Archive for the 'Longplayer' Category

Stefan Gubatz

Hands on Scooter (Sheffield Tunes)

Auch wenn Scooter in unserer sogenannten Szene nicht allzuviel Ansehen genießen, kann ich meine Sympathie zu den drei Hamburger Spaßvögeln nicht verheimlichen. Dies liegt nicht etwa an den immer mal wieder auftauchenden Singles, sondern vielmehr an der Konsequenz, mit der die Jungs ihr Ding durchziehen. Ein weiteres Produkt der Kategorie “konsequent” ist die “Hands on Scooter”-CD, auf der allerlei aus Funk und Fernsehen bekannte Künstler wie die Bloodhound Gang, Sido, Knorkator oder Alexander Marcus sich an Neuinterpretationen der Band versuchen. Doch leider bleiben die meisten in punkto Originalität und Glamour weit hinter ihren Möglichkeiten, was diese Sammlung eher zu einer Enttäuschung werden lässt. Das Gros der Mixe bewegt sich irgendwo zwischen belanglos, humorfrei und “Thema verfehlt”. Dennoch gibt es mit dem herausragenden “Hyper Hyper”-Mix von Modeselektor, der spektakulären “Friends”-Version der Klostertaler (!) und auch Andreas Doraus “Aiii Shot The DJ”-Interpretation einige liebhabenswerte Perlen mit an Bord. Und spätestens bei RAF & Superdefekts “Sexzwerg (Ich schwirre)”, bei der Schorsch Kamerun allerlei beachtenswert ins Deutsche übersetzte Texte zum besten gibt, darf man hier dann doch zugreifen. Trotzdem: da wäre noch weit mehr drin gewesen. (3/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Fussel - Planet Egmont (Zoikmusic 001)

Wenn in meinem Fach eine CD liegt, auf der ein Post-It mit der handgeschriebenen Notiz “Eine Herausforderung? Bitte rezensieren” klebt, könnte es einerseits daran liegen, dass das Obskuritäten-Paket an unseren Freund Hardmate schon verschickt ist und nur vergessen wurde, diese CD dazuzupacken, andererseits aber auch, weil sich nach einigen Jahren endlich herumgesprochen hat, dass auch ich manch seltsamer Musik nicht wirklich abgeneigt bin. Und ein erster Lauscher in das Album “Planet Egmont” des Duos Fussel zeigt: wir haben es hier mit dem richtigen Zeug zu tun. Erwachsenenquatsch für infantile Intellektuelle. Die ganze Reise beginnt mit dem Intro “Hello”, das so klingt wie ein Jahrmarkt in Farfisa-City, da drängt sich direkt der Vergleich mit Mambo Kurt auf, der sich angesichts dieser 22 grandios absurden akustischen Ungeheuerlichkeiten allerdings verschämt in seinen Keller verzieht, um dort heimlich zu lachen. Die Reise führt weiter durch C64-Gegenden, an Casiotone- und Nintendo-Albernheiten vorbei und findet sich immer mal wieder in arschcoolen Deichkind- und heimlichen Kraftwerk-Referenzen wieder. Grandios. Absurd. Gut. Böse. Intelligent. Debil. Alles drin. Da kann sich der Audiolith-A&R angesichts dieses Albums nur selbst in den Arsch beißen, weil dieses Knallerteil nicht bei seinem Label erschienen ist. Gut gemacht, Zoikmusic! Willkommen in meinen Jahrescharts! Ihr Witzbolde! (6/6) Sanomat

Irgendjemand in der Redaktion scheint meine Rezensionen doch zu lesen, denn kaum habe ich in der letzten Ausgabe eindringlich und unter Androhung von wüstem Schütteln darum gebeten, mir möglichst bald das Album auszuhändigen, liegt ebendieses nun auf meinem Tisch. Und es ist groß! Seit der oftmals als Album missverstandenen Doppel 12-Inch “Neon” hat sich im Hause anscheinend so einiges getan. Die Tracks kommen auf den Punkt, zerren an den richtigen Stellen an den Euphorie-Nerven der Hörer und bleiben auch mal verhalten, wenn großes Brimborium gar nicht von Nöten ist. Auf dem Album findet sich enorm viel Material für den Club; keine einzige Nummer, die in diesem Kontext nicht funktionieren würde. Dennoch sticht meines Erachtens insbesondere “Anti” besonders heraus, kaum ein Titel in Technoland verursacht derzeit nervösere Blicke und euphorischere Stimmungen auf der Tanzfläche. Doch ist es insgesamt eher müßig, die besten Stücke aufzuzählen, jeder wird hier mit Sicherheit seine Lieblingstracks finden – Potential dazu haben sie alle. Erwartungen voll erfüllt; ein Album zum Behalten und ich bin mir sicher, dass wir Treshers nun wirklich ersten Longplayer in allerlei Jahrescharts 2007 finden werden. (6/6) Sanomat

Mensch Harthouse, was macht ihr für Sachen? Da hat man mit Boris Brejcha wirklich eines der hoffnungsvollsten Talente an der Hand, der bereits letzten Monat für allerlei erstaunte Gesichter in der Raveline-Redaktion und bestimmt auch anderswo gesorgt hat – und dann veröffentlicht man sein erstes Album, das gespickt ist mit allerlei Überraschungsmomenten, derb groovenden und knarzigen Sequenzen, Soundexperimenten und einfach kickenden Tracks ALS MP3 ONLY?? Ich versteh es nicht. Bereits “Who Is Your Man” (HH17) und Brejchas Remix von Zoo Brazils “Stars In Your Eyes” (HH16) bringen wahrscheinlich nicht nur meine Plattennadeln seit einiger Zeit zum Glühen, da schreien die Tracks dieses 16 Stücke dauernden Albums doch geradezu nach Clubeinsatz per schwarzer Scheibe! Mit einem derartig gelungenen Album gebührt Brejcha einfach eine breite Aufmerksamkeit, die sich durch ein reines mp3-Release doch gar nicht erreichen lässt. Bleibt also zu hoffen, dass sämtliche DJs dieses Planeten von jetzt auf gleich auf digitales Mixing umsteigen, denn dieses Album muss einfach dort hin, wo es hin gehört: in den Club! Ich sehe schon enorme Verkaufssprünge bei Traktor, Serato und Co. (6/6) Sanomat

Natürlich würde ich nie auf die Idee kommen und schreiben: “Diese Kuh hat noch viel Milch”, aber nachdem das Trentemøller-Album auf Poker Flat so dermaßen die Runde gemacht hat und sogar mit der “Impala Silber” für 50.000 (!) verkaufte Einheiten ausgezeichnet wurde, drängt sich hier ein bisschen das Gefühl auf, man möchte noch mal mitnehmen, was man so kriegt. Denn wirklich neu ist hier kaum etwas, auf zwei CDs gibt es quasi eine Art Best-Of der gelungensten Songs und Remixes, manch eine Nummer, die bisher ausschließlich auf Compilations zu hören war ist auch dabei, und – okay – eine kleine Handvoll neuer Tracks gibts als Dreingabe dazu. Während auf CD 1 nahezu ausschließlich eigene Produktionen zu finden sind, die man zugegebenermaßen wirklich als herausragend bezeichnen muss, gibt es auf CD 2 einen bunten Blumenstrauß von Trentemøller-Remixen, die man zwar alle schon tausendmal gehört hat, aber wenn man sie trotzdem noch mal auf einen Blick haben möchte: bitteschön, da sindse. Um fair zu bleiben muss aber wirklich gesagt werden: CD 1 ist musikalisch mit das Beste, was in der letzten Zeit so veröffentlicht wurde, die gängigen Dance-Mixe auf CD 2 fallen dagegen leider ziemlich ab; vieles davon wirkt im Vergleich mit dem ersten Silberling geradezu banal. Ich würde mich wirklich über ein komplett neues Trentemøller-Album freuen, bis es soweit ist gebe ich mich allerdings auch mit CD 1 dieser Sammlung irgendwie zufrieden. (4/6) Sanomat

Ich kann mir nicht helfen, aber bei Robag Wruhme muss ich unweigerlich an den deftigen Eintopf denken, den sich die Freude-am-Tanzen-Crew auf einem der ersten Slices-DVD-Features schmecken lässt, während zeitgleich im Kölner Kompakt-Vertrieb von Wolfgang Voigt in den höchsten Tönen angepriesenes vegetarisches “Brainfood” serviert wird. Glücklicherweise steht die Fleisch-Gretchenfrage aber nicht zwischen Wruhme und Voigt, so dass auch dieses Release unbedarft von Köln aus in die Welt vertrieben werden kann. A propos vertrieben: Eben dies scheint Herr Schablitzki mit den letzten Zweiflern seiner Kunst getan zu haben, denn wer immer noch meint, aus “dem Herrn Oksen seine Feder” würden lediglich glitchige und manchmal etwas obskur anmutende Minimal-Tracks entfleuchen, dem sei gesagt: au contraire mon frère! Zwar gibt es hier und da auch mal ne 4/4-Bassdrum zu hören, aber im großen und ganzen wurde das Stil-Korsett im Schrank gelassen und Wruhme gibt sich seiner zweiten Leidenschaft hin – HipHop- und gebrochene Beats, letztere sogar so virtuos, dass der Vergleich zu Aphex Twin- oder gar Squarepusher näher liegt als man denkt. Zudem gesellt sich zu nahezu jeder Nummer eine geradezu ambientöse Stimmung, dass man das Album eigentlich gar nicht mehr aus dem Player nehmen mag. Und obwohl ich mir jetzt noch ein paar andere CDs anhören muss… Wruhmes Archiv genehmige ich mir danach sicherlich direkt noch mal. (6/6) Sanomat

Vor einigen Jahren, als ich noch einen anständigen Beruf hatte, habe ich mal Jean-Michels Erstlingswerk “New Medium Softpack” im Büro gespielt. Mein Kollege erzählte mir daraufhin, dass er mal mit besagtem Künstler zusammen in Münster studiert hätte. Jean-Michel wäre schon damals für seine außergewöhnlich harmonische und doch irgendwie schräge Musik bekannt gewesen. Aha, dachte ich mir, kein Wunder, das Album war ja auch super. Letztes Jahr bekam ich dann die Single “Das ist der Sommer” auf den Tisch gelegt, die ich ebenfalls hervorragend fand, ich aber weder in irgendwelchen Charts noch sonstwo erblicken konnte. Das war natürlich seltsam und schade, aber es wäre doch gelacht, wenn es Jean-Michel mit seinem neuen Album “The Audience Is Missing” (höre ich da einen Funken Sarkasmus heraus?) diesmal nicht gelingen sollte, sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, denn die hier gebotene Mischung aus Frickelelektronik, Hip Hop, Breaks und Ambient, ständig mit einem verschmitzten Lächeln in der Hinterhand, dürfte wirklich jedem zusagen, der seine Ohren nicht auf der letzten Hardstyle-Party an der Garderobe vergessen hat. Tolles Album (mit einem übrigens sehr schönen Artwork), das ich vielleicht auch mal meinem Kollegen von damals vorspielen sollte. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Hardfloor - The Life We Choose (Hrdflr)

Für Freunde der Düsseldorfer Zwirbeljungs fallen derzeit mal wieder Weihnachten und Ostern auf einen Tag, denn wie aus dem Nichts erscheint das neue Album der Herren Zenker und Bondzio namens “The Life We Choose”. Nun mag manch einer sicherlich gähnen: “Gähn, wieder nichts Neues, wieder nur das alte 303-Rumgeschraube, die typischen Hardfloor-Drums und die runtergepitchten Vocals.” Andere dagegen werden laut jubeln: “Hurra! Endlich wieder das geliebte 303-Rumgeschraube, die typischen Hardfloor-Drums und die runtergepitchten Vocals!” Man mag es also auch mit diesem Album wieder halten wie ein Dachdecker, Fakt ist aber, dass auch die neue Hardfloor-Platte locker die Standards der vergangenen Releases erreicht, einige Hits sind wieder an Bord, andere Tracks sind melodisch-harmonisch wie zu den besten 90er-Jahre-Zeiten und auch eine Downbeat-Nummer in bekannter Dadamnphreaknoizphunk-Tradition darf sich ins Ohr einkuscheln. Während auf dem letzten Album “4 Out Of 5 Aliens Recommend This” noch der Chicago-Ansatz deutlich zu erkennen war, geht es hier insgesamt wieder deutlich technoider zur Sache. Parallel erscheint das Album übrigens in drei zeitlich versetzten 12″-Ausgaben und wer schon immer ein Faible für Zenker & Bondzio oder Acid allgemein hatte, muss definitiv zugreifen. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

LCD Soundsystem - Sound of Silver (DFA / EMI)

Darauf habe wahrscheinlich nicht nur ich halbe Ewigkeiten gewartet. Das neue Album der Kapelle um James Murphy liegt nun endlich vor mir und ich bin total heiß, das Ding das erste mal zu hören. Also rein damit! Sound of Silver fängt genau da an, wo das erste LCD Album aufgehört hat. Der Sound ist immer noch herrlich roh und ungeschliffen, oft wie eine gute Party in irgendeiner altehrwürdigen Discothek, in der schon mein Vater seine Kumpels zu psychedelischer Rockmusik unter den Tisch getrunken hat. Und was beim ersten Album teilweise noch wie ein nicht ganz ausgereiftes Experiment wirkte, ist hier durchgehend rund und ausgearbeitet. Schweinefunkrock-Nummern wie das fast schon legendäre “Daft Punk Is Playing In My House” gibts natürlich auch wieder, Highlights sind die aktuelle Singeauskopplung “North American Scum” oder das stellenweise stark an “Yeah” erinnernde “Us v. Them”. Kickt Arsch, rockt Haus. Zwar gibts zwischendurch auch den ein oder anderen Track, der alles andere als aufregend vor sich herplätschert und haarscharf an der Belanglosigkeit vorbeischlittert – siehe “Someone Great” oder “All My Friends” – doch am Ende versöhnt die irgendwie unbeholfene aber doch schräg-schöne Ballade “New York, I Love You But You´re Bringing Me Down” Kritiker und Befürworter. Alles in allem zwar keine Offenbarung aber irgendwie doch genau das, was man eigentlich erwartet hat. (4/6) Sanomat

Nach zwei beachtenswerten 12-Inches und mehreren Compilation-Beiträgen auf dem Kölner Kompakt-Label, ist es für den “schwedischen Vollsympathen” (O-Ton Presseinfo) Axel Willner, der sich hinter The Field versteckt, an der Zeit, ein Album vorzulegen. Dieses schwebt federleicht und nur mit rudimentärer Drumunterlegung (meistens reicht ein Pattern, welches ohne große Variationen bis zum Ende geloopt wird) durch den Raum und während sich anfangs noch ein Klangteppich auf den nächsten legt und man schon fast das Wort “Ambient” in den Mund nehmen will, geht es mit zunehmender Spielzeit auch etwas direkter zur Sache. Acid-Sequenzen geben sich die Hand mit clubkompatibleren Nummern, die mal ravig, mal verträumt und doch immer in einer ähnlichen Grundstimmung durch die Atmosphäre fliegen. Insgesamt ist der Sound von The Field zwar sehr markant und für zwischendurch wirklich okay, jedoch ist mein Ohr spätestens nach vier Tracks am Stück unangenehm verklebt und lechzt wieder nach Monotonie. (3/6) Sanomat

Sollte Holden wirklich genial sein? Sollte er uns vielleicht alle nur verarschen wollen? Ich bin mir da wirklich nicht so sicher. Das Album erfüllt zwar zu 100 Prozent die Erwartungen, die man an ein Holden-Album stellt – aber mal ganz im Ernst: sind wir uns darüber im Klaren, was wir erwarten und: wie gehen wir damit um, wenn wir dann auch genau das bekommen, was wir erwarten? In anderen Worten: das Album ist unheimlich kaputt, verfrickelt, ausgeklügelt, kalt, steril, autistisch und seiner Zeit wahrscheinlich einfach nur weit voraus. Die Zukunft des Minimal? Ist das überhaupt noch Minimal? Interessiert das überhaupt jemanden? Ich will nicht wissen, wie lange Holden wie paralysiert vor seinen Geräten saß um derartig wirres Zeug zu produzieren, insgesamt aber wohl nur ein Bruchteil von dem, was ich brauche, um dieses Album komplett zu verstehen. Zehn Tracks (inkl. einem 2:05 min langen Nullpegel namens “Intentionally Left Blank”), mal nachvollziehbar angenehm, mal nervig brachial, mal vollkommen durch und daneben – und dann ist es plötzlich vorbei. Kein Outro, keine einlullende Versöhnungs-Nummer, nix. Und man wird wieder allein gelassen mit der Frage: Was war das denn jetzt? Sorry, ich weiß es gerade nicht. Bitte tragen Sie Ihren Punktevorschlag hier ein: _ _ _ _ _ _ [Sanomat]

Zwei Wochen haben sich die Genfer Kollegen Lee van Dowski und Quenum mit ihrem Equipment in eine einsame Hütte in den Alpen begeben um dort vollkommen abgeschottet von Umwelt und Umfeld intensiv ihrer Albumproduktion nachzugehen. Herausgekommen sind elf Tracks, angefangen von gefälligem, atmosphärischen Minimal-Tech, über verspulte, aber dennoch tanzbare Klangexperimente, bis hin zu oldschooligen Build-Rockern wie das direkt nach vorne gehende “Little Doll Chaos Pounce Upon Option Assault Reverberation”. Was für ein Name. Gegen Ende wird Tempo und Roughness wieder etwas zurückgeschraubt und die melancholisch-schönen Nummern “Thomas Edison Invents The Lazy Dance” sowie “Dune” schicken einen letzten, leicht wehmütigen Gruß aus den Höhen der Alpen. Da mag man gerne zurückwinken, aber Abschied nehmen ist in diesem Fall ja leicht zu verkraften – ein Druck auf die Repeat-Taste und man darf sich erneut auf diese akustische Alpenreise begeben. Sehr gerne. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Alter Ego - Decoding The Hacker Myth (Klang)

Nachdem “Transphormer” jetzt endgültig abgefrühstückt zu sein scheint, wagen Elling und Wuttke den Blick zurück und bringen – quasi als Dienst am Kunden? – ihr bereits vor zehn Jahren erschienenes Album “Decoding The Hacker Myth”, welches damals noch auf Harthouse erschienen ist, neu auf dem Klang-Imprint heraus. Das vermutlich nicht nur, um sich damit noch mal ordentlich die Taschen voll zu machen, sondern auch denjenigen dieses Stück elektronische Musikgeschichte zugänglich zu machen, die Alter Ego erst seit “Rocker” kennen. Doch aufgepasst, liebe Raver! Hier gibts nicht etwa ekstatischen Bumm-Bumm-Fiep-Fiep-Bratz-Sound, sondern feinste Listening-Electronica mit deutlich reduziertem Tempo. Nichts für den Club, aber für lauschige Stunden zu Hause oder in der Ausnüchterungszelle kann sich “Decoding The Hacker Myth” zu dem idealsten Begleiter entwickeln. Angesichts der Tatsache, dass das Album schon zehn Jahre alt ist, muss man wirklich seinen Hut vor dem Duo Flügel/Wuttke ziehen, denn auch heute noch klingt das Material absolut unverbraucht und wie eine musikalische Vision der Zukunft. Wers nicht kennt, sollte zugreifen. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

The Separatists - Akilak [Soma]

Nach drei 12-Inches ist es für die Separatists, bestehend aus Soma-Legende Percy X, Marco Bernardi und John Hospital, an der Zeit, einen kompletten Longplayer vorzulegen, der dieser Tage bei dem britischen Label erscheint. Der in letzter Zeit etwas in den Hintergrund getretene Bumm-Tschak-Elektro scheint für die drei Klangtüftler der Sound der Stunde zu sein, allen voran hastet das nervöse “Circuit Dancer” durch den Gehörgang, doch auch Minimal und Detroit sind Schlagworte, die man auf viele der insgesamt 11 Tracks anwenden kann. Mit dem housigen und doch fast grenzdebil sirenenden “Audiomer” oder dem zappelnden “Bug Rider” hat man zudem zwei regelrechte Bomben am Start, die sich auf den Dancefloors dieser Welt übermächtig ausbreiten werden und dies teils durch massiven Support von DJs wie Holden oder Garnier auch schon getan haben. Früher hätte man “Brett” gesagt, heute sag ich: massiver Feiertechno und eine weitere gelungene Veröffentlichung aus dem Hause Soma. [5/6] Sanomat

Stefan Gubatz

D.Diggler - Em.Pulse (Resopal)

Das 2002 erschienene Album “Sounds Fiction” Hanauers Andreas Mügge aka D.Diggler kann ich mit Fug und Recht zu meinen Lieblingsalben der letzten Jahre zählen. Dementsprechend gespannt war ich, ob der hohe Standard auch auf dem neuen Longplayer gehalten werden kann. Kurze Antwort: auf jeden Fall! Allerdings hat sich soundmäßig so einiges getan, was erst mal nicht jedem gefallen dürfte. Weg vom großen Hände-in-die-Luft-Techno, ekstatische Breaks sucht man vergebens und effektgehascht wird sowieso nicht mehr. Dafür heißt das neue Zauberwort nun: Minimal. Jedoch im höchst positiven Sinne, denn Mügge geht es weniger um das momentan so angesagte Geklackere, sondern spielt die Reduziertheit im fließenden Arrangement voll aus. Klare Hinhörer sind dabei die vielen ausgeklügelten organischen Sounds im Hintergrund, die oft den Eindruck von geheimnisvollen Tieren geben, die emsig ihre Arbeit verrichten. Die CD kommt wie auch schon bei dem letzten Dritten-Raum-Album auf Resopal als One-Go-Mix und ich muss sagen, seit Pascal Feos´ Synaptic habe ich kein so stimmiges und in sich geschlossenes Album gehört. [6/6] Sanomat

Stefan Gubatz

Kaito - Hundred Million Light Years (Kompakt)

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Das mittlerweile dritte Album von Hiroshi Watanabe alias Kaito auf Kompakt ist kurz gesagt wunderschön. Es scheint allgemein der Monat der großen Emotionen für Kompakt zu sein, denn genauso wie SCSI-9 gibt sich Kaito auf seinem Album bedingungslos den schummrigsten Flächensounds hin, die zwar oft ganz kurz davor stehen zu kleben und wenn man genau hinsieht, kann man sogar schon die ersten Delphinflossen am Horizont entdecken. Kaito kann aber jedes mal das Ruder herumreißen, lässt seine Songs glitzern und flackern und beschert dem Hörer 74 Minuten Musik wie eine warme Decke, die auch im Sommer in dunklen Momenten einzuwickeln vermag. (5/6) Sanomat

Stefan Gubatz

SCSI-9 - The Line Of Nine

Ein guter Monat für Albumformate auf Kompakt. Die Moskauer Produzenten Anton Kubikov und Maxim Milutenko alias SCSI-9 machen den Anfang und legen einen einlullenden Longplayer voll wabernder Flächen und verhallten Geräuschen vor, der sich auf Anhieb einen Stammplatz in meinem abendlichen Musikprogramm erspielt hat. Ungemein dichte und atmosphärische Ambient-Techno-Tracks, tolle Harmonien und geradezu niedliche Melodien machen die 12 Tracks zur ersten Wahl wenns um einen netten Abend mit der Freundin oder nur ums entspannte Chillen am Morgen geht. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Ricardo Villalobos - Salvador (Frisbee Tracks)

Obwohl Ricardo ja in letzter Zeit gerne mal von diversen Leuten und durchaus auch Magazinen liebevoll aufs Korn genommen wird, ist doch seine Musik in den meisten Fällen über alle Zweifel erhaben. Auf seinem neuen Album “Salvador”, das eigentlich gar kein wirkliches neues Album ist sondern in erster Linie längst vergriffene Frisbee-Tracks-Releases von 1998 bis 2001 featured, zeigt er sich erwartungsgemäß von seiner besten Seite. Begrüßt wird man von einer gelungenen Neubearbeitung seines Hits “Que Belle Epoque”, wird dann vorbei an klickernden Perlen und rockenden Minimalstompern geführt und letztendlich mit dem ganze fünfzehneinhalb Minuten langen “Electrolatino”-Remix des Sampleschlitzohrs Senor Coconut bekannt gemacht. Was bleibt einem mehr zu sagen? Ricardo-Fans werdens lieben und alle anderen sollten dringend mal ein Ohr riskieren. (6/6) Sanomat

Ihr denkt, ihr kennt Acid? Ihr kennt gar nix. Die Dirty Criminals alias Traxx und Deecoy quälen ihre 303s als gäbe es kein Morgen. Ein Album wie ein orgiastischer Live-Act in dem dreckigsten Kellerclub der Welt - Nebelmaschine, Strobo, wummerndes Soundsystem, mehr braucht es nicht, um den verstrahlten, gröhlenden Säurejunkies zu zeigen wo der Hammer hängt und ihnen das volle Oldschool-Paket aus 303, 808, 909 und ein paar anderen Vintage-Drummachines um die Ohren zu ballern. Der Infotext bringt es auf den Punkt: In a word this is SICK! Nur geil. (6/6) Sanomat

Stefan Gubatz

Neoangin - Scratchbook (Lieblingslied Records)

Jetzt liegt das neue Album von Jim Avignon alias Neoangin vor mir und ich kann meine Begeisterung kaum verbergen, was nicht nur an den geradezu schnuckeligen und umarmungswürdigen 26 Klimperpop-Perlen liegt, die jedem noch so grummeligem Griesgram auf Anhieb ein wunderschönes Lächeln ins Gesicht malen sollten, sondern auch an dem was-weiß-ich-wie-viel-Seiten-starken Buch mit Skizzen, Grafiken und Bildern des omnitalentierten schnellsten Malers der Welt. Hurra, nun muss ich nicht immer in dieser Mexikanischen Bar in Köln sitzen, mir wehmütig die tollen Bilder an der Wand angucken und denken: ach, ich hätte doch so gerne… Ja, natürlich bin ich höchst voreingenommen und zudem ein verdammter Fanboy, aber was solls? Absoluter Pflichtkauf - oder noch viel besser: lasst Euch das Scratchbook schenken, verschenkt es selber, habt es lieb und lasst es nie wieder los. Herzlichst. (6/6) Sanomat

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