Archive for the 'Trance & Progressive' Category

Stefan Gubatz

DJ Dave - Stand By Me (Storm Rec/EastWest)

DJ Dave heißt mit bürgerlichem Namen David Fascher und ist zweimaliger DMC-DJ-Weltmeister. Ooooh, werden jetzt einige sagen, der König der Plattenspieler hat eine Platte gemacht - welche Offenbarung beschert uns der Turntable-Übermensch? Den wickedsten Freestyle-HipHop und ein Feuerwerk an Styles und Skills? Leider weit gefehlt. Es ist wieder mal eine 0815-Coverversion mit SuperSaw-Melodie, umta-umta-Bass und Rums-Bums-Beats. Was soll das? Da hat man schon so hervorragende Referenzen und dann macht man alles verkehrt. Wenn man schon einen Dancehit machen und zu allem Überfluss auch noch einen bekannten Hit covern möchte, dann soll man sich doch bitte einen aussuchen, der noch nicht so sehr abgegriffen oder wenigstens etwas originell ist. Wenn jetzt aber Diskjockey Dave kommt und den abgenudelsten Song der Welt, nämlich „Stand By Me“ von Ben E. King nimmt und so herzlos und unsensibel durch den Remix-Wolf drescht, dann hört zumindest bei mir jegliche Toleranz auf. Das ist definitiv der falsche Weg, Herr Fascher. Lieber die Platte ne Stunde auf die Heizung legen, dann bekommt sie wenigstens noch ne schöne Form. [0/6]

Hinter dem Pseudonym Rayden verbirgt sich Raymond Geerts, der in der Vergangenheit schon durch härtere Progressive- und Gabber-Produktionen auf sich aufmerksam gemacht hat. Mit „I Know Ur Waiting“ schaltet er einen Härtegrad zurück und liefert einen okayen Tech-Trance-Track, der ordentlich nach vorne geht. Nichts wirklich besonderes, aber trotzdem in Ordnung. [4/6]

Stefan Gubatz

Talla 2XLC - Can You Feel The Silence (Wea)

Juchu, nun gibt auch noch der dicke Mann aus dem Techno Club seinen Senf zur aktuellen 80er-Jahre-Coverschwemme. Diesmal in der Verwurstungsmaschine: Enjoy The Silence von Depeche Mode. Kennen wir ja eigentlich schon von Mike Koglin, trotzdem meint Talla, selbst auch noch mal Hand anlegen zu müssen. Doch Herr 2XLC hat sich Mühe gegeben, denn seine Interpretation donnert ziemlich konsequent aus den Boxen und macht gehörig Feuer unter dem Hintern. Auch der Flutlicht Mix zieht trancig-rabiat alle Register und macht die Platte zu einer runden Sache. Wobei man sich so langsam wirklich fragen sollte, ob man die tausendste Coverversion noch braucht. [4/6]

Stefan Gubatz

Void - The Void EP (Leaded/EastWest)

Void wären gerne Sono. Sind sie aber nicht. Diese Tatsache hält sie aber trotzdem nicht davon ab, Clubmusik mit anspruchsvollen Lyrics und ausgeklügelten Melodien machen zu wollen. Und die Musik geht auch wirklich sehr in Ordnung. Durchgängig hochwertige Beats, die freundlich grooven, nette Basslines und ein wenig Gefrickel dazu - alles sehr prima. Gar kein Ding. Sobald allerdings die Vocals einsetzen, wird’s anstrengend. Und je länger der Sänger seine gesungenen Worte zum besten gibt, desto mehr stellt sich ein Gefühl ein von: gewollt, aber nicht gekonnt. Das ist wirklich schade, denn wie schon gesagt, machen Void gar keine schlechte Musik. Nur sollten sie vielleicht ihr Konzept noch mal überdenken und zukünftig doch lieber Instumental-Tracks veröffentlichen. [3/6]

Stefan Gubatz

Tillmann Uhrmacher - Friends (Kontor)

Kontor ist wirklich ein sonderbares Label. Heute noch hauen die Jungs eine Peinlichkeit nach der anderen raus, nur um dann morgen schon wieder die dicksten Club-Smasher überhaupt zu veröffentlichen. Ein Vertreter letzterer Sparte ist die neue Platte von Tillmann Uhrmacher. „Friends“ ist ein feiner Clubtrack, der direkt ins Ohr und in die Beine geht, ohne auf irgendwelche Peinlichkeiten a la „Put Your Hands In The Air“ zurückzugreifen. Netter Beat, netter Bass, nette Melodie - das ist doch schon mal sehr anständig. Auf der Flipside machen die beteiligten Zweitverwerter Tomcraft vs. Eniac sowie Alex Butcher ihren Job auch sehr gut und packen ihrem guten Namen entsprechende Remixes dazu. In sich also eine prima Sache und endlich mal wieder ein Grund, dem hassgeliebten Kontor-Fach eine Chance zu geben. [4/6]

Stefan Gubatz

Mark’Oh - Mark’Oh (Sony)

Aha, ein Doppel-Album. Auf CD 1 zeigt Mark Oh, wie viele verschiedene Songs man aus einem Drumset, einem Bass- und einem Synthi-Sound sowie ein paar Samples machen kann. Auch eine Art Minimalismus. Auf der zweiten CD mixt dann Herr Oh seine Lieblingstracks von CD 1 zusammen. Wenn nicht Wolfgang Petry die Idee der längsten Single der Welt gehabt hätte, hätte Mark´Oh sich sicherlich mit dieser Erfindung brüsten können. Alles in allem zwar sehr sauber, aber total seelenlos produziert, jeder Track ist ohne weiteres austauschbar; es gibt kaum Ecken und Kanten und wer Überraschungen sucht, wird bitter enttäuscht. Trotzdem, es soll ja Leute geben, die sowas mögen. [1/6]

Stefan Gubatz

Alex C. feat. Yasmin K. - Amigos Forever

Nachdem uns Alex Christensen schon U96 beschert hat und mitverantwortlich für die Nasen von BroSis ist, schüttelt er jetzt einen Dancetrack aus dem Ärmel, auf dem er sich gesangtechnisch von Yasmin K. unterstützen lässt. Aber angesichts der Tatsache, dass momentan ganz großer Müll durch die Dancecharts geistert, müsste man Herrn Christensen fest umarmen. Und dafür gibt es gute Gründe. Der 80er-Cover-Trend wird freundlich ignoriert, Yasmin gibt ne sympathische Melodie zum besten, der Track ist wirklich dick produziert und zu allem Überfluss gibt’s auch noch tolle Remixes dazu. So wird’s gemacht, meine Damen und Herren. [5/6]

Wer kann sich noch erinnern? In den 90er Jahren penetrierte ein Herr namens Captain Hollywood die Welt mit den unsäglichsten Dancetracks. Eurodance nannte man das früher. Und wer einigermaßen was auf sich hielt und einen gewissen Coolness-Faktor wahren wollte, der durfte in zehn kalten Wintern keine derartige Musik hören. Alex Butcher scheint das nicht zu kümmern, denn fieserweise kramt er den alten Track wieder raus, bastelt ne neue Bassdrum und eine schnarzende Melodie dazu und fertig ist die Laube. Ob man das nun mögen soll, steht auf einem anderen Blatt Papier. More And More macht auf jeden Fall schon mal ein wenig Angst vor dem unvermeidlich bevorstehenden 90er-Revival. [1/6]

Discohouse. Einprägsame Vocals. Shiny Disco Balls. Dazu verzerrte Gitarrenloops. Tjaja. Eher langweilig und fast ein wenig nervig, das ganze. Und eigentlich ein Fall für die Abstellkammer. Doch einmal umgedreht zeigt die Platte, dass sie doch zu mehr taugt. Oliver Kleins Dirty Disco Plums Mix entfernt sich ein wenig vom Disco-Kontext und ist eigentlich eine rassige Trance-Dance-Nummer, die durchaus im Kontor-kompatiblen Set nicht fehl am Platz wäre. An- und abschließend macht MaLu die Schublade mit Disco-Klischee-Sounds auf und zaubert damit einen zwar ziemlich gewöhnlichen aber trotzdem kickenden Mix, wie er auch von den Klubbheads anno 1997 hätte stammen können. Seite A lassen wir daher mal außer Acht, Seite B gewinnt eindeutig. [3/6]

Stefan Gubatz

E Nomine - Deine Welt (Polydor/Universal)

Hereinspaziert zu einer neuen Ausgabe der Lästigen Musikanten! Heute mit dabei: E Nomine und ihre „neue gigantische Single“ ‚Deine Welt’, die sicherlich wieder sämtliche Bravo-Hits- und Kindergarten-Dance-Freunde mobilisieren wird, im nächsten Karstadt die Regale leerzukaufen. Trotz erfahrungsgemäß akuter Ohrenbluten-Gefahr wollen wir doch mal hören, was unsere Lieblingsendzeitler zu bieten haben. Wie erwartet zeichnen E Nomine ein düsteres Bild unserer Umwelt und der Zukunft, dramatische Chöre, Pauken und Trompeten, dazu die unheilverkündende Stimme von Robert de Niro. Verderben! Unheil! Gefahr! Wir werden alle sterben. Dazu gibt’s dann natürlich lustige Dancebeats, ein paar Snarewirbel, Crashbecken und Tranceflächen in Hülle und Fülle. Wie es sich gehört. Ein paar Radio-, Club- und Videomixes später melken dann die unvermeidlichen Aquagen bei ihrem Remix mal wieder die allseits beliebte 303 und zum Schluss setzt der lustige Mann aus dem Tunnel, DJ Dean, mit böser Gated Reverb-Bassdrum und selbstverständlich anständig quantisiertem OffBeat-Bass sehr hampelmannmäßig dem ganzen noch mal einen drauf. Um jetzt aber mal die Karten auf den Tisch zu legen: es ist wirklich bemerkenswert, welch eine gequirlte Kacke die Musikindustrie uns hier nun wieder andrehen will. Music designed to piss you off. Dahingeschluderte Nichtigkeiten, finanziell unterstützt von freundlichen Firmen wie Yamaha, Creamware oder RTL 2. Maximum respect to the whole European Posse and to all Ravers all over the World. Es ist wirklich traurig. Man beachte auch die Neuauflage des (lt. Infotext) „bombastischen“ Albums „Das Testament“ mit den dt. Originalsynchronstimmen von Al Pacino, Nicolas Cage, Robert de Niro, Jack Nicholson und John Travolta sowie dem Top Hit „Vater Unser“ auch in englischer Sprache. Seufz. Musik für fehlgeleitete Teenies. [0/6]

Stefan Gubatz

Superflausch - Langspielplatte (Bellaphon)

Akustische Nichtigkeiten aus dem Hause Bellaphon. Vor einiger Zeit haben zwei Produzenten namens Jay Jay und Hendrik die glorreiche Idee, Dancemusik mit deutschen Texten zu machen. Die beiden sind der Meinung das wäre unheimlich innovativ und wer sonst außer vielleicht Andreas Dorau oder Whirlpool würden dies in vernünftiger Form praktizieren. Also setzt man sich ins Studio, schludert ein paar nichts sagende Dancenummern dahin, schreibt fürchterlich banale Texte („ich fahr nen stinknormalen Wagen/und hab zu Hause nix zu sagen“) und spickt das ganze mit ein paar Kontroversitäten (natürlich muss mal wieder das Wort „ficken“ herhalten). Abschließend noch schnell einen scheinbar lustigen Projektnamen finden und dann ab damit zum Major. Dieser sagt: jaja, ganz nett, aber wenn wir das veröffentlichen sollen, dann müsst Ihr Euch aber bitte noch fürs Cover im Bärenkostüm mit Sturzhelm und Antennen ablichten lassen. Na klar, das finden Jay Jay und Hendrik lustig, Fotos werden gemacht, Verträge unterzeichnet, Hände geschüttelt und sich gefreut, dass man der Welt das scheinbar wichtigste Album seit Ewigkeiten präsentieren kann. Aber leider haben sich da die beiden geschnitten. Denn die „Langspielplatte“ von Superflausch hat ungefähr soviel Substanz wie eine Warze am Hintern und hat auch ebensoviel Aufmerksamkeit verdient. 21 nichts sagende Tracks, denen man die bemühte Lustigkeit anhört und die spätestens nach den ersten paar Textzeilen ins Banale abrutschen. Daher die dringende Empfehlung: Das Album unbeachtet im Regal stehen lassen und lieber mal schauen, was Justus Köhncke und Kollegen gerade zu bieten haben. Jay Jay und Hendrik können ja aus ihren CDs Uhren basteln. Ist wahrscheinlich ne bessere Idee. Koa Punkt für so a Schmarrn. [0/6]