Archive for August, 2006

Stefan Gubatz

Stefan Tretau - Trendsport (Simple 013)

Stefan Tretau, Stefan Tretau. Der Name sagt mir irgendwas, aber ich komme nicht drauf. Sehr gut komme ich allerdings auf diese vier schnieken Tracks, die Herr Tretau hier aufs Vinyl gebannt hat. Zwar im weitesten Sinne minimal gehalten, gehen die Tracks durch ihre prima Soundauswahl und das groovige Arrangement einen Schritt weiter und entwickeln sich nach und nach zu toll ausgearbeiteten Schiebern die man dann doch als ausgewachsenen Techno bezeichnen darf. “Winter Apfel” auf A1 gefällt sehr und auch “Gamer”, sowohl im Original (heftig!) als auch im Björn Bommersheim Remix (der mir auch irgendwie bekannt vorkommt) sind einfach gesagt geile Tracks. Lediglich “Das Siebte Tablett” erreicht nicht ganz den Standard der übrigen Nummern, soll aber den positiven Gesamteindruck trotzdem nicht wirklich schmälern. Gut gemacht. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Barem - Campo Madness EP (Foundsound 009)

Ach wie schön, mal wieder Smarties auf den Labelgrafiken. Da hat sich ja mal jemand richtig was einfallen lassen. Immerhin kann man sagen, dass der Musikant hinter dieser 12″ zumindest ein Stück einfallsreicher war. Die insgesamt vier Tracks grooven entspannt durch die Gegend, lassen Basslines rollen, holen diverse Hallräume aus der Hinterhand und bedienen sich auch gerne ein bisschen an momentan wieder sehr angesagten Minimalsounds, wie beispielsweise der bewährten 808-Tom. Daraus will ich Barem aber mal keinen Strick drehen, 808 geht immer, wie wir ja alle wissen und wenn die Tracks in sich auch noch so lässig daher kommen wie im Falle dieser Platte, bin ich auch irgendwie zufrieden. [4/6] Sanomat

Es wird wieder gezaubert in der Bude. Diesmal hält Donal Tierney alias Five Green Circle den Stab in der Hand und holt drei Nummern aus dem Hut, die mich insgesamt aber leider nicht wirklich überzeugen wollen. Die stärkste Nummer ist “Hasto” auf Seite A, die zwar hier und da zu sehr nach Reason-Preset-Sound klingt, aber dann doch noch durch einprägsame Vocalfetzen und sich öffnende Bassfilter aufgefangen wird. Die beiden anderen B-Seiten-Nummern sind auch nicht wirklich schlecht, klingen aber eher nach Zauberkasten als nach David Copperfield. Da hab ich schon stärkere Vorstellungen gesehen. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Deepchild - No Disgrace (Future Classic 1208)

Hm, das Original von “No Disgrace” macht mich irgendwie gar nicht an, die an sich recht deepe Nummer ist einfach nicht besonders gut mit den dubbigen Vocals bedient, vielleicht hätte man da einfach zwei verschiedene Tracks draus machen sollen. Auch “Always and Forever” auf B2 mag ich nicht als meine Tasse Tee bezeichnen. Doch, ihr habts ja sicherlich schon gesehen, die fünf Punkte kommen ja nicht irgendwoher - verantwortlich für meinen plötzlichen Stimmungsumschwung ist der schmissige Audiomontage Remix auf Seite A (das Label wird schon wissen, warum sie den Mix dort platziert haben). Dieser bezeichnet seinen Mix selber mal eben als “fucking slamming, maybe one of my best yet”, dem ich so eigentlich gar nicht mehr viel hinzufügen kann. Der Mix kickt einfach mit seinen funky Drums, dem FlatBeat-ähnlichen Bass und den sehr sparsam eingesetzten Vocals. Hit! Seite A: [5/6] Sanomat

Während sich andere noch in ihren selbst auferlegten Soundkorsetts befinden und nicht mal ansatzweise merken wie gefangen sie darin eigentlich sind, verfolgen Monolake ihren ganz eigenen, düsteren und atmosphärischen Sound, den man einfach als zeitlos bezeichnen muss. “Alaska” hat eine Menge dumpfer Basic-Channel-inspirierter Klänge zu schleifenden Beats zu bieten, hier und da bekommt mein ein kleines Zitat von Laurent Garniers “Crispy Bacon” zu hören, ich verwette allerdings meine Oma, dass dieser Bezug nicht beabsichtigt ist. Mein Favorit ist allerdings “Melting” auf Seite B, welches man fast schon als eine Art bedrohliches und mahnendes Hörspiel bezeichnen kann. Halbdramatische Flächensounds und düstere Atmosphären mengen sich zu dem sehr reduzierten Drumarrangement, welches das Bild eines schmelzenden Alaskas eindrucksvoll untermalt. Großartig. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

The Separatists - Akilak [Soma]

Nach drei 12-Inches ist es für die Separatists, bestehend aus Soma-Legende Percy X, Marco Bernardi und John Hospital, an der Zeit, einen kompletten Longplayer vorzulegen, der dieser Tage bei dem britischen Label erscheint. Der in letzter Zeit etwas in den Hintergrund getretene Bumm-Tschak-Elektro scheint für die drei Klangtüftler der Sound der Stunde zu sein, allen voran hastet das nervöse “Circuit Dancer” durch den Gehörgang, doch auch Minimal und Detroit sind Schlagworte, die man auf viele der insgesamt 11 Tracks anwenden kann. Mit dem housigen und doch fast grenzdebil sirenenden “Audiomer” oder dem zappelnden “Bug Rider” hat man zudem zwei regelrechte Bomben am Start, die sich auf den Dancefloors dieser Welt übermächtig ausbreiten werden und dies teils durch massiven Support von DJs wie Holden oder Garnier auch schon getan haben. Früher hätte man “Brett” gesagt, heute sag ich: massiver Feiertechno und eine weitere gelungene Veröffentlichung aus dem Hause Soma. [5/6] Sanomat

Jörg Burger alias The Modernist darf die neueste Compilation-Serie des DJ-Kicks-Erfinders Stefan Strüver eröffnen und macht daher seinen großen Plattenschrank auf um jede Menge schicker Dancefloor-Pop-Nummern herauszuziehen, die größtenteils das Zeug haben, sich auch beim Compilation-Käufer zu neuen Lieblingssongs zu entwickeln. “Popular Songs” wirkt dabei wie eine dieser Mix-Cassetten, die man früher für Mädchen aufgenommen hat, mit denen man eigentlich immer mehr machen wollte als nur Eis essen und es dann trotzdem meist nur für den Malaga-Becher gereicht hat. Im Zusammenspiel wirken die Songs von so einlullend und behutsam und sympathisch, dass man irgendwie das Gefühl bekommt, mit dem Modernist befreundet zu sein. Ich prophezeie, dass sich diese Compilation, ähnlich der legendären Kruder&Dorfmeister DJ-Kicks, zur idealen Geste an liebgewonnene Menschen mausern und im Laufe der Zeit in endlos vielen CD-Playern zu finden sein wird. Eine CD wie eine Umarmung. [6/6] Sanomat

Anspieltipps:
D´ntel - This is the Dream of Evan and Chan (Superpitcher Mix)
Erlend Oye - Ghost Train
Ada - Livedriver

Stefan Gubatz

D.Diggler - Em.Pulse (Resopal)

Das 2002 erschienene Album “Sounds Fiction” Hanauers Andreas Mügge aka D.Diggler kann ich mit Fug und Recht zu meinen Lieblingsalben der letzten Jahre zählen. Dementsprechend gespannt war ich, ob der hohe Standard auch auf dem neuen Longplayer gehalten werden kann. Kurze Antwort: auf jeden Fall! Allerdings hat sich soundmäßig so einiges getan, was erst mal nicht jedem gefallen dürfte. Weg vom großen Hände-in-die-Luft-Techno, ekstatische Breaks sucht man vergebens und effektgehascht wird sowieso nicht mehr. Dafür heißt das neue Zauberwort nun: Minimal. Jedoch im höchst positiven Sinne, denn Mügge geht es weniger um das momentan so angesagte Geklackere, sondern spielt die Reduziertheit im fließenden Arrangement voll aus. Klare Hinhörer sind dabei die vielen ausgeklügelten organischen Sounds im Hintergrund, die oft den Eindruck von geheimnisvollen Tieren geben, die emsig ihre Arbeit verrichten. Die CD kommt wie auch schon bei dem letzten Dritten-Raum-Album auf Resopal als One-Go-Mix und ich muss sagen, seit Pascal Feos´ Synaptic habe ich kein so stimmiges und in sich geschlossenes Album gehört. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Harthouse - Electronic Injection (Harthouse)

Dass ich das noch erleben darf! Nicht nur das altbekannte und so vertraute Artwork der Compilation erhascht auf einen Schlag meine komplette Aufmerksamkeit, sondern auch das gelungene Tracklisting, das konsequent den damals so angesagten und hochqualitativen Sound des Traditionslabels in die heutige Zeit transferiert, tut seinen Teil dazu. Es steht nicht nur Harthouse drauf, es ist auch Harthouse drin! Zu den alten Heroen Hardfloor und dem Dritten Raum muss man ja schon gar nichts mehr sagen, neu im Rooster werden zudem Acts wie Extrawelt, Özgür Can, Zoo Brazil, Joel Mull, Stanny Franssen, Terence Fixmer, Gui Boratto und mehr begrüßt, die allesamt da weitermachen, wo Harthouse irgendwann mal aufgehört hat - mal technoid, mal etwas minimaler oder auch derbe ravig, siehe Human Resource´s “Dominator” im Hell Remix. Insgesamt höchst gelungen und voll auf der Höhe der Zeit. Ganz klar volle Punktzahl und eine große Empfehlung für diesen Monat. [6/6] Sanomat

Anspieltipps:
Human Resource - Dominator (Hell Remix)
Stanny Franssen - Black isn´t Everything
Der Dritte Raum - Paradise.Merged

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