Lange Jahre ist’s her, da machten die “Typen die am Deich wohnen” noch anständigen Hip Hop, dann kam irgendwann “Limit” und infolge dessen scheinen die vier Schietbüdel wohl Gefallen an elektronisch orientiertem Schabernack gefunden zu haben. Mittlerweile haben wir 2006 und nachdem die “Electric Superdance Band” schon erfolgreich diverse Festivals gerockt hat, wirds jetzt Zeit für den nächsten Knüller. Dieser kommt in Form von “Remmidemmi”, dem deutschen Pendant zu “Fight for your right to party”, auf dem die vier Jungs mal wieder ihre Stimmen verstellen und allerlei Quatsch von sich geben dürfen. Der Track alleine hat schon das Zeug, Partys von Husum bis Roßhaupten zu sprengen, doch auch die Remixe sind mehr als nur einen Blick wert. Diese kommen von Egoexpress (groovy, augenzwinkernd, tanzbar!) und den von mir hochgeschätzten Scooter, die nicht nur erstaunlich clubkompatibel sind, sondern auch noch HP ans Mikro lassen, der gewohnt dadaistische Texte zum besten gibt. Großartig! Bei Deichkind frage ich mich – haben wir es etwa mittlerweile mit den deutschen Prodigy zu tun? Dieses und mehr nächsten Monat, dann kommt das Album! Musikalischer Unfug, aber auf hohem Niveau! (6/6) Sanomat
Stressig, aber im positiven Sinne lässt Özgür Can seinen Remix von Mark & Johns “Jagging” von der Leine und spart nicht an Triolenbreaks, warnenden Sounds und kleinen Raffinessen, die den Track unheimlich komplex machen, obwohl sich alles mehr oder minder um ein einziges Pattern dreht. Auf B1 darf der omnipräsente John Dahlbäck seine Acid-Kiste aufmachen und lässt es dann auch quietschen, was das Zeug hält. In der Mitte gibts ein fieses, zirpendes Break und alle sind zufrieden. Tony Senghore, der Dritte im Bunde, spendiert dem ganzen Paket dann noch eine Prise Funk sowie diverse fiepende, rauschende und klimpernde Arcade-Sounds und man kann vermuten, dass Senghore nach Feierabend auch ganz gerne mal am Spielautomaten steht, um kleine bunte Figuren mit Blubberblasen abzuschießen. Ein ziemlich verdrehtes Paket, aber gut. (5/6) Sanomat
Junge junge, die Bassline von “Emergence” auf Seite A verleitet mich dazu, den Verstärker gleich mal etwas mehr aufzudrehen. Der Track klingt wirklich nach einer gelungenen Party, ihren Teil dazu tun auch die Flächensounds, die der Nummer einen flauschigen Teppich bereiten. Dazu gibts jede Menge EQ-Modulationen und akzentuierte Effekte. Sehr driving, sehr catchy und wirklich sehr gut! Auch die übrigen drei Tracks auf der EP sind qualitativ ganz vorne mit dabei, mal etwas ruhiger und atmosphärisch, dann wieder treibend und Detroit-affin und auch mal sehr perkussiv. Ich will nicht sagen, dass die anderen Tracks im Gegensatz zu A1 wirklich abfallen, denn das tun sie nicht - trotzdem: A1 ist und bleibt mein Favorit und wird gespielt, gespielt, gespielt! (6/6) Sanomat
Einen Extrapunkt - ach was! Zehn Extrapunkte für das großartige Cover, für das die Macher hinter dieser Platte alte 70er-Jahre-Hitparaden-LP-Cover gesammelt und einfach mit ihrem eigenen Logo übersprüht haben. Sehr konsequent und sehr wegweisend. Aber - oha - was passiert denn da auf der Platte selbst? Seltsam unstrukturierte und wenig aussagende elektronische Klimpertracks, die zwar teils sehr schöne Titel haben (“The Song für Heike” oder “Wattschnecken”), aber einfach nicht das halten können, was das Gesamtkonzept drum herum verspricht. Auf “Daydreams” wurden sogar die Bassfrequenzen vergessen, wie konnte das passieren? Der einzige Track, der mich noch einigermaßen gnädig stimmen kann, ist “Shlomo Shlendrian”, doch rettet dieser auch nicht, was anfangs schon schief gelaufen ist. Schade, grundsätzlich coole Idee, aber letztendlich unbefriedigend umgesetzt, so dass am Ende die Extrapunkte wieder einkassiert werden. (2/6) Sanomat
Zwei Tracks von The Wolf, die ordentlich schieben. Insbesondere “Pick Up Charger” auf Seite A ist wohl Garant für Gejohle und in die Luft gestreckte Hände sein, sind doch neben dem tooligen Trackaufbau die Synth-Stabs ein absolutes Killerelement und machen den Track zu einer heißen Nummer, die Leute wie Stanny Franssen sicherlich mit Handkuss entgegen nehmen werden. “Pick Up Artist” auf Seite B ist mir dann allerdings wieder ein bisschen zu wischi-waschi, Tracks wie diesen hat man durchaus schon einige male gehört. Aber man muss die Platte ja nicht umdrehen, es gewinnt eindeutig Seite A. (4/6) Sanomat
Good Groove zeigt die Basics auf: “20 years ago, House came up… and Techno, mind music to blow your mind”. Dazu gibts einen kompromisslosen, fast psychedelischen Techno Track, der in der zweiten Hälfte durch kratzige Sounds noch mal enorm an Fahrt gewinnt. Die beiden Remixe auf der B-Seite, die in Zusammenarbeit mit dem von mir hochgeschätzten Herrn Yapacc produziert wurden, bleiben etwas verhaltener und zielen nicht so sehr auf die 12, wie es das Original tut. Vielmehr hält der Funk Einzug und Hauptaugenmerk liegt hier eindeutig auf der Melodie des Tracks. Nettes Paket, mein Favorit bleibt allerdings die Original Version. (5/6) Sanomat
Hartz IV hat anscheindend auch in der Musik großen Eindruck hinterlassen, man erinnere sich an Knartz IV oder auch Hearts IV - nun gibts zudem auch noch Tiefhartz IV, die - nicht zu übersehen - auch noch mit markantem Arbeitsamt-A in den Regalen steht. Und natürlich kann es sich nur um ein Projekt handeln, das gar nicht sooo ernst genommen werden will, Titel wie “Öde”, “Wartemarke” oder “Ibiza ‘85″ sprechen da für sich. Und so ist es dann auch. Die Tracks strahlen eine gewisse Becknacktigkeit aus, von denen aber insbesondere das groovige “Öde” großen Spaß macht, obwohl es manchmal etwas atonal ist und nicht immer ganz auf den Punkt kommt. Aber seis drum - Tiefhartz IV schunkelt sich in die Herzen des Volkes und bekommt damit zumindest mehr Sympathiepunkte als das Original Hartz IV. (3/6) Zamboni
Bei durchsichtigen 10″ besteht ja immer die Gefahr, dass sie im Plattencase leicht übersehen werden. Doch man sollte sich genau merken, wo diese Platte steht, denn sie Rillen warten nur darauf, ihre orgiastische Wirkung im Club zu entfalten. Der erste Track ist ein noch recht verhalten beginnender, dann aber immer nervöser werdender Builder, der über die komplette Spielzeit eine enorme Spannung aufzubauen vermag, die sich kurz vor Schluss dann in einem Break entlädt. Track 2 groovt dagegen dermaßen sexy, was mich jetzt schon vermuten lässt, dass dazu einige Engtanz-Bekanntschaften auf dem Floor entstehen werden. Die Platte kommt übrigens komplett ohne Artist Names und Artwork, Spürnasen sollten also besonders aufmerksam sein. (5/6) Sanomat
Nicht nur der Titel ist sehr cool, sondern auch gleich der erste Track, der mit noisy Drums und einer knibbeligen Bassline sehr entspannt und melodiös durch die Gegend groovt. Tolle Nummer, die Marko Büchel alias Marcho - bekannt von Freude am Tanzen und Lost Vegas - da zusammengeschraubt hat. Doch auch Seite B kann halten was bisher versprochen wurde. Auf “Cookie Shit” wirds etwas technoider und verspielter und auch “Bit Crushed” kann den hohen Standard halten - atmosphärisch driftend eignet sich die Nummer hervorragend für entspannte After Hours mit heimlich am Stand aufgestellten Sound Systems. Hat eigentlich schon mal jemand angesprochen, dass der Sommer so langsam mal kommen könnte? Ja? Nundenn, die Musik dazu ist jedenfalls schon mal da. (6/6) Sanomat
Auf dieser Mini-Compilation teilen sich Davide Squilla und Paco Osuna (mit seinen zwei Gästen Ricard Vernet und IU Bartolomeo) die beiden Seiten des Vinyls; anfangen darf Squilla mit seinem Titel “Tribaling”, bei dem der Name Programm ist. Hauptaugenmerk wird hier auf ausgeklügelte Drumlines gelegt, zu denen lediglich eine Subbassline und kleine perkussive Melodien wabern dürfen. Paco Osuna sampelt dann auf Seite B Laurent Garniers Aussage “Acid - Nothing to do with Drugs”, bastelt zusammen mit Richard Vernet einen leckeren Oldschool-Groover drum herum, der teils zwar etwas überladen ist, aber trotzdem seinen Dienst tut. Genauso die letzte Nummer, die etwas reduzierter als die Vorgänger gehalten ist, aber durch die zirpende 303-Line direkt auf den Dancefloor zielt. Geht in Ordnung. (4/6) Sanomat
Haaaaach, schön. Teil drei der Single-Reihe aus dem Ende April erscheinenden Voom-Voom-Album “Peng Peng”. Und wieder mal ein wunderschönes Release. Der Titeltrack “Best Friend” wackelt sehr angenehm mit dem Hintern, sehr soulful wird das ganze durch akzentuierte Fender-Rhodes-Piano-Licks und tolle Falsett-Vocals, die an beste Disco-Zeiten anknüpfen. Doch auch die B-Seite kann punkten. “Oggi” hält eine verspielte Melodie parat, die zwar ab und an von seltsamem orientalischen Gesang durchbrochen wird, aber dadurch nicht wesentlich abfällt. Der dritte Track im Bunde wird dann durch seinen gebrochenen Beat noch mal richtig funky, lässt Vocoderstimmen singen, löst sich gegen Ende immer weiter auf und endet schließlich im Nichts. Erneut ein toller Teaser auf das kommende Album, das sicherlich ein ganz heißer Tipp für 2006 sein wird. (6/6) Sanomat
“Pink colored men all around, listen to pink colored sound.” Was will mir diese Textzeile sagen? Vermutlich genau so viel wie die ganze Musik drum herum - nämlich gar nix. Vielleicht verstehe ich ja auch den Anspruch der drei Tracks überhaupt nicht, für mich sinds einfach nur gähnend langweilig arrangierte Nichtigkeiten mit schrägen Vocals, dünnen Sounds und konfusen Effekten, bei denen ich gar nicht weiß, welchen Track ich zuerst überspringen will. Sorry Neo Filigrante, üben, üben, üben. (1/6) Zamboni
Wer auch immer hinter dieser one-sided 12″ steht, die zudem auch noch komplett in weißem Vinyl kommt, hat seine Sache wirklich gut gemacht und ich kann mir gar nicht vorstellen, warum der Urheber seinen Namen nicht preisgeben mag. Musikalisch gibts jedenfalls einen erste-Sahne Electro TechHouse-Track, der sich hinter den aktuellen Produktionen eines Herrn Trentemöller nicht wirklich verstecken muss. Lässige Drums gehen einher mit lustig verspielten Melodien und zirpenden Effektsounds, dazu gibts ne Vocoder-Hookline, die dem Track zusätzlich Markanz verleiht. Wird sich auf dem Dancefloor mit Sicherheit etablieren. Schick! (5/6) Sanomat
Frank Lorber hat sich an die Plattenspieler gestellt und eine neue Mix-Compilation für Cocoon aufgenommen. Auf insgesamt 13 Tracks gibts eine illustre Ansammlung von momentan aktuellen und State-of-the-Art-Minimal-Tracks von Fusiphorm, Raudive oder Heartthrob, die sich nicht damit zufrieden geben, ab und zu den ein oder anderen reduzierten Effektsound zum besten zu geben, sondern die Aufgabe, die sich Lorber selbst gestellt hat heißt: rock on, mein Lieber! So gibts über die komplette Spielzeit eine Bombe nach der anderen und nach Füllern sucht man vergebens. Lediglich der Tiefgang bleibt etwas auf der Strecke, befinden sich doch alle Tracks in etwa auf der gleichen Augenhöhe und die einzige Nummer, die wirklich als deep zu bezeichnen wäre, ist der hervorragende Carl Craig Remix von Theo Parrishs “Falling Up”, die den Mix eröffnet. Trotzdem werden sich alle Freunde der minimalen Klänge bestens mit der CD zurechtfinden und sich jetzt schon mal einen Platz im Regal freihalten. (4/6) Sanomat
Fast ein bisschen Dub-Reggae-mäßig fängt das neue Album von Jeff Bennett an und gibt gleich die Richtung für den gesamten Longplayer vor: gut gelaunte, nicht zu stressige Musik, irgendwo zwischen Listening und entspanntem Grooven auf dem Dancefloor. Besonders heraus sticht “Man Was Made To Suffer”, das mich dank der netten und delaygeschwängerten Vocals an alte Dreadzone-Platten erinnert. Auf anderen Tracks gehts dann aber auch etwas mehr zur Sache, hier und da wird natürlich mal wieder nach Detroit geschielt, siehe “Believing” - mein persönlicher Favorit des Albums. Insgesamt ein sehr angenehmes Album, universal einsetzbar und deshalb sicherlich ein Dauerbrenner in den Abspielgeräten dieses Planeten. (5/6) Sanomat
Leute wie Alex Smoke sind doch wirklich zu umarmen. Denn während die Hälfte aller Technoproduzenten momentan versuchen - und es auch noch schaffen! - uninspirierte klicker-britzel-Geräuschminimal-Tracks von der Stange zu produzieren und den Markt mit Platten überschwemmen, von denen sich eine ähnlicher als die nächste anhört, interessiert das Herrn Smoke einfach nicht die Bohne, sondern macht weiter mit dem, was er am liebsten macht und einfach am besten kann: melodische Technotracks mit Seele und Verstand produzieren. Und obwohl er an Soundexperimenten und auch gelegentlichen fritzelnden Minisounds nicht spart, passt doch alles sehr harmonisch zusammen und ergibt ein sehr rundes, gelungenes Gesamtbild. Mit “Snider” und vor allem “Meany”, der ersten Singleauskopplung, die übrigens mit einem Matt John Remix kommt, sind sogar einige Hits mit an Bord, die mit Sicherheit noch für Wirbel sorgen werden. Gelungen. (5/6) Sanomat
Klimek tut was für die Kompakt-Ambientabteilung und stockt den Fundus um sein neues Album “Music To Fall Asleep” auf. Ein treffender Titel, dürfte nämlich genau das die Verwendung sein, zu der die meisten Ambient-Alben gehört werden. Doch trotz der Forderung würde man Klimek eher Unrecht tun, einfach so einzuschlafen, verleitet das Album doch gerade zum Zuhören. Fast wie ein Hörspiel wirkt hier vieles, nur eben mit der Einschränkung, dass keine offensichtliche Geschichte erzählt wird. Weite und vor allem lange Soundscapes ziehen sich wie ein roter Faden durchs Album, die von allerlei aufflackernden Elementen angereichert werden - vieles klingt, als würde man Leuchtstoffröhren anschalten, die nach einer Zeit wieder von alleine durchbrennen. Und aufgemerkt: es gibt Gitarren! Jede Menge Gitarren, die sich hervorragend in dem ganzen Klangkonstrukt machen und einen fragen lassen, ob es nicht mal Zeit für eine Renaissance des Saiteninstruments in der elektronischen Musik wäre. Insgesamt ein tolles Album, das unbedingt in Reichweite zum Bett stehen sollte. (6/6) Sanomat