Chris Cowie, Ivan Komlinovic und Darren Kay versammeln sich auf dieser Mini-Compilation des Londoner Labels Intec. Während Chris Cowies Track “Bitch On Me” in erster Linie von seinen prägnanten Vocal-Samples und scharfen Synth-Stabs lebt und damit seine Sache von allen Dreien noch am besten macht, gibts bei Komlinovic´ “Kaj” verhaltene, gefilterte Flächen, die leider eine Idee zu leise im Hintergrund pulsieren und von den scheppernden Drums regelrecht überrollt werden. Darren Kay stellt dann zu guter Letzt bei “Tribal Three” die 303 noch mal auf den Tisch, die man aber auch schon mal motivierter zwirbeln gehört hat. [3/6] Sanomat
Man möchte meinen, Marek findet seinen Nachnamen so klasse, dass er diesen gleich dreimal hintereinander aufsagen will, aber weit gefehlt - es handelt sich bei diesem Interpreten in Wirklichkeit um den momentan vielbeschäftigten Herrn Dapayk. Dieser kombiniert ein paar staubtrockene Drums mit zwiebelnden Mini-Synths und schiebt so “You Got Good Ash” als Trapez-eigene Version des Bug´schen Loverboys gnadenlos über den Dancefloor. Funky as Hell; als ginge es nur darum, einige überraschende Arschtritte aus dem Hinterhalt zu verteilen. Seite B darf es dann noch ein bisschen murmeln und gurgeln, als müssten Karius und Baktus persönlich ins Jenseits gespült werden; insgesamt gewinnt aber eindeutig Seite A und kassiert dafür mal eben [6/6] Sanomat
Ganz Tribal-mäßig kommen diese drei drei percussion-betonten Tracks von Philippe Quenum daher, doch statt Conga und Bongo trommelt hier u.a. einmal mehr die altehrwürdige 909. Unter diesem massiven Gerüst der sich ständig erweiternden Drumpattern finden ausgeklügelte Sequenzen aus detroitigen Chord-Andeutungen, gelegentlichen Hall-Effekten, Vocal-Fetzen und sonstigem Sample-Kleinkram ihren Platz. Wirkliche Experimente werden hier zwar nicht gewagt, wer aber auf funktionelle und sauber produzierte Techno-Tracks mit Blick nach vorn steht, ist hier gut beraten. [5/6] Sanomat
Sasse sitzt im Studio und hört sich schon zum zehnten Mal den Mixdown seines neuesten Tracks an, welcher durchaus das Zeug zu einem kleinen Hit hat, ist er doch gespickt mit schicken Metro-Area-Beats, breiten Italo-affinen Flächen und rollenden Synthi-Bässen, für die ein Herr Moroder seine Großmutter zumindest vermietet hätte. Plötzlich geht die Tür auf, Sasses Freund Kiki kommt rein und sagt: he Sasse, ich hab nen Text geschrieben, “Loosing Touch” heißt der, der passt genau auf Deinen Track, hör mal zu! Und so fängt Kiki an, seinen Text ins Mikrofon zu stöhnen, während Sasse daneben sitzt und nicht genau weiß, was er jetzt sagen soll. Und während sich der übereifrige Kiki angesichts der “tollen Kollaboration” wohlig durch die Haare fährt, denkt sich Sasse schließlich: na okay, Kiki ist immerhin mein Kumpel, machen wir das eben. Aber meinen Instrumentaltrack packen wir auch mit drauf. – Gut so, sagt der Musikredakteur und vergibt zumindest für das Instrumental [6/6] Sanomat
Zusammen mit Ex-Formaldehyd-Protagonist Pierre Eisenhut hebt Alex Krüger aka Dub Taylor sein neues Label “Organic Domain Records” aus der Taufe, das sich voll dem momentan sehr angesagten Minimal-Sound verschrieben hat. Auf der ersten Katalognummer findet man dann auch erwartungsgemäß perkussiv-pumpende Tracks, von denen insbesondere Seite A an diese seltsamen Tonfolgen erinnert, die entstehen, wenn man die Frequenz alter UKW-Radios ganz nach rechts dreht. Kannn man durchaus spielen. [4/6] Sanomat
Auch in Israel hat man anscheinend einen Hang zu rappelnden Schnipsel-Tracks, denn für Katalognummer 52 hat sich Sub Static die 19- und 20-jährigen Percussion-Afficionados Mike & Dot aus Jerusalem (!) ins sprichwörtliche Boot geholt. Deren Eiderdown EP rappelt und klötert dann auch wie Vatters Werkzeugkoffer; da macht es brrrt, zzzzt, schwupp und wopp und was zunächst scheinbar komplett neben der Spur läuft, entwickelt sich im Handumdrehen zum vielschichtigen Percussion-Ungetüm. Sogar Platz für kristallklare, seidige Flächen wird hier gefunden, was allerdings noch lange kein Grund für plötzlich auftauchende Sentimentalitäten sein soll, vielmehr ist die kompromisslose Übernahme des Dancefloors das Ziel; dies dürfte allerdings anhand dieser drei Burner aber nur noch Formsache sein und am Ende bleiben lediglich kaputtgetanzte Schuhsohlen und konfuse, überraschte Gesichter angesichts dieser drei Stromstoß-Knaller zurück. [6/6] Sanomat
Dem Architect aus Berlin ist kalt. Bodennebel wabert durch die Straße, in der kondensierter Atem zu Boden fällt und eingefrorene Blicke sich nach Großportionen Hühnersuppe sehnen. When it gets cold, you make my soul warm. Wer anhand des Titels allerdings auf angenehm temperierte Lovesongs tippt, hat sich natürlich karloff-gemäß geschnitten. Denn des Architects Konstrukte aus subtilen Acidlines, Gameboy-Frickelfunk, fiesem Gezirpe und metallischen Klonks sind alles andere als kuschelig und beweisen weniger Herz denn Arsch in der Hose, um im richtigen Moment das falsche Gefühl zu vermitteln. Geborgenheit holt man sich besser woanders - Musik für frostige Großstadt-Einzelgänger. [5/6] Sanomat
Oh, ein leichtfüßiges Deutschpop-Liedchen von Jens Friebe, dem momentan einzigen aktiven Protagonisten des Traditions-Labels Zickzack; hier in drei Mixen der immer noch ungekrönten Crossover-Könige Egoexpress. Während auf Seite A ein verträumt-minimaler sowie ein rockig-poppiger Mix leider den etwas nöligen Gesang featured, setzen Egoexpress für Seite B auf die Allzweckgeheimwaffe Vocoder, der die Vocals zwar nur dezent behandelt, dennoch aber einen Kompromiss zwischen Listening und Dancefloor schafft. Als Bonus ist außerdem das Original enthalten, das allerdings eher in Indierock-Läden zu hören sein wird.[4/6] Sanomat

Nomen est omen - kühl und doch sanft gleitet “Silk” aus dem Hause Cocoon daher, um fernab vom überstrapazierten Grabbeltisch-Chillout- und -Lounge-Einerlei den Soundtrack für heimische Sofa- und Hängematten-Sessions zu liefern. Frank´n, DJ Eastenders, Stereofreund und Stefan-x, Cocoon-Clubgängern bestens als DJs des Bed Restaurants bekannt, liefern auf zwei Mix-CDs eine meist geschmackvolle Melange aus einlullenden Dub-Delays, endlosen Hallräumen und sparsam eingesetzten Vocals, wobei insbesondere CD 2 durch eine gelungene, esoterikfreie Trackauswahl überzeugen kann. Da gibt sich der hier überraschend unalberne Beatfrickler Wruhme mit den routinierten Saafi Bros oder Aural Float ein entspanntes Stelldichein, aber auch unbekanntere Acts dürfen mal ran. Und obwohl Dominik Eulbergs Vogelstimmen-Samplekiste noch immer nicht leer ist und sich andere anscheinend doch noch ganz gut an ihren letzten Balearen-Aufenthalt erinnern können, taugt “Silk” allemal für einen gepflegten Abend bei “einem Glas Rotwein in der Linken und Rauchwaren in der Rechten”. Nett. [4/6] Sanomat

Nachdem der Dritte Raum das Albumformat bei Resopal wieder salonfähig gemacht hat, legt jetzt Billy Dalessandro seinen Longplayer “Starcity” nach, auf dem es interessanterweise nicht nur, wie für Resopal üblich, atmosphärische und treibende Minimal-Tech-Tracks, sondern auch überraschend viele Acid-Elemente zu entdecken gibt. Da darf “Falling Soul” lustig vor sich herblubbern als würde Mutti gerade eine heiße Suppe kochen, und das düstere “Come With Me” entwickelt sich geradewegs mit Unterstützung der beklemmenden Vocals zu einem kleinen Säuremonster. Auch ein bisschen trancig darf es hier und da werden, jedenfalls scheut sich Dalessandro nicht vor einmummelnden Flächen und großen Hallräumen, was aber eindeutig in Ordnung geht. Höhepunkt der Platte ist eindeutig der Titeltrack “Starcity”, auf dem noch mal alle Register gezogen werden, es pumpt, es schwebt, es hüpft - und verschafft der Platte verdiente [5/6] Sanomat
Cooles Album. Fängt irgendwie sehr ruhig an, Tracks ohne Drums, dann ein paar Downbeat-Nummern, sehr atmosphärisch und sonderbar angenehm kalt, fast BigBeat-mäßig trommeln sich die Tracks in den Gehörgang. Und dann ab Mitte der zweiten Hälfte legt das Album ein paar Briketts nach. Zuerst noch etwas behutsam - der Titeltrack „Playing With The Blox“ holt erstmals die 4/4-Bassdrum raus - später dann haut der Herr Franssen so richtig auf die Pauke. Tool-Techno. Heftig. Blam!Trotzdem jederzeit sehr groovy und nach vorne gehend. Den Abschluss macht dann noch ein etwas discohouse-orientierter Track, auf den man in diesem bisher sehr runden Konzept vielleicht doch hätte verzichten können. Trotzdem: knackige Platte. [5/6]
Ich vermute ja, den Attila gibt’s gar nicht. Das ist in Wirklichkeit nur eine Maschine, die im Keller von Z Schallplatten steht und die auf Knopfdruck feinste Technotracks produziert und erst damit aufhört, wenn jemand die Stop-Taste drückt. Der Labelchef denkt sich dann schnell mit seinen Kumpels noch ein paar lustig klingende Titel wie „Die Sahara Petra“ oder „Future Emanzen“ aus, dann lachen alle und schütteln sich die Hand, weil sie wieder eine gelungene Platte fertig haben. Für Fotos und Interviews steht dann der Typ vom Kiosk um die Ecke zur Verfügung und im Keller rattert weiterhin die Musikmaschine. Und ob nun eine Maschine oder wirklich ein junger Mann namens Attila Jahanvash für das Album verantwortlich ist; die Musik ist, wie man von Z Schallplatten auch gar nicht anders erwartet hat, sehr tanzbar, sehr hörbar und insgesamt dann auch: sehr gut. [5/6]
Berlin ist eine Reise wert, so sagt man. Für diejenigen, die lieber zu Hause bleiben und trotzdem auf den Klang der deutschen Hauptstadt nicht verzichten möchten, hat DJ I.C.O.N. die Compilation-Serie „MidiMusikanten“ ins Leben gerufen. Bei dieser Reihe geben sich zukünftig namhafte (meist Berliner) Producer die Klinke in die Hand und liefern ihre Definition minimaler elektronischer Tanzmusik. Dass sich das ganze Projekt weniger im LowSpirit-propagierten Technolectro-Kontext abspielt, wird dankbar aufgenommen; der geneigte Hörer wird vielmehr mit feinsten Klangerzeugnissen so illustrer Artists wie Quarks, Superpitcher, Ramona Forgo oder DJ S.P.U.D. verwöhnt. Bleibt zu hoffen, dass sich der vorgelegte hohe Standard auch bei den folgenden Compilations hält - viel guter Stuff auf zwei CDs. Zugreifen! [5/6]
Premiere! Das erste Release auf dem neuen Label King Brain - und um gleich mal auf Nummer Sicher zu gehen, gibt’s ne Coverversion des Originals von In Deep. Fab For machen ihre Sache aber sehr gut und legen nen funky Discotrack auf den Teller. Auch die Remixes können auf voller Linie überzeugen und lassen die Erwartungen auf weitere Releases steigen. Ausgesprochen schick. [5/6]
Ja, was funkelt denn da so zwischen den ganzen Platten auf dem Stapel? Das kann ja nur die neue Jamiroquai-Maxi „Feel So Good“ mit super Glitzer-Glamour-Cover. Sehr aufwendig und sehr schön. Was auf der Platte dann zu hören ist, ist erwartungsgemäß angenehmer Jamiroquai-Style, diesmal sehr housig und tanzbar. Für ausreichend Remixes sorgen dann noch Knee Deep; wenig Überraschungen, trotzdem solides Zeug. [4/6]
Oxide & Neutrino liefern das Nachfolgealbum zu ihrem seinerzeit vom „Mixmag“ zum Album des Jahres gekrönten Erstlingswerk „Execute“. 2 Stepz Ahead heißt das Teil und wieder einmal schmettern die beiden ihre Tracks, stilistisch irgendwo zwischen 2Step, Techno, House, BigBeat, RnB und HipHop, direkt in die Ohren des Konsumenten. Gefährliche Beatgewitter, Breaks en masse, dazu messerscharfe Lyrics; Oxide & Neutrino scheinen wirklich darauf zu pfeifen, was die gemeine Masse angesichts ihres damaligen No.1-Hits „Bound 4 Da Reload“ von ihnen erwartet. Alle Konventionen werden über den Haufen geworfen und neu zusammengewürfelt, heraus kommt eine wilde Style-Mixtur - ohne Frage sehr krachend. Lediglich der etwas unkreative und ständige Einsatz der altehrwürdigen 909 nervt ein wenig. Trotzdem: eine runde Sache. [4/6]
DJ Dave heißt mit bürgerlichem Namen David Fascher und ist zweimaliger DMC-DJ-Weltmeister. Ooooh, werden jetzt einige sagen, der König der Plattenspieler hat eine Platte gemacht - welche Offenbarung beschert uns der Turntable-Übermensch? Den wickedsten Freestyle-HipHop und ein Feuerwerk an Styles und Skills? Leider weit gefehlt. Es ist wieder mal eine 0815-Coverversion mit SuperSaw-Melodie, umta-umta-Bass und Rums-Bums-Beats. Was soll das? Da hat man schon so hervorragende Referenzen und dann macht man alles verkehrt. Wenn man schon einen Dancehit machen und zu allem Überfluss auch noch einen bekannten Hit covern möchte, dann soll man sich doch bitte einen aussuchen, der noch nicht so sehr abgegriffen oder wenigstens etwas originell ist. Wenn jetzt aber Diskjockey Dave kommt und den abgenudelsten Song der Welt, nämlich „Stand By Me“ von Ben E. King nimmt und so herzlos und unsensibel durch den Remix-Wolf drescht, dann hört zumindest bei mir jegliche Toleranz auf. Das ist definitiv der falsche Weg, Herr Fascher. Lieber die Platte ne Stunde auf die Heizung legen, dann bekommt sie wenigstens noch ne schöne Form. [0/6]
Hinter dem Pseudonym Rayden verbirgt sich Raymond Geerts, der in der Vergangenheit schon durch härtere Progressive- und Gabber-Produktionen auf sich aufmerksam gemacht hat. Mit „I Know Ur Waiting“ schaltet er einen Härtegrad zurück und liefert einen okayen Tech-Trance-Track, der ordentlich nach vorne geht. Nichts wirklich besonderes, aber trotzdem in Ordnung. [4/6]
In wen waren in den 80er Jahren alle pubertierenden Jungs verliebt? Na klar, in Nena. Bunte Hose, Stirnband, Busch unterm Arm und selbstverständlich: 99 Luftballons. Heute schreiben wir das Jahr 2002, alle Jungs hören Bassdrum-Musik und Nena hat ihr 20jähriges Jubiläum. Da heißt es mit der Zeit gehen, die alten Klassiker noch mal rauskramen und angesagte Elektro-Haudegen die alten Songs remixen lassen. Und weil die Kollaboration Nena-Westbam schon bei „Oldskool Baby“ so wunderbar geklappt hat, darf der Max auch hier mal Hand anlegen. Dieser hat anscheinend gerade einen Großteil seines Equipments verliehen, denn sein Mix beschränkt sich auf gerade mal ein Pattern, bestehend aus einer 4/4 Bassdrum, etwas Percussion und einer Synthi-Line. Und das wars eigentlich auch schon. Keine Breaks, keine Schnörkel, kein gar nichts. Zwischendurch gibt’s noch eine kleine Liveaufnahme mit jubelndem Publikum, der Beat setzt aus. Als das Publikum fertig gejubelt hat, setzt der Beat wieder ein. Und dann ist irgendwann Schluss. Und der Musikredakteur fragt sich, was er davon nun halten soll. Denn einerseits klingt das ganze Teil nicht gerade so, als hätte Westbam besonders viel Lust gehabt. Auf der anderen Seite läuft der Track ganz angenehm im Hintergrund und schafft gerade durch das Nicht-Einsetzen bombastischer Elemente eine entspannte Stimmung. Insgesamt eine doch etwas sonderbare Platte. Mich würd ja wirklich mal interessieren, was der Westbam sich dabei gedacht hat. Mir gefällts aber irgendwie. [4/6]
Juchu, nun gibt auch noch der dicke Mann aus dem Techno Club seinen Senf zur aktuellen 80er-Jahre-Coverschwemme. Diesmal in der Verwurstungsmaschine: Enjoy The Silence von Depeche Mode. Kennen wir ja eigentlich schon von Mike Koglin, trotzdem meint Talla, selbst auch noch mal Hand anlegen zu müssen. Doch Herr 2XLC hat sich Mühe gegeben, denn seine Interpretation donnert ziemlich konsequent aus den Boxen und macht gehörig Feuer unter dem Hintern. Auch der Flutlicht Mix zieht trancig-rabiat alle Register und macht die Platte zu einer runden Sache. Wobei man sich so langsam wirklich fragen sollte, ob man die tausendste Coverversion noch braucht. [4/6]