Nach zwei beachtenswerten 12-Inches und mehreren Compilation-Beiträgen auf dem Kölner Kompakt-Label, ist es für den “schwedischen Vollsympathen” (O-Ton Presseinfo) Axel Willner, der sich hinter The Field versteckt, an der Zeit, ein Album vorzulegen. Dieses schwebt federleicht und nur mit rudimentärer Drumunterlegung (meistens reicht ein Pattern, welches ohne große Variationen bis zum Ende geloopt wird) durch den Raum und während sich anfangs noch ein Klangteppich auf den nächsten legt und man schon fast das Wort “Ambient” in den Mund nehmen will, geht es mit zunehmender Spielzeit auch etwas direkter zur Sache. Acid-Sequenzen geben sich die Hand mit clubkompatibleren Nummern, die mal ravig, mal verträumt und doch immer in einer ähnlichen Grundstimmung durch die Atmosphäre fliegen. Insgesamt ist der Sound von The Field zwar sehr markant und für zwischendurch wirklich okay, jedoch ist mein Ohr spätestens nach vier Tracks am Stück unangenehm verklebt und lechzt wieder nach Monotonie. (3/6) Sanomat
Impressed hat alles, was eine tolle Elektro-TechHouse-Nummer heutzutage haben muss. Knackige Drums, eine Melodie, die im Gedächtnis bleibt, tolle Feiermoment-Breaks und kleine Euphorie-herauskitzelnde Synths, die ab und an aufblitzen. Klasse Nummer! Die B-Seiten-Mixe, die im Gegensatz zum Original leider etwas leiser und dumpfer gemastert sind, bewegen sich eher in minimalen Gefilden. Yassin und Arnes Mix legt den Fokus auf das Zusammenspiel zwischen kleinen Drums und etwas größeren Basslines und lässt nur dann und wann den Hauptsynth zum Vorschein, der aber nur kurz aus seiner Kiste darf. Deckel wieder zu und weiter gehts. Die letzte Version kommt von Schatz und Wikinger, hält sich dann wieder etwas deutlicher ans Original und ändert nicht wesentlich mehr als die Drumbegleitung. Ist zwar auch spielbar, aber bevorzugt kommen wahrscheinlich eher Original und Yassin & Arne-Mix zum Einsatz. (5/6) Sanomat
Minilogue lassen ihren Track “Seconds” remixen, der auf dieser 12″ zwar nicht enthalten ist, aber von den Interpretationen der russischen Hoffnung Moonbeam sowie des alten Kölner Lokalpatrioten Gabriel Ananda vertreten wird. Der Moonbeam-Mix macht mich allerdings nicht wirklich an, die Drums sind Standardware, im Hintergrund pluckert irgendein wildgewordener Mini-Hubschraubersound herum und vom eigentlichen Thema bleibt nicht viel. Leider insgesamt doch eher langweilig. Sehr viel sicherer und sauberer kommt der Mix des Herrn Ananda auf Seite B daher. Dieser arbeitet mit angenehm drückenden Drums nach und nach auf das Hauptthema zu und schwebt im Höhepunkt elegant durch den Raum. Schöne Nummer und ganz klar das Kaufargument für diese Platte. (5/6) Sanomat
Sägetracks scheinen langsam wirklich modern zu werden. Das scheint sich auch Inaqui Marin gedacht zu haben, denn im Original-Mix auf Seite A zerrt ein ziemlich derber Distortion-Synth an den Nerven des geneigten Hörers. Doch immerhin im positiven Sinne, ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich im Club dazu wieder mal jede Menge Hände in die Luft bewegen werden. In der zweiten Hälfte kommt dann noch eine ziemlich unecht klingende 303-Melodie mit ins Spiel, die mich zwar nicht sonderlich anmacht, aber doch für etwas Prägnanz sorgt. Der B-Seiten-Mix von Maurice Aymard verzichtet dagegen komplett auf den Sägesynth. Aymard scheint immerhin im Besitz einer echten 303 zu sein, denn diese schmurgelt angenehm weich und dezent im Hintergrund herum und transferiert das Thema in einen leichten Acid-Kontext. (4/6) Sanomat
Ein Highlight der letztjährig erschienenen und immer noch gerne zur Hand genommenen Harthouse-Compilation “Electronic Injection” war mit Sicherheit der Track “Atol” des brasilianischen Tausendsassas Gui Boratto. Die Original-Version hat Boratto selbst noch mal einer kleinen Minimalkur unterzogen und was 2006 noch ravig war, tänzelt nun deutlich reduzierter und mit einer neuen Melodie über den Floor. Alex Flatners Remix auf B1 ist wohl so etwas wie eine Symbiose aus beiden Ur-Versionen – doch das eigentliche Highlight der EP befindet sich dort, wo man es auch vermuten darf, nämlich auf Seite A. Und genau dort haben Oliver Bondzio und Ramon Zenker, besser bekannt als Hardfloor, einen herrlich sahnig-zwiebeligen Mix hingelegt, mit dem die beiden Ur-Harthouser an ihre besten Zeiten anknüpfen, in denen man noch frei alles geremixt hat, was sich so anbot (und vielleicht auch mit dem ein oder anderen Geldschein winkte) – man denke da nur an Mory Kante, New Order, Rising High Collective, Mike Oldfield und und und… Ein großartiger Mix, der zwar vom Original gar nicht mehr so viel über lässt, aber für mich einfach eine der schönsten und traditionsbewusstesten Hardfloor-Produktionen der letzten Zeit darstellt. Herrlich! (6/6) Sanomat
Wer den Output des Köln-Stuttgarter Labels Onitor verfolgt hat, dem wird in letzter Zeit insbesondere die “Stadtmusik”-Reihe aufgefallen sein. Auf insgesamt vier 12-Inches haben sich Künstler aus Köln, Stuttgart, Buenos Aires und Toronto zusammengefunden, um ihre musikalische Vision ihrer Heimatstadt auf Vinyl zu bannen. Für alle, die diese Reihe damals verpasst haben, oder möglicherweise gar keinen Plattenspieler ihr eigen nennen, versammelt Onitor diese Beiträge nun auf einer schicken Doppel-CD, packt noch ein paar Bonus-Tracks dazu und zaubert so – quasi nebenbei – eine der gelungensten Compilations des Monats. Musikalisch breit gefächert geht die akustische Reise durch Minimal- und Dub-Techno-Welten, an housigeren Klängen vorbei und sogar kleine Elektro-Breaks gibt es zu hören. Dankenswerterweise kommt die Compilation komplett ungemixt, so dass auch CDJs damit ordentlich was anfangen können und werden – durchweg tolle Tracks, durchweg eine tolle Zusammenstellung. (6/6) Sanomat
Anspieltipps:
Ada + Metope – Colony
Hagedorn – Gtdwn
Jeff Milligan – Convenience Store
Neben der Produktion seines Albums für Harthouse hat Alexi Delano anscheinend noch genügend Zeit gefunden, um auch für Audiomatique seine Maschinen zu bemühen. Ob das nun unbedingt nötig war, stelle ich mal dahin, denn seine A-Seite “What is Control” ist zwar im großen und ganzen nett, aber auch nicht wesentlich mehr. Standard-Beat, Standard-Bassline, ein paar Vocals, die irgendwo zwischen düster und doch-nicht-ganz-so-düster liegen und gelegentliche kleine Melodien, die nicht hängen bleiben, lassen mich hoffen, dass zumindest Seite B noch irgendwas in petto hat. Dort verrichtet eine schräge Sequenz unaufhörlich ihren Dienst, der Rest ist aber auch hier eher so lala. Sehr so lala sogar. (3/6) Sanomat
So lass ich mir das gefallen. Bruno Pronsato weiß einfach, wie man mit relativ einfachen Mitteln eine ausgeklügelte, groovige und angenehm warme Minimal-Nummer aus Ryan Crossons Vorlage “Hopskotch” zaubert. Bei Magdas Remix von “Gotham Road” klickert es erwartungsgemäß wie ganze Armaden von Tropfsteinhöhlen, welche aber immerhin von einem sehr tief wabernden Sub-Bass und einigen fauchenden Athmos aufgefangen werden. Freunde der Materie greifen natürlich zu. (4/6) Sanomat
Nennt man das immer noch “Schaffel”, was Herr Björk hier am Anfang von “Brus” vom Stapel lässt? Es schunkelt, es klimpert und sägt auch irgendwie ein bisschen – und dann gehts nach einiger Zeit doch noch los: 4/4-Takt, um alle verwirrten Tänzer wieder auf den Boden der Tatsache zu bringen. Und obwohl der Track von vielen, eigentlich ganz lieblichen Melodien getragen wird, herrscht doch irgendwie ein gewisses Durcheinander, das man einerseits lieben, andererseits vielleicht auch nur nervig finden kann. Ich widme mich daher lieber der B-Seite, die ähnlich der A-Seite von Offbeat-Synths unterstützt wird, jedoch ein ganzes Stück gradliniger daher kommt – obwohl mich auch hier irgendetwas stört. Ich glaube, es ist der zu hart arbeitende Sidechain-Kompressor, obwohl dieser ja auf dem Dancefloor und möglichst laut gehört seine sehr treibende Wirkung entfaltet. Einfach mal antesten würd ich sagen. (4/6) Sanomat
Steve Barnes alias Cosmic Sandwich lässt sich erneut remixen, dies mal dürfen die Kölner Bukaddor & Fishbek sowie The Silent Jeffs ans Werk. Erstere begeben sich mit ihrem Scatter Realm Mix auf die Spuren eines Carl Craig – immer wieder flackern kleine Sequenzen und Elemente auf, die entfernt an den berühmten Falling Up-Mix erinnern, allerdings sind Bukaddor und Fishbek Profis genug, um ihre ganz eigene, durchaus gelungene Interpretation des Themas abzugeben. Die neue Combo “The Silent Jeffs”, die zu einem Teil aus Hot Chip-Mitgliedern besteht, nimmt sich den bisher unveröffentlichten Track “Marble” vor, spickt ihren Mix mit subtilen Basslines, ausgedehnten Breaks und Tempowechseln, dennoch will der Funke irgendwie nicht so recht überspringen. Weitere Produktionen von den Silent Jeffs auf My Best Friend sind allerdings schon angekündigt, also mal sehen, was da noch so kommt. Für diese Platte kommen erst mal (4/6) Sanomat
Die A-Seite des neuen Zweitrackers von Patrice Bäumel liegt soundmäßig irgendwo zwischen Lil´ Louis, Fairmont und Oxia, besitzt aber dennoch so viel Eigenständigkeit und Schmackes, dass ich ganz stark vermuten muss, dass uns dieser Track dieses Jahr noch eine ganze Weile begleitet – sehr schöne und funktionelle Nummer, nicht wirklich innovativ, aber einfach auf den Punkt. Auch auf der B-Seite geht es ordentlich zur Sache, allerlei euphorisierende Sequenzen und sich langsam öffnende Filter scheinen nur darauf zu warten, auf dem Dancefloor zum Einsatz zu kommen. Na denn los. (5/6) Sanomat
Mike Shannon kommt hier mit einer sehr knackigen Nummer daher, die irgendwo zwischen Jackin´ TechHouse und Detroit liegt und für Freunde des groovigen und unheimlich knackigen Sounds ein gefundenes Fressen ist. Zwischendurch schaltet Shannon noch ein bisschen den Bitcrusher ein und lässt dazu seine Geheimwaffe, eine ultratiefe Bassline, aus dem Zwinger. Rockt und bockt to teh max!! Auch Seite B ist alles andere als zu verachten, kann mit herrlich verstimmten Synth-Einwürfen und einer tollen Drum-/Basslinekombination punkten und macht die rundum gelungene 12″ komplett. (6/6) Sanomat
Harthouse-Puristen werden sicherlich die Hände entsetzt über dem Kopf zusammenschlagen, denn die beiden Nummern, die Can hier ins Vinyl gedrückt hat, hätte man beim ersten Hinhören vielleicht eher auf einem Label wie Trapez vermutet. Zunächst pluckert der Titeltrack auf der A-Seite nämlich mit typischer Klickklack-Minimal-Instrumentierung und -Programmierung los, geht aber dankenswerterweise nach einiger Zeit über das übliche Maß hinaus. Drückende Pulse-Bässe und Mini-Breaks, die an die Chemical Brothers erinnern rücken den Track letztendlich doch in einen eindeutigen Techno-Kontext. “Jattedansen” auf Seite B setzt dann doch wieder mehr auf typische Plucker-Plock-Sounds und kann zumindest mich nicht so richtig überzeugen. (4/6) Sanomat
Österreichs Experte für allerlei bunte elektronische Musik, Clemens Neufeld, meldet sich mit einer neuen 12″ auf Giant Wheel zurück, die sich soundmäßig ein bisschen an aktuellen Stephan Bodzin-Produktionen zu orientieren scheint. Die beiden Nummern sind herrlich staubtrocken, verzichten auf große Effekthaschereien, schaffen es aber doch, durch ein ausgefeiltes Arrangement ordentlich Spannung zu erzeugen. “Polaris” auf Seite A besticht dabei mit fast ravigen Offbeat-Synths, während “Solaris” (welches prinzipiell als so etwas wie ein Remix der A-Seite gesehen werden kann) etwas dezenter und mit einer sehr markanten Snare-Drum anfängt, bis dann schließlich doch die breiten Synths rausgelassen werden. Lediglich bei der Enigma-Flöte krempeln sich mir die Fußnägel um. Trotzdem eine schicke Platte. (5/6) Sanomat
Drei zeitlos-deepe Nummern beschert uns John Daly mit seiner Sky Dive EP auf Plak Records. Während sich auf der A-Seite ein sanfter Percussion-betonter Groove unter behutsam waberndende Schwebe- und Chordsounds legt, wird die B-Seite von einem kurzen Klangteppich eingeleitet, auf den ein angenehm minimal gehaltener Track namens “Broken Juno” folgt. Dieser hört sich in der Tat ein bisschen so an, als hätte sich der Sequenzer aufgehängt und würde immer wieder das gleiche Pattern spielen, welches zumindest hier und da noch ein wenig moduliert wird. Schöne Nummern, schöne Platte. (6/6) Sanomat
Weiter geht es im Hause Neo Filigrante. A Fact Of Tragedy überrascht im Original mit EBM- bis NewWave-lastigen, schleppenden Beats und einer gehörigen Portion analogen Synthlines, die den melancholischen Gesang des Filigrante-Sängers Robert stimmungsvoll untermalen. Als zweite Nummer gibts einen 4/4-Sägetrack namens “Heartless Men”, der auch absolut in Ordnung geht. Den Höhepunkt der EP stellt allerdings zweifellos der Fact of Tragedy-Remix des Gigolo-Recken Kiko dar, dieser nimmt Teile des Original-Gesangs, kurbelt diese ordentlich durch seine Effektbank und bastelt einen derbst knackigen Burner mit reichlich 303-Einsatz drum herum, zu dem ich die Crowd schon an die Decke gehen sehe. Eindeutig das beste Neo-Filigrante-Release bisher. (5/6) Sanomat