Archive for April, 2006

Stefan Gubatz

Egg - Super Cracker EP (Floppy Funk 05)

Egg alias Guillaume Coutu Dumont und Julien Roy sind unterwegs im Auftrag des Chabernack. Doch würde man ihnen sicherlich unrecht tun, wenn man ihnen vorwerfen würde, durch und durch alberne Musik zu machen. Die hier enthaltenen vier, mal hüpfende, mal arschwackelnde, mal wild gestikulierende Microhouse-Tracks sind einfach nur außergewöhnlich gut gelaunte Musik-Kleinode, die so oder so ähnlich auch vom Vorreiter Akufen hätten stammen können. Vocals werden zerschnipselt, mal spielt ein Banjo und sympathische Handclaps verwandeln den Moment in eine launige Disco-Party. Spaßige Platte, die merk ich mir. (5/6) Sanomat

Um es kurz zu machen: der Plumbicon Rebreather Mix auf der A-Seite des weißen Vinyls ist schlichtweg atemberaubend. Dieser startet in einem ambienten Soundgebilde, lässt sich Unendlichkeiten Zeit, um ganz am Ende in einen leichten Beat einzusteigen. Bis dahin gibt es die wohl schönsten Chord-Konstruktionen und -Kombinationen, die ich in letzter Zeit hören durfte. Eine Platte in der man sich vom ersten Moment an verliert, zu der die Zeit einfach stehenbleibt und einen nur noch die endlosen Hallräume und wunderschönen Klänge in ihren Bann ziehen. Der Deadbeat Remix auf Seite B legt im Gegensatz dazu seinen Focus auf ausgeklügelte Drums und lässt hin und wieder die atmosphärischen Sounds durchscheinen. Seite A ist aber einfach nicht zu übertreffen und schafft auf Anhieb den Sprung in meine Alltime-Topliste. Absolut zeitlos. (6/6)

Aaaah, so langsam trudeln die Sommerplatten ein. Gleich der erste Track auf der neuen Sub Static 12″ versprüht eine angenehm relaxte Stimmung von Strand und Sonne, zudem klimpern die Kalimba-Sounds so lustig daher, dass man meint, man wäre in eine Episode von Monkey Island geraten. Etwas weniger nach Sommer, dafür nach Funk riechen die beiden anderen Tracks, von denen einer reduziert monoton drückt und der andere ein Lied von Guter Laune und einem entspannten Nachmittag im Park singt. (5/6) Zamboni

Stefan Gubatz

Kaito - Hundred Million Light Years (Kompakt)

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Das mittlerweile dritte Album von Hiroshi Watanabe alias Kaito auf Kompakt ist kurz gesagt wunderschön. Es scheint allgemein der Monat der großen Emotionen für Kompakt zu sein, denn genauso wie SCSI-9 gibt sich Kaito auf seinem Album bedingungslos den schummrigsten Flächensounds hin, die zwar oft ganz kurz davor stehen zu kleben und wenn man genau hinsieht, kann man sogar schon die ersten Delphinflossen am Horizont entdecken. Kaito kann aber jedes mal das Ruder herumreißen, lässt seine Songs glitzern und flackern und beschert dem Hörer 74 Minuten Musik wie eine warme Decke, die auch im Sommer in dunklen Momenten einzuwickeln vermag. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

SCSI-9 - The Line Of Nine

Ein guter Monat für Albumformate auf Kompakt. Die Moskauer Produzenten Anton Kubikov und Maxim Milutenko alias SCSI-9 machen den Anfang und legen einen einlullenden Longplayer voll wabernder Flächen und verhallten Geräuschen vor, der sich auf Anhieb einen Stammplatz in meinem abendlichen Musikprogramm erspielt hat. Ungemein dichte und atmosphärische Ambient-Techno-Tracks, tolle Harmonien und geradezu niedliche Melodien machen die 12 Tracks zur ersten Wahl wenns um einen netten Abend mit der Freundin oder nur ums entspannte Chillen am Morgen geht. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Ricardo Villalobos - Salvador (Frisbee Tracks)

Obwohl Ricardo ja in letzter Zeit gerne mal von diversen Leuten und durchaus auch Magazinen liebevoll aufs Korn genommen wird, ist doch seine Musik in den meisten Fällen über alle Zweifel erhaben. Auf seinem neuen Album “Salvador”, das eigentlich gar kein wirkliches neues Album ist sondern in erster Linie längst vergriffene Frisbee-Tracks-Releases von 1998 bis 2001 featured, zeigt er sich erwartungsgemäß von seiner besten Seite. Begrüßt wird man von einer gelungenen Neubearbeitung seines Hits “Que Belle Epoque”, wird dann vorbei an klickernden Perlen und rockenden Minimalstompern geführt und letztendlich mit dem ganze fünfzehneinhalb Minuten langen “Electrolatino”-Remix des Sampleschlitzohrs Senor Coconut bekannt gemacht. Was bleibt einem mehr zu sagen? Ricardo-Fans werdens lieben und alle anderen sollten dringend mal ein Ohr riskieren. (6/6) Sanomat

Ihr denkt, ihr kennt Acid? Ihr kennt gar nix. Die Dirty Criminals alias Traxx und Deecoy quälen ihre 303s als gäbe es kein Morgen. Ein Album wie ein orgiastischer Live-Act in dem dreckigsten Kellerclub der Welt - Nebelmaschine, Strobo, wummerndes Soundsystem, mehr braucht es nicht, um den verstrahlten, gröhlenden Säurejunkies zu zeigen wo der Hammer hängt und ihnen das volle Oldschool-Paket aus 303, 808, 909 und ein paar anderen Vintage-Drummachines um die Ohren zu ballern. Der Infotext bringt es auf den Punkt: In a word this is SICK! Nur geil. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Neoangin - Scratchbook (Lieblingslied Records)

Jetzt liegt das neue Album von Jim Avignon alias Neoangin vor mir und ich kann meine Begeisterung kaum verbergen, was nicht nur an den geradezu schnuckeligen und umarmungswürdigen 26 Klimperpop-Perlen liegt, die jedem noch so grummeligem Griesgram auf Anhieb ein wunderschönes Lächeln ins Gesicht malen sollten, sondern auch an dem was-weiß-ich-wie-viel-Seiten-starken Buch mit Skizzen, Grafiken und Bildern des omnitalentierten schnellsten Malers der Welt. Hurra, nun muss ich nicht immer in dieser Mexikanischen Bar in Köln sitzen, mir wehmütig die tollen Bilder an der Wand angucken und denken: ach, ich hätte doch so gerne… Ja, natürlich bin ich höchst voreingenommen und zudem ein verdammter Fanboy, aber was solls? Absoluter Pflichtkauf - oder noch viel besser: lasst Euch das Scratchbook schenken, verschenkt es selber, habt es lieb und lasst es nie wieder los. Herzlichst. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

PM Comp 001 (Playmate Music)

Auf acht Tracks verteilt versammelt sich die Kiddaz.FM Posse, um auf dieser Compilation zu zeigen, was sie alles kann, bzw. vielleicht auch nicht kann. Denn die meisten der hier enthaltenen Tracks reißen mich leider nicht wirklich vom sprichwörtlichen Hocker, sind die Nummern doch größtenteils recht einfach und - man möge mir verzeihen - zu oft nach Schema F produziert. Minimal Techno hin oder her, ein bisschen wollen meine Synapsen aber doch stimuliert werden; leider plätschern viele Stücke nur sehr unmotiviert herum und wollen partout nicht in Ohr und Gedächtnis hängen bleiben. Immerhin ragen hier und da einzelne Tracks heraus und führen die Compilation doch noch ein bisschen aus dem Bereich der Mittelmäßigkeit weg. Als positives Beispiel sollen die Tracks der Herren ND, Niekisch und Hermann (aka Trick & Cubic) sowie DJ Emerson stehen, die mir immerhin ein kleines, dann aber auch wohliges Lächeln auf die Lippen zaubern. Nungut. (3/6) Sanomat

Anspieltipps:
ND - Beauty Free
Niekisch & Hermann - Taiga Disco
DJ Emerson - Cavity

Es ist schon wieder ein Jahr vergangen und somit auch Zeit für die neue, mittlerweile fünfte Ausgabe der “Interkontinental”-Compilation-Serie aus dem Hause Traum Schallplatten. Diese erscheint zeitgleich sowohl auf Vinyl als auch auf CD, wobei die Tracks auf dem Silberling erstmals von Labelchef Riley Reinhold in einem zuckersüßen DJ-Mix nahtlos zusammengefügt wurden. Und gleich vom ersten Track nach dem Intro, dem herrlich schunkel-groovenden “Ghostrider” von Lars Wickinger, wird man so liebevoll in die Arme genommen und bekommt eine interessante Geschichte aus Trance und Technofunk, ja sogar mit stellenweise leichten Goa-Anleihen erzählt, dass man bis zum Ende gar nicht mehr gehen will. Auf der CD-Version der Compilation gibts außerdem eine kleine Animation von Yvette Klein zu sehen, die zwar nicht sonderlich spektakulär ist, aber als nette Dreingabe immer gerne genommen wird. Rundum nett. (5/6) Sanomat

Anspieltipps:
Lars Wickinger - Ghostrider
Adam Kroll - Stalker
R.Reinhold & E. Geller - Men on Earth

« Prev