Archive for Juni, 2006

Ich freue mich ja immer über Hacker-Mixes. Nicht aus dem Grund, weil man immer wieder aufs neue überrascht wird - ganz im Gegenteil, aber immerhin kann man vorher schon erahnen, was einen erwartet und das ist auch bei dieser Mix-Compilation der Fall. In einer wirklich gut gemixten 1-Take-Session (worauf Michel Amato, so Hackers bürgerlicher Name, besonders Wert legt: “No Computer, No Editing”) versammelt er seine Favourites aus Techno, Electro, Italo Disco und EBM von Artists wie Liaisons Dangereuses, Model 500, GTO oder auch aus eigener Produktion. Ziemlich düstere Mischung somit, aber das ist ja gerade der Grund, warum Fans und solche die es werden wollen immer wieder auf Hacker-Produktionen und Mixes zurückgreifen. Gelungen. [5/6] Sanomat

Zum 100. Release des Labels hat man im Hause Klang ein wirklich attraktives Paket geschnürt. In diesem Doppelpack, bestehend aus Audio-CD und DVD mit eigens von Studenten der Hochschule für Gestaltung Offenbach produzierten Videos zu den Audio-Tracks, findet man einen gelungenen Querschnitt durch den Backkatalog des Klang-Labels, wobei weniger auf das Zusammentragen der größten Hits, sondern auf tolle und oft sperrige Musik mit Charakter Wert gelegt wurde. Kompiliert wurde das ganze übrigens von Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke, die auch einen großen Teil der Tracks stellen, ob als Alter Ego oder in zwei Sensorama-Remixen. Die Videos auf der DVD unterstützen den positiven Gesamteindruck noch, obwohl hier die großen Überraschungen fehlen. Trotzdem alles in allem eine sehr empfehlenswerte Zusammenstellung. [6/6] Sanomat

Eine wirklich reizvolle Vocal-Nummer aus dem Frischfleisch-Betrieb legt Labelchef Mazi mit tatkräftiger Unterstützung der Sängerin Rachael Starr vor, deren Stimme so zerbrechlich und wunderschön auf dem behutsamen Arrangement des Titeltracks liegt, dass einem warm ums Herz wird. Die Musik selbst erinnert mich an frühere Kevin Saunderson-Produktionen, was vielleicht an der Kombination 909-Bassdrum/-Snare liegen mag, die man so schon länger nicht mehr gehört hat. Den Remix auf Seite B liefert Dan Berkson, der nach seiner gelungenen Platte auf Poker Flat hier noch mal klar stellt, dass er ein hervorragender Producer ist und in seiner Dub Version eine klasse minimal angehauchte und doch stimmungsvoll atmosphärische Version zaubert. Klasse Platte. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Ryan Crosson - Gotham Road (Trapez Ltd. 45)

Na sowas, Tischtennis-Percussions! Das hab ich ja schon lange nicht mehr gehört. Oder moment… doch, hab ich. Dazu gibts verhackstückte Vocalfetzen, aber immerhin kompromisslos und spannungsgeladen produziert. Interessanter finde ich dann schon eher die B-Seite. Dort wird nicht ganz so viel gefrickelt, der Tischtennis-Sound taucht zwar wieder auf aber immerhin kann mich hier ein ziemlich treibender Beat und eine nervöse Bassline gnädig stimmen. Insgesamt zwar nicht so ganz mein Ding, aber Afficionados werden hier sicherlich gerne wieder zugreifen. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Lee Jones - Kinder Country (Just 01)

Als Soundtrack zu einem Sommer der nie passierte bezeichnet Lee Jones seinen aktuellen Track “Kinder Country”, was nicht nur ein höchst sympathischer Tracktitel ist, sondern auch musikalisch absolut überzeugen kann. Eine Platte die klingt wie ein trüber Sommerabend an der Spree, zu dem man verträumt einige Töne aus der mitgebrachten Gitarre klimpert und sich fragt, was einem die Jahreszeit noch bescheren mag. Matt John jedenfalls beschert dem Titel den sogenannten “Vollbart Remix”, welcher noch einen Gang zurückschaltet und klingt wie der Moment, in dem man seinen Platz an der Spree räumt, weil es anfängt zu regnen und sich im folgenden dann doch auf den Weg in den Club macht. Zwei sehr schöne Versionen und ein gelungenes erstes Release auf Just Recordings. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Subway - Lizard (Threetone 003)

Ein ziemlich belangloser Neo-Italo-Disco-Trance-Track auf Seite A, den uns Subway hier in die Ohren bügeln wollen. Umta-Umta-Basslines mit komischen Akkordwechseln, dazu total unmotiviert arrangiert… nee, das muss ich mir wirklich nicht mehr anhören, meine Lieben. Schnell noch mal hören, was Seite B so macht, während ich in Gedanken schon den eBay-Angebotstext formuliere… Hier ähnliches Thema, langweilige Drums mit Pseudo-Moroder-Bassläufen und gut gemeinten Sequenzen, immerhin etwas gelungener als Seite A, aber dennoch gar nix für mich. [2/6] Sanomat

Till von Sein und Aera scheinen ordentlich über schleswig-holsteinische Autobahnen zu gurken, und ich vermute mal, der EP-Titel hat mit Sicherheit was mit hübschen Autofahrerinnen auf der rechten Spur zu tun. Aber es geht hier ja um Musik. Auf vier Tracks verteilt gibts teils hüpfenden, teils minimalen TechHouse serviert, mal verspielt, mal mit dem Auge fürs Wesentliche, aber immer irgendwie süß und außergewöhnlich. Insbesondere “Prody” auf A2 hat es mir mit seinen strahlenden 80er-Jahre-Synths und tüdelnden Videospielmelodien angetan. Auf B1 gibts den wohl funktionellsten weil gradlinigsten Track der EP, den Nooncat-Remix von “Angel of A7″, gefolgt von der Originalversion, die auch einiges kann, aber wieder zum Herumspielen neigt. Insgesamt ein schönes Paket und um es mit Fettes Brot zu sagen: Dor is för jeden wat dorbi wat ick speel. (5/6) Sanomat

Die neue Adultnapper macht mich irgendwie gar nicht so recht an. Zu oft gehörter Minimal-TechHouse mit viel frickeligen Percussion-Elementen und wischi-waschi-Basslines. Immerhin gibts auf “Factoring Your Lack Of Cool” noch ne halbwegs annehmbare Nintendo-Pulsebass-Sequenz dazu, die den Track zumindest kurz aufflackern lassen. Für Seite B lässt sich prinzipiell das gleiche sagen, nur dass hier eine klimperige Melodie zum Einsatz kommt. Nicht unbedingt meine Tasse Tee. [3/6]

Hah! Eine wirklich spaßige Platte beschert uns Wagon Repair hier. Danuel Tate, Tyger Dhula und der sicherlich bekannteste Protagnist Mathew Jonson tun sich zusammen, formieren die Band “Cobblestone Jazz” und drücken zwei verschmitzt grinsende Tracks ins Vinyl. Auf Seite B befindet sich ein relativ hastiger Minimal-Track mit Taschenrechner-Gepliepe, jazz-angehauchten Chords und Vocodergesang, der nicht selten an Underworlds “Cups” erinnert. Doch der eigentliche Knaller ist Seite A, die mit massiven Bumm-Tschack-Drums überrascht. Dazu gibts verhallte Keyboard-Solos und gut gelaunte Synths, die bisweilen ins Zwirbelige gehen und auch den vielbeachteten DFA alle Ehre gemacht hätten. Ein wirklich herausragender Jam-Track, der es verdient hat, von möglichst vielen Ohren gehört zu werden. Also zack - kaufen und spielen! [6/6] Sanomat

Oho, bei solchen Produktionen werde ich immer sehr hellhörig - Kraftwerk covern? Darf man das? Und wenn ja, kann das gut gehen? Zumindest kann man sagen, es gibt ne Menge, was man dabei falsch machen kann. Chris Carrier alias Catwash macht zumindest einiges richtig. Er nimmt sich Kraftwerks “Roboter” zur Brust, beschränkt sich hierbei allerdings lediglich auf die Bassline und Refrain-Text des Originals, bastelt aber einen sehr eigenständigen und halbwegs anständigen NeoTrance-Track drumherum, dass ich mich immerhin zu einem gnädigen und leicht grinsenden Kopfnicken hinreißen lasse. “I Hate Jeff K.” auf Seite B hat dagegen kein Kraftwerk-Original vor Augen, sondern trommelt relativ minimal vor sich hin. Joa. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

David Ekenbäck - Hey Cowboy (Jackmoves)

Wow, vier komplett unterschiedliche, aber alles für sich ungemein funktionelle Versionen des Titels “Hey Cowboy” von David Ekenbäck finden sich auf dieser schwarzen Scheibe. Angefangen bei der geradeaus rockenden Original-Version mit der galoppierenden 32stel-Bassline über FM-Sound-inspirierte Acid-Eskapaden aus dem Hause Huggotron, vorbei an dem wohl funktionellsten Electro-House-Mix in diesem Paket, den die Loulou Players gezaubert haben, bis man letztendlich beim Groove Rebels Remix hängenbleibt, der unverschämt funky und irgendwie minimal groovt, aber durch flirpende Synths teilweise recht verspult daherkommt. Top-Paket mit Top-Remixen! (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Ralf Hildenbeutel - Nice 2 C U (Schallbau)

Ja, ich gebe es zu, ich bin heimlicher Gregor Tresher-Fan. Vieles was der Mann momentan anfasst, gelingt einfach. So auch geschehen bei dem aktuellen Ralf Hildenbeutel-Release “Nice 2 C U”. Das Original selbst ist mir leider viel zu unentschlossen verspielt und kommt einfach nicht auf den Punkt. Schade, das kennen wir von Hildenbeutel auch anders. Klasse dagegen der besagte Tresher Remix auf Seite B, dieser hat nämlich mit einer beneidenswerten Coolness einen absolut eigenständigen Track gebastelt, der mit dem Original nicht mehr außergewöhnlich viel gemeinsam hat. Dieser fängt zwar noch relativ ruhig und minimal an, steigert sich dann aber immer mehr und entwickelt sich gegen Ende in einen noisy Rocker. Für Fans von Tresher ein Muss, Hildenbeutel-Freunde greifen vielleicht lieber auf andere Tracks zurück. [5/6] Sanomat

Matthias Heinig alias Evil Concussion, der dem ein oder anderen schon aus dem Dancecube-Technoforum bekannt sein dürfte, präsentiert auf seiner mittlerweile vierten EP eine leckere Minimal-Trance-Mixtur, die dank des ausgiebigen Vocal-Einsatzes, welche nicht selten an “Feel The Vibe” von Axwell erinnern, zwar im Gedächtnis bleibt, dort aber nicht unbedingt als großer Knaller gespeichert wird, es fehlen einfach die interessanten Höhepunkte. Dieses Attribut passt dann schon eher auf den Silvio Marquardt Remix, der sich angenehm rockend zwischen aktuellen Electro-TechHouse-Produktionen ansiedelt und somit den Gewinner des Vinyls darstellt. Durchaus okay das ganze, wenn auch nicht der wirklich große Wurf. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Charles & Kling - Parallel Realities (ELP)

Wie schön, dass irgendwann der Remix erfunden wurde. Durch allerlei ambitionierte Neuinterpretationen wurden schon so einige Platten vor dem gefürchteten Mittelmaß gerettet. Genauso wie im Fall von Parallel Realities. Das Original ist dabei gar nicht mal soo schlecht, es wird ein bisschen buschgetrommelt, ein bisschen effektgehascht, aber das wars dann eigentlich auch schon. Viel besser macht es da der Habersham Remix auf Seite B. Dieser greift nicht nur auf trentemöllersche Bass-Sounds und Frickeleien zurück, sondern lässt die Drums so lässig und doch unheimlich dick trommeln, als hätte man es hier mit einem langhaarigen und schwarz be-t-shirtem Schlagzeuger zu tun, der sein Drumset aus Versehen im Technoclub aufgestellt hat. Diverse Breaks und Vocalbearbeitungen geben zumindest mir den Rest - allerdings im positiven Sinne. Remix: [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

G-Man - Quo Vadis Remixes (i220)

Drei tolle Remixe des 1999 erschienenen G-Man-Klassikers aus den Federn von Acid Jesus, David Keno und Ingo Boss. Acid Jesus gehen dabei mit dem Original ziemlich frei um und gönnen sich, ganz wie man es von Wuttke und Flügel erwarten kann, eine kleine Exkursion in monotone und verfrickelte Gefilde. Schick schick schick. David Keno bleibt ziemlich minimal, was dem bisher sehr guten Gesamteindruck aber nicht schadet, ganz im Gegenteil - sein Mix ist das Pril im Wasser, entspannt und erfüllt doch seinen Zweck. Am Ende darf Ingo Boss mit seinen Kumpels Delle und Heinrich noch mal die Trommel auspacken, treibt seinen perkussiven Mix durch die Boxen und schließt somit dieses absolut runde und zeitlose Paket gekonnt ab. [6/6]

Stefan Gubatz

Underworld - Hot 4 Vol. 4

Na sowas, Underworld-Bootlegs! Das hab ich ja noch nie gesehen. Immerhin zeichnen sich diese vier Tracks, bestehend aus Everything Everything und Beaucoup Fish auf Seite A sowie Two Months Off und wieder einmal Born Slippy auf Seite B, durch einige Produktionsarbeit auf Bootleggerseite aus, was soviel heißen soll wie: keine Mashups, einfach neue Remixe basierend auf den Originaltracks. Diese sind mal unspektakulär und recht unauffällig, wie praktisch die gesamte Seite A, Seite B dagegen überrascht durch interessante Beatunterlegungen, so wird Two Months Off zu einer herrlich groovenden House-Nummer, die auf Ibiza sicherlich mit Kusshand genommen wird und Born Slippy präsentiert sich hier in einer Breakbeat-Version. Zu doof nur, dass ich mich gerade an Born Slippy mittlerweile totgehört habe. Immerhin bleibt der Two Months Off-Remix und dieser gewinnt mit [4/6] Sanomat

Der Südfranzose Tom Pooks und sein Kumpel Joy Kitikonti bescheren uns auf der neuen Neutonmusic drei subtil monotone Tracks, in denen nicht viel Platz für große Emotionen in Form von Flächen oder Melodien ist, vielmehr ist Pooks ein weiterer Verfechter des altehrwürdigen Acid-Sounds im Stil eines Josh Wink, ohne aber zu sehr auf die bewährte Kombination 303+808+909 zu setzen. Trotzdem haben alle Tracks einen leckeren Oldschool-Faktor und machen sich sicherlich in jedem Set, das im Zeichen des großen gelben Smileys steht, hervorragend. Insbesondere die beiden “Tunnel”-Tracks auf Seite B können wirklich einiges. Wieder einmal grundsolides Zeug aus dem Hause Neutonmusic. [5/6] Sanomat

Mal angenommen, euch fällt morgen früh der Kamm ins Klo, der Postbote bringt Zahlungsaufforderungen in Fantastilliardenhöhe, die Freundin macht Schluss, das Fahrrad ist geklaut und die Eltern kündigen sich zu Besuch an, dann seid ihr froh, dass ihr euch heute diese Platte gekauft habt, denn die Melodie des Titeltracks rettet euch mühelos den kompletten Tag. Mit einem luftigen Mix aus Italo-Disco-House und einigen knarzigen Elementen kuschelt sich “A Smart Thing To Say” absolut nonchalant an eure Seite, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt, als den Song auf Anhieb liebzuhaben und zu denken: ist doch alles gar nicht so schlimm. Auf der B-Seite macht Frank Martiniq einen gewohnt minimalen Frickelschieber aus dem Thema und Tetsuo gibt sogar noch einen kompletten Songtext dazu. Kann man spielen, muss man aber nicht, die sympathischere Seite ist und bleibt A. [5/6] Sanomat

Die Protagonisten, die schon für die erste Katalognummer aus dem Hause Modus Operandi verantwortlich waren, treffen sich für Ausgabe zwei in gleicher Konstellation wieder und zeigen in drei Tracks, was sie können. Und das ist im Falle von Einmusik schon mal eine ganze Menge, die Jungs lassen nämlich einen wunderschön trancigen und klimperigen Gute-Laune-Track erklingen, dessen Bassline mich einmal mehr an die Klasse eines Dritten Raumes erinnern lässt und somit im Zusammenspiel mit den anderen Elementen, toll arrangiert, eine Punktlandung schafft. Die Gebrüder Ton auf Seite B sind dagegen eher für kratzige Sounds zu haben, unterstützt wird dies auf “Der Gelbe Fluss” von gelegentlichen seidigen Flächen und bei “Denk an mich” tanzen melodiöse Percussions einen etwas verspulten Samba. [5/6] Sanomat

So süß der Sticker mit dem Stofftier-Känguruh auch sein mag, so massiv kommen die beiden Tracks hier aus den Rillen geflogen. Der Titeltrack legt unheimlich viel Wert auf sauber gestückelte Vocals, groovige Drums und eine insgesamt sehr fette Abmische, die im Club endlich mal wieder so manche Anlage herausfordern dürfte. Mein Favorit ist allerdings die “Huldigung der Triolen” auf Seite B, die anders als der Titel vielleicht suggerieren mag, sich weniger mit den Triolen als solchen beschäftigt, sondern in erster Linie einen derbe sägenden Bass rausschickt, den in DJ und Crowd gleichermaßen lieben werden. Peaktime Galore! [5/6] Sanomat

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