Archive for the 'Minimal' Category

Stefan Gubatz

Lee van Dowski & Quenum - Dude Bond 334 (Soma)

Einen Schnipseltrack ohne wirkliche Schnipsel sondern mit viel Synth- und Drum-Stückchen legen uns Lee van Dowski und Quenum auf den Teller, der sich kontinuierlich steigert und trotz seiner Melancholie irgendwie in die Beine geht. Dario Zenkers Remix übertrifft das Original in punkto Atmosphäre aber weit, wirft das Ausgangsmaterial in weite Hallräume, programmiert dazu komplett neue Drums und versorgt den Hörer mit mehreren Momenten, in denen man sich fühlt, als würde man eines Morgens aufwachen und feststellen, dass man der letzte Mensch auf Erden ist. Irgendwie beklemmend aber doch faszinierend. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

M.I.A. - Safe Night (Sub Static 57)

Ich wollte die Platte gerade schon wieder entnervt zur Seite legen, da nimmt M.I.A. die Gitarre zur Hand und spendiert dem bis dahin so trocken klöternden Minimaltrack eine zuckersüße Melodie und sogar Gesang darf ich entdecken - Asche über mein Haupt, gar nicht schlecht, das ganze und irgendwie bleibt der Tune im Ohr hängen. Track 2 kommt ähnlich komplex ausgearbeitet daher, spielt aber eher mit monotonen Elementen. Der letzte Track im Bunde ist durch den Kontrabass- und Hammondorgel-Einsatz fast jazzy und schlägt eine Brücke (wenn auch eine sehr kleine) in Richtung Pop. Irgendwie süß und definitiv ein Ohr wert. [5/6] Sanomat

“Der Rosarote Panzer” hat nicht nur einen netten Titel, sondern kann auch mit seiner zwar etwas gewöhnlichen, aber doch in Ordnung gehenden Elektro-Bassline- und -Drumkombination auf sich aufmerksam machen. Eigentlich ein Track von der Stange, aber immerhin von einer besonderen Stange. Die B-Seite macht im Gegensatz dazu lieber blip-blip-blip und düdüdüdüt und ist somit eher nix für mich. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Paul Nazca - Scandale EP (Boxer Sport 041)

16tel-Basslines lassen mein Herz momentan irgendwie ziemlich laut schlagen, wenn das ganze dann auch noch so charmant per Pitchbend den Akkord wechselt und zudem einen leichten Einschlag von dem momentan in aller Munde vorhandenen Eve by Day von Patrick Chardronnet hat, bin ich der erste, der die Platte weiterempfehlt. So also auch Euch, liebe Leserchen! Doch kann auch Seite B halten, was Seite A vorlegt? Ich würde mal vorsichtig formulieren: mmmjo-naja. Einzeln hätten mich diese beiden Nummern sicherlich nicht so sehr interessiert, obwohl auch “Swell” in Ordnung geht, hängen bleibt auf jeden Fall “Sleeping” auf Seite A. [5/6] Sanomat

Schatz und Wickinger legen mit diesem Zweitracker ihre Nachfolge-12″ zum “Aufziehvogel” auf EK Records vor. “The Swarm” auf Seite A würde ich mal als minimalen Neotrance bezeichnen, dementsprechend bekommt man genau das präsentiert, was man zu diesem Genre erwarten kann. Wieder mal 808-Drums, wieder mal kleine Minipercussions und wieder mal erst kleine, dann ausgiebigere Synthsounds. “Vendetta” auf Seite B geht auch in Ordnung, reißt mich aber ebenfalls nicht vom Hocker. Innovativ geht anders, schlechter aber immerhin auch. Okaye Musik für zwischendurch. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Salz - Rotten (Authentic Music / Neuton)

Dass ich das noch erleben darf! “Rotten” von der mittlerweile leider getrennten Kölner Combo Salz rotiert als Promo schon fast zwei Jahre auf meinen Turntables und in meinem Kopf, jetzt erscheint endlich die offizielle Version als farbige 12″ auf Claus Bachors immer mal wieder überraschenden Label Authentic Music. Das Original ist ein für Salz-Verhältnisse außergewöhnlich schneller und gradliniger Minimaltrack, der mit seinen detroit-affinen klonkigen Chords viele aktuelle Produktionen locker in die Tasche steckt - man behalte das Alter des Tracks im Hinterkopf, darf man etwa das Wörtchen “zeitlos” benutzen? Dieses Attribut würde dann auch auf die beiden geradezu herausragenden Remixe des Stuttgarters Michel Baumann aka Jackmate zutreffen, der sich relativ frei an das Ausgangsmaterial hält und mal dubby, mal chillig und doch akzentuiert das Paket stimmig komplettiert. Sehr sehr sehr tolle Musik. [6/6] Sanomat

Kölns Hoffnungslabel WIR ist mittlerweile bei Katalognummer 005 angelangt und lässt den bisher unbekannten Act MI Musik an die Regler. Dieser lässt seinen Track “How Much Time means Forever” relativ lang und recht unspektakulär anfangen (wie man es von WIR-Platten teilweise schon kennt), entfaltet dann aber nach und nach seine niedliche Minimelodie, die in düsteren Sets für kleine aufflackernde Akzente sorgen kann. “Microfrescor” auf Seite B hält sich ähnlich reduziert, legt aber mehr Energie in Bassline und kurze Analogtoms. Nach dem Break wird dann sogar noch mal ein Brikett extra in den Groove-Ofen gelegt und zeigt wieder einmal, warum WIR “Wir Im Rhythmus” heißt. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Traffic Signs 06 (Traffic Signs)

Na wenn hinter diesen Nummern nicht Herr Brügesch selbst steckt? Typische Steve Bug-Acid-Bässe, die hier und da an “Smackman” erinnern, die Drums sind allerdings sehr viel gradliniger und nicht ganz so groovig wie besagte Nummer. Dafür reißt das irgendwie sexy “Coming Down”-Sample alles wieder raus und macht den Track zu nem kleinen (bis großen?) Hit. Sehr viel grooviger und auch ein absolutes Muss für jeden herbstlichen Dancefloor ist “Back On Crack” auf Seite B, den ich nicht auch noch als Hit bezeichnen will, aber es eigentlich gar nicht anders kann. Wenn diese Platte nicht aus den Regalen gerissen wird, weiß ich auch nicht. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Barem - Campo Madness EP (Foundsound 009)

Ach wie schön, mal wieder Smarties auf den Labelgrafiken. Da hat sich ja mal jemand richtig was einfallen lassen. Immerhin kann man sagen, dass der Musikant hinter dieser 12″ zumindest ein Stück einfallsreicher war. Die insgesamt vier Tracks grooven entspannt durch die Gegend, lassen Basslines rollen, holen diverse Hallräume aus der Hinterhand und bedienen sich auch gerne ein bisschen an momentan wieder sehr angesagten Minimalsounds, wie beispielsweise der bewährten 808-Tom. Daraus will ich Barem aber mal keinen Strick drehen, 808 geht immer, wie wir ja alle wissen und wenn die Tracks in sich auch noch so lässig daher kommen wie im Falle dieser Platte, bin ich auch irgendwie zufrieden. [4/6] Sanomat

Es wird wieder gezaubert in der Bude. Diesmal hält Donal Tierney alias Five Green Circle den Stab in der Hand und holt drei Nummern aus dem Hut, die mich insgesamt aber leider nicht wirklich überzeugen wollen. Die stärkste Nummer ist “Hasto” auf Seite A, die zwar hier und da zu sehr nach Reason-Preset-Sound klingt, aber dann doch noch durch einprägsame Vocalfetzen und sich öffnende Bassfilter aufgefangen wird. Die beiden anderen B-Seiten-Nummern sind auch nicht wirklich schlecht, klingen aber eher nach Zauberkasten als nach David Copperfield. Da hab ich schon stärkere Vorstellungen gesehen. [3/6] Sanomat

Hinter Halle 56 verstecken sich zwei angeblich sehr gut bekannte Berliner DJs, die aber unbekannt bleiben möchten. Meinetwegen, zumindest bei Tigerskin weiß man ja, was man hat. Im Titeltrack spielen die drei Klangbastler mit den Nerven aller Karies-geplagten Wenig-Zähneputzer, denn was im Break dieses bislang lustig tänzelnden Minimal-Tech-Tracks ertönt, ist ein fieses Zahnarztbohrer-Geräusch, inklusive rhythmisch arrangierter Druckluft. Sehr strange, aber dennoch nicht uninteressant. “Complex” neigt im Gegensatz dazu zum frickeln und auch “Wolves” auf Seite A ist sehr percussion-lastig, spendiert dem Ohr allerdings noch ne kleine Bassmelodie und kurze Rauch-Flächeneinwürfe. Keine Revolution, aber nett. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

MGI - Dancin´ Seal (Adapter 05)

Auf Seite A passiert nicht viel - Bassdrum/Snap-Kombination, dezenter Subbass drunter und ne kleine Telefonmelodie dazu, fertig. Und - hach! - auf Seite B findet man prinzipiell den gleichen Track, nur diesmal ohne Melodie. Wo gibts denn sowas? Bei mir jedenfalls nicht. [2/6] Sanomat

Schön, wenn längst totgeglaubte Wörter einen zweiten Frühling erleben, wie im Falle von “Jippie”, welches nicht nur zuletzt Deichkind gute Dienste geleistet hat, sondern nun auch Freedarich und Stiggsen Erfolg bringen soll. Dabei ist man aufgrund der Musik, die die beiden Haudegen hier in die Rillen gepresst haben, erst mal gar nicht so sehr gewillt, in Euphorie auszubrechen. Nicht, weil die Musik schlecht wäre - ganz im Gegenteil, doch vielmehr haben wir es hier mit einer sehr relaxten Version von “Jippie” zu tun; dem “Jibbie”, deutlich zu erkennen an den beiden Bs. Teilweise erinnert ihre Musik an Porter Ricks oder andere Chain Reaction-Acts, sehr dubby, organisch und dann doch wieder mit Tendenz zum heutigen Minimal Techno. “Welcome” auf B2 darf sogar noch ein bisschen schaffeln, was man in Köln sicherlich mit einem lauten “Jippie!” bemerken und - trotz des Neuton-Vertriebs - insbesondere in kompakten Kreisen in diversen Playlists wiederfinden wird. Schöne Platte. [6/6] Sanomat

Kann es sein, dass die Gebrüder Ton ziemliche Schlitzohren sind? Bei ihren Releases bin ich die ersten paar Takte meist gewillt, das Vinyl schon wieder gelangweilt zu wechseln, meistens setzt aber genau bei diesem Gedanken ein tolles Element nach dem anderen ein, was mich in der Regel mindestens dazu verleitet, die Platte anschließend noch einmal zu hören und ihr letztendlich einen leicht zu erreichenden Platz in meinem Case gönne. So auch wieder bei diesen drei super Songs (ja, es sind durchaus Songs!), bei denen sich die Jungs tatkräftige Unterstützung von Solomun und Adriano geholt haben. Frisch, fröhlich und mit unbedingter Grinsegarantie gibts auf der Platte keinen einzigen geschmacklichen Ausfall, sondern nur Qualitätsware, die mich allerspätestens jetzt von der kompromisslosen Qualität ihrer Produktionen überzeugt hat. Von jetzt an offiziell Fan - ich verleihe [6/6] Sanomat

Nachdem man den tausendsten Teletipp aus dem Hause Elster ausprobiert hat, gibts mit der Schrumpfmetropolen EP mehr Minimal-Futter auf die Ohren. Leider ist aber gerade Track A1 ein Paradebeispiel für uninspirierten Fließband-Frickelsound, von dessen Sorte ich mittlerweile wirklich überhaupt nichts mehr hören mag. Glücklicherweise reichte das Geld aber noch für zwei B-Seiten-Tracks, von denen der erste - puuh - gar nicht klackert, sondern sich sehr angenehm in aufbratzenden Basslines und sentimentalen Melodien verliert. So will ichs hören! B2 schlägt wiederum mit seinen metallischen Chords eine eher detroitige Richtung ein und wird zwischendurch immer wieder von leichten Stabs unterstützt. Auch fein. Trotz pädagogischem Abzug für Seite A gibts insgesamt versöhnliche [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Ryan Crosson - Gotham Road (Trapez Ltd. 45)

Na sowas, Tischtennis-Percussions! Das hab ich ja schon lange nicht mehr gehört. Oder moment… doch, hab ich. Dazu gibts verhackstückte Vocalfetzen, aber immerhin kompromisslos und spannungsgeladen produziert. Interessanter finde ich dann schon eher die B-Seite. Dort wird nicht ganz so viel gefrickelt, der Tischtennis-Sound taucht zwar wieder auf aber immerhin kann mich hier ein ziemlich treibender Beat und eine nervöse Bassline gnädig stimmen. Insgesamt zwar nicht so ganz mein Ding, aber Afficionados werden hier sicherlich gerne wieder zugreifen. [3/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Lee Jones - Kinder Country (Just 01)

Als Soundtrack zu einem Sommer der nie passierte bezeichnet Lee Jones seinen aktuellen Track “Kinder Country”, was nicht nur ein höchst sympathischer Tracktitel ist, sondern auch musikalisch absolut überzeugen kann. Eine Platte die klingt wie ein trüber Sommerabend an der Spree, zu dem man verträumt einige Töne aus der mitgebrachten Gitarre klimpert und sich fragt, was einem die Jahreszeit noch bescheren mag. Matt John jedenfalls beschert dem Titel den sogenannten “Vollbart Remix”, welcher noch einen Gang zurückschaltet und klingt wie der Moment, in dem man seinen Platz an der Spree räumt, weil es anfängt zu regnen und sich im folgenden dann doch auf den Weg in den Club macht. Zwei sehr schöne Versionen und ein gelungenes erstes Release auf Just Recordings. [6/6] Sanomat

Till von Sein und Aera scheinen ordentlich über schleswig-holsteinische Autobahnen zu gurken, und ich vermute mal, der EP-Titel hat mit Sicherheit was mit hübschen Autofahrerinnen auf der rechten Spur zu tun. Aber es geht hier ja um Musik. Auf vier Tracks verteilt gibts teils hüpfenden, teils minimalen TechHouse serviert, mal verspielt, mal mit dem Auge fürs Wesentliche, aber immer irgendwie süß und außergewöhnlich. Insbesondere “Prody” auf A2 hat es mir mit seinen strahlenden 80er-Jahre-Synths und tüdelnden Videospielmelodien angetan. Auf B1 gibts den wohl funktionellsten weil gradlinigsten Track der EP, den Nooncat-Remix von “Angel of A7″, gefolgt von der Originalversion, die auch einiges kann, aber wieder zum Herumspielen neigt. Insgesamt ein schönes Paket und um es mit Fettes Brot zu sagen: Dor is för jeden wat dorbi wat ick speel. (5/6) Sanomat

Die neue Adultnapper macht mich irgendwie gar nicht so recht an. Zu oft gehörter Minimal-TechHouse mit viel frickeligen Percussion-Elementen und wischi-waschi-Basslines. Immerhin gibts auf “Factoring Your Lack Of Cool” noch ne halbwegs annehmbare Nintendo-Pulsebass-Sequenz dazu, die den Track zumindest kurz aufflackern lassen. Für Seite B lässt sich prinzipiell das gleiche sagen, nur dass hier eine klimperige Melodie zum Einsatz kommt. Nicht unbedingt meine Tasse Tee. [3/6]

Hah! Eine wirklich spaßige Platte beschert uns Wagon Repair hier. Danuel Tate, Tyger Dhula und der sicherlich bekannteste Protagnist Mathew Jonson tun sich zusammen, formieren die Band “Cobblestone Jazz” und drücken zwei verschmitzt grinsende Tracks ins Vinyl. Auf Seite B befindet sich ein relativ hastiger Minimal-Track mit Taschenrechner-Gepliepe, jazz-angehauchten Chords und Vocodergesang, der nicht selten an Underworlds “Cups” erinnert. Doch der eigentliche Knaller ist Seite A, die mit massiven Bumm-Tschack-Drums überrascht. Dazu gibts verhallte Keyboard-Solos und gut gelaunte Synths, die bisweilen ins Zwirbelige gehen und auch den vielbeachteten DFA alle Ehre gemacht hätten. Ein wirklich herausragender Jam-Track, der es verdient hat, von möglichst vielen Ohren gehört zu werden. Also zack - kaufen und spielen! [6/6] Sanomat

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