Archive for the 'Querbeat' Category

Zunächst mal: super Cover! Noch nie hat mich eine Platte so dämlich-sympathisch-lustlos aus dem Stapel angeguckt, alleine deswegen werde ich wahrscheinlich zukünftig immer mal wieder zu selbiger greifen. Auch die Musik darf man bisweilen als albern bezeichnen, denn irgendwie klingt hier alles wie eine bunte Band aus der Sesamstraße, deren Mitglieder alle mal zeigen wollen, was sie so können. Bandleader scheint hier der funky Rhodes-Pianist zu sein – aber eigentlich darf hier jeder mal. Stilistisch irgendwo zwischen LCD Soundsystem, Cobblestone Jazz und The Electric Mayhem. Später auf A2 singt ein Herr namens Gavin Gordon einen netten Disco-orientierten Popsong ins Mikro und bleibt auch damit im Gehörgang. Abgerundet wird das tolle Paket durch das schmissige “Black Jub”, das mein Opa aus Hamburg sicherlich als “dufte” bezeichnet hätte. Da waven die Hände, da shaken die Hintern und wenn dann auch noch der Veranstalter grinsend von der Theke aus den Daumen hochhält ist doch alles klar. 6 Punkte mit Sahne obendrauf. Sanomat

Stefan Gubatz

LCD Soundsystem - North American Scum (Mute)

Yeah. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Jean-Michel - Das ist der Sommer (Onpa 002)

Na das ist doch mal ne Überraschung! Jean-Michel, der vor einiger Zeit mit seinem tollen “New Medium Softpack”-Album voller ambienter Flächen und Melodien sowie ausgeklügelten Breaks glänzen konnte, lässt sich für sein neues Release das kleine und doch so bedeutungsschwangere Wörtchen “Pop” auf die Stirn tätowieren. Die deutschen Lyrics (”Das ist der Sommer - eins zwo!”) irritieren mich zwar immer noch irgendwie und ich weiß nicht, ob ich mich nun fremdschämen oder das ganz toll finden soll - die Musik jedenfalls ist glücklicherweise, und wie sollte es bei Jean-Michel anders sein, über alle Zweifel erhaben. So auch auf Seite B, hier gibt es noch zwei Bonustracks, die allerdings (ist das nun gut oder schlecht?) auf Vocals verzichten. Seite A ist Geschmackssache, über B muss man nicht diskutieren. Ich glaub ich finds aber insgesamt doch ziemlich gut. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

PeterLicht - Das absolute Glück (Motor)

Normalerweise finde ich es als alter Chefraver ja immer etwas schade, wenn sich ein ursprünglich elektronischer Act in Richtung Gitarrenrock neu orientiert, aber im Falle von PeterLicht kann ich nur sagen: Hut ab mein Lieber - das “Absolute Glück” in der Originalversion ist einfach einer der melancholisch schönsten und stimmungsvollsten Songs, die mir in letzter Zeit untergekommen sind. Stilistisch ist dieser mittlerweile gar nicht mehr so weit entfernt von Bands wie den Sternen oder Tocotronic und wer keine komplette Gitarrenphobie hat, den muss ich hiermit einfach dazu nötigen, sich die Platte zu besorgen. Remixe gibts auch, diese kommen von Daso & Jin, welche zwar sehr ambitioniert und sorgsam mit den Vocals umgehen, aber die Intensität des Originals trotzdem nicht erreichen können. Der Märtini Brös Remix ist hingegen komplett am Thema vorbei. Trotzdem: das Original - und in Teilbereichen auch der Daso & Jin Remix - kassieren von mir [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Neoangin - Scratchbook (Lieblingslied Records)

Jetzt liegt das neue Album von Jim Avignon alias Neoangin vor mir und ich kann meine Begeisterung kaum verbergen, was nicht nur an den geradezu schnuckeligen und umarmungswürdigen 26 Klimperpop-Perlen liegt, die jedem noch so grummeligem Griesgram auf Anhieb ein wunderschönes Lächeln ins Gesicht malen sollten, sondern auch an dem was-weiß-ich-wie-viel-Seiten-starken Buch mit Skizzen, Grafiken und Bildern des omnitalentierten schnellsten Malers der Welt. Hurra, nun muss ich nicht immer in dieser Mexikanischen Bar in Köln sitzen, mir wehmütig die tollen Bilder an der Wand angucken und denken: ach, ich hätte doch so gerne… Ja, natürlich bin ich höchst voreingenommen und zudem ein verdammter Fanboy, aber was solls? Absoluter Pflichtkauf - oder noch viel besser: lasst Euch das Scratchbook schenken, verschenkt es selber, habt es lieb und lasst es nie wieder los. Herzlichst. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Klimek - Music To Fall Asleep (Kompakt CD 50)

Klimek tut was für die Kompakt-Ambientabteilung und stockt den Fundus um sein neues Album “Music To Fall Asleep” auf. Ein treffender Titel, dürfte nämlich genau das die Verwendung sein, zu der die meisten Ambient-Alben gehört werden. Doch trotz der Forderung würde man Klimek eher Unrecht tun, einfach so einzuschlafen, verleitet das Album doch gerade zum Zuhören. Fast wie ein Hörspiel wirkt hier vieles, nur eben mit der Einschränkung, dass keine offensichtliche Geschichte erzählt wird. Weite und vor allem lange Soundscapes ziehen sich wie ein roter Faden durchs Album, die von allerlei aufflackernden Elementen angereichert werden - vieles klingt, als würde man Leuchtstoffröhren anschalten, die nach einer Zeit wieder von alleine durchbrennen. Und aufgemerkt: es gibt Gitarren! Jede Menge Gitarren, die sich hervorragend in dem ganzen Klangkonstrukt machen und einen fragen lassen, ob es nicht mal Zeit für eine Renaissance des Saiteninstruments in der elektronischen Musik wäre. Insgesamt ein tolles Album, das unbedingt in Reichweite zum Bett stehen sollte. (6/6) Sanomat

turnmeister.jpgNicht nur auf CD, sondern auch komplett verfilmt auf DVD kommt das erste Album von Turnmeister aus dem Ibiza-Urlaub zurück in deutsche Abspielgeräte geflogen. “They come to chill you all” ist das Motto dieses ausgeklügelten Werkes der zwei Kölner Downbeat-Spezialisten Ottmar Schneider und Markus Brachtendorf, die mit ihren Ansprüchen an sich selbst absolut goldrichtig liegen. Zwölf enorm relaxte und zuckersüße Songs zaubern einem auf Anhieb ein wohliges Lächeln auf die Lippen, was nicht zuletzt an der wunderschönen Stimme von Sängerin Jasmin Teutrine liegt. Und selbst wenn die restlichen Spätwinterwochen noch so nasskalt werden mögen, der musikalische Sommer ist auf jeden Fall schon da. [5/6] Zamboni

Stefan Gubatz

Cuts & Pieces (Kitty-Yo)

cuts-und-pieces.jpgOh ja, das macht Spaß! Kitty-Yo und ihr noch recht neues, cluborientierteres Sublabel Kitty-cuts, schmeißen die abstrusesten und abgefahrensten Remixe des Hauses in einen Topf, geben noch ein paar Neu-Signings wie Codec + Flexor oder auch mal nen älteren Track von Jahcoozi dazu und verquirlen das ganze zu einem schaumigen DJ-Mix, der unruhig wie frisch angerührte Ahoi-Brause im Ohr prickelt. Es ist Funk! Es ist Rock! Es ist Acid! Und sogar ein bisschen Electroclash (oh doch, es ist!). Auf alle Fälle sehr ungewöhnlich und genau deswegen sehr, sehr gut. Tanzen und Grinsen. [6/6] Sanomat

dell-und-fluegel.jpgSich auf seinen per Alter Ego und solo verdienten Lorbeeren auszuruhen, kommt für Roman Flügel momentan nicht in Frage. Die Gunst der Stunde muss genutzt werden, daher scheint jetzt die Zeit reif zu sein für ein Album, mit dem so erst mal niemand gerechnet hätte. Zusammen mit Vibrafon-Virtuose Christopher Dell präsentiert Flügel (diesmal ganz ohne Säge) einen eigenen Ansatz der Verschmelzung von Jazz und Elektronik. Minimaltechno, Glitch-Sounds und Hip-Hop-Beats treffen auf Gamelan, Rhodes und Trompeten und während vieles sogar schlüssig klingt und einige gute Ideen birgt, muss an anderer Stelle eingestanden werden, dass man leider doch nicht alles so frei kombinieren kann, wie man es gerne hätte - Free Jazz in Kombination mit Drumcomputern funktioniert irgendwie nicht, siehe “Miniaturasition”. Vermutlich ist aber die Zielgruppe des Albums sowieso auf Seiten der Jazzfreunde zu suchen, finden nämlich die clubtauglichsten Nummern gar nicht erst ihren Weg aufs Vinyl sondern sind nur auf CD erhältlich. “Gehts Noch”-Fans bleiben wohl lieber bei Flügels Dance-Tracks, aufgeschlossenere Ohren sollten zumindest mal reinhören. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Jens Friebe - Lawinenhund (Zickzack/Labels)

lawinenhund.jpgOh, ein leichtfüßiges Deutschpop-Liedchen von Jens Friebe, dem momentan einzigen aktiven Protagonisten des Traditions-Labels Zickzack; hier in drei Mixen der immer noch ungekrönten Crossover-Könige Egoexpress. Während auf Seite A ein verträumt-minimaler sowie ein rockig-poppiger Mix leider den etwas nöligen Gesang featured, setzen Egoexpress für Seite B auf die Allzweckgeheimwaffe Vocoder, der die Vocals zwar nur dezent behandelt, dennoch aber einen Kompromiss zwischen Listening und Dancefloor schafft. Als Bonus ist außerdem das Original enthalten, das allerdings eher in Indierock-Läden zu hören sein wird.[4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Silk (Cocoon/Intergroove)

Silk

Nomen est omen - kühl und doch sanft gleitet “Silk” aus dem Hause Cocoon daher, um fernab vom überstrapazierten Grabbeltisch-Chillout- und -Lounge-Einerlei den Soundtrack für heimische Sofa- und Hängematten-Sessions zu liefern. Frank´n, DJ Eastenders, Stereofreund und Stefan-x, Cocoon-Clubgängern bestens als DJs des Bed Restaurants bekannt, liefern auf zwei Mix-CDs eine meist geschmackvolle Melange aus einlullenden Dub-Delays, endlosen Hallräumen und sparsam eingesetzten Vocals, wobei insbesondere CD 2 durch eine gelungene, esoterikfreie Trackauswahl überzeugen kann. Da gibt sich der hier überraschend unalberne Beatfrickler Wruhme mit den routinierten Saafi Bros oder Aural Float ein entspanntes Stelldichein, aber auch unbekanntere Acts dürfen mal ran. Und obwohl Dominik Eulbergs Vogelstimmen-Samplekiste noch immer nicht leer ist und sich andere anscheinend doch noch ganz gut an ihren letzten Balearen-Aufenthalt erinnern können, taugt “Silk” allemal für einen gepflegten Abend bei “einem Glas Rotwein in der Linken und Rauchwaren in der Rechten”. Nett. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Oxide & Neutrino - 2 Stepz Ahead (EastWest)

Oxide & Neutrino liefern das Nachfolgealbum zu ihrem seinerzeit vom „Mixmag“ zum Album des Jahres gekrönten Erstlingswerk „Execute“. 2 Stepz Ahead heißt das Teil und wieder einmal schmettern die beiden ihre Tracks, stilistisch irgendwo zwischen 2Step, Techno, House, BigBeat, RnB und HipHop, direkt in die Ohren des Konsumenten. Gefährliche Beatgewitter, Breaks en masse, dazu messerscharfe Lyrics; Oxide & Neutrino scheinen wirklich darauf zu pfeifen, was die gemeine Masse angesichts ihres damaligen No.1-Hits „Bound 4 Da Reload“ von ihnen erwartet. Alle Konventionen werden über den Haufen geworfen und neu zusammengewürfelt, heraus kommt eine wilde Style-Mixtur - ohne Frage sehr krachend. Lediglich der etwas unkreative und ständige Einsatz der altehrwürdigen 909 nervt ein wenig. Trotzdem: eine runde Sache. [4/6]

In wen waren in den 80er Jahren alle pubertierenden Jungs verliebt? Na klar, in Nena. Bunte Hose, Stirnband, Busch unterm Arm und selbstverständlich: 99 Luftballons. Heute schreiben wir das Jahr 2002, alle Jungs hören Bassdrum-Musik und Nena hat ihr 20jähriges Jubiläum. Da heißt es mit der Zeit gehen, die alten Klassiker noch mal rauskramen und angesagte Elektro-Haudegen die alten Songs remixen lassen. Und weil die Kollaboration Nena-Westbam schon bei „Oldskool Baby“ so wunderbar geklappt hat, darf der Max auch hier mal Hand anlegen. Dieser hat anscheinend gerade einen Großteil seines Equipments verliehen, denn sein Mix beschränkt sich auf gerade mal ein Pattern, bestehend aus einer 4/4 Bassdrum, etwas Percussion und einer Synthi-Line. Und das wars eigentlich auch schon. Keine Breaks, keine Schnörkel, kein gar nichts. Zwischendurch gibt’s noch eine kleine Liveaufnahme mit jubelndem Publikum, der Beat setzt aus. Als das Publikum fertig gejubelt hat, setzt der Beat wieder ein. Und dann ist irgendwann Schluss. Und der Musikredakteur fragt sich, was er davon nun halten soll. Denn einerseits klingt das ganze Teil nicht gerade so, als hätte Westbam besonders viel Lust gehabt. Auf der anderen Seite läuft der Track ganz angenehm im Hintergrund und schafft gerade durch das Nicht-Einsetzen bombastischer Elemente eine entspannte Stimmung. Insgesamt eine doch etwas sonderbare Platte. Mich würd ja wirklich mal interessieren, was der Westbam sich dabei gedacht hat. Mir gefällts aber irgendwie. [4/6]

Dusan Heric, der Besitzer des Frankfurter Plattenladens Pro Vinyl, hat ein wenig in seiner Plattenkiste gestöbert und seine Lieblingstracks zusammengetragen. Eigentlich ne tolle Sache, hat fast so viel Charme wie das alte Kassetten zusammenstellen, um irgendwelchen Mädchen zu imponieren - ob das jetzt der (heimliche) wahre Grund für die Existenz dieser Compilation ist, sei mal dahingestellt. Fakt ist: auf dieser Zusammenstellung gibt’s wirklich prima Musik zu hören. Auch wenn hier und da die verschiedensten Stilrichtungen aufeinandertreffen (oder fast -prallen). Sensoramas „Echtzeit“ macht Bekanntschaft mit „Redlight District“ von Anthony Rother; Senor Coconut gibt sich die Hand mit Akufen. Manchmal scheint es, als wollte Heric zeigen, wie viele verschiedenen Styles er bieten kann. Trotzdem: viel gute Musik auf einem Haufen und wer nicht so engstirnig ist wie der d2000-Musikrezensent, der freut sich sicherlich über diese Zusammenstellung. [4/6]

Stefan Gubatz

Quarashi - Jinx

Sölvi, Hössi, Steini und Omar sind Quarashi. Und wer so lustige Namen hat, laute Instrumente spielen kann und dazu auch noch aus Reykjavik kommt hat es prinzipiell verdient, von der Weltöffentlichkeit beachtet zu werden und infolge dessen unheimlich erfolgreich, reich und sexy zu werden. Den Vorzeichen nach sollte das eigentlich auch klappen. Denn ohne Frage rocken die vier Isländer mit ihrem bereits dritten Album „Jinx“ alles in Grund und Boden. In bester Beastie Boys-, Rage Against The Machine- oder Prodigy-Tradition, schmettern die Vier ihre Melange aus Rock, Hip Hop, BigBeat und einer großen Portion Rock ´n Roll bei der kein Lautstärkeregler leisegedreht bleibt und bei jeder Nachbar garantiert einen Nervenzusammenbruch bekommt. Genau die richtige CD für die 4/4-909-Bassdrum-freie Zeit. Und wer keine Angst vor bratzigen Gitarren hat und sich auch nicht zu schade ist, auf schmuddeligen Rockkonzerten ekstatisch hüpfend seine Hände in die Luft zu werfen, der sollte sich „Jinx“ schnellstens in den Warenkorb legen. [6/6]

Aha, die Leute von Shifty Disco mögen also ihre Platten. Was man aber auch sehr gut nachvollziehen kann, denn was den Hörer auf dieser Werkschau erwartet, sind zwölf gut gelaunte Gitarrenpopsongs von sieben Künstlern aus dem Shifty-Disco-Repertoire. Unbeschwerte Songtitel wie „Summertime Girlfriend“ oder „Gettin´ High With Jesus“ zeugen von einer entspannten Herangehensweise an die Materie - jede Menge ohrenschmeichelnde Musik für Frohnaturen; immer mit einem sympathischen Augenzwinkern und einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen. Musik von Leuten, mit denen man gern mal ein Bier trinken gehen würde. 5/6

Stefan Gubatz

Chiller Waves (AP Records)

Und noch eine ChillOut-Compilation. Diesmal allerdings weniger was für cocktailschlürfende Werber, die allabendlich in der angesagtesten Lounge der Stadt ihre Kreise ziehen. Viel passender ist die „Chiller Waves“-Compilation da für die Halbschlaf-Phase nach der exzessiven Goa-Party. Jiga und Jinno von Analog Pussy haben so bekannte Namen wie Chi-A.D., EarGear oder Sonic Fusion mit ins Boot geholt und präsentieren ihre Definition von Ambient. Und dankenswerterweise gibt es hier weniger HipHop- und dopegeschwängerte Wischi-Waschi-Tracks sondern glasklare und sehr angenehme Ambient-Trance-Perlen. Technisch einwandfrei und intelligenter produziert, als man Trance-Aktivisten im Allgemeinen unterstellen mag. 5/6

Stefan Gubatz

Fly - Ambient City Lounge (Coolmusic/Edel)

Fly, der ja schon diverse ChillOut-Compilations mit seinen Produktionen bereichert hat, stellt nun mit “Ambient City Lounge” sein erstes Album vor. Allerdings ist man beim Hören doch sehr hin- und hergerissen. Denn einerseits finden sich jede Menge angenehm wabernde, teils düstere Flächen, relaxte Drums, hier und da ein Fender Rhodes oder Wah-Wah-Gitarren, angereichert mit intelligent eingesetzten Samples. Um die 90 bpm. Schön. Wirklich schön. Andererseits wirken die schnelleren Tracks irgendwie dahingeschludert und erinnern stark an die Preset-Pattern aus Yamaha-Synthesizern (was vermutlich auch gar nicht so weit hergeholt, denn Fly hat in der Vergangenheit des öfteren Demosongs für Musiksoftware programmiert). Nett gedacht ist sicherlich der Remix von Klaus Kinskis „Nosferatu“, dieser schliddert allerdings durch seine sehr Enigma-mäßige Produktion haarscharf am Prädikat „grausam“ vorbei. Hätten irgendwann noch die Panflöten eingesetzt, hätte ich allen Ernstes auf den Tisch gekotzt. Der CD-Rom-Teil, programmiert von (achtung!) Clitora Eastwood, soll sicherlich auch ein tolles Gimmick sein, fällt aber im Gegensatz zur übrigen CD noch mehr ab, so dass wir über diesen Bereich einfach mal den Mantel des Schweigens hüllen. Im Endeffekt muss man sagen: das Potential ist sicherlich da und Fly zeigt ja, dass er gute Ambient-Musik produzieren kann. Nur etwas mehr Treffsicherheit wäre wünschenswert gewesen. 3/6

Stefan Gubatz

Terracotta Presents: Bombay Spirits (ZYX)

Mit der „Bombay Spirits“-Compilation begibt sich ZYX auf indisches Terrain. „Terracotta“, ein englisch-indisches Projekt, das u.a. den Soundtrack zum UK Feature Film „Bahaji On The Beach“ beisteuerte, würfelt bekannte Ambient-/Chill-Muster mit schnarrenden Sitars und indischen Gesängen zusammen und heraus kommt eine Sammlung bunter, orientalischer Chill-Out-Musik. Mein Fall ist „Bombay Spirits“ nicht unbedingt, trotzdem ist das ganze Projekt in sich stimmig und wer denn auf so was steht, darf sich diese CD auch gerne zulegen. Selbstverständlich. 3/6

Stefan Gubatz

Absinth2 - La muse de la bohême (ZYX)

Tjaja, Absinth ist also wieder erlaubt; lange verbotener Likör, Inspiration der Künstler; grüne Fee; usw. etc. pp. bla bla. Wissen wir ja mittlerweile alles. Und trotzdem meint ZYX, noch eine Compilation auf den Markt schmeißen zu müssen, die sich thematisch mit dieser sagenumwobenen Spirituose befasst. Nun gut. Der gemeine Musikredakteur und sicherlich auch der -konsument befürchtet nun an dieser Stelle wieder mal ein fürchterliches Gewaber an klebrigen Klängen, dünnen Downbeats und Delay-verseuchte Frauenstimmen, die leise „Fly away“ oder ähnliche Unnötigkeiten flüstern. Aber weit gefehlt. Absinth2 bietet einen locker-flockigen und vor allen Dingen spaßigen Mix aus House, Dub, Ambient und leichten Breakbeats, der nie sonderlich aufdringlich, aber auch zu keiner Zeit belanglos wird. Endlich mal eine angenehme Compilation, die nicht nur für die platten Stunden auf dem Sofa taugt sondern die man durchaus auch mal auf guten Hauspartys oder Sit-Ins in den Player legen darf. Und jaaaaa, auch gerne ein Gläschen Absinth dazu trinken. 4/6