Wow, mit welch einer subtilen Filigranität Shane Berry “To There” in das Ohr des Hörers schickt, ist schon erstaunlich. Langsam und grabend baut sich ein Element nach dem anderen auf, unterlegt von einer, ich würde fast sagen autistischen Bassline, die dem ganzen Konstrukt eine Basis gibt. Dazu hängt eine noisy Fläche wie eine lange Stoffbahn von der Decke herab und sorgt für eine geradezu klaustophobe Stimmung. Dennoch schwillt der Track immer weiter an und gipfelt gegen Ende in einer, nicht wirklich ausgelassenen, aber doch extatischen Sequenz. Sehr mächtig, das ganze. Auf der B-Seite findet man dann noch zwei Minimal-Tracks, die schon wieder etwas gewöhnlicher sind, aber dennoch prima in jedes Set passen dürften. Bei mir rotiert jedenfalls in erster Linie Seite A. [5/6] Sanomat
Die Gebrüder Dahlbäck lehnen sich für dieses Release ihres Labels einfach mal ein bisschen zurück und lassen andere die Arbeit machen - es ist Remix-Zeit! Tomas Andersson darf sich auf der A-Seite an “Mazarin” versuchen, kredenzt dem Track eine enorm sperrige Bassline, die sich mit der aufsteigenden Melodie um die Vorherrschaft auf der A-Seite streitet. Wer letztendlich gewinnt - seis drum, der Mix kann einiges. Auf der B-Seite gehts dann um “Pellefant”, der hier in zwei Mixen von Alexi Delano und Qualia Systems vorhanden ist. Ersterer liefert einen massiven Stomper, der fast etwas trancig durch die Luft gleitet, unterstützt von anschwellenden Bass-Sounds, während Qualia Systems eher in Richtung Elektro abdriftet. Die Drums sind zwar etwas dünn, kommen aber so den dicken Synth-Bässen nicht in die Quere, die den gesamten Raum für sich beanspruchen. Schöne Auswahl, nimmt man gerne mal mit. [5/6] Sanomat
Hach ja, ich frage mich schon länger, ob ich die Entwicklung, die Poker Flat in letzter Zeit durchgemacht hat, so gut finden soll. Natürlich ist das allgemeine Niveau der Veröffentlichungen nach wie vor recht hoch und funktionieren im Clubkontext - und sogar zu Hause - hervorragend, trotzdem fehlen mir zunehmends gewisse Ecken und Kanten, die Poker Flat bis dato so ausgezeichnet haben. Die neue Platte von Steve Bug kann auch gleich mal als passendes Beispiel herhalten. Beide Tracks schieben sich nett durch die Gegend, glänzen durch gutes Arrangement und sorgfältige Instrumentierung, insbesondere der Titeltrack hat einen coolen Harmoniewechsel zu bieten, trotzdem findet man hier nichts was aus der mittlerweile doch recht unübersichtlichen Masse an Minimal-Sounds besonders herausstechen würde. Versteht mich bitte nicht falsch, im Vergleich zu anderen Platten aus diesem Genre spielt die “Smackman EP” ganz wie von Steve Bug zu erwarten, in der Bundesliga der aktuellen Produktionen, jedoch würde ich mich doch sehr über etwas sperrigere Sounds freuen, die die Platte endlich mal wieder herausstechen lassen. Wie wärs denn endlich mal mit einer neuen Future Retro-Ausgabe, Herr Bug? Für dieses Release gibts soweit erst mal pädagogische [4/6] Sanomat
Gibt es überhaupt irgendjemanden, der The Death From Above aka DFA nicht irgendwie super findet? Wenn jemand in den letzten Jahren spannende Aspekte in die Verbindung von elektronischer und Rockmusik gebracht hat, dann doch wohl Tim Goldsworthy und James Murphy. Und dies ist ja nicht nur in ihren eigenen Produktionen passiert, sondern auch in der Vielzahl der handverlesenen Remixes des Duos (die sich im übrigen auch nicht zu schade sind, Anfragen von Britney Spears oder Janet Jackson mit einer kackfrechen Selbstverständlichkeit abzulehnen – der Pressetext bringt es auf den Punkt: Just don´t call them “cool”… or they will laugh in your face at the ricidulousness of it all). “Remixes Chapter One” beinhaltet jedenfalls eine absolute Sahne-Auswahl der DFA-Bearbeitungen von Künstlern wie Le Tigre, Blues Explosion, den Gorillaz oder Metro Area, den meisten wahrscheinlich ohnehin bekannt, jetzt aber quasi auf einen Blick, um sich damit gepflegt den Kopf zu bürsten. Respekt, meine Herren, erstaunliche Musik gleichermaßen für den elektronisch orientierten Clubber wie für alternative Indierocker. Massives Paket. [6/6] Sanomat
Für Sub Static außergewöhnlich schnell hastet “Everytime it takes Awhile” von DJ Slip durch die Gegend, was aber kein Wunder ist, ist das Original doch von 1997, welches auf dem Madisoner Label Patriotic Music schon mal veröffentlicht wurde und sich damals zu einem echten Geheimtipp gemausert hat. Der Track treibt durch seine reduzierten Drums wie die Hölle, dazu gibts eine rhythmische, fast perkussive Bassline – ist es überhaupt eine Bassline? – und man beginnt sich zu fragen, warum solche herausragenden Tracks heute nur noch schwer zu finden sind geschweige denn überhaupt produziert werden. Falko Brocksieper versucht sich auf der B-Seite daran, das Original in die heutige Zeit zu transferieren und bastelt einen durchaus angemessenen Remix, der ganz im 2006er Minimal-Gusto zwar sehr gut funktioniert, aber an das Original leider nicht rankommt. Trotzdem werden Minimal-Freunde gerne ihren Einkaufszettel um diese Platte erweitern. [5/6] Sanomat
Die Italiener Eclat & Prudo sind zwar nicht unbedingt die ersten, die Textzeilen wie “I wanna jack the Box” benutzen, das macht aber angesichts ihres drum herum gebastelten Tracks “Freeland” überhaupt nichts, denn hier gehts oberfunky zur Sache und schon der Original Mix trifft voll ins Schwarze. Keine leichte Aufgabe für die beiden Remixer Freestyle Man und Superjuno also, um da noch mal einen draufzusetzen, doch auch ihre beiden Versionen sind absolute Garanten für eine gefüllte Tanzfläche im Club. Knackig, knarzig, housig und mit einem subtilen Schuss Oldschool-Vibes ist jeder einzelne Mix für sich eine absoluter Killer, der einen Höhepunkt in jedem Set darstellt. Sehr solide und sehr gut. [6/6] Sanomat
Das Label mit dem Punkt beschert uns eine neue Platte von Jonas Bering, der zwar schon einige Releases bei den Kölnern vorzuweisen hat, aber irgendwie trotzdem nie so richtig den Durchbruch geschafft hat. Dies erscheint angesichts “Behind This Silence” irgendwie rätselhaft, ist der Track doch wirklich außergewöhnlich schick. Eingehüllt in einen Teppich aus warmen Flächensounds bahnt sich ein für Kompakt allgemein typisch unspektakulärer, aber trotzdem funktioneller Beat seinen Weg und wird immer wieder durch aufflackernde Synth-Melodien unterstützt. Kann man durchaus schon mal auf seine Liste schreiben, aber wir haben ja noch eine B-Seite. Dort wird das Tempo um einige Beats reduziert und das Hauptaugenmerk auf Listening-Qualitäten gelegt. Die drei Tracks könnte man durchaus als Uptempo-Ambient bezeichnen, die durch ihre zuckersüßen Melodien und die harmonische Instrumentierung verzaubern. [6/6] Sanomat
Und noch eine Platte von Gabriel Ananda, der diesmal etwas mehr auf die Tube drückt und es recht treibend zur Sache gehen lässt. “Küppers City” (Spürnasen könnten hier einen Zusammenhang mit einer bestimmten Kölsch-Marke vermuten) zeichnet sich aus durch eine Mischung aus herrlich quantisierten Flächensounds und einem hypnotischen bis ravigen Aufbau. “Kopfsalat” auf Seite B bleibt da etwas gelassener, das Tempo wird ein heruntergeschraubt und eine nette kleine Melodie durchzieht den Track wie ein roter Faden. “Nur nüchtern ist auch nicht immer gut”, der dritte Titel im Bunde lehnt sich sogar noch weiter zurück und groovt sich ganz entspannt in den Feierabend. Ein sehr feines Paket mal wieder. [6/6] Sanomat
Jeder mag Jon Tejada! So auch das Suxul-Projekt um Elmar Schubert, Sugar Jim Jr. und Der Brane, die sich für ihren Track “Fancy” Remix-Unterstützung von besagtem Herren besorgt haben. Dabei kann das Original schon mal einiges, das Hauptmotiv fängt zwar etwas verhalten an, steigert sich dann aber immer weiter und gipfelt in einigen ekstatischen Breaks, zu denen zudem eine Acidline ein bisschen zwirbeln darf. Jon Tejada geht das Thema etwas gelassener an und legt grundsätzlich nicht ganz so viel Wert auf ausgelassene Höhepunkte, sondern geht verspielt-locker mit den Elementen um, fügt ein paar Quietsche-Sounds hinzu, lässt ein paar andere Dinge weg und gönnt sich gegen Ende dann doch noch ein Hände-in-die-Luft-Peak. Sehr in Ordnung. [5/6] Sanomat
Selbst Labelowner Benno Blome weiß über das frisch gesignte Duo Chizh und Cast nicht wesentlich mehr, als dass sie aus Russland kommen. Uns solls egal sein, Tatsache ist, dass Sender mal wieder ein glückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Artists bewiesen hat, denn die drei Tracks auf der Platte spielen auf jeden Fall ganz oben in der Liga der aktuellen Produktionen. Niemand brauch mehr Angst vor Flächen, Melodien und angenehmen Sounds zu haben - hurra wir trancen wieder! Doch Sender wäre nicht Sender, wenn der Sägezahn nicht auch noch ein bisschen knarzen dürfte. Auf “Samurai Jack” gibts dann sogar noch ein paar, für elektronische Musik eher ungewöhnliche, russische Sprachsamples zu hören, sowie - sehr spaßig - ein sauber in den Takt eingefügter Kung-Fu-Kampf. Spitzen Platte, darf gekauft werden. [6/6] Sanomat
Mir als Super-Mario-Fanboy der allerersten Stunde ging aufgrund des Titels natürlich erst mal ein riesiges vorfreudiges Lächeln über die Lippen, was allerdings beim Hören der Platte recht schnell wieder verflog, handelt es sich nämlich bei “Nintendo Remixed” nicht etwa um Neubearbeitungen der alten 8-Bit-Klänge, sondern um ganz normale Remixe des Tracks “Nintendo”, den Alexander Robotnick vor einiger Zeit veröffentlicht hat und der wohl irgendwie an mir vorbeigegangen ist. Die Remixe jedenfalls reichen von durchaus-in-Ordnung bis das-geb-ich-mir-jetzt-echt-nicht. Insgesamt kommen die Tracks einfach viel zu aufgesetzt und auch überladen daher und insbesondere der ober-dämliche Text (”You can play me like Nintendoooo!” / “Do you think that I´m your Game Boy?”) zieht den teils noch ganz passablen Schnitt in Richtung Fußboden. Nee nee nee, nix für mich. [2/6] Sanomat
Paco Osuna aus Barcelona beschert uns ein weiteres Label, dessen erste Katalognummer gleich mal zwei sehr massive Tracks bereit hält. “Mindacid” auf Seite A ist eine ziemlich intensive und dunkle Angelegenheit, die Bassfrequenzen dominieren hier ganz klar das Klangbild. Zudem entwickelt der Track durch seinen ständigen Aufbau eine absolut hypnotische Wirkung, lediglich die kleine Acidline, die ab und zu im Hintergrund aufflackert, wirkt ein bisschen deplaziert und neigt zum Nerven. Aber ohne Acidline eben kein Tracktitel namens Mind”acid”. Seis drum. Drehs um! Dort geht es nahtlos mit der gleichen Deepness weiter, zusätzlich darf hier aber auch noch eine Frau kurz stöhnen und ein Mann gibt einen Wortschnipsel von sich. Hat man so zwar sicherlich auch schon mal gehört, aber aufgrund der packenden tranceartigen Wirkung gibts [5/6] Sanomat
Raudive ist ein weiteres Pseudonym des Techno-Workoholics Oliver Ho, der sich diesmal auf “Turn it off” voll und ganz den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Bongotrommel widmet. Diese wird ordentlich durch den Wolf gedreht, darf mal lustige Rhythmen hämmern, mal als flächenähnlicher Sound anschwellen oder auch ganz unstrukturiert und zufällig den ein oder anderen Schlag wagen. Ein durchaus gelungenes Experiment also. Auf der B-Seite kehrt Ho dann doch lieber wieder zu traditionellen Bleep- und Glitchsounds zurück. Eine weitere Platte, die Oliver Hos erstaunliche Vielfältigkeit beweist. Freunde der minimalen Klänge greifen zu. [5/6] Zamboni
Der Beat des Titeltracks “Beeswax” verleitet mich irgendwie dazu, das Wörtchen “gutmütig” zu benutzen – ein gutmütiger Beat! Dazu gibts einige verhackstückte Sprachsamples, sauber plazierte, mikroskopische Sounds und eine schmatzende Bassline. Feine Nummer! Auf der Rückseite wird dann erst mal ein Gang zurückgeschaltet, es erklingt eine reinrassige, atmosphärische Minimal-Nummer, die so auch auf Phono Elements erschienen sein könnte. Außerdem wird, ganz dem momentanen Trend entsprechend, die Kiste mit den Klackersounds aufgemacht – eine Eigenschaft, die auch den letzten Track auszeichnet. Dieser besitzt außerdem noch eine sehr prägnante Hauptmelodie, deren Wiedererkennungswert nicht nur dankbar angenommen wird sondern auch massig Leute auf den Dancefloor ziehen dürfte. [5/6] Zamboni
Der nächste heiße Export des freundlichen Landes mit den roten HotDog-Würstchen heißt Theodor Zox, der drauf und dran ist, ähnlich wie sein Landsmann Trentemöller, so richtig durchzustarten. Mit dieser Platte liegt Zox dann auch gleich mal goldrichtig, ist insbesondere “Pixel Fat” auf Seite A doch die tongewordene Definition von – ich nenns jetzt einfach mal “Minimal-Monofunk-Techno”. Allen Ernstes: wer hier nicht sofort anfängt, herumzuzappeln und ausgelassen Party macht, kann nur heftigster Valium-Junkie oder schon ganz tot sein. Auch die beiden anderen Tracks treffen genau ins Schwarze und verdienen sich berechtigte [6/6] Sanomat
Geradezu schelmische Basslines und darauf liegende herrlich schräge Melodie-Sounds machen “No One To Care For” zu einer absoluten Gute-Laune-Nummer. Lediglich die zwar irgendwie mächtigen, aber trotzdem etwas an den Nerven zerrenden Vocals in der Originalversion sehe zumindest ich als gewisses Manko. Glücklicherweise gibts einen Rinochet Dub Mix auf der Rückseite, der die Komplexität der A-Seite etwas reduziert, aber trotzdem oder gerade deshalb eine Punktlandung auf dem Dancefloor schafft. Über den Bonus-Track “Gotahavejor Love” hüllen wir mal den Mantel des Schweigens – der Gewinner der Platte bleibt eindeutig der Dub Mix. [5/6] Sanomat
Eine weitere Platte von Theodor Zox erscheint auf dem momentan vielbeachteten dänischen Tic Tac Toe Label. Den urprünglich auf der “Noughts and Crosses”-Compilation erschienenen Titeltrack gibts hier im Maetrik Remix, der kurz gesagt hervorragend ist – moody, funky und atmosphärisch. Die beiden anderen Tracks auf der B-Seite kommen, ganz Zox-mäßig mit weit nach rechts gedrehtem Shuffle-Regler, percussiven Mono-Basslines und netten Flächen und Melodien. Von Theodor Zox wird man definitiv noch einiges hören. Sehr schöne Platte. [5/6] Sanomat
Wenn es fiept und zwirbelt kann ja nur von Acid die Rede sein. Obwohl es ja nie richtig weg war, hat Acid in den letzten Jahren doch eine regelrechte Renaissance erfahren. Auch die vier Tracks auf dieser Compilation liefern angenehm oldschooligen und recht puristischen Acid-Techno. Mal sehr gelungen, wie im Falle von Mark EG und Mr. E Tones, dann aber auch wieder etwas sonderbar, so bastelt Essit Muzique auf dem gleichnamigen Track gleich fünf verschiedene Basslines nacheinander, die sich ganz und gar nicht zusammenfügen wollen – es klingt eher wie ein Megamix. Ob diese Platte nun wirklich die Welt retten kann, sei einfach mal dahingestellt, trotzdem findet man auf dieser Zusammenstellung die ein oder andere Nummer, die im richtigen Moment genau den richtigen Nerv trifft. [4/6] Sanomat
Auf dieser Mini-Compilation des kalifornischen Labels Beretta geben sich Keith Kemp, Luke Hess, Ryan Crosson und Seth Troxler die Klinke in die Hand, um vier luftig-entspannte und melodische Tracks abzuliefern, von denen einer deeper ist als der andere. Und wenn ich an dieser Stelle mal in die Floskelkiste greifen darf (was hier aber definitiv angebracht ist) - der Hörer wird von der Musik auf regelrechte Reisen durch Raum und Zeit geschickt. Jetzt schon in den Playlisten von Richie Hawtin und Co. und mit Sicherheit einer DER Tipps für das angehende Jahr 2006. [6/6] Sanomat
So wie jeder Pilger mal in Mekka gewesen sein muss, so muss auch jeder anständige Produzent mal eine TR909 besessen haben. Gabriel Ananda hat sich jüngst auch eine besorgt und startet nun, beflügelt von dem quasi mitgelieferten Oldschool-Vibe der Drum Machine, eine Reihe von Releases, die sich in erster Linie auf Rhythmus und Bass konzentrieren soll. Mit der ersten Ausgabe legt Ananda die Messlatte bereits (und eigentlich auch gar nicht anders von ihm zu erwarten) ziemlich hoch, so gibt es zwei äußerst deepe und euphoriereduzierte Tracks, die dennoch richtig knackig und frisch sind - und trotzdem irgendwie nach Ananda klingen. Und wer mitverfolgt hat, was der Mann in letzter Zeit für tolle Platten veröffentlicht hat, kann sich denken, dass man hier ebenfalls hervorragend bedient ist. Jetzt zugreifen und sich dann schon mal auf Part 2 freuen. [6/6] Sanomat