Eigentlich komisch, dass ich trotz der doch ausgesprochen zahlreichen Releases bisher noch keine einzige Morris/Audio-Platte mein Eigen nennen durfte. Doch Intergroove sei Dank, Marvin Dash darf nun das Band zu meinem Plattenregal zerschneiden. Und “Made in America” ist ohne Frage ein toller Einstieg, denn die vier hier enthaltenen Nummern sind allesamt derartig liebhabenswürdig, dass die Platte ohne Frage noch lange Zeit auf meinem Teller rotieren wird. Vier mal bekommt der geneigte Hörer oldschooligen Loop-TechHouse unter Beachtung alter Detroit- und Chicago-Tugenden auf die Ohren, an deren Charme diesen Monat so schnell keine andere Platte rankommt. Als wäre Technowelt noch in Ordnung. Hach. (6/6) Sanomat
“Believe and Receive” ist eine prima wabernde und klimpernde Nummer, der man einmal mehr das vielzitierte Neo-Detroit-Etikett anheften kann, was ja aber nicht weiter verwundert, den Herr Hess ist nicht nur Einwohner ebendieser Stadt, sondern hat gleichermaßen musikalisch wie privat einiges mit einem anderen Herrn namens Omar S zu tun, von dem man ja auch irgendwo schon mal was gehört haben dürfte. Den Remix auf Seite B besorgt Shed, der das ganze Thema noch ein bisschen relaxter und deeper angeht und durch Vermeidung von Bass-Bass-Bass-Bass zugunsten von Bass-Clap-Bass-Clap hellhörig macht und damit Akzente in vielerlei DJ-Sets setzen kann. Gefällt. (5/6) Sanomat
Obwohl auf Rotary Cocktail bisher ja schon allerlei einlullende und harmonieerzeugende Nummern erschienen sind, bin ich mit dem Label nie wirklich warm geworden. Muss da erst jemand wie Mark Broom kommen, um mich endgültig zu überzeugen? Anscheinend, denn seine zwei Nummern “Trumpet” und “This Town” (jeweils gepaart mit einem Remix) sind erstklassige Oldschool-Techno-Nummern, die Anfang der 90er schon mit Kusshand genommen worden wären. Am auffälligsten ist ohne Frage “Trumpet” auf Seite A, in der ich zwar beim besten Willen keine Trompete erkennen kann, aber dafür dickste Drums, Chord-Stabs, Rides, Pads, Claps… herrlich! Der im Anschluss folgende Two_EM-Remix sorgt dafür, dass auch heutige Minimal-Freunde (ihr wisst schon, die mit dem Schal) etwas mit dem Release anfangen können. “This Town” auf B1 erinnert sehr angenehm an die guten alten Chicago- und Detroit-Zeiten, den El Locco zu guter Letzt mit Fingerspitzengefühl in ihrem Remix in die Jetztzeit transportieren. An die Originale kommen beide Remixe aber – wer hätte das gedacht? – nicht ran. (5/6) Sanomat
Die A-Seite namens “The Big Kazoo” fängt erst mal an wie eine Mischung aus Blake Baxters “Our Love” und Speedy Js “Pullover”, ist aber vom ersten Moment an derartig unverschämt funky, dass die Nummer selbst aus meinem für diesen Monat relativ kleinen Plattenkontingent besonders heraussticht. Doch wie es sich für eine anständige Dirtybird-Nummer gehört, kommt man auch hier natürlich nicht ohne die ein oder andere Albernheit aus, in diesem Fall sei das irgendwie dämlich-doofe Break mit Plastik-Saxofonen oder eben -Kazoos genannt. “Hide” auf Seite B bleibt ein bisschen gradliniger als sein Kollege gegenüber, kann aber mit der zwar an Einfachheit nicht mehr zu unterbietenden, aber einfach nur enorm funktionellen monotonen Bassline derartig punkten, dass ich nicht weiß, welche Seite mir nun besser gefällt. Ist ja aber auch egal, denn für das gesamte Paket gibts (6/6) Sanomat
Der Titeltrack der neuen Neo-Filigrante-12“ ist eine verhältnismäßig unauffällige und leider auch durch seine unoriginelle Melodie nicht wirklich hängen bleibende Elektropop-Nummer, an denen sich die illustren Remixer The Model und John Selway versuchen durften. Ersterer verwandelt „Voyage Rouge“ in einen düsteren und sehr gigoloesquen Dancefloor-Bringer, während Letzterer mehr Fokus auf alte Italo-Tugenden legt, dazu allerlei oft und gerngehörte Vintage-Sounds verwendet und zu guter Letzt sogar die in Techno-Kreisen zum Standard gehörende Quantisierung seiner Sequenzen weglässt. Der Knüller der Platte ist allerdings zu meiner Überraschung der erstaunlich kickende A2-Track „Reverie Rouge“ von den Filigrantes selbst. Da pumpt der Bass, da fliegen die Fetzen und wenn nach dem ersten Break der toolige Beat wieder losgeht, haben sie mich dann endgültig. (4/6) Sanomat
Schön durcher Techno-Stomper auf Seite A mit allerlei verzerrten Bässen und Synthlines – so schmeckt mir das! Später setzt noch eine Chordfigur ein, die dem ganzen allerdings nicht etwa etwas Freundlichkeit gibt, sondern die fiese Grundstimmung eher noch unterstützt. Wirklich dick. Auch der Remix auf der Flipside, der eigentlich gar nicht viel mehr macht, als die Drums auszuwechseln, zieht sicherlich so manchem die Schuhe aus und in mir wächst der Wunsch, mich mal wieder in irgendeinem dreckigen Kellerclub gepflegt vom Bass massieren zu lassen. Für derartige Partys die ideale Platte. (6/6) Sanomat
Yapacc ist einer der Leute, die einen sehr gesunden Mittelweg zwischen Track und Song finden – die Arrangements seiner Stücke sind toll ausgearbeitet, Längen sucht man vergebens und dauernd scheint etwas zu passieren, ohne dass man das Gefühl hat, die Nummer wäre überladen. Genau so ein Exemplar ist „Second Life” auf Seite A, das sich unterteilt in Part 1: Labyrinth und Part 2: Port of Heaven. Neben allerlei direkt tanzbaren Beats, Cut-Up-Anleihen, weiten Flächen und deepen Vocals wirkt das Ganze wie eine endlose, entspannte Bahnreise; durch bunte Landschaften, an tiefblauen Seen und grünen Wäldern vorbei, durch hektische Städte und ruhige Wiesen. Auch „Coral Garden“ ist Kopfkino par excellence, bleibt aber deutlich minimaler als sein Gegenüber. Bisweilen wird hier sogar aktuell-angesagt gepluckert, jedoch bleibt auch hier allerlei musikalische Qualität in Form von sich immer mal wieder einschleichenden Flächen und Vocalfetzen übrig. Mein Favorit ist ganz deutlich Seite A, dennoch sollte hier wirklich jeder seinen Lieblingstrack finden. (6/6) Sanomat
Poker Flat-Institution Martin Landsky zeigt auf der A-Seite, wie heutzutage minimaler, aber doch rockender Techno auszusehen hat – dort passiert gar nicht so sehr viel mehr, als dass sich die aufs Nötigste reduzierten Drums mit der leicht verstimmten Bassline einen Schlagabtausch liefern und nur dann und wann schaut ein Schiedsrichter in Form einer kleinen Synth-String vorbei, um zu checken, ob fair gekämpft wird, aber: aha, okay, alles klar, weitermachen! Passt und rockt! “Cold Eyes” auf B1 bringt ein bisschen mehr Funkyness mit ins Spiel, auch entspannen sich die Fronten wieder ein bisschen, die Bassline tut anständig ihren Dienst und sogar eine seidige Fläche darf den insgesamt okayen Track unterlegen. Okay ist auch der letzte Track, der nicht viel mehr macht als “Wopp” und insgesamt sehr monoton bleibt, aber für stampfige Momente auf dem Dancefloor durchaus klar geht. (4/6) Sanomat
Sehr einfache, aber sehr schöne metallisch-hallende Nummer von Marco Resmann, die zwar als Nachruf auf den Sommer 2007 gedacht, aber auch im Winter noch eine gute Figur macht. Die B-Seite bleibt ein bisschen minimaler und deeper, kann aber ebenfalls mit der etwas schrägen Melodiefigur und den später einsetzenden Minichords punkten. Gute Platte, die man immer mal anbringen kann. (4/6) Sanomat
Na, haben da Dole und Kom in letzter Zeit vielleicht etwas viel Inner City gehört? Eines der Hauptmotive des Titeltracks “Class of 94″ (aha!), nämlich die berühmten “Good Life”-Chords kommen bei der aktuellen Neutonmusic endlich mal wieder ausgiebig zum Einsatz. Hier werden goldene Rave-Zeiten zelebriert, hier wird den alten Kumpanen aus Übersee gehuldigt und ganz nebenbei auch noch ein trotzdem sehr aktuell klingender Dancefloor-Smasher abgeliefert, als würde es darum gehen, kontemporärer Tanzmusik zu zeigen, dass es auch noch etwas anderes gibt als Micker-Drums und Glitch. Auf Seite B gibts dann noch einen okayen melodiösen Minimal-Elektrohouse-Track, den man für lau natürlich auch mitnimmt, aber der eindeutige Gewinner der Platte ist natürlich Seite A. (5/6) Sanomat
Zum zehnjährigen Label-Jubiläum und der praktischen Jubiläums-Katalognummer 75 gibt es eine Reihe dreier 4-Track EPs, auf denen langjährige Wegbegleiter ihre Geräte kitzeln und dicke Tracks aufs Vinyl bannen können. Den Anfang von EP 1 macht Roberto Rodriguez, der scheinbar gerade erst wieder Dave Clarkes “Red”-Serie gehört hat, klonkige Chords und massig 909 sprechen eine deutliche Sprache. Komischerweise bleiben auch Tom Wax & Boris Alexander in einem ähnlichen Gusto, legen aber euphoriemäßig sogar noch ein Brikett dazu. Die Telemen-Nummer “Follow” im Alex Bau Mix stapft sehr zielstrebig und gradlinig durch die Boxen ins Ohr und Matthias Schaffhäuser macht unter seinem Pseudonym Math U Hates Jazz mit dem pluckernden “Bebopdeluxe” den Sack zu. Runde Sache, fettes Paket, mehr davon! (5/6) Sanomat
Der ehemalige Neuton-Recke und nun als fester Kompakt-Mitarbeiter fungierende Navid Tahernia darf nun also auch auf dem hauseigenen Speicher-Imprint zeigen, was er musikalisch so drauf hat. Angesichts der doch etwas an Plastikmans “Panikatakk” erinnernden Nummer “I Like” auf Seite A, auf der die Frequenzen flirren und der Beat artig geradeaus stampft, mag man schon mal geneigt sein, zu sagen: aha, okay, aber wars das schon?. Aber mitnichten! Denn was sich auf der traditionellen Wappen-B-Seite finden lässt, wird sicherlich nicht nur bei mir für einen heruntergeklappten Kiefer sorgen. Als wären Zeit und Raum aufgelöst, drückt Tahernia einen derartig geil-oldschooligen und mich göttlich an die Dave-Angel-X-Mix-Ausgabe erinnernden Track mit allerlei 909-Rides und melodiöser 303 in die Rillen, dass ich vor lauter Begeisterung dringend mein Beißholz brauche. Ein Muß! (6/6) Sanomat
Nunja, der Original- sowie der “Fuck-Up”-Version kann ich nicht allzuviel abgewinnen, die glitchigen und oft an sehr sehr niedrige mp3-Kompression erinnernden Soundkonstrukte mögen vielleicht kreativ eingesetzt sein, nerven aber direkt beim ersten Hinhören. Der Soapespierre- & Dexter-Remix verleiht dem Ganzen dank konsequentem 909-Einsatz und angenehm oldschooligen Detroit-Anleihen immerhin ein bisschen “Kann-man-spielen”-Faktor, doch was die Platte dann plötzlich zu einem Muss macht, ist der Queaver- & Versis-Mix, der sich auf B2 versteckt hat. Dieser setzt nämlich voll auf herrliche Rave-Stabs und treibende Drumprogrammierung, die einen ab der ersten Umdrehung wieder voll in die 90er versetzen. B2: (5/6) Sanomat
Eine angenehm reduzierte Technoplatte mit Exkursionen in deepe Gefilde präsentiert uns der Züricher Michal Ho mit “Takeaway”. Das Original schaukelt sich entspannt seinen Weg durch die Menge, passend dazu die Vocals von Jon Jon, die der ganzen Nummer eine housige Facette verpassen. Schick! Rhadoo beschränkt sich bei seinem Mix auf ein “Aah!” der Vocals und fügt dieses gekonnt in eine sehr minimale und oft monotone Techno-Konstruktion ein; Jona schickt bei seinem Mix die Vocals ebenfalls durch den Häcksler und webt diese in seinen manchmal bleependen, aber immer mächtig funky Mix ein und Labelowner Jay Haze geht mit seiner Version noch eine Nummer deeper, es darf gedubbt werden! Durchgehend guter Stuff, jeder Mix ist uneingeschränkt empfehlbar und kann trübe Sets mit einer ganzen Menge freundlichem Vibe aufhellen. (5/6) Sanomat
Typische Substance & Vainqueur-Platte, die wie gewohnt mächtig dubbt und schrubbt. Da weiß man was man hat – Kenner der Materie greifen natürlich zu. (4/6) Sanomat
Catwash sind immer für eine lustig ravende Nummer gut, so auch mit der neuesten Platte namens “Super Body”, deren Titeltrack unter Verwendung von allerlei Chord-Stabs ordentlich durch die Gegend jackt. Gegen Ende kommt sogar noch eine etwas unerwartete, aber doch passende Fläche mit ins Spiel, die dem ganzen noch einen gewissen sentimentalen Touch gibt. Warum nicht? “Basic Info” auf B1 bleibt in einer ganz ähnlichen Stimmung, tauscht aber die Stabs gegen FM-Chords aus und “Walking on the Moon Shine” auf B2 setzt wieder mehr auf Flächensounds. Durchaus okay und vielseitig einsetzbar. (4/6) Sanomat
Kleine Geschichtsstunde für die Zugestiegenen: Ferox war ein 1993 von Russ Gabriel gegründetes Technolabel aus England, das damals sehr von Detroit Techno beeinflusst war, dem aber immer eine ganz eigene Komponente hinzufügte. Einer der großen Ferox-Anhänger ist der Sushitech- und Pariter-Labelowner Yossi Amoyal, der nun drei seiner damaligen Lieblingstracks auf seinem eigenen Label wiederveröffentlicht. Mit im Boot sind das herrlich pumpende 909-Monster “In The Bag” von Blue Arsed Fly (hier im Russ Gabriel Mix), das reichlich arschwackelnde “Adventures of a New Jack” von Paul Hannah sowie das mächtig an Daniel Bell erinnernde “Venus Fly Trap” von Too Funk. Erstaunlich, dass mittlerweile fast 15 Jahre alte Musik immer noch so frisch wie eh und je klingen kann. Wem diese Platte über den Weg läuft, der sollte hier dringend zugreifen, einfacher kann man wohl kaum an derartige Klassiker kommen. (6/6) Sanomat
Die nächste Mojuba kommt einmal mehr von Nik Solé, der ja bereits für die erste Katalognummer verantwortlich war. Seine neueste 12″ heißt “World Dubbing” und genau so klingt sie auch – sehr ruhiger, maximal angenehmer Dub-Techno, der ganz auf die subtile Kraft von hereinschwebenden Flächen, kleinen Vocal-Fetzen und einmal mehr den Klassikern überhaupt – 808-Toms und 909-Hihats setzt. Und obwohl man sich wünscht, dass Seite A nie aufhören würde – irgendwann tut sie es, was aber gar kein Problem ist, denn auf Seite B gibt es eine weitere Nummer, die sogar unter Umständen die Tanzinstinkte weckt. Der Beat wird etwas konkreter und direkter und Solé gibt sich noch ausgiebigeren Delay-Sessions, als sie auf Seite A praktiziert wurden, hin. Ab und an schaut auch noch der ein oder andere Chord-Stab vorbei und macht auch diese Nummer zu einem Must-Have. Sehr sehr gute Platte, Höchstpunktzahl. (6/6) Sanomat
Nach der “Merluche Ideale” von Rene et Gaston, die sich in meinem Freundeskreis wirklich ALLE gekauft haben, ist nun die “Technique EP” von Parallel 9 an der Reihe, hinter der niemand anderes als Steve Rachmad steckt. Rachmad wird ja gemeinhin gerne mal als König der niederländischen Variante des Detroit-Sounds dargestellt, was er bei diesem Zweitracker mal wieder spielend bestätigt. “Technique” auf Seite A kommt im Vergleich zu seinen anderen Produktionen noch eine ganze Facette deeper, dunkler und atmosphärischer daher, was Freunde hypnoseartiger Trancezustände sicherlich mit Freude zur Kenntnis nehmen werden. Für “Technic” auf Seite B legt Rachmad einen Knackigkeitsgrad zu, bleibt aber dank unermüdlich rollenden Sequenzen immer noch locker-leicht und liefert insgesamt ein tolles Paket zeitloser und einfach sauguter Musik. Ich schreib mal eben eine Rundmail an meine Jungs. (6/6) Sanomat
Da kann man sagen, was man will, der Romboy hat einfach ein sicheres Händchen für tolle Musik, die er auf seinem Systematic-Label featured. Die aktuellste Nummer kommt von Olivier Gregoire, der nach diversen Compilation-Beiträgen und einigen 12-Inches auf King Kong oder Turbo klarstellt, dass man zukünftig noch mit ihm rechnen muss. “Empechment” auf Seite A ist eine wirklich großartige Nummer, die aktuelle TechHouse- und Minimal-Strömungen mit einer saftigen Portion Detroit-Chords vermischt und als ein weiteres Indiz für einen langsam anrollenden neuen Trend gesehen werden kann. Auf Seite B betont Gregoire seine housigere Seite etwas stärker, ich persönlich stehe ja total auf Disco-Handclaps, doch spätestens wenn die an Inner City erinnernden Stabs einsetzen, dürften auch die Letzten von der Bar in Richtung Dancefloor hechten. Und wer dann immer noch nicht genug hat, der darf sich dann auch noch mit Track Nummer drei, “Diapo” vergnügen, der zwar ein bisschen klingt wie Booka Shades “Mandarine Girl”, das dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch tut. Tolle Platte! (6/6) Sanomat