Archive for the 'Longplayer' Category

Stefan Gubatz

Jeff Bennett - Endwise (Plastic City)

Fast ein bisschen Dub-Reggae-mäßig fängt das neue Album von Jeff Bennett an und gibt gleich die Richtung für den gesamten Longplayer vor: gut gelaunte, nicht zu stressige Musik, irgendwo zwischen Listening und entspanntem Grooven auf dem Dancefloor. Besonders heraus sticht “Man Was Made To Suffer”, das mich dank der netten und delaygeschwängerten Vocals an alte Dreadzone-Platten erinnert. Auf anderen Tracks gehts dann aber auch etwas mehr zur Sache, hier und da wird natürlich mal wieder nach Detroit geschielt, siehe “Believing” - mein persönlicher Favorit des Albums. Insgesamt ein sehr angenehmes Album, universal einsetzbar und deshalb sicherlich ein Dauerbrenner in den Abspielgeräten dieses Planeten. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Alex Smoke - Paradolia (Soma)

Leute wie Alex Smoke sind doch wirklich zu umarmen. Denn während die Hälfte aller Technoproduzenten momentan versuchen - und es auch noch schaffen! - uninspirierte klicker-britzel-Geräuschminimal-Tracks von der Stange zu produzieren und den Markt mit Platten überschwemmen, von denen sich eine ähnlicher als die nächste anhört, interessiert das Herrn Smoke einfach nicht die Bohne, sondern macht weiter mit dem, was er am liebsten macht und einfach am besten kann: melodische Technotracks mit Seele und Verstand produzieren. Und obwohl er an Soundexperimenten und auch gelegentlichen fritzelnden Minisounds nicht spart, passt doch alles sehr harmonisch zusammen und ergibt ein sehr rundes, gelungenes Gesamtbild. Mit “Snider” und vor allem “Meany”, der ersten Singleauskopplung, die übrigens mit einem Matt John Remix kommt, sind sogar einige Hits mit an Bord, die mit Sicherheit noch für Wirbel sorgen werden. Gelungen. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Klimek - Music To Fall Asleep (Kompakt CD 50)

Klimek tut was für die Kompakt-Ambientabteilung und stockt den Fundus um sein neues Album “Music To Fall Asleep” auf. Ein treffender Titel, dürfte nämlich genau das die Verwendung sein, zu der die meisten Ambient-Alben gehört werden. Doch trotz der Forderung würde man Klimek eher Unrecht tun, einfach so einzuschlafen, verleitet das Album doch gerade zum Zuhören. Fast wie ein Hörspiel wirkt hier vieles, nur eben mit der Einschränkung, dass keine offensichtliche Geschichte erzählt wird. Weite und vor allem lange Soundscapes ziehen sich wie ein roter Faden durchs Album, die von allerlei aufflackernden Elementen angereichert werden - vieles klingt, als würde man Leuchtstoffröhren anschalten, die nach einer Zeit wieder von alleine durchbrennen. Und aufgemerkt: es gibt Gitarren! Jede Menge Gitarren, die sich hervorragend in dem ganzen Klangkonstrukt machen und einen fragen lassen, ob es nicht mal Zeit für eine Renaissance des Saiteninstruments in der elektronischen Musik wäre. Insgesamt ein tolles Album, das unbedingt in Reichweite zum Bett stehen sollte. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

The DFA - Remixes Chapter One (DFA/EMI)

dfa.jpgGibt es überhaupt irgendjemanden, der The Death From Above aka DFA nicht irgendwie super findet? Wenn jemand in den letzten Jahren spannende Aspekte in die Verbindung von elektronischer und Rockmusik gebracht hat, dann doch wohl Tim Goldsworthy und James Murphy. Und dies ist ja nicht nur in ihren eigenen Produktionen passiert, sondern auch in der Vielzahl der handverlesenen Remixes des Duos (die sich im übrigen auch nicht zu schade sind, Anfragen von Britney Spears oder Janet Jackson mit einer kackfrechen Selbstverständlichkeit abzulehnen – der Pressetext bringt es auf den Punkt: Just don´t call them “cool”… or they will laugh in your face at the ricidulousness of it all). “Remixes Chapter One” beinhaltet jedenfalls eine absolute Sahne-Auswahl der DFA-Bearbeitungen von Künstlern wie Le Tigre, Blues Explosion, den Gorillaz oder Metro Area, den meisten wahrscheinlich ohnehin bekannt, jetzt aber quasi auf einen Blick, um sich damit gepflegt den Kopf zu bürsten. Respekt, meine Herren, erstaunliche Musik gleichermaßen für den elektronisch orientierten Clubber wie für alternative Indierocker. Massives Paket. [6/6] Sanomat

turnmeister.jpgNicht nur auf CD, sondern auch komplett verfilmt auf DVD kommt das erste Album von Turnmeister aus dem Ibiza-Urlaub zurück in deutsche Abspielgeräte geflogen. “They come to chill you all” ist das Motto dieses ausgeklügelten Werkes der zwei Kölner Downbeat-Spezialisten Ottmar Schneider und Markus Brachtendorf, die mit ihren Ansprüchen an sich selbst absolut goldrichtig liegen. Zwölf enorm relaxte und zuckersüße Songs zaubern einem auf Anhieb ein wohliges Lächeln auf die Lippen, was nicht zuletzt an der wunderschönen Stimme von Sängerin Jasmin Teutrine liegt. Und selbst wenn die restlichen Spätwinterwochen noch so nasskalt werden mögen, der musikalische Sommer ist auf jeden Fall schon da. [5/6] Zamboni

Stefan Gubatz

Todd Bodine - Surfaces (Tresor 221)

todd-bodine.jpgArtistalben sind ja immer so eine Sache, insbesondere von Künstlern, die sich in erster Linie dem Dancefloor verschrieben und schon einige überzeugende Platten veröffentlicht haben. Meist gibt’s ein paar gute Tracks, die man sowieso schon kennt, einige Füller und die obligatorische Ambient-Nummer zum Ausklang, um zu zeigen was man doch für eine große Bandbreite zu bieten hat. Doch was Todd Bodine hier auf Tresor abliefert, ist kein pseudo-verkopftes Einerlei, sondern eine Ansammlung von hervorragenden Tracks, von denen zwar jeder für sich steht, aber auch im Gesamtkontext schlüssig wirkt. Ohne Verschnaufpause geht’s hier minimal, aber doch komplex ausgeklügelt zur Sache, ohne sich zu sehr auf das momentan sehr angesagte Geklicker, Geglitche oder Microsampling zu konzentrieren – deswegen kommt “Surfaces” so ehrlich daher und ist dadurch den meisten aktuellen Produktionen um mehr als eine Nasenlänge voraus. Uneingeschränkt zu empfehlen. [6/6] Sanomat

dell-und-fluegel.jpgSich auf seinen per Alter Ego und solo verdienten Lorbeeren auszuruhen, kommt für Roman Flügel momentan nicht in Frage. Die Gunst der Stunde muss genutzt werden, daher scheint jetzt die Zeit reif zu sein für ein Album, mit dem so erst mal niemand gerechnet hätte. Zusammen mit Vibrafon-Virtuose Christopher Dell präsentiert Flügel (diesmal ganz ohne Säge) einen eigenen Ansatz der Verschmelzung von Jazz und Elektronik. Minimaltechno, Glitch-Sounds und Hip-Hop-Beats treffen auf Gamelan, Rhodes und Trompeten und während vieles sogar schlüssig klingt und einige gute Ideen birgt, muss an anderer Stelle eingestanden werden, dass man leider doch nicht alles so frei kombinieren kann, wie man es gerne hätte - Free Jazz in Kombination mit Drumcomputern funktioniert irgendwie nicht, siehe “Miniaturasition”. Vermutlich ist aber die Zielgruppe des Albums sowieso auf Seiten der Jazzfreunde zu suchen, finden nämlich die clubtauglichsten Nummern gar nicht erst ihren Weg aufs Vinyl sondern sind nur auf CD erhältlich. “Gehts Noch”-Fans bleiben wohl lieber bei Flügels Dance-Tracks, aufgeschlossenere Ohren sollten zumindest mal reinhören. [4/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Aardvarck - Cult Copy (Rush Hour 103)

aardvarck.jpgEin recht vielschichtiges Album legt Aardvarck mit “Cult Copy” vor. Teils beklemmende, traurig-schöne Soundscapes gehen einher mit nach Detroit schielenden, schleifenden Beats - mal zart und zerbrechlich, dann wieder rumpelnd und metallisch. Leider bringt Aardvarck nicht immer alles auf den Punkt, viele Tracks können sich gar nicht recht entscheiden, in welche Richtung sie denn nun wollen, manches klingt sogar regelrecht durcheinander. Versöhnlich stimmen dagegen die vielen ambientartigen Klangcollagen, die zwischendurch wieder auffunkeln und “Cult Copy” somit zwar den Charakter des reinen Dance-Albums nehmen, darum scheint es hier aber auch gar nicht zu gehen. Insgesamt zwar nicht mein neues Lieblingsalbum aber immerhin noch in Ordnung. [4/6] Sanomat

Billy Dalessandro - Starcity
Nachdem der Dritte Raum das Albumformat bei Resopal wieder salonfähig gemacht hat, legt jetzt Billy Dalessandro seinen Longplayer “Starcity” nach, auf dem es interessanterweise nicht nur, wie für Resopal üblich, atmosphärische und treibende Minimal-Tech-Tracks, sondern auch überraschend viele Acid-Elemente zu entdecken gibt. Da darf “Falling Soul” lustig vor sich herblubbern als würde Mutti gerade eine heiße Suppe kochen, und das düstere “Come With Me” entwickelt sich geradewegs mit Unterstützung der beklemmenden Vocals zu einem kleinen Säuremonster. Auch ein bisschen trancig darf es hier und da werden, jedenfalls scheut sich Dalessandro nicht vor einmummelnden Flächen und großen Hallräumen, was aber eindeutig in Ordnung geht. Höhepunkt der Platte ist eindeutig der Titeltrack “Starcity”, auf dem noch mal alle Register gezogen werden, es pumpt, es schwebt, es hüpft - und verschafft der Platte verdiente [5/6] Sanomat

Cooles Album. Fängt irgendwie sehr ruhig an, Tracks ohne Drums, dann ein paar Downbeat-Nummern, sehr atmosphärisch und sonderbar angenehm kalt, fast BigBeat-mäßig trommeln sich die Tracks in den Gehörgang. Und dann ab Mitte der zweiten Hälfte legt das Album ein paar Briketts nach. Zuerst noch etwas behutsam - der Titeltrack „Playing With The Blox“ holt erstmals die 4/4-Bassdrum raus - später dann haut der Herr Franssen so richtig auf die Pauke. Tool-Techno. Heftig. Blam!Trotzdem jederzeit sehr groovy und nach vorne gehend. Den Abschluss macht dann noch ein etwas discohouse-orientierter Track, auf den man in diesem bisher sehr runden Konzept vielleicht doch hätte verzichten können. Trotzdem: knackige Platte. [5/6]

Ich vermute ja, den Attila gibt’s gar nicht. Das ist in Wirklichkeit nur eine Maschine, die im Keller von Z Schallplatten steht und die auf Knopfdruck feinste Technotracks produziert und erst damit aufhört, wenn jemand die Stop-Taste drückt. Der Labelchef denkt sich dann schnell mit seinen Kumpels noch ein paar lustig klingende Titel wie „Die Sahara Petra“ oder „Future Emanzen“ aus, dann lachen alle und schütteln sich die Hand, weil sie wieder eine gelungene Platte fertig haben. Für Fotos und Interviews steht dann der Typ vom Kiosk um die Ecke zur Verfügung und im Keller rattert weiterhin die Musikmaschine. Und ob nun eine Maschine oder wirklich ein junger Mann namens Attila Jahanvash für das Album verantwortlich ist; die Musik ist, wie man von Z Schallplatten auch gar nicht anders erwartet hat, sehr tanzbar, sehr hörbar und insgesamt dann auch: sehr gut. [5/6]

Stefan Gubatz

Mark’Oh - Mark’Oh (Sony)

Aha, ein Doppel-Album. Auf CD 1 zeigt Mark Oh, wie viele verschiedene Songs man aus einem Drumset, einem Bass- und einem Synthi-Sound sowie ein paar Samples machen kann. Auch eine Art Minimalismus. Auf der zweiten CD mixt dann Herr Oh seine Lieblingstracks von CD 1 zusammen. Wenn nicht Wolfgang Petry die Idee der längsten Single der Welt gehabt hätte, hätte Mark´Oh sich sicherlich mit dieser Erfindung brüsten können. Alles in allem zwar sehr sauber, aber total seelenlos produziert, jeder Track ist ohne weiteres austauschbar; es gibt kaum Ecken und Kanten und wer Überraschungen sucht, wird bitter enttäuscht. Trotzdem, es soll ja Leute geben, die sowas mögen. [1/6]

Stefan Gubatz

Superflausch - Langspielplatte (Bellaphon)

Akustische Nichtigkeiten aus dem Hause Bellaphon. Vor einiger Zeit haben zwei Produzenten namens Jay Jay und Hendrik die glorreiche Idee, Dancemusik mit deutschen Texten zu machen. Die beiden sind der Meinung das wäre unheimlich innovativ und wer sonst außer vielleicht Andreas Dorau oder Whirlpool würden dies in vernünftiger Form praktizieren. Also setzt man sich ins Studio, schludert ein paar nichts sagende Dancenummern dahin, schreibt fürchterlich banale Texte („ich fahr nen stinknormalen Wagen/und hab zu Hause nix zu sagen“) und spickt das ganze mit ein paar Kontroversitäten (natürlich muss mal wieder das Wort „ficken“ herhalten). Abschließend noch schnell einen scheinbar lustigen Projektnamen finden und dann ab damit zum Major. Dieser sagt: jaja, ganz nett, aber wenn wir das veröffentlichen sollen, dann müsst Ihr Euch aber bitte noch fürs Cover im Bärenkostüm mit Sturzhelm und Antennen ablichten lassen. Na klar, das finden Jay Jay und Hendrik lustig, Fotos werden gemacht, Verträge unterzeichnet, Hände geschüttelt und sich gefreut, dass man der Welt das scheinbar wichtigste Album seit Ewigkeiten präsentieren kann. Aber leider haben sich da die beiden geschnitten. Denn die „Langspielplatte“ von Superflausch hat ungefähr soviel Substanz wie eine Warze am Hintern und hat auch ebensoviel Aufmerksamkeit verdient. 21 nichts sagende Tracks, denen man die bemühte Lustigkeit anhört und die spätestens nach den ersten paar Textzeilen ins Banale abrutschen. Daher die dringende Empfehlung: Das Album unbeachtet im Regal stehen lassen und lieber mal schauen, was Justus Köhncke und Kollegen gerade zu bieten haben. Jay Jay und Hendrik können ja aus ihren CDs Uhren basteln. Ist wahrscheinlich ne bessere Idee. Koa Punkt für so a Schmarrn. [0/6]

Stefan Gubatz

Quarashi - Jinx

Sölvi, Hössi, Steini und Omar sind Quarashi. Und wer so lustige Namen hat, laute Instrumente spielen kann und dazu auch noch aus Reykjavik kommt hat es prinzipiell verdient, von der Weltöffentlichkeit beachtet zu werden und infolge dessen unheimlich erfolgreich, reich und sexy zu werden. Den Vorzeichen nach sollte das eigentlich auch klappen. Denn ohne Frage rocken die vier Isländer mit ihrem bereits dritten Album „Jinx“ alles in Grund und Boden. In bester Beastie Boys-, Rage Against The Machine- oder Prodigy-Tradition, schmettern die Vier ihre Melange aus Rock, Hip Hop, BigBeat und einer großen Portion Rock ´n Roll bei der kein Lautstärkeregler leisegedreht bleibt und bei jeder Nachbar garantiert einen Nervenzusammenbruch bekommt. Genau die richtige CD für die 4/4-909-Bassdrum-freie Zeit. Und wer keine Angst vor bratzigen Gitarren hat und sich auch nicht zu schade ist, auf schmuddeligen Rockkonzerten ekstatisch hüpfend seine Hände in die Luft zu werfen, der sollte sich „Jinx“ schnellstens in den Warenkorb legen. [6/6]

Stefan Gubatz

Fly - Ambient City Lounge (Coolmusic/Edel)

Fly, der ja schon diverse ChillOut-Compilations mit seinen Produktionen bereichert hat, stellt nun mit “Ambient City Lounge” sein erstes Album vor. Allerdings ist man beim Hören doch sehr hin- und hergerissen. Denn einerseits finden sich jede Menge angenehm wabernde, teils düstere Flächen, relaxte Drums, hier und da ein Fender Rhodes oder Wah-Wah-Gitarren, angereichert mit intelligent eingesetzten Samples. Um die 90 bpm. Schön. Wirklich schön. Andererseits wirken die schnelleren Tracks irgendwie dahingeschludert und erinnern stark an die Preset-Pattern aus Yamaha-Synthesizern (was vermutlich auch gar nicht so weit hergeholt, denn Fly hat in der Vergangenheit des öfteren Demosongs für Musiksoftware programmiert). Nett gedacht ist sicherlich der Remix von Klaus Kinskis „Nosferatu“, dieser schliddert allerdings durch seine sehr Enigma-mäßige Produktion haarscharf am Prädikat „grausam“ vorbei. Hätten irgendwann noch die Panflöten eingesetzt, hätte ich allen Ernstes auf den Tisch gekotzt. Der CD-Rom-Teil, programmiert von (achtung!) Clitora Eastwood, soll sicherlich auch ein tolles Gimmick sein, fällt aber im Gegensatz zur übrigen CD noch mehr ab, so dass wir über diesen Bereich einfach mal den Mantel des Schweigens hüllen. Im Endeffekt muss man sagen: das Potential ist sicherlich da und Fly zeigt ja, dass er gute Ambient-Musik produzieren kann. Nur etwas mehr Treffsicherheit wäre wünschenswert gewesen. 3/6

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