Archive for October, 2006

Kaum ein Act ist mir in den vergangenen Monaten so auf die Nerven gegangen wie die sich ständig in Internetforen anbiedernden, hoffnungslos talentfreien und sich selbst total überschätzenden Neo Filigrante. Ihren Erstling, die “Dekorette EP”, würde ich mal zu den unerträglichsten Platten des Jahres zählen wollen und auch der Nachfolger “Clara´s Gun” mit dem grauenvollen “Ein Jaguar” zeigt eindrucksvoll, wie auch Leute ohne musikalische Begabung, aber mit großen Ambitionen im Abschauen von gigoloesquen Ideologien, Sound und Design, eine Platte nach der anderen veröffentlichen können. Immerhin handelt es sich bei der nun vorliegenden “Pitette EP” eindeutig um ihre beste Veröffentlichung bisher – was aber leider immer noch nicht viel ist. Der Titeltrack ist ein langweiliger Säge-Synth-Track mit Vocodervocals und Seite B featured eine ebenso uninspirierte Nummer des Acts “Crackdown”, der laut Presseinfo immerhin schon mal ne Platte bei David Carrettas Label “Space Factory” veröffentlicht haben soll. Eindrucksvoll. Oder… mh… nee, doch nicht. [2/6] Klubraumsoma

Zwei Wochen haben sich die Genfer Kollegen Lee van Dowski und Quenum mit ihrem Equipment in eine einsame Hütte in den Alpen begeben um dort vollkommen abgeschottet von Umwelt und Umfeld intensiv ihrer Albumproduktion nachzugehen. Herausgekommen sind elf Tracks, angefangen von gefälligem, atmosphärischen Minimal-Tech, über verspulte, aber dennoch tanzbare Klangexperimente, bis hin zu oldschooligen Build-Rockern wie das direkt nach vorne gehende “Little Doll Chaos Pounce Upon Option Assault Reverberation”. Was für ein Name. Gegen Ende wird Tempo und Roughness wieder etwas zurückgeschraubt und die melancholisch-schönen Nummern “Thomas Edison Invents The Lazy Dance” sowie “Dune” schicken einen letzten, leicht wehmütigen Gruß aus den Höhen der Alpen. Da mag man gerne zurückwinken, aber Abschied nehmen ist in diesem Fall ja leicht zu verkraften – ein Druck auf die Repeat-Taste und man darf sich erneut auf diese akustische Alpenreise begeben. Sehr gerne. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Alter Ego - Decoding The Hacker Myth (Klang)

Nachdem “Transphormer” jetzt endgültig abgefrühstückt zu sein scheint, wagen Elling und Wuttke den Blick zurück und bringen – quasi als Dienst am Kunden? – ihr bereits vor zehn Jahren erschienenes Album “Decoding The Hacker Myth”, welches damals noch auf Harthouse erschienen ist, neu auf dem Klang-Imprint heraus. Das vermutlich nicht nur, um sich damit noch mal ordentlich die Taschen voll zu machen, sondern auch denjenigen dieses Stück elektronische Musikgeschichte zugänglich zu machen, die Alter Ego erst seit “Rocker” kennen. Doch aufgepasst, liebe Raver! Hier gibts nicht etwa ekstatischen Bumm-Bumm-Fiep-Fiep-Bratz-Sound, sondern feinste Listening-Electronica mit deutlich reduziertem Tempo. Nichts für den Club, aber für lauschige Stunden zu Hause oder in der Ausnüchterungszelle kann sich “Decoding The Hacker Myth” zu dem idealsten Begleiter entwickeln. Angesichts der Tatsache, dass das Album schon zehn Jahre alt ist, muss man wirklich seinen Hut vor dem Duo Flügel/Wuttke ziehen, denn auch heute noch klingt das Material absolut unverbraucht und wie eine musikalische Vision der Zukunft. Wers nicht kennt, sollte zugreifen. [6/6] Sanomat

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