Archive for August, 2006

Stefan Gubatz

Kenny Leaven - Feeling Spicy (Traum 76)

Kenny Leaven fühlt sich würzig und setzt natürlich alles daran, dies auch dem geneigten Hörer per Vinyl mitzuteilen. Der Titeltrack ist in der Tat wie das Salz in der Suppe - ach was sag ich, wie ne Ladung Salz, die gegen alle Suppen dieser Welt klar gewinnt. Nervös wabert eine bassige Synthline durch den Track, Akzente setzt zudem eine Melodie, die einfach im Ohr hängenbleibt. Der Track ist kurz und knapp gesagt ein ziemlicher Peaktime-Garant, der einfach nichts anbrennen lässt. “Feed me Better” auf Seite B ist im Gegensatz dazu wesentlich minimaler gehalten und erinnert durch diverse schaurige Flächen an die Geisterwelten in Super Mario World. Auch schick, aber insbesondere Seite A sollte man definitiv im Auge behalten. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Florian Meindl - Milk in Tea (Trapez 067)

Der Jungspund Florian Meindl, der zuletzt für die wirklich gelungene Sputnik EP auf Stil vor Talent verantwortlich war, gibt mit den zwei Tracks “Milk in Tea” und “Tamiflop 2″ seinen Einstand auf Trapez und auch hier zeigt der 20jährige Ober-Österreicher, dass ihm in Sachen knackigem Minimal mit leichten Klimper- und Klacker-Attitüden niemand so schnell was vormacht. Insbesondere der subtile Bass, der unter beiden Nummern seine unermüdliche Arbeit verrichtet, sorgt für ordentlich Druck auf dem Tanzflur. Darüber, dass die Platte sicherlich von einigen Big Playern mit Freude aufgenommen wird, müssen wir ja wohl nicht reden. Zweckmäßig und zielgerichtet. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Daso - Daybreak Remixe (My Best Friend 12024)

Da ich mit Freundschaftserklärungen immer etwas vorsichtiger bin, würde ich die neue My Best Friend-Platte von Daso nicht unbedingt als meinen neuen besten Freund bezeichnen, aber zumindest ne Einladung für meine nächste Geburtstagsparty sollte schon drin sein. Daso scheint ja momentan sowieso einer der Männer der Stunde zu sein und damit die große Aufmerksamkeit um seine Person nicht abreißt, hat er sich seine Kumpels Oliver Koletzki und Skat ins Boot geholt, damit die seinen 2005er-Erstling “Daybreak” remixen. Koletzki geht das Thema erst mal relativ gelassen und deep an, um nach dem ersten Break dann aber eine schmissige Elektro-Disco-Tech-Nummer mit Hand-in-die-Luft-Faktor zu machen. Geht schon mal steil, Skat hingegen verschnipselt die Elemente des Originals und bleibt ein ganzes Stück minimaler, was aber letztendlich auch sehr rockt. Gut, wenn man solche Freunde hat. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Alex Smoke - Make my Day (Soma)

“Make my Day” macht zumindest in der sehr langsamen Original- und schon etwas schnelleren Actress-Version leider nicht meinen Tag, der Lusine Mix ist immerhin so, wie man sich einen typischen Lusine-Mix vorstellt, moody, verspielt aber doch gradlinig und irgendwie schön. Ich hör mir dann lieber den Bonustrack “Snider” an, den man eigentlich nur als supercool bezeichnen kann. Frickelige und doch reduzierte Drumelemente wechseln sich ab mit böse monotonen FM-Synthlines und alle Minuten taucht eine Spieluhr-Melodie auf, die psychisch labile Menschen sicherlich schnellstens in eine Art Paranoia stürzen könnte, aber mich einfach nur fasziniert. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Lee van Dowski & Quenum - Dude Bond 334 (Soma)

Einen Schnipseltrack ohne wirkliche Schnipsel sondern mit viel Synth- und Drum-Stückchen legen uns Lee van Dowski und Quenum auf den Teller, der sich kontinuierlich steigert und trotz seiner Melancholie irgendwie in die Beine geht. Dario Zenkers Remix übertrifft das Original in punkto Atmosphäre aber weit, wirft das Ausgangsmaterial in weite Hallräume, programmiert dazu komplett neue Drums und versorgt den Hörer mit mehreren Momenten, in denen man sich fühlt, als würde man eines Morgens aufwachen und feststellen, dass man der letzte Mensch auf Erden ist. Irgendwie beklemmend aber doch faszinierend. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Silicone Soul - The Pact (Soma)

“The Pact” ist zumindest anfangs einfach ein geiler Track, obwohl er wirklich einfach gestrickt ist. Sehr simpel programmierte Drums, dann und wann ein Trompetensample, welches von den Bucketheads geliehen sein könnte und auch die wunderbar funktionelle Bassline tut ihren Teil dazu. Etwa ab der Hälfte findet dann leider ein durch ravige Pianos und klebrige Flächen forcierter Kitsch-Overkill statt, bei dem ich mich einfach zu sehr an Volksfeste mit Bratwurst und Bier erinnert fühle. “The Unforgiven Dub” auf Seite B holt mich immerhin schnell wieder zurück in meine gute Stube, denn der Track fließt wesentlich relaxter und verzichtet auf große Effekthaschereien. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

M.I.A. - Safe Night (Sub Static 57)

Ich wollte die Platte gerade schon wieder entnervt zur Seite legen, da nimmt M.I.A. die Gitarre zur Hand und spendiert dem bis dahin so trocken klöternden Minimaltrack eine zuckersüße Melodie und sogar Gesang darf ich entdecken - Asche über mein Haupt, gar nicht schlecht, das ganze und irgendwie bleibt der Tune im Ohr hängen. Track 2 kommt ähnlich komplex ausgearbeitet daher, spielt aber eher mit monotonen Elementen. Der letzte Track im Bunde ist durch den Kontrabass- und Hammondorgel-Einsatz fast jazzy und schlägt eine Brücke (wenn auch eine sehr kleine) in Richtung Pop. Irgendwie süß und definitiv ein Ohr wert. [5/6] Sanomat

Zusammen mit Cocoon-DJ Tobi Rios hat sich Labelchef Martin Eyerer an die Regler gestellt und einen solide pumpenden ElektroTech-Track gebastelt, der insbesondere von seinen schmatzenden Bässen und der Lo-Fi-Melodie lebt. Dazu gibts mindestens ein großes Break, wo alle noch mal schreien dürfen und fertig ist die Laube. Für die Peaktime bestimmt die richtige Platte, trotzdem gibts relativ wenige Überraschungsmomente. Robert Babicz geht das Thema auf seinem B-Seiten-Remix sehr viel kreativer an, zitiert immer wieder das Hauptthema, bastelt aber mit deutlich mehr Liebe zum Detail einen äußerst deepen und in Effekten und Geräuschen versunkenen Tune, der insbesondere in den frühen Morgenstunden mit Enthusiasmus aufgenommen werden wird. [5/6] Sanomat

Ich glaube am treffendsten sagt man es mit einem Zitat von Hardfloor selbst: “We´re still doing the same shit. So what?” Recht haben sie. Auch auf dieser niedlichen South-Park-inspirierten und streng auf 1000 Exemplare limitierten Picture-10″ bekommt man genau das, was man von Hardfloor erwartet und wofür man sie ja eigentlich auch so gern hat: 303-808-909. Nicht mehr und nicht weniger. Aber um es mit einer anderen deutschen Band zu sagen: “Wir lieben den Scheiß wie kleine Kinder Klingelstreiche”. [6/6] Sanomat

“Der Rosarote Panzer” hat nicht nur einen netten Titel, sondern kann auch mit seiner zwar etwas gewöhnlichen, aber doch in Ordnung gehenden Elektro-Bassline- und -Drumkombination auf sich aufmerksam machen. Eigentlich ein Track von der Stange, aber immerhin von einer besonderen Stange. Die B-Seite macht im Gegensatz dazu lieber blip-blip-blip und düdüdüdüt und ist somit eher nix für mich. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Spaceships & Pings (Items & Things 01)

Das neue Label aus dem Minus-Umfeld debutiert mit dieser Mini-Compilation, auf der sich gleich mal einige der relevantesten Hawtin-Posse-Acts die Klinke in die Hand geben. Seite A beherbergt Konrad Black, leicht schräg und klimperig, sowie Magda (Bumm-Tschak rockt das Gebäude!), während sich auf Seite B der Bassline-Melodikus Marc Houle und der hier mal als Oldschool-Jacker agierende Troy Pierce die Klinke in die Hand geben. Viel mehr muss dann eigentlich gar nicht mehr sagen, wer besagte Künstler kennt und schätzt, greift sowieso zu, alle anderen sollten definitiv ein Ohr riskieren. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Paul Nazca - Scandale EP (Boxer Sport 041)

16tel-Basslines lassen mein Herz momentan irgendwie ziemlich laut schlagen, wenn das ganze dann auch noch so charmant per Pitchbend den Akkord wechselt und zudem einen leichten Einschlag von dem momentan in aller Munde vorhandenen Eve by Day von Patrick Chardronnet hat, bin ich der erste, der die Platte weiterempfehlt. So also auch Euch, liebe Leserchen! Doch kann auch Seite B halten, was Seite A vorlegt? Ich würde mal vorsichtig formulieren: mmmjo-naja. Einzeln hätten mich diese beiden Nummern sicherlich nicht so sehr interessiert, obwohl auch “Swell” in Ordnung geht, hängen bleibt auf jeden Fall “Sleeping” auf Seite A. [5/6] Sanomat

Schatz und Wickinger legen mit diesem Zweitracker ihre Nachfolge-12″ zum “Aufziehvogel” auf EK Records vor. “The Swarm” auf Seite A würde ich mal als minimalen Neotrance bezeichnen, dementsprechend bekommt man genau das präsentiert, was man zu diesem Genre erwarten kann. Wieder mal 808-Drums, wieder mal kleine Minipercussions und wieder mal erst kleine, dann ausgiebigere Synthsounds. “Vendetta” auf Seite B geht auch in Ordnung, reißt mich aber ebenfalls nicht vom Hocker. Innovativ geht anders, schlechter aber immerhin auch. Okaye Musik für zwischendurch. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Justus Köhncke - Advance (Kompakt 141)

Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der Köhncke her. Weitaus stimmiger als mein doch etwas holpriger Reim ist die neue Platte von besagtem Künstler, der ja schon seit Ewigkeiten sein altes Whirlpool-Projekt soundmäßig überholt hat (man denke da nur an den absoluten Über-Track “Timecode”). Auf dieser neuen 12″ kramt Köhncke in seiner Disco-Schublade und legt zwei ausführlich schunkelnde und verspielte Nummern hin, die von der ehemaligen Kompakt-Residenz Studio 672 einfach 627 abzieht (hoho, welch um die Ecke gedachte Reminiszenz, Herr Sanomeier!) und augenzwinkernd zeigt, dass es auch noch andere Wege neben Minimal gibt. Eine Platte zum Liebhaben; vielleicht nicht ganz so griffig wie andere Köhncke-Produktionen, aber das muss ja gar kein Nachteil sein. Potentielle Lieblingsplatte des Monats. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Timo Jahns - Ewigkeit EP (Klang Gymnastik 006)

Na gut, für die Ewigkeit ist diese EP sicherlich nichts, aber wenns um launige, gut funktionierende und etwas verschrobene Tanzmusik geht, darf man bei diesem Paket sicherlich gerne zugreifen. Insbesondere die Originalversion von “Ewigkeit” hat so ausgedehnte und ekstatische Breaks zu bieten, dass ich schon wieder die tausend in die Luft gestreckte Hände auf den Open Air-Floors dieser Nation vor mir sehe. Für die Festivalsaison vielleicht einen Tick zu spät, aber auch in Kellerclubs dürfte dieser Track hervorragend funktionieren. Der Rest spricht mich nicht ganz so an, obwohl auch der Jahn und Schmeisser Remix einiges kann. Ich bleib wie gesagt beim Original und vergebe knarzige [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Salz - Rotten (Authentic Music / Neuton)

Dass ich das noch erleben darf! “Rotten” von der mittlerweile leider getrennten Kölner Combo Salz rotiert als Promo schon fast zwei Jahre auf meinen Turntables und in meinem Kopf, jetzt erscheint endlich die offizielle Version als farbige 12″ auf Claus Bachors immer mal wieder überraschenden Label Authentic Music. Das Original ist ein für Salz-Verhältnisse außergewöhnlich schneller und gradliniger Minimaltrack, der mit seinen detroit-affinen klonkigen Chords viele aktuelle Produktionen locker in die Tasche steckt - man behalte das Alter des Tracks im Hinterkopf, darf man etwa das Wörtchen “zeitlos” benutzen? Dieses Attribut würde dann auch auf die beiden geradezu herausragenden Remixe des Stuttgarters Michel Baumann aka Jackmate zutreffen, der sich relativ frei an das Ausgangsmaterial hält und mal dubby, mal chillig und doch akzentuiert das Paket stimmig komplettiert. Sehr sehr sehr tolle Musik. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Combi - Hold The Line (Waskids)

“Plim Plam” macht der Titeltrack und lässt meine Mundwinkel ganz von alleine nach oben gehen. Dazu kommen klimperige Orgelsounds und schmissige Arschwackel-Basslines - allerdings fehlt der aller-aller-allerletzte Kick, der mich so vollkommen überzeugt, vielleicht wäre ein Chordwechsel noch dringewesen? Diesen bietet zwar auch die Rückseite nicht, schaukelt sich aber auch so ganz gut über den Teppich. Hier ist es dann aber der atonale Klaviersound, der mich von einer ausgelassenen Euphorie abhält. Schade, denn Potential ist eindeutig vorhanden und wird auch deutlich demonstriert, aber wenn ich mich an solch blöden Kleinigkeiten reibe, dann reibe ich mich auch wirklich daran. Ich Doofmann. Trotzdem: [4/6] Sanomat

Kölns Hoffnungslabel WIR ist mittlerweile bei Katalognummer 005 angelangt und lässt den bisher unbekannten Act MI Musik an die Regler. Dieser lässt seinen Track “How Much Time means Forever” relativ lang und recht unspektakulär anfangen (wie man es von WIR-Platten teilweise schon kennt), entfaltet dann aber nach und nach seine niedliche Minimelodie, die in düsteren Sets für kleine aufflackernde Akzente sorgen kann. “Microfrescor” auf Seite B hält sich ähnlich reduziert, legt aber mehr Energie in Bassline und kurze Analogtoms. Nach dem Break wird dann sogar noch mal ein Brikett extra in den Groove-Ofen gelegt und zeigt wieder einmal, warum WIR “Wir Im Rhythmus” heißt. [4/6] Sanomat

Plus 8 bleibt seinen hochqualitativen Releases treu und schickt gleich mit dem Eröffnungstrack schleifende Flanger-Sounds und Acid-Elemente über den Dancefloor, dass es eine wahre Freude ist. Man hört Alexi Delano und Santi “Xpansul” Ferrer einfach den Spaß an, den sie bei der Produktion dieser vier Tracks hatten - eine Eigenschaft, die heutzutage leider immer weniger Tonträger auszeichnet. Die anderen drei Tracks befinden sich auf einem ähnlichen hohen Level, mal knarzt es mehr, dann shuffelts eher. Jeder Nummer ist für sich aber absolut einzigartig und ich mag jetzt gar nicht entscheiden, welche mein Favorit ist. Muss ich aber glücklicherweise auch nicht, denn ich geb einfach mal volle Punktzahl und verabschiede mich schnell in Richtung Dancefloor. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Traffic Signs 06 (Traffic Signs)

Na wenn hinter diesen Nummern nicht Herr Brügesch selbst steckt? Typische Steve Bug-Acid-Bässe, die hier und da an “Smackman” erinnern, die Drums sind allerdings sehr viel gradliniger und nicht ganz so groovig wie besagte Nummer. Dafür reißt das irgendwie sexy “Coming Down”-Sample alles wieder raus und macht den Track zu nem kleinen (bis großen?) Hit. Sehr viel grooviger und auch ein absolutes Muss für jeden herbstlichen Dancefloor ist “Back On Crack” auf Seite B, den ich nicht auch noch als Hit bezeichnen will, aber es eigentlich gar nicht anders kann. Wenn diese Platte nicht aus den Regalen gerissen wird, weiß ich auch nicht. [6/6] Sanomat

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