Kann es einen besseren Vorboten auf das demnächst erscheinende Album “A Cheerful Temper” von Robert Babicz geben, als das großartige “Sin”? Ich denke nicht. Die Originalversion ist prinzipiell gar nicht wesentlich mehr als ein relativ langer Beat, der immer mal wieder von einer kurzen Melodiesequenz unterbrochen wird, die aber in ihrer Intensität und Energie ungehört und kaum zu übertreffen ist. Schwierige Voraussetzungen also für Gui Boratto, der auf Seite B einmal mehr als Remixer auftritt, so langsam aber aufpassen sollte, sich aufgrund seiner zahlreichen Mixe für alle und jeden nicht allmählich selbst zu zitieren und ungewollt in die Mittelmäßigkeit abzurutschen. Sein Mix steht leider deutlich hinter dem Original, ist zwar insgesamt eine okaye Minimal-Techno-Nummer, aber weit davon entfernt, Remix des Jahres zu werden. Trotzdem bleibt das Original super und wenn man dann noch einen irgendwie okayen Remix dazubekommt, ist doch alles in Ordnung. (5/6) Sanomat
Das Original von Oliver Keims “Borderlinecolly” ist mir irgendwie viel zu konfus und daher gar nicht so meine Tasse Tee. Damit ich aber nicht auf meinen Tee verzichten muss, hat sich Dylan Hermelijn alias 2000 and One mächtig ins Zeug gelegt, reicht sogar noch Milch und Plätzchen dazu und liefert einen Remix, der sich zwar so frei ans Original hält, dass man sich fragen muss, ob es wirklich ein Remix ist, aber für sich einfach eine tolle Nummer ist, die man damals schon beispielsweise auf Chain Reaction gerne genommen hätte. Dem Original reiche man ein Harmonielehrebuch, dem Remix die Höchstpunktzahl. B: (6/6) Sanomat
Ach, ich liebe meinen Job. Voller Scham muss ich mal wieder zugeben, dass das Label Delsin bisher irgendwie an mir vorbei gegangen ist, aber angesichts solcher Platten, wie Tahos “Forest of Wonders EP”, möchte ich in Jubelstürme ausbrechen und auf einen Schlag den kompletten Delsin-Backkatalog mein eigen nennen. Der erste Track, das beatlose “Energy Fields”, das in charmanter Weise an Dave Angels “Airborne” im Carl Craig Remix erinnert, ist einfach nur brilliant, beim unheimlich treibenden A2-Track namens “Detroit” ist der Name Programm, obwohl sich hier ebenfalls an typischen Berliner Basic Channel-Chords bedient wurde und der Titeltrack “Forest of Wonders” auf Seite B mit seinen subtil strahlenden Chords, den metallischen Stabs und relaxten Percussions ist einfach nur umarmungswürdig. Herrliche Platte und sicherlich zukünftiger Stammgast in meinem Case. (6/6) Sanomat
Limitiert auf 700 Exemplare und mit klarem Fokus auf detroitsche Sounds und Produktionsweisen schickt XDB alias Kosta Athanassiadis drei lupenreine DubTech-Tracks in die Atmosphäre, die sich vor ihren großen Vorbildern wie Basic Channel, Carl Craig, der UR-Posse oder you-name-it nicht zu verstecken brauchen. Grieseliger Elektronenstaub legt sich auf die sanft krackelnden chord-betonten Nummern des Göttingers und es ist erstaunlich, wie viel Gefühl und Wärme Techno doch zu vermitteln imstande ist. Mit einem Begriff wie “zeitlos” sollte man sicherlich sehr vorsichtig umgehen, doch kaum ein anderes Adjektiv scheint hier angemessener zu sein. Angesichts Platten wie dieser darf man wirklich guten Mutes sein, dass es mit Techno wieder aufwärts geht. Und hätte ich einen Hut auf, würde ich diesen ziehen. (6/6) Sanomat
Zwei Dinge, die mich am Turbo-Label höchst verwundern: Erstens – Das Label ist trotz seiner bisher 37 Veröffentlichungen komplett an mir vorbei gegangen. Und zweitens – Labelowner sind Mark Dillon und Tiga, von denen ja insbesondere Letzterer sich zunehmend dem Weichspüler-Sound widmet. Doch weit gefehlt! “Airbus Baby” des mysteriösen Producers d.i.m. ist eine derbe sägende, Distortion-berauschte und ungemein kaputte Platte, dass meine von charakterlosen Tropfstein-Platten geschundene Ohren laut “Heureka!” herausjubeln würden, wenn sie denn könnten. Tiga gibt in der Presseinfo dazu übrigens bekannt: “Sven Väth BEGGED me for a copy, but I said no… not YET Sven, these radioactive rhythms are still too “unstable” my brother, this dancefloor-dioxyn needs time to settle.” Was bleibt einem da noch anderes übrig, als angesichts eines solch selbstbewussten Paketes die Höchstwertung zu vergeben. (6/6) Sanomat
Schon lange nicht mehr so eine unsagbar vielseitige, schräge und doch heftigst rockende Platte gehört, wie die neue “Victims of the Super Ape” von Maral Salmassi. Auf den zwei Tracks namens “Fire Gem” und “Thank You” hat die Kölner Grenzgängerin mit dem roten Lippenstift soundmäßig alles in einen Topf geworfen, was man in den Jahren zwischen 1970 und 2007 nur aufschnappen konnte – Disco-Stabs, Funk-Pianos, c64-SID-Bleeps, Breakbeats, schrammelnde DFA-Bässe und natürlich auch Techno-Elemente noch und nöcher – mal ordentlich geschüttelt, kurz in eine angemessen dosierte Wodka-LSD-Tinktur getunkt und schwuppdiwupp-kartoffelsupp eine Platte hingelegt, die sich zwar kaum kategorisieren lässt, aber Puristen-Verachter und Weithorizontierte rund um den Globus in Verzückung versetzen wird. Klingt nach einer wirklich sehr sehr guten Party. (6/6) Sanomat
Manchmal kommen Leute um die Ecke, mit denen man gar nicht mehr gerechnet hat. Ein Vertreter dieser Kategorie ist Pete Lazonby, den man in erster Linie (und in den meisten Fällen sogar ausschließlich) von seinem 90er Jahre-Überhit “Sacred Cycles” kennt. Mittlerweile scheint dieser seine Vorliebe für Goatrance-artige Bass-Sequenzen und einlullende Flächensounds abgelegt zu haben und haut der Welt nun auf Playhouse zwei derbe Technotracks um die Ohren, wovon “Bob” auf Seite A kräftig sägt und doch noch Raum für musikalisches Gehalt findet und “I Miss You” auf Seite B einfach ein toll funktionierender Technotrack mit gelegentlichen Elektro-Breakbeats ist. Herzlich willkommen im Technozirkus des Jahres 2007, Herr Lazonby, schön dass sie mal wieder reinschauen. (5/6) Sanomat
Ziemlich knackiger Techno von Alex Bau. Wie mit einem riesigen Stück grobkörnigem Schmirgelpapier scheint das Vinyl auf Seite A bearbeitet worden zu sein und manch einer mag denken, in der Holzzuschnittabteilung eines größeren Baumarkts gelandet zu sein. Dazu kloppen heruntergetunete und nicht wirklich tight sitzende 909 Snaredrums Nägel in Balken, die dem geneigten Zuhörer mit Schmackes vor den Kopf gekloppt werden. Auch Seite B hat keine Lust auf Kompromisse, hier wird ähnlich unsensibel mit der Drahtbürste gearbeitet und jeder, der mal wieder Bock auf testosterongetränkte Männermusik hat, wird hier nach Feierabend beherzt zugreifen. (5/6) Sanomat
Der gute alte Schorschi kanns immer noch. Zwei hochgradig typische Wink-Nummern featuring Onkel 909 und Tante 303, diesmal auf Poker Flat, wo der Philadelphianer Ex-Zottel ja schon 1999 mit einem Remix für Steve Bugs Loverboy in Erscheinung trat. Ein bisschen Blip, ein bisschen Blop, ein bisschen Raschel-Raschel und ein bisschen Wopp-Wopp und fertig ist sowohl bei “Thick as Thieves” auf A, als auch bei “Acid Tonic” auf B die Laube. “Erstaunlich!”, “Revolutionär!” oder auch “Das hätte ich jetzt SO nicht erwartet!” wird hier wohl niemand rufen, aber darum gehts ja auch gar nicht. Typischer Wink-Style eben, der immer noch jeden in den Hintern treten dürfte, der auch schon auf das 2003er Album “20 to 20″ ordentlich abgefeiert hat. I love this shit. (6/6) Sanomat
Angesichts der Namen dieser beiden Tracks sowie des Künstlers freut sich der deutschsprachige Diskjockey, dass Schallplatten heutzutage nicht mehr per Mikrofondurchsage anmoderiert werden. Das ist prinzipiell schade, denn Ansagen wie “Und jetzt kommen die beiden Tracks ‘Ombala Mbembo’ und ‘Noh Ngamebo’ der Platte ‘Mudhutma!’ des Künstlers Arto Mwambé” würden beim Publikum sicherlich für eine ähnliche Erheiterung sorgen wie die englischsprachigen Durchsagen in Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn. Bei mir sorgt insbesondere Seite B für hochgezogene Mundwinkel, erinnert der Track doch nicht unwesentlich an die goldenen Zeiten von Metro Area, Detroit-Basslines, jazzige Piano-Elemente und schluffig geklatschte Hände tun ihr übriges. Wer auf Disharmonien steht, der wird sicherlich auch Seite A beachten, für mich ist dies nichts, gebe aber für Seite B auf jeden Fall (5/6) Sanomat
Reinhard Voigt macht das, was er am besten kann, nämlich schnörkellosen Techno. Diesmal zwar mit etwas weniger Bums, dafür mit knackigen FM-Synth-Klonks, die – und dafür verwette ich meine Lieblingsstehlampe aus dem Schlafzimmer – laut und in Gesellschaft weiterer musikinteressierter Heranwachsender gehört, für Highlightmomente einer jeglichen Party sorgen werden. Aber huch, das war ja schon die B-Seite (”Bürger sichten Falschgeld” übrigens der Name, welch ein Titel!), auf Seite A dominiert eine verhallte und sehr treibende Sequenzer-Linie aus vermutlich dem gleichen Synthesizer das Klangbild, kann sicherlich auch als “fett” bezeichnet werden, obwohl die Bassdrums wohl auch im Hause Kompakt immer kleiner werden. Trotzdem: mehr davon wird gerne entgegengenommen. (6/6) Sanomat
Manch einer mag sich fragen: wie kann man seinen Sohn, der sich ganz offensichtlich männlichen Geschlechts erfreut, eigentlich Agnes nennen? Warum nicht beispielsweise Tobias? Oder Gerhard? Ob Agnes seines Namens wegen damals in der Schule vielleicht sogar gehänselt wurde? Ihn aufgrund seiner Musik zu hänseln erscheint mir jedenfalls unmöglich. Denn obwohl die hier enthaltenen Nummern bereits zwischen 2003 und 2005 entstanden, gibt es nichts zu mäkeln. Geiles, tanzbares Zeug, universell einsetzbar und eigentlich rätselhaft, warum diese vier Tanzperlen nicht unmittelbar nach ihrer Entstehung gesignt und veröffentlicht wurden. Die Presseinfo nennts “groovy, reducedly sweet and incredibly deep”, ich gehe mit dieser Bezeichnung konform, stecke die Platte griffbereit ins Case und erinnere mich an Herren wie Klaus Maria (aha!) Brandauer oder Andrea (oho!) Bocelli, die es ja bekanntlich auch zu etwas gebracht haben. (6/6) Sanomat
Auch wenn der Name der Platte erst mal begähnenswürdigen Klicki-Klacki-Simpelsound erwarten lässt, zeigt Newcomer Daniel Mehlhart von Anfang an, dass er musikalisch eine ganz andere Bandbreite zu bieten hat, als viele der gerade so angesagten und leider doch sehr auf Sparflamme kochenden Protagonisten. Die A-Seite ist herrlich düster und erstaunlich deep, doch mein ganz persönlicher Favorit befindet sich auf Seite B. Denn wenngleich die Sonne gerade schon mal probe-vorbeischaut, sind es doch Tracks wie diese, die einen auf nächtlichen Open-Airs unter Brücken und an Seen laut den gemeinhin als Lieblingsjahreszeit bekannten Sommer bejubeln lassen. Hände in die Luft und ab gehts. Gut gemacht, Herr Mehlhart – weiter so! (6/6) Sanomat
Nach den tollen Remixen für Coldcut oder Mari Boine liefert Mood Music nun auch mal wieder eine komplett eigene Platte des sympathischen Berliners frei Haus. Diese nennt sich “Walk Music”, dürfte Besuchern seiner Live-Gigs durchaus schon bekannt sein (zumindest die 2003er Version auf Seite B) und enthält kraft seiner enorm einprägsamen, seltsam rückwärts eingespielten Vocal-Line und den zurückhaltenden, aber doch ständig präsenten Strings alles, was man von einer Henrik Schwarz-Platte erwarten kann und auch darf. Dark, moody, soulful – und natürlich verdammt tanzbar. Wird in den nächsten Monaten natürlich vollkommen zu Recht rauf- und runtergespielt werden. Und wer jetzt auch noch eine Wertung zu dieser Platte haben möchte, dem kann ich nur die folgende präsentieren: (6/6) Sanomat
Prinzipiell würde ich ja jetzt schreiben: dass ich das noch erleben darf – Der Dritte Raum macht ne neue Maxi auf Harthouse! – aber trotz des typischen d3R-Sounds, der sich von der ersten Sekunde an sofort an der charakteristischen Drumprogrammierung erkennen lässt, mag der Funke nicht so wirklich überspringen. “Plutionium” marschiert hastig, aber doch verhältnismäßig unspektakulär voran, “Willi Müller” hat immerhin nen tollen Namen und kann durch spitzbübische Synth-Sequenzen auch prinzipiell als das Highlight auf dieser Platte gesehen werden. Und mit “Aquamarin”, der einzigen Nummer, die so etwas wie eine Melodie hat, wird die Platte dann ordnungsgemäß abgeschlossen. Dennoch habe ich schon deutlich gelungenere Platten von Andreas Krüger gehört – man denke da nur an seinen Beitrag am Harthouse “Electronic Injection”-Sampler, den ich als eine der besten d3R-Produktionen überhaupt sehe. Für Sammler, die alles haben müssen (so wie mich beispielsweise…) natürlich durchaus mitnehmenswert, aber insgesamt dann doch etwas enttäuschend. (3/6) Sanomat