Hach, der Atzenpaule. Man muss ihn ja wirklich lieb haben, nicht nur durch sein Mitwirken an The Notwist oder seinem eigenen Console-Projekt stellt er ständig seine musikalische Qualität unter Beweis, auch mit dieser neuen EP auf dem frisch gegründeten Smaul-Label zeigt Herr Gretschmann wieder einmal, wo der Frosch die Locken hat. Fetter Techno, der sich auf irgendeine Weise, die ich gerade gar nicht so recht benennen kann, deutlich von anderen aktuellen Platten abhebt. Vielleicht liegt es daran, dass “Gwar is not the Answer” (wer Gwar noch kennt, wird das nur eingeschränkt bestätigen können) eigentlich ein Auftragsremix für die Sportfreunde Stiller war und hier gegen Ende ordentlich rumschraddeln darf. Auf Seite B gibt es dann noch eine Nummer namens iRave, die ein bisschen ruhiger als ihr Gegenüber ist, trotzdem mit ihren ausgeklügelten Drumpattern den Sack zumacht. Flotte Scheibe. 6/6 Sanomat
Ach, wenn doch mehr Platten wie die von Surgeon wären. Ehrlicher, immer ein bisschen kaputter Techno mit den nötigen Eiern. Zwar hat sich, wenn wir mal ehrlich sind, der Surgeon-Style über die Jahre ja auch nicht wirklich verändert, trotzdem können diese vier knackigen und angenehm untoolig drückenden Drumtracks einfach punkten. Durch ihren direkten Wumms äußerst umarmens- und empfehlenswert und insbesondere B1 möchte ich mal als meinen neuen besten Freund bezeichnen. 5/6 Sanomat
Näd Mika sind eine ziemlich schräge Elektropunk-Combo aus dem Ruhrgebiet und haben meine Aufmerksamkeit schon mit dem letztjährig erschienenen Album “Electronic Beat Bitch” auf ihre Seite ziehen können. Ein bisschen Peaches, ein bisschen Berlin-Style, ein bisschen Sex und ab gehts. Ab geht dementsprechend auch die “Girlfriend”-EP, die mit allerlei illustren Remixen versehen ist. Den Anfang macht der ja schon von Scooter hochverehrte Jens Lissat, welcher mit seinem relativ gradlinigen Tech-House-Mix noch am gesittetsten bleibt. Ganz anders Schwefelgelb, die eindeutig die Brücke zum Peaches-Style schlagen, aber auch ein Tick Nena könnte der geneigte Hörer erkennen. Auf der B-Seite gibts noch einen eher minimalen Mix von Mittekill sowie das Original, das auch noch mal einiges kann und hier und da “Maniac” aus Flashdance zitiert. Gefällt! 5/6 Sanomat
Die neue Connaisseur Superieur von Dani Casarano kann man durchaus in zwei Stücke teilen. Die erste Hälfte würde ich fast schon als mehr oder weniger gewöhnlichen Minimal-Deep-Techno bezeichnen, dem große Überraschungen fremd sind, lediglich eine leichte Melodie glitzert ab und an auf. Ab dem Break kommt allerdings ein äußerst schicker Akkordwechsel sowie eine melodiöse Bassfigur mit ins Spiel, die den Track gleich in andere Geschmacksregionen heben. Geht doch. Für den dazugehörigen Remix sorgen diesmal Motorcitysoul, die etwas mehr Funk in das Arrangement legen und sich gleich auf besagte Akkordkombinationen konzentrieren. Dazu gibts noch ein paar neue Melodien, die den Mix zu einer optimistisch-melancholisch-schönen Nummer machen. Da gibts wirklich nichts zu meckern. 5/6 Sanomat
Als erste aus einer Reihe von insgesamt drei Remix-EPs zum letztjährig erschienenen D.Diggler-Album Em.Pulse schicken sich Robag Wruhme und Dapayk an, zwei sehr freie Interpretationen der Tracks Axiom (Wruhme) und Graviton (Dapayk) zum besten zu geben. Wruhme zeigt sich dabei so vertrackt wie man ihn schon länger nicht mehr gehört hat, verzichtet komplett auf bassige Untermalungen sondern frickelt frisch fromm fröhlich frei seinen “Belchtrommel Mikks”, den minimale Plattenleger sicherlich mit Freude entgegennehmen werden. Dapayks Remix bleibt schon eher in der Gesamtstimmung des Albums, leicht düster, mit diversen Hall- und Athmo-Samples, gönnt dem ganzen allerdings einen Bumm-Bumm-Tschak-Rhythmus und kann auch mit seiner Version punkten. Demnächst erscheinen außerdem die Remixe von Johannes Heil und Pascal FEOS sowie der Gewinner des vor einem Monat zu Ende gegangenen Remix-Wettbewerbs. 4/6 Sanomat
Als zweite Nummer der Roots Edition gibts bei Great Stuff jetzt den 95er Track “Push Push” der ehrenwerten Rockers Hi-Fi auf die Ohren, den man natürlich als Klassiker bezeichnen muss und der sich seit Erscheinen nie wirklich aus den Playlists dieser Welt verabschiedet hat. Um jetzt allen noch mal die Möglichkeit zu geben, den zwischenzeitlich vergriffenen Track auf Vinyl abzugreifen, schnürt Great Stuff ein Paket, das jetzt zusätzlich mit einem M.A.N.D.Y.- und einem Meindl & Koletzki-Remix daherkommt. Zum Original selbst, das von Martin Eyerer noch mal ansprechend gemastert wurde, muss man wohl nicht mehr viel sagen, zu den Remixen wohl allerdings schon. Beide Remix-Teams machen ihre Sache verhältnismäßig anständig und gehen mit dem nötigen Respekt an die Sache, der M.A.N.D.Y. Mix wird m.E. eine der großen Nummern des Frühjahrs, obwohl mir die verschobenen Vocals etwas gegen den Strich gehen. Der Meindl & Koletzki Mix ist mit seinen ausgiebigen Dub-Effekten auch nicht ohne, wenn man mal die nervige und total überflüssige neue Melodie außer Acht lässt. Okayes Paket, okaye Remixe, aber das Original bleibt unerreicht. Remixe: 4/6 Sanomat
Ich mag ja Theodor Zox wirklich, seine Platten sind grundsätzlich klasse produziert, funky und haben sogar eine gewisse Massenkompatibilität, was jetzt nicht heißen soll, dass sie chartsmäßig-langweilig sind, sondern weil es einfach gute Musik ist, auf die sich irgendwie jeder einigen kann. Und trotzdem klingen sie irgendwie immer recht ähnlich. Ich will jetzt hier nicht vom Benassi-Phänomen sprechen, davon ist Herr Zox weit entfernt, aber durch die Kombination vertrackte Drums, dicker Bass, Sampleschnipsel hier und da und eben diesem enormen Shufflebeat lassen einen recht schnell erkennen, dass es sich um eine weitere Platte des umtriebigen Dänen handeln muss. Und so ist es dann auch bei der Run Away EP, die diesmal auf Trenton erscheint. Alles wirklich gute Musik, tip-top-Tüte sozusagen, aber dass man die jetzt auch noch braucht, wenn man schon die ein oder andere Zox im Regal hat, kann ich nicht unbedingt sagen. Ich geb trotzdem einfach mal 4/6 Sanomat
Ich machs mal ganz kurz, dat is ma wirklich ne geile Platte, wa? Wie schon einige Katalognummern zuvor, der “Storm Warning” von Andre Rozzo, dominieren auch bei der neuen Sebbo auf Trackdown Records die Stabs, und zwar in einer Art und Weise, dass es einem die Schuhe auszieht und der Arsch automatisch anfängt zu wackeln. Der Track fängt zwar recht verhalten an, bleibt eigentlich auch die ganze Zeit über in einem ähnlichen Gusto, wird aber durch die schräge Chord-Kombination einfach zu einem Dancefloor-Killer gepolt, dass es kein Halten mehr gibt. Der Ripperton Mix auf Seite B kann die steile Vorlage des Originals allerdings nicht so ganz verwandeln; die Original-Rhythmik der Stabs ist zwar noch vorhanden, durch eine andere, unauffälligere Soundwahl ist der Mix leider lange nicht mehr so markant wie das Original. Aber Seite A ist n Kracher, da machen wir uns nix vor. A: 6/6 Sanomat
Dub-Techno der angenehmen Sorte. Das Original von Let´s Swing klingt stellenweise ein bisschen wie House-Produktionen der früheren 90er Jahre, trommelt percussionreich und mit vielen Breaks herum und die Chord-Stabs klingen einfach irgendwie nostalgisch. Heute vielleicht sowas wie fortgeschrittene Lounge-Musik. Oracy´s Traktor Beam Dub auf der B-Seite nimmt die teilweise etwas nervösen Elemente zur Seite und beschränkt sich auf das Loopen der Chords, die unterlegt von leichten Flächen hier und da ein bisschen nach Detroit und ins basicchannelisierte Berlin schielen – aber nicht dass wir uns falsch verstehen, der Track klingt sehr easy und alles andere als bemüht, so dass insbesondere die B-Seite zu einem kleinen Tipp wird. Ach ja, und weils tausend mal draufsteht: This Record was mastered by 2000 and One. 4/6 Sanomat
Seit dem Remix-Album von Rhythm and Sound und dem darauf enthaltenen Vainqueur-Beitrag durfte man wieder hoffen, in nicht allzulanger Zukunft eine neue 12″ des ehemaligen Basic Channel- und Chain Reaction-Protagonisten Rene Löwe in den Händen halten zu können. Nun ist es mit der Surface EP also passiert und zusammen mit Peter Kuschnereit alias Substance werden hier zwei urtypische Dubtechno-Werke von fast epischer Länge vorgelegt, die mehr oder weniger nahtlos dort anfangen, wo man vor einigen Zeiten mal aufgehört hat. Es sind wieder genau die düsteren Chords, die Hallräume, die Delay-Effekte und der zeitlose Aufbau, die die Platten von Vainqueur immer ausgemacht haben und es auch heute noch tun. Und wer der Meinung ist, dass damals doch wirklich alles besser war, sollte hier natürlich ohne zu Fragen zugreifen. 5/6 Sanomat
Caffeine ist nüchtern betrachtet eine Minimal-Nummer wie momentan so viele auf dem Trapez-Label (und nicht nur dort), die gängigen Elemente sind alle brav versammelt und tun ihren Dienst. Was “Caffeine” allerdings von der breiten Masse abhebt, ist die aus 808-Toms (korrigiert mich bitte, wenns nicht stimmt) zusammengesetzte, mehrstimmige und außergewöhnlich groovige Stab-Melodie, die selbst mich als Mensch mit mittlerweile ziemlich ausgeleierten Ohren noch hellhörig macht. Der Track funktioniert einfach wie ne eins und befindet sich sicherlich schon in diversesten Cases der Welt. Auch “Rush Hour” auf Seite B ist angenehm knackig und geht nach vorne, so dass ich hier guten Gewissens eine Empfehlung aussprechen kann. 5/6 Sanomat
Stephan Bodzin ist wirklich ein Meister des Build-Ups. Wie so viele seiner Tracks beginnt auch Daytona Beach recht einfach, wagt sich dann aber nach und nach immer weiter vor und lässt gegen Ende das Monster so richtig von der Leine. Rave-Bürsten Galore! Seite B ist dagegen ein sehr schön ruhiger, aber doch subtil schiebender Melodie-Track im besten Border Community-Style und hätte sich als A Seite auf ebendiesem Label bestimmt zu einer gefragten Nummer entwickelt. Sehr empfehlenswerte Platte, aber das muss ich ja eigentlich gar nicht mehr sagen. Bodzin-Platten sollte man ja mittlerweile eigentlich blind kaufen können. 6/6 Sanomat
Alle Achtung, was Stephan Bodzin und Marc Romboy in letzter Zeit anfassen, funktioniert einfach. Die jetzt auf Systematic erschienene 12″ Telesto / Hydra EP (was übrigens die Namen von Saturn- bzw. Plutomonden sind) ist so angenehm deep, dass man sich komplett drin verlieren möchte. Telesto auf Seite A fängt dabei reduziert-minimal mit Rauschpercussion-Unterstützung an, lässt dann aber nach und nach wunderschöne und doch seltsam kalte Chords fallen, die ich mir am liebsten in einer einsamen Eishütte irgendwo am Nordpol anhören würde. Die B-Seite transportiert eine ähnliche Stimmung, erinnert mich hier und da sogar an The Age of Love, obwohl dieser Vergleich ja wahrscheinlich ziemlicher Quatsch ist. Sehr schöne Platte. 6/6 Sahnetortomat
Extrawelt sind ja eine Kapelle, die ähnlich wie Minilogue den Absprung von der etwas stehengebliebenen Trance- in die grundsolide Technowelt geschafft haben und seit ihren ersten Veröffentlichungen auf Cocoon oder auch Border Community höchstes Ansehen genießen. Dabei machen die beiden Jungs gar nicht so viel anders als vorher auch schon, das Tempo wurde insgesamt etwas gedrosselt, die Melodien freundlicher und das Arrangement etwas entschlackt, doch insbesondere der HiHat-Programmierung merkt man Raabe und Schaffhausen an, dass sie sich alles in allem doch treu geblieben sind und nicht plötzlich auf die Minimal-Schiene aufspringen, weil es gerade so angesagt ist. Von den zwei Nummern “Schmedding” und “8000″ kann insbesondere letzterer sehr gefallen, dieser bleibt zwar ziemlich gradlinig, nimmt sich aber ausgiebig Zeit für seine einschmeichelnde Melodie, die so manchen in diesen kalten Wintermonaten warm halten mag. Schön im Quadrat. 5/6 Sanomat
Schmissige Platten, her zu mir! Was KAOS feat. Khan hier abliefern, klingt auf den ersten Blick ein bisschen nach DFA, vielleicht in einer etwas zaghafteren, aber nicht minder funkygen Variante. Khan, der ja zuletzt bei Alexander Kowalski für die rechten Vocals gesorgt hat, steuert ein paar “You´re in my Head”-Textzeilen hinzu, hier shuffelt das Percussion-Ei, da trommeln die Bongos und fertig ist die Laube. Auf Seite B1, im angenehm oldschooligen “Khan in my Head”-Mix merkt man allerdings die säuregetränkten Wurzeln des Wahlberliners; der Track hätte so auch auf dem Kölner Traditionslabel Djungle Fever erscheinen können. Abschließend sorgen Brennan Green und Sal P noch für einen Edit, der sich recht nahe am Original hält und wohl sowas wie das Pendant zu LCD Soundsystems “Yeah” darstellt. Feine Platte mit einem Geheimtipp auf B1. 5/6 Sanomat
Und weiter gehts mit dem 12″-Veröffentlichungsreigen des letztjährig erschienenen Pascal FEOS-Albums “Synaptic”. Die mittlerweile vierte Scheibe beinhaltet die Nummer “Can´t Get Enough” auf Seite A, welche relativ düster vor sich herstampft, ein paar Dubeffekte featured und gegen Ende die mupfelige Melodie den Rest erledigen lässt. Wie eigentlich alle bisherigen “Synaptic”-Tracks ist auch dies natürlich ein dickes Stück Musik, das man m.E. zumindest mal auschecken sollte. Am meisten habe ich vom Album allerdings die hier als B-Seiten-Track vorhandene Nummer “Sunset” in mein Herz geschlossen, die mit ausgeklügelten Minimal-Pluckerdrums, satten Bässen und vorsichtigen, behutsamen Schwebemelodien die Sonne entspannt untergehen lässt und sich somit qualifiziert für einen Platz in meiner persönlichen Monatshighlight-Kiste. 5/6 Sanomat
Ich habe mich ja schon immer gefragt, wer kurz vor Weihnachten in den Wald geht und die ganzen Tannenbäume absägt, damit diese pünktlich zum Fest in deutschen Wohnzimmern stehen können. Mittlerweile glaube ich, die Antwort gefunden zu haben: Es waren Raik Krause und Robert Nickel alias Trashtalk, die mit “Tank Girl” eine Platte raushauen, die so sehr sägt, wie kaum ein anderes aktuelles Release. Massiv, direkt und fast debil gibts hier gepflegt die volle Ladung ins Gesicht gedrückt und die Original-Version ist dabei sowas von bratzig, dass selbst die gelungenen Mixe von Misc. und Hysterio nicht die geringste Chance haben, da was entgegenzusetzen. Brachial-Techno, ohne toolig zu sein, dafür aber mit einem gesunden Maß an Sperrigkeit – genau die richtige Platte, um unerwünschte Luschis vom Dancefloor zu vertreiben. Heftig. 6/6 Sanomat
Jetzt weiß ich, warum Gregor Tresher auf seinen Pressefotos immer so böse guckt. Das macht er nur, damit ich schreiben kann: na, wieso guckt der denn so böse, dabei macht der doch so tolle und freundliche Musik? Zusammen mit Durchstartes des Jahres Gui Gerber hat Herr Tresher hier nämlich einen derartig freundlichen und gut gelaunten Track hingelegt, bei dem man direkt sämtliche Leute um einen herum umarmen möchte. Den B-Seiten-Remix liefert ein weiterer Kopf des Jahres, nämlich Deetron. Dieser fängt relativ verhalten an, lässt das meiste vom Original einfach weg und sägt sich gegen Ende noch mal so richtig in Rage. Trotzdem bleibt mein Favorit ganz klar Seite A und diese kassiert verdient 6/6 Sanomat