Archive for March, 2007

Stefan Gubatz

Björn Wilke - R U Ready (Level Non Zero 007)

Björn Wilke ist nach Chris Wood und Pascal FEOS der erste Artist, der auf Level Non Zero veröffentlichen darf. Jedenfalls prinzipiell, denn außer in seiner Rolle als Ursprungstrackgeber für die Someone Else- und FEOS-Remixe taucht Wilke dann doch irgendwie nicht auf – das Original sucht man vergebens. Nach dem Someone Else-Remix muss man nicht suchen, dieser kommt direkt auf Seite A und klingt so, wie Minimal heutzutage nun mal klingt. Es soll ja Leute geben, die sowas mögen. Mögen muss man allerdings den FEOS-Remix auf Seite B, der nicht nur diesen unwiderstehlichen, charakteristischen Beat hat, für den man Pascal nun mal so schätzt, sondern mit seinen kleinen perkussiven Melodien und diesen schwebenden und strahlenden Breaks alles hat, was man von einer anständigen Dance-Platte erwarten sollte und eigentlich auch darf. Für den FEOS-Mix gibts (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Sian - Juggernaut (Connect Four 02)

Sian und Satoshi Fumi waren ja schon bei der ersten Connect Four gemeinsam auf 12″ vertreten, damals noch mit Fumi als Artist und Sian als Remixer – hier ist es nun allerdings umgekehrt. Sians Track “Juggernaut” hat im Gegensatz zur Connect Four 01 zwar ebenfalls einen leicht süßlichen Beigeschmack, lässt aber glücklicherweise den großen Schleimtopf im Schrank und beschert dem Hörer eine chillige, chordgeschwängerte Nummer. Satoshi Fumi übernimmt die grundsätzlichen Elemente des Tracks, fügt allerdings eine ordentliche Portion dicke Drums, Breaks und auch Tiefgang hinzu, so dass seine Version als Favorit auf der A-Seite gelten kann. Favorit der ganzen Platte ist allerdings Seite B, dort sitzt mit “William Flynn” ein überraschend prägnanter DeepHouse-Track mit leichten Detroit-Anleihen, der nicht nur zu Hause, sondern sicherlich auch im Club für Wohlwollen sorgen dürfte. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Neil White - Neuwerk (Paloma 05)

Nachdem vor einiger Zeit eine 12″ des Dritten Raumes auf Paloma erschienen ist, darf nun Neal White ans Werk, der neben seiner Tätigkeit als Labelowner des Labels Freizeitglauben auch Live-Engineer besagten Projekts ist. Und ein bisschen Raum-Klang hört man hier in der Tat heraus, die Instrumentierung und auch die Namensgebung (Neuwerk / Koexistenz) bei diesen zwei minimal-trancigen Nummern passt schon mal wie Faust auf´s Auge, lediglich der typische D3R-Groove fehlt ein bisschen. Was allerdings nicht heißen soll, dass Whites Platte gänzlich unfunky wäre, denn das ist sie überhaupt nicht, das melodisch-düstere “Neuwerk” funktioniert sicherlich bestens auf dem Dancefloor und insbesondere “Koexistenz” kann mit der Bassline- / Kratzesynth-Kombination und der später einsetzenden und dann doch sehr an den Raum erinnernden Melodie ordentlich punkten. Ein Ohr zu riskieren dürfte hier schwer angebracht sein. (4/6) Sanomat

Das Original von Sasse und Naughty ist gar nicht mal viel mehr als ein sehr raviger SchunkelTechHouse-Track mit diversen kleinen Biep-Biep-Sounds – aber er funktioniert einfach! Auf Seite B gibts dazu einen Catwash-Remix, der auch relativ simpel gestrickt ist, cooler Beat, kurze Stabs und eigentlich wars das dann auch schon. Dennoch ne heiße Geschichte und definitiv auscheckungswürdig. (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Hakan Lidbo - Peepo (Musick 15)

Dass Hakan Lidbo ein seltsamer Vogel ist, muss ich euch ja sicherlich nicht erzählen. Erzählen darf ich euch aber sicherlich, dass er auf “Peepo” zwei schwer stompende und irgendwie seltsam-alberne Rocker ins Plastik gepresst hat. Besonders bei “Sonic Bricks” auf Seite B geht schwer die Post ab, dort schleift eine fast debil dämliche, aber doch wie Arsch auf Eimer passende Bassline durch die Rille, welche zwar leider leider und nochmals leider deutlich zu leise daher kommt aber trotzdem eine weitere heiße Auskopplung aus dem im April erscheinenden Album “Dunka Dunka” ist. Und wem diese zwei Tracks zusagen, sollte definitiv mal die Longplayer-Abteilung checken. (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Till von Sein & Aera - Deeds (Trenton 018)

Till von Sein ist mittlerweile, wie so viele in der heutigen Zeit, nach Berlin abgewandert, um sich nun von da mit seinem Kumpel Aera der neuen “Deeds” EP zu widmen, die einmal mehr auf Trenton erscheint. Den zwei Nummern, die auf der A-Seite zu finden sind, merkt man den Wohnortwechsel allerdings (und glücklicherweise?) nicht im geringsten an, wie auch schon die Vorgängerplatte auf Trenton orientiert sich das entspannt wabernde “Deeds” kaum an aktuellen Strömungen, im Gegenteil gibts sogar ein bisschen Oldschool-Flavour gratis mit dazu. Mein Favorit ist allerdings “Kurtney” auf A2, das anfangs fast ein bisschen albern anfängt und dann später in eine unverschämt ravige Funk-Rage zu verfallen. Hit! Auf Seite B gibts zu guter Letzt einen enorm dicken John Tejada Mix des Titeltracks, welcher sich angenehm frei an das Thema hält und einen weiteren Höhepunkt der EP darstellt. Schick! (5/6) Sanomat

Hanno Leichtmanns hat mit der neuen 12″ seines Projekts “The Vulva String Quartett” (wenn das mal nicht ein schnieker Name ist!) auf Combination Records drei toll housig-poppige Nummern abgeliefert, die so entspannt aus den Boxen schunkeln, dass man sich selbst in Gedanken schon wieder leicht bekleidet in einem Jeep Cabrio mit der Rückbank voll kichernder Girls am Strand herumtuckern sieht. Hauptakteur auf dem A-Seiten-Track “Cranberry” ist unbestritten der lässige und absolut funky Beat, der in Kombination mit der verschmitzten Bassline und den Offbeat-Chords einfach unschlagbar ist. Die beiden B-Seiten-Nummern sind grundsätzlich auch noch ganz nett, obwohl sich die B2 irgendwie nicht so ganz entscheiden kann, wo sie hinwill. Macht aber nichts, Aufhänger der Platte ist A1 und dafür gibts entspannte (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Joel Mull - The End has Begun (Railyard 007)

Meine Güte, was hat der alte Schwede Joel Mull mit “The End Has Begun” für ein deepes und treibendes Werk hingelegt. Dramatische Flächensounds bereiten den verhalten marschierenden Drums ein unruhiges Klangbett, mal gehen Filter auf und zu, mal rauscht es theatralisch und immer bleibt die Grundstimmung irgendwie böse und doch getragen. Und allerspätestens wenn die dem c64-SID-Chip entsprungenen Chord-Stabs aufflackern, ist es klar: Wir haben es hier mit einer ganz starken Nummer zu tun. Auf der B-Seite gibt es einen Mathew Jonson Remix, der sich erwartungsgemäß sehr frei ans Original hält, einen Elektrobeat durch den Track schickt und eine der düstersten Jonson-Produktionen überhaupt darstellt. Tolle Platte. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Benno Blome - Braitbandnoodels (Sender 065)

Nach Kollaborationen mit Baby Ford oder dem Typen, der sich Gerald nennt mal wieder eine ganz eigene Benno Blome-Platte auf Sender. Auf der mittlerweile 65. Katalognummer gibt es drei Tracks, die sich allesamt positiv aus dem momentanen Minimal-Einheitsbrei abheben und insbesondere der Titeltrack “Braitbendnoodels” sorgt mit toller Bassline, frickeligen Sequenzen und Vocalschnipseln für Stimmung auf dem Dancefloor. Auch die anderen beiden Nummern stehen dem in nichts nach. Kleines Gimmick in diesem Zusammenhang: In der Auslaufrille des Vinyls ist ein kleiner Kochtopf nebst Inschrift “Alle in den Topf!” gezeichnet. So etwas erfreut den aufmerksamen Plattensammler natürlich und mit so viel Sympathiepunkten auf dem Konto muss diese Platte natürlich als empfehlenswert gelten. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Heiko Laux - Waves Remixes (Kanzleramt 135)

Des Lauxens Album “Waves” ist ja nun auch schon ein paar Tage auf dem Markt, da ist es natürlich an der Zeit, eine kleine Portion Remixe hinterher zu schicken. Auf Seite A darf sich Richard Bartz “Sharpened” zur Brust nehmen, der aus dem Original eine halb deepe und halb oldschool-discoide Nummer macht; die prägnanten Handclaps tun dazu ihr übriges, überzeugen mich aber nicht komplett. Aber es gibt ja meistens noch eine B-Seite. Dort kommt der “Shared Wave”-Remix von Steve Rachmad, der beim Original bereits als Co-Writer auftrat und hier nun als großer Hypnotiseur auftritt, um auf dem Dancefloor mit diesem sich ständig weiter aufbauenden Rauschesynth-Mix, der direkt aus Detroit stammen könnte, für gleichermaßen faszinierte wie ekstatische Tänzer zu sorgen. Sehr gelungen und zusammen mit Seite A gibts (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Chymera - Arabesque (Tishomingo 007)

“Satura” auf Seite A lebt hauptsächlich von seiner außergewöhnlich prägnanten Akkord-Kombination und den oldschooligen Drums, die der mittlerweile auch etwas in die Jahre gekommenen Tante 909 respektvoll huldigen. Sehr deep, sehr detroitig, sehr schick. Die B-Seite “Arabesque” perlt ebenso unbeeindruckt von aktuellen Trends und Strömungen aus der Rille, Hauptaufhänger hier ist die klimpernde Melodie und die sanft sweependen Flächensounds, was insgesamt einfach verdient, mit dem Prädikat “hinreißend” geschmückt zu werden. (6/6) Sanomat

Ich habe schon lange keine so hypnotische und doch drückende Bassline gehört, wie auf dieser ersten Katalognummer des neuen italienischen Labels Dozzy Records. Wie zu den besten Zeiten von Koxbox auf Harthouse wabert die A-Seite D´Light durch den Raum und lässt mich gerade wieder in “Gute alte Zeiten”-Schwärmereien verfallen. Nicht ganz so gute-alte-Zeiten ist die B-Seite, die sich lieber wieder an aktuellen Minimal-Trends orientiert. Kann man auch spielen, ich bleibe allerdings ganz klar bei Seite A. (5/6) Sanomat

Mjam mjam, knackiger konnte der Erstling der finnischen Formation Motiivi:Tuntematon, die zu einem Teil aus ehemaligen Op:I Bastard-Mitgliedern besteht, kaum ausfallen. Kompakt bezeichnet den Sound selbst als “Rockno” und genau das ist es dann wohl auch, wenngleich natürlich die Gitarre zugunsten schmatzender Bässe und Drums im Schrank bleibt. Lecker deftige Musik für Schweinetechnopartys. Die B-Seite mit dem Namen “Mankind Failed” eignet sich dagegen nur bedingt für den Dancefloor-Einsatz, denn ab der zweiten Hälfte setzt jeglicher Beat aus und die drei Finnen läuten mir einer Art düsterem Hörspiel nicht nur das Ende der Party, sondern gleich der ganzen Welt ein. “Mankind Failed” heißt das epochale Klangwerk und wer danach nicht verzweifelt nach Guter Laune lechzt, schläft wahrscheinlich auch in Särgen und trinkt regelmäßig Menschenblut. Ich alte Frohnatur bleibe natürlich bei Seite A und gebe heftig feiernde (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

LCD Soundsystem - Sound of Silver (DFA / EMI)

Darauf habe wahrscheinlich nicht nur ich halbe Ewigkeiten gewartet. Das neue Album der Kapelle um James Murphy liegt nun endlich vor mir und ich bin total heiß, das Ding das erste mal zu hören. Also rein damit! Sound of Silver fängt genau da an, wo das erste LCD Album aufgehört hat. Der Sound ist immer noch herrlich roh und ungeschliffen, oft wie eine gute Party in irgendeiner altehrwürdigen Discothek, in der schon mein Vater seine Kumpels zu psychedelischer Rockmusik unter den Tisch getrunken hat. Und was beim ersten Album teilweise noch wie ein nicht ganz ausgereiftes Experiment wirkte, ist hier durchgehend rund und ausgearbeitet. Schweinefunkrock-Nummern wie das fast schon legendäre “Daft Punk Is Playing In My House” gibts natürlich auch wieder, Highlights sind die aktuelle Singeauskopplung “North American Scum” oder das stellenweise stark an “Yeah” erinnernde “Us v. Them”. Kickt Arsch, rockt Haus. Zwar gibts zwischendurch auch den ein oder anderen Track, der alles andere als aufregend vor sich herplätschert und haarscharf an der Belanglosigkeit vorbeischlittert – siehe “Someone Great” oder “All My Friends” – doch am Ende versöhnt die irgendwie unbeholfene aber doch schräg-schöne Ballade “New York, I Love You But You´re Bringing Me Down” Kritiker und Befürworter. Alles in allem zwar keine Offenbarung aber irgendwie doch genau das, was man eigentlich erwartet hat. (4/6) Sanomat