten Deephouse-Schiene entfernt hat, kommen bei Marlow´s Cutz & Pieces Mix voll auf ihre Kosten. Gerade die live eingespielte Flöte hat es mir angetan und bringt einen unheimlich organischen und menschlichen Touch in den an sich schon sehr deepen Track. Drei tolle Nummern, jede für sich wirklich klasse und mit dem Marlow Mix hat man wirklich einen zeitlosen Track an der Hand. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Chaton - Catch The Beat (Sthlmaudio 011)

Das Original ist… tja, wie soll man sagen… mir etwas zu nervöser Minimal-Techno mit komischen Effekten und eisenbahnähnlichen Schub-Sounds. Nicht ganz mein Fall, aber es gibt ja noch einen Remix auf der B-Seite. Für diesen zeigt sich Agnes verantwortlich und zaubert einen herausragenden Deephouse-Track, wie er auch Mitte der Neunziger hätte erscheinen können. Tolle Nummer und einfach nur ganz großes Housekino. B: (6/6) Sanomat

Cobblestone Jazz hat sich in kürzester Zeit wirklich zu einer Hausnummer entwickelt. Während an anderer Stelle gerade der Track “W” gespielt und gepriesen wird, bringen die Mannen um Mathew Jonson nun einen ersten Vorboten zum demnächst erscheinenden Album “23 Seconds” auf den Weg. Auf den beiden vorliegenden Nummern “Lime in da Coco Nut” und “Saturday Night” ist Jonsons Einfluss ganz wesentlich zu bemerken, typische Sounds, typische Sequenzen – der gravierende Unterschied zu seinen Soloproduktionen ist allerdings das Mehr an Improvisation, mehr Band-Feeling und einfach mehr Jazz. Beide Tracks sind, das muss man einfach sagen, wirklich hervorragend, doch insbesondere die B-Seite hat es mir mit ihren breiten, unruhigen Basslines angetan. Klasse Platte, bin sehr gespannt aufs Album. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Italoboyz - Viktor Casanova (Mothership 01)

Meine Fresse, was für eine verspulte Platte. Das Original beherbergt eine derartige Vielzahl wirrer Überraschungsmomente, mal summt jemand eine kleine Melodie, mal fliegen verstörende Vocalfetzen durch den Raum, mal fährt ein Auto vorbei oder es plätschert ein Wasserhahn. Alles klingt wie ein böser Alptraum, wie schweißnasser Fieberwahn, wie eine Reise in dunkelste Ecken des Unterbewusstseins. Und wenn im Break auch noch eine Opernsängerin wie ein imaginärer Geist vorbeihuscht, ist es höchste Zeit für die ganz private Psychose. Auf Seite B wird der Hörer dann glücklicherweise wieder etwas in die Realität zurückgeführt. Der positiv an den Pierre Bucci-Remix erinnernde Samim-Mix legt wieder etwas mehr Fokus auf den guten Beat, lässt es sich aber doch nicht nehmen, die Opernsängerin noch einmal auf die Bühne zu holen. Auf diese verzichtet Lee Curtis zu guter Letzt bei seinem Mix zwar, legt aber dennoch einen weiteren klasse Mix hin. Insgesamt hoch faszinierend und äußerst seltsam, und obwohl ich nie im Club vom Original überrascht werden möchte, gibt es keine andere Möglichkeit als die Höchstpunktzahl. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Marcus Hartmann - Rapid Fire (Opossum 005)

Na gut, der Dima Remix auf Seite A ist wirklich minimal, schön lang und… mh… minimal. Aber reißt mich leider wirklich gar nicht vom Hocker. Da wende ich mich doch viel lieber dem Original auf B1 zu, das – hurra! – gleich einen ganzen Track um einen Beat gebastelt hat. Und sogar eine schubsende Bassline juckelt kantig über den Floor. Geht doch! schreit da der erleichterte Rezensent, zieht aber angesichts des wiederum wenig spannenden “Forest Dump” auf B2 gleich wieder einen pädagogischen Punkt ab. Insgesamt zwar mit ner netten B1, aber ob man die Platte nun wirklich haben muss, darf jeder für sich entscheiden. Ich entscheide mich für (3/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Pierce & Twirdy - Cuaba (Yellow Tail 004)

Mein White Label und auch die normalerweise für Grundinformationen herhaltende Auslaufrille verraten mir zwar nicht, welches Original und welches der Babicz Mix ist, ich kann allerdings besten Gewissens sagen, dass beide Seiten für sich absolut hörens- und spielenswert sind und ich sogar fast gewillt bin, das grundsätzlich sparsam einzusetzende Wörtchen “zeitlos” in den Mund zu nehmen. Auf der einen Seite wabert eine fast detroitesque Chordsequenz elegant über einen Teppich von ausgeklügelten Drumkombinationen, während der gegenüberliegende Kollege (und hier vermute ich den Babicz-Mix) weit verhallte Flächen und kurze Knarz-Bässe als Kontrast zum besten gibt. Zwei sehr schöne Nummern – auch wenn sich mir irgendwann die Trackinfos auftun, könnte ich mich nicht entscheiden, zu welcher Version ich greifen mag. (6/6) Sanomat

Nach Vinyl 1 und 2 kommt nun folgerichtig der dritte und zugleich letzte Schwung Tracks aus dem Babicz-Album “A Cheerful Temper”. Auf Seite A wälzt “Imperial Star” unbeirrt durch den Garten namens Minimal Techno, überrollt dabei mit gelegentlichen, enorm breiten Acid-Bässen allerlei Unkraut und lässt so manch verdutzen Gärtner zurück, der sich fragt, was ihn da gerade so in den Magen geboxt hat. “Tarjas Dream” auf Seite B hingegen hat noch ein paar deepe Chords im Gepäck und entwickelt sich gegen Ende zu einem einfach nur schönen Ausklang-Track. Im Gesamtkontext auf CD wirken beide Tracks zwar wesentlich mehr, wer aber alles gerne von Vinyl spielen möchte, hat nun also endlich alles komplett im Case. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

DJ Wild - Blocage (Catwash 011)

Catwash bleibt seiner angenehm ravigen und manchmal auch etwas albernen Linie treu und schickt mit der neuen 12″ der einen Label-Inhaberhälfte eine weitere hochkarätige Nummer aufs Parkett. Und obwohl mein Infozettel irgendwie die Tracknamen durcheinandergewirbelt hat, darf ich bekannt geben, dass es sich bei der A-Seite um einen ziemlich schrägen und doch recht funktionellen Minimal-Acid-Schieber handelt, der zwar – abgesehen von einem kleinen Plocktom-Intermezzo – nicht viel mehr tut, als die Tonleiter hoch- und runterzunüdeln, aber trotzdem für einige Grinsemomente sorgt. Die beiden B-Seiten-Nummern schaffen es leider nicht, den Spaßfaktor der A-Seite zu erreichen, bekommen aber immerhin das Prädikat “spielbar”. Gab zwar schon bessere Catwash-Platten, aber wirklich schlecht ist diese auch nicht. (4/6) Sanomat

Bevor die Akte “Synaptic” endgültig geschlossen wird, gibts noch einmal einen kleinen Schwung Remixe zum Album hinterher. Diese kommen vom den Teams Oliver Klein und Denis Gögdag, Yapacc und Good Groove sowie Xavier Canet und Aleix Sabariego. Klein und Gögdag machen den Anfang mit ihrer halb-deepen, halb-minimalen und insgesamt ganz gelungenen Version von “Bring The Beat Back”. Yapaccs und Good Grooves “Ausklang”-Remix, der das Original durch die neu aufgenommenen Vocals und die sehr souveränen Acidline in ein komplett neues Gewand steckt, eröffnet die B-Seite und mausert sich, trotz des ebenfalls sehr gefälligen Canet- & Sabariego-”Out of my Head”-Mix zu meinem Favoriten. Gelungener Abschluss des Album-Dauerbrenners. Jetzt aber auf zu neuen Taten! (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Markus Lange - Spin EP (Klang Gymnastik 014)

Nach “Ruhestörung Plattenbau”, das ja vor einiger Zeit kräftig gechartet ist, schiebt Markus Lange nun auf Klang Gymnastik seine “Spin EP” hinterher, die sich soundmäßig sehr an aktuellen Produktionen eines Gregor Tresher oder auch Stephan Bodzin orientiert. Aufgebaut aus jeder Menge Rauschen, etlichen Ur-Wellenformen und typischen ElektroTech-Drums ist seine Platte dann vielleicht nicht die innovativste Produktion, die ich in letzter Zeit gehört habe, aber immerhin ein Schieber allererster Kajüte, der einfach alles hat, was ein Hit heutzutage haben muss. Besonders heraus sticht natürlich der Titeltrack, aber auch die B-Seiten-Nummer “Speechless” kann einiges. Ob man nun die Synthpop-Darkwave-Ballade “Sometimes It Hurts” auf B2 noch gebraucht hat, stelle ich mal dahin, aber bei so einer A-Seite darf – nein, sollte man wirklich zugreifen. (5/6) Sanomat

Richtig so, Roberto Rodriguez wünscht sich eine Rückbesinnung auf alte Werte wie die Rechteck-Wellenform der 303 und geht gleich mal mit gutem Beispiel voran. Der Titeltrack zeichnet sich folgerichtig durch knackige Acid-Sequenzen, bit-gecrushte Melodien und sogar heimelige Melodien aus, dass man auf der Acidparty direkt in Versuchung kommt, seinen Nebenmann in den Arm zu nehmen, auch wenn er noch so grimmig dreinblickt. Auf Seite B wird das zwirbelige Treiben direkt fortgesetzt, wobei man “The Days We Lost” fast schon in den Bereich Acidtrance einsortieren könnte – das alte Harthouse lässt grüßen. Der dritte und zugleich deepste Track im Bunde “In Too Deep” verzichtet dann allerdings ganz auf 303-Begleitung, vielleicht hat Herr Rodriguez aber auch nur seine Kräfte gespart für die “Back To Sawtooth”-EP, die zwar nicht angekündigt ist, ich mir aber persönlich wünsche. (5/6) Sanomat

Wer sich schon immer gefragt hat, wie es klingt, wenn Miss Kittin und Anthony Rother sich zum Tee treffen, dem sei die neue Platte von Xenia Beliayeva ans Herz gelegt. Ganz Datapunk-typisch gibt es jede Menge rohe Synthsounds auf die Ohren, lange Sägezähne bahnen sich schnarrend ihren Weg und auch das recht rudimentäre Drum-Geflecht tut artig seinen Dienst. Im Zusammenspiel mit dem leicht gelangweilt klingenden Nöl-Gesang, der aber nach wie vor angesagt zu sein scheint, dübelt Frau Huntemann in spe zwei drückende Elektro-Tech-Tracks ins Vinyl, auf die man jetzt nicht vielleicht gewartet hat, aber ins Cocoon- und Datapunk-geschwängerte Set passen dürften wie der berühmte Arsch auf Eimer. Schnieke, wie man so sagt. (4/6) Sanomat