Archive for January, 2007

Zur letztjährig erschienenen Compilation “Noughts And Crosses” schmeißt Tic Tac Toe (und ich spare mir an dieser Stelle mal den Scherz mit Jazzy, Ricky und Lee) eine kleine Ladung Remixe auf den Markt, die man als willkommenen Nachbrenner. Ink and Needle legen gleich auf Seite A eine so ausgiebige und höchst gelungene Interpretation von Amox & Atles “A Witch´s Kiss” hin, dass man schon bei dieser Nummer vor lauter Glückseligkeit dahinschmelzen möchte, was ja sicherlich auch erlaubt ist, doch wie bei den meisten Platten gibts auch hier eine Seite B. Dort knöpft sich Benno Blome BrightLights “How To Build A Monster” vor, schlurft mit einem lässig gefüllten Rucksack voller Schwupp-Sounds sehr funky über den Floor und wenn dann auch noch Nino Raro sämtliche alten Drumcomputer zum Remix von Matt Vegas und Morten Freshs “Instant Corruption” rappeln lässt, ist es soweit – Onkel Sanomeier spricht eine klare Kaufempfehlung aus. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Groove Rebels - Breakpoint (Hammarskjöld 008)

Die Groove Rebels vereinen auf “Breakpoint” aktuelle Klickersounds, Snaredrum-durchsetzte Beats sowie eine der prägnantesten Lines des angefangenen Jahres, die ein bisschen wie die Chord-Sektion meines alten Casio-Keyboards klingt. Wird sich wohl noch auf so einigen Plattentellern dieses Planeten drehen. Die mitgelieferten Remixe von Sven Wegner nebst Bardia S. und Mason schwanken zwischen okay und nicht ganz so dolle, lediglich Juho Kahilainens Mix, der der Gewinnerbeitrag des Hammarskjöld Remix-Contests ist, kann mein kleines Herz noch mal komplett erfreuen, denn dieser lässt nicht nur tolle Minimelodien in die Chord-Kombination einfließen, sondern zeigt allen Anwesenden die silbrig glänzenden Knöpfe seiner 303 und erzwirbelt sich damit spitzbübisch seinen Platz auf dem Vinyl. (4/6) Sanomat

Dass gerade kein Sommer ist, weiß man ja nicht erst seit dem letzten John Dahlbäck-Album “Man From The Fall” auf Systematic. Dick eingepackt in insgesamt drei Mixen kommt der Track mit der nötigen drückenden Dancefloor-Affinität und allerlei kreischend-sägenden Synthlines, dass es einem die Moonboots auszieht. Original und B2-Remix kommen von Dahlbäck selbst, für B1 hat sich Mann der Stunde, Stephand Bodzin, zur Verfügung gestellt. Sein Mix klingt – welch Wunder – sehr nach bodzinschen Produktionen der letzten Zeit, ist in der Gesamtstimmung erwartungsgemäß wesentlich ruhiger als das Original (dessen Hauptargument ja die nervös herumzuckelnden Lines sind), liegt aber in der musikalischen Qualität wahrscheinlich auf einem ganz anderen Level als die Vorlage. Die B2 von Dahlbäck selbst ist dann noch so etwas wie ein Dub-Mix des Originals und wird, wenns denn nix kostet, auch noch gerne mitgenommen. A1 und B1 sind aber wirklich heiß. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Monoroom - Memory Inc. Part II (Livelarge 08)

Der Original Mix ist eine angenehm relaxte Schwebe-Nummer, irgendwo zwischen Minimal und Trance, die im Break eine außergewöhnlich poppige und hittige Melodie ins Spiel bringt, die glücklicherweise weit davon entfernt ist, den Gehörgang mit Kitsch zuzukleistern. Schon Seite A legt die Messlatte ziemlich hoch, doch auch der Remix von Brasiliens Exportschlager Gui Boratto auf Seite B steht dem in nichts nach. Boratto bleibt insgesamt wesentlich minimaler, legt den Fokus deutlicher auf Melodie und Harmonie, lässt ein paar kürzere Breaks einlaufen – und dann kommt es: DAS Break! Mit kompletter Bandbesetzung spielt Boratto die Melodie von Seite A neu ein, klingt dabei ein bisschen wie die dänischen Soft-Hardrocker D.A.D. und hebt den Track in ganz andere Sphären. Hier hat man es plötzlich mit einem reinrassigen Popsong zu tun, der ergreifend und einfach nur wunderschön ist. Klasse. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Umek - Akul (Audiomatique 20)

Die neue Umek auf Audiomatique ist… äh, Moment mal! Umek auf Audiomatique? Kann das sein? Ein weiterer Blick auf das Etikett beweist: Und ob, es kann! Denn der ehemalige Experte für allerlei drückenden und manchmal ballerigen Sound hat sich einer Frischzellenkur unterworfen, die seinen immer noch sehr direkten und funktionellen sowie jederzeit hoch ausgeklügelten Stil perfekt in den Gusto des Jahres 2007 transferiert. Das teils deutlich reduzierte Tempo, die gelungene Soundauswahl – all dies zeigt deutlich, dass Umek sich in der vergangenen Zeit intensiv mit aktuellen Musikströmungen auseinander gesetzt hat und jetzt mit seinen zwei regelrechten Über-Tracks daherkommt und Dagewesenes mal eben mit links überholt. “Akul” auf Seite A rockt mit seiner zunächst etwas ungewöhnlichen Chord-Kombi und dem ausgiebigen Rausche-Break alles weg und auch die melodiöse B-Seite mit dem Namen “Complikator” weist eine Eigenständigkeit auf, die man bei anderen Platten derzeit schmerzlich vermisst. Transformation aber mal sowas von gelungen – Prognose: Heißeste Platte im Frühling 2007! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Satoshi Fumi - 8.va (Connect Four 001)

Oha, klimpernde Pianos in trancigen Tracks mochte ich schon bei “Children” nicht wirklich und wie ich gerade merke, hat sich da bis heute nicht viel dran geändert. Die Original ist ziemlich kitschig und auch wenn der Infozettel vorschlägt “when the track is finished, you may kiss the beauty next to you” – da müsste the beauty next to me erst mal den ganzen Schleim vom Fußboden aufwischen. Sian lässt in seinem Remix auf Seite A glücklicherweise den ganzen Schwulst weg und bringt die Nummer auf einen erträglichen oder – ach komm, ich will mal nicht so sein – wirklich hochakzeptablen Level. Puh, gerade noch mal gerettet. Der Bonus-Track von Fumi selbst ist dann auch noch gefällig deep und wenn man das Original außer acht lässt, reichts insgesamt sogar für (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

John Dahlbäck - 20 (Pickadoll 20)

John… äh… Benassi? Keine Ahnung, was sich Dahlbäck bei dieser Platte gedacht hat, vielleicht ist ihm mittlerweile ein gewisser Qualitätsstandard vollkommen egal oder hat einfach ein zu großes Vinylproduktions-Sparschwein, dass er jeden noch so unwichtigen Quatsch veröffentlichen kann und will. Aber mal ganz im Ernst – diese milliardenfach gehörte Säge-Bassline mit den obernervigen Vocals und dann auch noch diese B-Seite, die zu allem Überfluss an Scooters Kumpel DJ Balloon (!) erinnert… muss das sein? Nee, muss et nich. Tinnef. (2/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Agaric - We Are (We Are 008)

Eine weitere “We Are”-10-Inch von Agaric, mittlerweile ist man bei Ausgabe 8 angelangt. Seite A ist ein sehr angenehmer atmosphärischer Minimal-Track, der neben einer sehr positiv gestimmten Bassmelodie auch den seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr gehörten Orgelsound aufleuchten lässt. Erstaunlich deep für die “We Are”-Reihe. Auf Seite B geht es sogar noch reduzierter zu, Skoog verzichtet komplett auf Beatuntermalung und driftet in weite Klangwelten ab und man fragt sich, ob die neue Richtung im Hause We Are Ambient heißt. Da mach ich doch gerne mit – eine wirklich sehr tolle Platte! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Various - Traumvisionen (Audiomorph 004)

Hmmm. Wo genau der Takt anfängt, kann man bei der A-Seite gar nicht so genau ausmachen. Irgendwie find ich sowas ja ganz reizvoll und durch den schrägen Einsatz von allerlei Drumsounds kann A1 schon mal punkten. Die restlichen drei Tracks sind für das Minimal-Genre auch angenehm ausproduziert, setzen hier allerdings lieber (und nachvollziehbar) auf 4/4-BassDrum. Insbesondere B2 fällt durch seine entspannte, aber doch dicke Bassline-Chord-Kombination sowie das originelle “Ich bin dankbar dafür”-Sample auf und kann, wie eigentlich alle Nummern auf dieser EP, als kleiner Höhepunkt im Set herhalten. Vielseitige und wirklich gute Platte. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Leandro Gamez - Me Implica (Cirlce 011)

Ziemlich knackiger Techno, der hier und da minimale Elemente aus der Hose hängen lässt, aber sich letztendlich doch klar dem gradlinigeren und konkreteren Weg verschreibt. Mal knarzt es angenehm ravig, dann rauscht es wieder wie der gute alte c64. Unruhig und dank wirksamer Soundauswahl stampft sich Leandro Gamez, der bisher auf Labels wie Ongaku, Primate oder Intec veröffentlicht hat, seinen Weg über so manch lethargisch wankenden Dancefloors und platziert seine drei angenehm dicken Gassenhauer dort, wo sie hingehören: in die Peaktime. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Soulexx - 1981 (Anny-Jack 009)

Der Shooshine´s Drift Mix auf A1 ist eine regelrechte Perle deepen Minimal-Technos mit Melodie und Atmosphäre und erreicht im zauberhaften Break sogar fast Song-Status, entscheidet sich gegen Ende dann allerdings doch wieder dazu, ein Track zu sein. Das nachfolgende Original würde ich mal als etwas rudimentärer aber nicht minder reizvoll bezeichnen. Hauptaufhänger ist auch in dieser recht langen Version die an Daft Punk erinnernde Synthie-Gitarre. Auf diese verzichtet schließlich Marcho in seinem B-Seiten-Mix und setzt dagegen Akzente aus minimalen Beats und in weite Hallräume geworfene Klangelemente. Gefällt! (5/6) Sanomat

Während die jämmerliche “Emergency”-Stimme im ersten Mix gar nicht weiter auffällt – sie fügt sich dort eigentlich ganz prima in das gut gelaunte Arrangement ein – zeigt sich das Grauen bei den beiden Remixen von Tomas Andersson umso deutlicher. Der erste Mix kann wirklich besten Gewissens übersprungen werden, hätte der zweite Mix auf die fürchterlichen Vocals verzichtet, wäre da eigentlich noch ein schön raviger und fiepender Track im typischen Andersson-Style geworden. Ist es ja eigentlich auch, aber wie gesagt – die Vocals nerven. Mit weggedachten Vocals: (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Various - Geezers Need Excitement EP (LFB 4)

Wenn mich nicht alles täuscht, war die Vorlage für den ersten Track dieser 4-Track-Mini-Compilation von Milek eine Nummer des letzten Dritte-Raum-Albums, dessen Name mir gerade nicht einfallen will. Gar keine schlechte Adaption, es fehlt nur der typische d3r-Drive. Milos´ “Poslite Ho Do #@+$” orientiert sich eher an älteren Akufen-Nummern und macht dies auch nicht unbedingt schlecht. Vollkommen eigenständig schlängelt sich Loktibradas minimal-techige “Kouzelna Misa” über die erste Hälfte der B-Seite und zu guter Letzt darf bei DNCs “Neprebudena” nach Herzenslust mitgeschunkelt werden, der Track erinnert mich hier und da an das gute alte Monkey Island, und taugt sogar als Lieblingsnummer der EP. (4/6) Sanomat

Herrliche Platte mit viel Oldschool-Appeal; komisch irgendwie, dass sich 909-Toms mittlerweile wie eine Frischzellen-Kur anfühlen, wobei daran ja eigentlich gar nichts wirklich neu ist. Aber es tut einfach gut zu hören, dass D1-Label-Founder Doyle, der auf seinem in Irland beheimateten Label schon Detroit-Legenden wie Keith Tucker begrüßen durfte, sich einen feuchten Kehricht um Trends und Sounddiktate kümmert und einfach das veröffentlicht, worauf er Lust hat. Seine vier Tracks, die bereits 2005 als mp3 auf dem D1-Sublabel “D1gital” erschienen sind, klingen auch heute noch frisch und alles andere als altbacken und wer beispielsweise Gabriel Anandas Bassmaschinchen mochte, sollte sich diese Platte einfach mal zu Gemüte führen und kann so vielleicht noch was dazu lernen. Nachhaltig und zeitlos – klare Empfehlung. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Roman Salzger - Lollipop Machine (Opaque 031)

Wenig innovative, aber immerhin funktionelle Sägeplatte, die uns Roman Salzger hier präsentiert. Der Groove stimmt einfach und auch der Schrubbelgrad passt genau, um unschuldigen Tanzwütigen ordentlich den Hintern zu versohlen. Thematisch passt der Track übrigens ganz gut zur letztmonatig heiß rotierenden “Tank Girl” von Trashtalk. Auf Seite B gibts eine Nummer namens “Gasoliner”, die ebenfalls recht straight beim aktuellen Tech-House-Sound mitmacht, aber doch so viel Eigenständigkeit besitzt, dass man zur ganzen Platte besten Gewissens sagen kann: gelungen. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Beroshima - Corazon (Müller 2060)

Nach längerer Pause gibts mal wieder was Neues von Herrn Müller auf seinem gleichnamigen Label. Der Titeltrack Corazon, der sich im Original in zwei Parts unterteilt, hastet ziemlich eilig und fast ein bisschen konfus voran, erinnert hier und da an frühere Kowalski- oder Laux-Produktionen; viele Flächensounds, viel Rhythmus, viele Breaks. Im Heartstroke Mix auf B1 kommt Beroshima etwas mehr auf den Punkt, lässt das Tempo zwar noch angezogen und die Grundstimmung bleibt ganz ähnlich, der Track wirkt allerdings sehr viel entspannter und wäre mein favorisierter Mix. Als Bonus gibts noch einen Ausklang-Track namens “Horizon”, der vielleicht noch mehr strahlen würde, wenn er komplett auf Drums verzichtet hätte. Durchaus okaye Platte. (4/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Various - Fünf Gegen Willy (Sportclub 09)

Hach, diese Sportclubber! Gleich fünf lustige Musikanten finden sich auf dieser 12″ ein, neben den Labelmachern Zeiger und Bartsch dürfen hier auch die Newcomer Mario Aureo, Daniel Solar und Towie ans Werk – wer allerdings Willy ist, wird hier nicht geklärt. Macht aber auch nix, denn während die A-Seite “Reizüberflutung” der Chefs minimal-gemütlich vor sich herpluckert und von einer leider wenig originellen Bass-Synth-Line untermalt wird, legen die drei Jungspunde auf Seite B einen Zahn zu und zeigen reduziert-treibend (Aureo & Solar) und lässig-borattös (Towie, klarer Gewinner der EP), dass auch der Nachwuchs weiß, wo der Frosch die Locken hat. (5/6) Sanomat