Archive for Juni, 2007

Na gut, ich entschuldige mich in aller Form und verspreche hiermit hoch und heilig, Marc Romboy nie wieder Milchbrötchen zu nennen, obwohl ja wahrscheinlich niemand bestreiten mag, dass Blake Baxter doch etwas stärker pigmentiert ist als der Systematic-Chef. Auf ebendiesem Label gibt es nach bisher drei Kollaborationen nun die vierte Ausgabe, welche auf den Namen “Underground Thang” hört. Der erste Mix ist von der Grundstimmung her eher in aktuellen (nennen wirs mal) Elektro-Techhouse-Gefilden anzusiedeln, markantestes Element ist hier, neben Baxter selbst, eine knarzige und unermüdlich ratternde Noise-Bassline, die den Track sicherlich auch ohne die Vocals schon zu einem Peaktime-Knüller allererster Kajüte gemacht hätte. Trotzdem finde ich die Kombination Baxter – Elektro-Techhouse immer noch etwas gewöhnungsbedürftig, doch wenn man die Platte umdreht, findet man noch einen Mix, der ein bisschen zeitloser und sexyer daherkommt. Weg vom Heckmann-Knarz, hin zum entspannten Dub-Techhouse – und bei mir seit einiger Zeit in Dauerrotation. Für den Rave sollte man allerdings wirklich zu Seite A greifen, knackiger gehts eigentlich kaum. (6/6) Sanomat

Zwei toll-poppige Remixe des Tracks “Slim Pickings” liefert Compost-Protagonist Ben Mono hier ab, bei denen man denken möchte, Detroit läge nur einen Steinwurf von Monos Studio in München entfernt. Zwar unterscheiden sich die beiden Mixe jetzt nicht sooo großartig, wenn man allerdings nicht genug vom ersten Mix bekommt, darf man sich freuen, auf der B-Seite quasi eine Fortführung desselben zu finden. Macht ja ein gewisser Herr Villalobos bisweilen auch mal ganz gerne. Wie gesagt – gutes, fröhliches Zeug und macht sich sicherlich gut in Innervisions- und Get Physical-orientierten Sets. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Pawel - Jujuy (Orphanear 01)

Die erste Veröffentlichung auf dem Orphanear-Label kommt von Pawel, der bereits auf Ladomat und Mute seine Spuren hinterlassen hat. Seine erstaunlich ruhige und auch langsame A-Seiten-Nummer “Jujuy” bringt als Begrüßungsgeschenk direkt eine reizvolle Bass-Figur, die den ganzen Track durchzieht und Freunde der neueren Musik aus Detroit hellhörig werden lässt. Dazu gibt eine scheinbar zufällige Pling-Plong-Melodie einige verhallte Töne ab und ein konstantes Zirpen und Rauschen untermalt den wirklich gelungenen Track. “Salta” auf Seite B ist im Gegensatz zu ihrem Bruder auf der A-Seite fast schon fröhlich und tänzelt mit vielen sich überlagernden Melodien und Harmonien durch den Äther. Feines Debut! (5/6) Sanomat

Ich kann mir nicht helfen, aber bei Luciano Pizzella muss ich immer an das berühmte, würzig belegte Fladenbrot denken. Mit ebendieser Köstlichkeit hat besagter Musikant zwar erst mal wenig zu tun (obwohl ich auch nicht ausschließen möchte, dass er dann und wann ganz gerne mal einen Happen des italienischen Nationalgerichts verspeist), dennoch ist auch sein neues Release auf Italic recht lecker. Auf der A-Seite unterlegen flirrende Mini-Chords die wabernden Flächen und tipsigen Melodien, die in dieser Kombination durchaus auch auf Connaisseur hätten erscheinen können. Die beiden B-Seiten-Tracks bleiben etwas minimaler, haben zwar noch einige Chords im Gepäck, werden aber deutlich sparsamer eingesetzt. Vielmehr liegt hier der Fokus auf reduziertem Minimal-Techno, der hier und da sogar ein bisschen an detroitsche Produktionen erinnert. Schmackhafter Snack für zwischendurch. (4/6) Sanomat

Ach, der Robert. Ich kann gar nicht genau definieren, was es nun genau ist, was seine Tracks von den Releases seiner unzähligen Kollegen im Minimal-Techno-Zirkus unterscheidet – Fakt ist aber: sie unterscheiden sich. Seine Produktionen sind einfach das bisschen mehr ausgearbeitet, das bisschen mehr knackig und das bisschen mehr soulful. Und was schon auf der ersten Album-Auskopplung “Sin” für Aha- und Oho-Effekte gesorgt hat, wird auch auf Vinyl Nummero zwei fortgeführt. Dort gibt es die Tracks “Losing Memories”, “Milo´s Groove” und “Warsaw” zu hören, wovon insbesondere letztere Nummer einen hinreißenden Charme entwickelt, denn was anfangs monoton und maschinell ratternd beginnt, wandelt sich später zu einer emotionsgeladenen Nummer, bei der sich selbst die eisigsten Partygänger vor Glück schluchzend in den Armen liegen. Elektronischer Soul und doch einer ordentlichen Portion Dancefloor-Wumms. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Plasmik - Interswap (Connaisseur 014)

Ach wie schön, eine neue Plasmik-EP. Der Vorgänger “Eight to Nine” rotierte ja auf so ziemlich jedem Plattenteller dieser Nation, nun gibts also neues Futter. Das verhältnismäßig deepe “Pitch It” auf A1 macht den Anfang mit allerlei Dub-Basslines und gewohnt lässigen Drums und featured eine markante, hypnotische Synthline, bei der nicht nur kräftig am LFO-Regler herumgespielt wurde, sondern die in der nächsten Zeit sicherlich in so manchen Sets von hier bis sonstwo auftauchen wird. Ich bevorzuge allerdings “Mindpattern” auf A2, das mit seiner knackigen Bassline und den aufs Wesentliche reduzierten Drums an das gute alte “Nagelbrett” von Sensorama erinnert. Auf Seite B macht dann noch das Dub-Chord-durchzogene “Supertubos” den Sack zu, ritzt zusammen mit seinen Kollegen von der A-Seite eine weitere Kerbe ins Holz der gelungenen Connaisseur-Releases und kassiert wohlverdiente (5/6) Sanomat

Obwohl Matthias Heilbronn anscheinend mal der WG-Kumpan von Frankie Knuckles war, muss ich zugeben, noch nie von besagtem Herren gehört zu haben. Angesichts seiner neuen Platte auf Poker Flat komme ich allerdings zu dem Entschluss, mal ein bisschen in seine Richtung zu recherchieren, zumal er auch schon einige Releases auf Labels wie Distant oder Saw auf seinem Konto stehen hat. Auf der nun erscheinenden “Jungle Dub EP” ist insbesondere “Do it Right” ein Fest für die Ohren. Der Track startet mit einer groovigen, aber nicht zu komplexen Drum/Bass-Linie, baut sich ständig weiter auf und zaubert ab dem zweiten Drittel eine herrlich tribal-artige Melodie aus dem Hut, die mit zu dem Markantesten gehört, was in dieser Sparte in letzter Zeit auf den Markt kam. Absoluter Treffer. Seite B geht das Ganze etwas housiger an, mag mich aber aufgrund der ähnlichen Instrumentierung und dem leider etwas weniger spannenden Arrangement nicht so sehr überzeugen, wie Startnummer eins. Ist ja aber nicht weiter schlimm, der Hit ist ja schon in der Tasche. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Klockworks 2 (Klockworks 02)

Das Uhrwerk läuft weiter. Auf der zweiten Klockworks geht Herr Klock mal wieder keine Kompromisse ein, sondern drückt zwei herrlich nach Industrie, Stahl und Schweiß riechende Maschinentracks ins Vinyl, die unbeirrt beweisen, dass minimaler Sound nicht zwangsweise dünn klingen muss. Auf Seite A gesellt sich noch eine bassartige Melodie zu den werkelnden Drums, während auf Seite B düstere Brechstangen-Percussions, die sich sicherlich gut zu der einen oder anderen Monolake-Platte machen würden, das Kommando übernehmen. Angenehm schnörkellos und insgesamt einfach nur konsequent, direkt und gut. Klare (6/6) Sanomat